1. Spieltag: Heimniederlage gegen Karlsruhe

Also Begeisterung sieht anders aus.
Hier der zweite Bericht zum Spieltag, Stefan hat ja seinen bereits unter den Titel »Blazek oder Patzek« gestellt. Da ich aber mal wieder Gelegenheit hatte ein Heimspiel zu besuchen, schreib ich auch noch was zu.
Subtitle: »Saubled glaufn«
Das Wetter war prima, das Stadion ausverkauft. Friedliche Fanmassen drängten sich mit uns zusammen vom Hauptbahnhof in S-Bahnen, die entgegen des digitalen Informationssystems der Bahn auf anderen Gleisen abfuhren – Alltag eben, wenn das die einzigen Sorgen des Tages gewesen wären, wäre alles ok gewesen.
Der Hauptsponsor verteilte 30.000 Fähnchen mit Aufdruck “Pokalsieger 2007″ – Vorfreude machte sich breit. Die erste ßberraschung die Aufstellung, aber weniger die Namen denn mehr die Formation. Nominell las es sich so: Blasek – Reinhardt, Beauchamp, Wolf, Kristiansen – Engelhardt, Galasek – Misimovic – Saenko, Vittek – Charisteas. Meyer hatte aber wohl anderes im Sinn. Zwar las man in Medienberichten, Beauchamp sei zum Manndecker des KSC-Spielmachers Hajnal abgestellt und Galasek solle Innenverteidiger spielen, doch aus meiner Warte spielte Galasek die Rolle des ehemaligen Club-Kapitäns Cantaluppi: Libero
Verwundert hat mich das nicht, schließlich war die Abwehr zuletzt sehr wacklig und die Libero-Variante setzte Meyer einst in Zeiten massiver Sorgen ein um Stabilität zu gewinnen. Aber irgendwie ging alles schief.
Galasek fehlte im Mittelfeld, Misimovic spielte daraufhin zu weit hinten im zentralen Mittelfeld worauf die Ablagen von Charisteas, wenn es denn welche gab, keinen fanden, da keiner dahinter war. Vittek wollte das wohl kompensieren und zog von Rechtsaußen stark in die Mitte, wodurch aber die rechte Außenbahn verwaiste und Reinhardt da nicht reinstoßen konnte oder durfte oder wollte. Links stand Saenko total neben sich, was vielleicht am Ex-Bayern Andreas Görlitz lag, vielleicht aber auch an irgendwas anderem. Jedenfalls klappte fast kein Dribbling, fast keine Ballannahme und Flanken und und und … er wirkte wie mit Blei an den Füßen, vertendelte und verspielte reihenweise Bälle. Kristiansen wollte es offensichtlich offensiver machen als Reinhardt und suchte den Weg nach vorne auf der Außenbahn, allein das Zusammenspiel mit Saenko klappte eben nicht und so war des öfteren plötzlich links hinten alles offen, was der KSC meist nicht nutzte oder vom umsichtigen Galasek gemeinsam mit Beauchamp korrigiert wurde. Dann wechselte Vittek und Saenko die Seite und das Unheil nahm seinen Lauf. Saenko – nun auf rechts – zog in die Mitte und suchte irgendwen mit einem Grotten-Pass, der KSC fing selbigen dankbar ab, spielte auf die immer noch offene linke Abwehrseite, dort ging es bis zur Torlinie, Flanke in die aufgerückte und nun unsortierte Abwehrgemeinschaft, Parade, Latte, Abstauber, 0:1 in der 45. Minute.
Auch Meyer sah das wohl ähnlich und nahm Saenko in der Pause direkt raus und verordnete den offensiven Kristiansen auch die dafür angemessene Position im linken offensiven Mittelfeld. Jacobsen sollte das Loch zumachen. Vittek klebte nun plötzlich auf der rechten Bahn – vielleicht auch das das Ergebnis einer ähnlichen Sicht der Dinge durch Meyer. Doch das Ergebnis war noch weniger Erfolg versprechend. Das Spiel zerfahren. Der KSC konzentriert und ohne Ambitionen nach vorne. Meyer hatte nach 60 Minuten genug, brachte für den (für mich! andere Medien sahen ihn als einen der Lichtblicke) blassen Misimovic Mintal um das ewige Loch hinter Charisteas zu füllen und nahm benannten Stoßstürmer auch gleich mit vom Feld für Kennedy. Es gab spürbar einen Ruck auf Feld und Tribüne. Nun kamen die Flanken, der KSC wackelte, Kennedy rackerte und beschäftigte die gesamte Innenverteidigung, Mintal schoß und drückte von hinten. Das 1:1 da nur eine Frage der Zeit. Dann wieder ein ganz übler Spielverlauf. Vorne knapp gescheitert, hinten wieder auf links offen, schwacher Querpass des Karlsruhers, Blazek hechtet nach dem Bällchen und … läßt ihn aus der Hand nach vorne rutschen. Hajnal staubt wieder ab zum 0:2. Danach bracht der Club erst ein und fand nicht mehr zurück. In dieser Phase hätte es wie gegen Schalke wieder ein paar mehr Tore geben können. Warum dann Hajnal wegen der zwei Abstauber bzw. dem halben Eigentor laut kicker zur Elf des Tages gewählt wird, ist mir unbegreiflich – besser hätte man nicht dokumentieren können, dass am Ende nur der Erfolg zählt, nicht aber die Art und Weise.
Mein Fazit: Unser Club war die klar bessere Mannschaft, ließ sich aber durch eigene Fehler und Zufälligkeiten aus der Bahn werfen. Der KSC spielte schwach, nur auf Konter aus und hätte nach wenigen Minuten mindestens 1:0 hinten liegen müssen, entweder durch Vittek, der es schaffte den ersprinteten Rückpass am leeren Tor vorbei zu schieben, oder durch Charisteas, der aus wenigen Metern halbrechts lieber mal den Pass auf Verdacht in die Mitte spielte statt mit Schmackes zu versenken. Der Club hat einfach noch keine Balance im neuen Team, das mit Misimovic eindeutig offensiver ausgerichtet ist. Aber sobald einige Spieler formschwach “ausfallen” oder ihre Positionen nicht 100% interpretieren, verliert die Mannschaft die Ordnung. Galasek als Libero brachte zwar Ruhe, aber fehlte als Antreiber – zudem wäre der KSC freiwillig eh nicht über die Mittellinie gekommen.
Charisteas und vor allem Blazek nun zum Buh-Mann zu machen wäre fatal. Die Abstimmung fehlt, die Sicherheit. Blazek jedenfalls fehlte letzteres in vielen Szenen und wirkte von Beginn an bei hohen Bällen und in der Strafraumbeherrschung unsicher. Charisteas konnte sich nur selten durchsetzen, fand keine Mitspieler und zeigte Probleme im technischen Bereich – und “elegante Ablagen” mit der Hacke sind zwar im Ansatz technisch versiert und überraschend, überraschten aber auch eher die Mitspieler.
Nein, der KSC ging unverdient in Führung und dieses 0:1 war ein Tiefschlag, das 0:2 der KO. Dennoch zeigte das Spiel, dass der Club gewillt ist einen Schritt nach vorne zu machen, aus einer eher “reagierenden” Mannschaft zu einer “agierenden” spielbestimmenden Mannschaft zu werden. Der Weg dorthin ist aber ganz offensichtlich sehr sehr steinig. Fans und Umfeld sollten Geduld bewahren und Meyer ebenso vertrauen, wie Blazek und Charisteas die Zeit geben sich zu finden. Sie jetzt schon zu Fehleinkäufen zu stempeln wäre fatal, auch wenn nicht zu übersehen war, dass Mintal und Kennedy weit mehr Schwung brachten als Misimovic und Charisteas. Ich selbst war etwas verwundert, warum Meyer nicht auf 4-4-2 mit Raute in der Pause umstellte. Vittek und Charisteas nebeneinander nach vorne. Misimovic nach rechts für Engelhardt, Galasek wieder auf die 6, Kristiansen nach links und Mintal hinter die zwei Spitzen.
Aber noch ein Wort zu den Fans: Eigentlich war ich ein wenig enttäuscht (sich selbst eingeschlossen). Zwar war der Geräuschpegel im Stadion konstant hoch, klaren Support vermisste ich aber. Die eindeutig prägnantere Unterstützung kam von den KSC-Fans und im Zeiten höchster Not verfiel der Club-Fan wieder in Lethargie. Erst in der Drangphase nach der Hereinnahme von Kennedy und Mintal gab es kurz eine Welle der Anfeuerung, die aber mit dem 0:2 sich schnell erübrigte. Danach hätte es fast Pfiffe gegeben – und das wäre eben genau das falsche Zeichen und würde nur die befürchtetetn überzogenen Erwartungen bestätigen! – Laßt die Mannschaft erst mal zusammenfinden. Keine zu frühen Urteile, auch wenn man meint, dass Charisteas gerade alle Vorurteile zu bestätigen scheint. Ich denke Meyer findet schon noch einen neue Balance (und eben NICHT die alte!).
Wir sind auf einem richtigen Weg. Aber alle Warnungen vorher vor einem schweren Schritt und eine harte Saison sind eben berechtigt gewesen. Wir Fans müssen da ruhig bleiben und helfen. Meine Meinung.
Tags: Bundesliga, Karlsruher-SC, Spieltag


[...] 1. Spieltag: Heimniederlage gegen Karlsruhe Ein Satz, der schon alles zusammenfasst: “Also Begeisterung sieht anders aus.“. Dem Club erging es ähnlich wie den Dortmundern. Der Club war zwar besser, aber am Ende gewinnt der … ( oh, bitte keine Phrase hier! )… [...]
Ein sehr schöner und durchdachter Kommentar dem ich mich eigentlich zu 100% anschließen kann.
aber es is glaub ich in jedem anderen stadion so das wenn in der 70/75ten das 2:0 fällt die fans nur noch schwer zu motivieren sind.jedenfalls am 1ten spieltag gegen den aufsteiger weil man ja weiß das das auftaktprogramm eben KEIN zuckerschlecken ist.