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Vorschau: Hertha BSC Berlin – 1. FC Nürnberg (10. Spieltag 06/07)

Ok, ich kapituliere, diesmal doch ein Unentschieden-Tipp – mein gebetsmühlenartiges prognostizieren des nächsten Club-Siegs hat mir beim Fanduell schon wertvolle Punkte gekostet.

Hertha ohne drei (Dardai, Bastürk und Okoronkwo) wird es schwer haben, vor allem Bastürk wird als Ideengeber gegen die gute Defensive der Nürnberger fehlen. Dort allerdings muss man umstellen, mit Wolf fällt ein Glied des bisher sehr stabilen Deckungsverbunds aus. Kandidaten sind Nikl, Paulus oder Beauchamp. Für die Clubberer die größte Frage: Spielt Mintal? Nachdem Meyer zuletzt durchblicken ließ, dass – abgesehen von der fehlenden Top-Form des Club-Angreifers – er vor allem nicht so richtig ins System passt, würde wieder ein Platz auf der Bank übrig bleiben. Es sei denn Meyer stellt auswärts auf eine 4-1-2-1-2-Raute um, mit Mintal als offensiven Mittelfeldspieler hinter den Spitzen.
Wie dem auch sei, Hertha wird sich nach der Niederlage gegen Cottbus keine Heimniederlage erlauben wollen, um das launische Umfeld nicht sofort wieder lodernd zu haben, ergo wird man lieber einen Punkt behalten als eine Niederlage zu riskieren. Nürnberg wiederum kann mit einem Zähler, auch wenn dies dann endgültig zur Langweile verkommt, mehr als gut leben. Und da auch letztes Jahr das 1:1 stand – da liegt das einfach nahe.

Aber machen wir mal den Blick über den Tellerrand: Am Sonntag trifft Mönchengladbach in Frankfurt auf die Eintracht und mit Gladbachs Trainer Jupp Heynckes kommt es zu einem Wiedersehen, das seitens der Fans der Heimmannschaft nicht allzu herzlich sein dürfte.
Viele Frankfurter schieben “Don Jupp” die Verantwortung für den Untergang einer erfolgreichen Eintracht-ßra in den 90ern zu, als mit Yeboah, Möller und Okocha drei Ausnahmekönner in den Reihen standen. Heynckes Streit mit einzelnen Spielern eskalierte und die Mannschaft zerbrach. Vielleicht kein Ruhmesblatt in der Akte Heynkes, wobei meiner Ansicht nach der eigentliche Untergang dieser goldenen ßra schon vor Heynckes stattfand oder ihre Wurzeln hatte. Und das eigentliche Problem hieß ßber- bzw. Hochmut.
Dieser Hochmut kam vor dem Fall, ein Hochmut, der in der Spielerrevolte später den Höhepunkt hatte, der aber mit dem Ausspruch Toppmüllers verbunden wurde, als er in der Pressekonferenz – angesprochen auf den damaligen Vorsprung als Tabellenführer – lakonisch “Bye Bye Bayern” fallen ließ. Das war die Saison 1993/94 und die Eintracht spielte brilliant und hatte am 15. Spieltag 5 Punkte Vorsprung auf München und ein Torverhältnis von 24-6. Yeboah war drauf und dran auf Gerd Müllers Spuren zu wandeln.
ßbermut gab es auch und und das bescherte den Fans atemberaubende Momente, wie der Tanz Okochas gegen Kahn (damals KSC) – die Fans träumen heute noch davon.
Am Saison-Ende wurde man nur noch 5. und Toppmüller war gegangen (worden). Heynkes beerbte ihn (nach Interimscoach Körbel) und suspendierte im folgenden Jahr Okocha, Yeboah und Gaudino wegen Disziplinlosigkeiten. Körbel ersetzte Heynckes noch während der Saison und konnte den totalen Absturz gerade noch vermeiden, doch 1996 endete die Katastrophe dann doch mit dem ersten Abstieg der Eintracht aus der Bundesliga. Das Tal des Leidens begann.
Im Tor damals übrigens ein alter Bekannter des Club: Andi Köpke. Der damit zwei Abstiege (1994 Nürnberg, 1996 Frankfurt) hintereinander mitmachen durfte.

Frankfurt und Nürnberg verbindet doch einiges, wenn auch keine Liebe. Das launische Umfeld, immer zwischen Euphorie und Tristesse verbunden mit dem ewigen Anspruch doch irgendwie noch immer ein nur unglücklich und temporär verirrter Top-Club zu sein wird man nicht los. Bei Frankfurt muß man wenigstens nur 10 Jahre zurückdenken, dass das aber lange anhalten kann zeigt der Club, da sind die ruhmreichen Jahre 40 Jahre zurück.

     

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