Der Verlust der Fußballromantik
ßber Fußball-Transfers und Geld und eigentlich alles
Stefan von Blog-G fordert Planungssicherheit, weil die Transferschiebereien nicht mal nach Saisonbeginn enden wollen und bis Ende August noch ganz offiziell die Gazetten beschäftigen. Geht Van der Vaart oder bleibt er? Kriegt Hertha noch die erhofften 27 Neuen? Darf Magath doch noch versuchen Kaka nach Wolfsburg zu locken, macht dann beim nächsten Golf pro Zulassung handgeschätzte 75 Euro Aufpreis wenn man das auf drei Jahre ‘abschreibt’. Zahlenspielereien.
Also die Fluktuation der Mannschaften ist schon krass und gerade am Beispiel Hertha und auch dem HSV sieht man, was das für bunte Blüten treiben kann. Da hat die Mannschaft die Vorbereitung hinter sich und bei Hertha fehlen angeblich immer noch 5-10 Mann (mindestens!) im Kader! Und der HSV hat sein ganzes Spielsystem auf einen Mann ausgerichtet, seines Zeichens auch noch Kapitän, und dann schicken so Spanier mal so ein Fax mit ner Mio-Summe drauf, so frei nach dem Motto “und jetzt schreibe ich ihnen mal eine Zahl auf einen Zettel und dann sagen sie mir was dazu”. Hat er, der Beiersdorfer, und ziemlich deutlich wohl und der Rafael ist deshalb sauer, weil man ihn nicht gehen lassen will. Die sind aber auch “echt gemein” beim HSV. Hätten ja noch gut 2 Wochen im laufenden Spielbetrieb um woanders für Ersatz wildern zu gehen. Na die werden alle auf den HSV warten um dann wiederum ihren Spielmacher abzugeben. Aber am Ende werden sie ihn doch ziehen lassen, die Hamburger, wartet nur ab.
Planungssicherheit … ja, das wäre schön. Wenigstens ab Spielbeginn. Aber die Wahrheit sieht anders aus, denn verhandelt wird auch zwischendurch, wie die Bayern mit Klose angeblich kurz vor nem wichtigen Europapokalspiel. Wenn’s um Geld geht, ist schon klar, was jucken da schon Verträge und Regeln.
Ist die gleiche Frage wie beim Doping: Soll man den Kampf gegen Windmühlenflügel aufnehmen oder einsehen, dass es alles keinen Sinn macht, weil man es nie kontrollieren kann. Man kann die Spieler ja nicht kasernieren und ihnen während der Saison (respektive ihren Beratern) die Handys wegnehmen.
Und so würfelt es sich so bis zum 10. Spieltag in die Saison, bis auch die letzten Namen der Mitspieler halbwegs verinnerlicht wurden. Und dann ist ja auch bald Winterpause und das ganze geht von vorne los.
Also mir war die Romantik früherer Tage lieber. Da spielte ne Mannschaft manchmal über Jahre in der gleichen oder ähnlichen Formation (so mein Eindruck damals). Und wenn einer mal wohlverdient ins Altenteil wechselte, erst dann wurde ein neuer geholt oder einer etabliert, der mit langer Hand aus der Jugend rangeführt wurde. Heute trubeln Superstars mit je einem Länderspiel einer südamerikanischen Nationalelf ein, ein scheinbar nie endender Strom wie die Dukaten aus dem Goldesel. Und wer sich das nicht leisten kann, den brasilianischen Zweitliga-Gott für 8,5 Millionen Euro, zahlbar an eine Finanzgruppe auf den Bahamas mit Sitz in Sri Lanka, zu verpflichten, der stöbert im Balkan oder so und präsentiert dann Namen wie Malealov Botitschkov, oder so ähnlich, die moldawische Antwort auf Zidan. Aber die Gelder sind dann wenigstens im Lokus außer Landes. Schlimmer sind die Gelder, die ins Land fließen und damit die ganze Liga durcheinanderbringen, weil zum einen die eigene Mannschaft durcheinander ist und zudem mit dem plötzlichen Reichtum bei den Mitbewerber gewildert wird.
Und weil alles eh schon so schön monetär ist, will Rummenigge nun noch viel mehr Geld um das Spiel ganz oben mitspielen zu können. 70 Mios .. pah, das gibt doch schon mal ne Mitläufermannschaft in England aus und das ohne groß ein Faß aufzumachen, las ich irgendwo. Wir brauchen richtig Geld und wenn man dafür Fußball im freien Fernsehen erst nach 22:00 Uhr sehen sollte, weil sich das Die-deren-Gebete-erhört-wurden sich auch richtig was kosten lassen würden fürs Pay-TV, dann muss man das halt auch mal verstehen. Ok… gut … dann können die Kids halt kein Fußball mehr gucken und langfristig verlieren die vielleicht wieder die gerade erst wieder entflammte Klinsmannsche Begeisterung .. aber hey! Man muß auch mal an sich selbst denken.
Also ich würde nicht einsteigen bei PayTV. Ich glaube, käme es soweit, dann würde ich dem Fußball den Rücken zudrehen. Nicht sofort, aber langsam und stetig. Würde dann vielleicht noch im Radio mitzittern, solange das noch ginge. – So wie mich die Champions League schon nicht mehr interessiert und ich letztes Jahr maximal 1 oder 2 der im Free-TV übertragenen Partien verfolgte. Einfach ausgeblendet und nur kurz gefreut als die Bayern ausschieden (natürlich begleitet vom gebotenen wehmütigen Blick auf die so verschlechterte europäische Bilanz).
Nö, ich muß die Superstars nicht haben, gibt eh zu viele “angebliche” darunter. Mir wären gewachsene Teams lieber. Und die meisten Fans denken ähnlich. Natürlich versteht man die Macher, dass da oben noch ein paar Prozent mehr rauszukitzeln wäre an Sponsoreneinnahmen und TV-Geldern, dass man im Marketing-Bereich noch so manche Goldmine entdecken könnte, aber man darf dabei nicht die Basis vergessen, das Fundament, die echten, die langjährigen Fans mit Einmal-Regionalliga-und-zurück-Hintergrund. Die, die sich mit Leib und Seele dem Support des Teams verschrieben haben und sich richtig Mühe machen mit Choreographien und Fangesängen, aber auch die, die durch dick und dünn auch bei Regen im Mittelfeld der 2. Liga nach 5 sieglosen Spielen ins Stadion schleppten, oder eben auch die, die sich in Blogs die Finger wund schreiben über ihren Verein.
32 Euronen kostete mein mittelmäßiger Sitzplatz fast ganz oben und mit Tuchfühlung zum Gästeblock in Nürnberg. 32 Euro, pro Mann. Dazu noch dann Fanartikel und Monatsgebühren für TV-Berichterstattung? Ich glaube, hier wird gerade das Maß ein wenig überzogen.
Fußball ist und sollte es auch bleiben: Volkssport
Aber das Volk ist doch da. Zuschauerrekorde allerorten, gigantische Einschaltquoten, und die nächste EM wird wohl größtenteils auf den Marktplätzen der Republik stattfinden. Das Volk macht das ganze Heckmeck doch mit, bezahlt eben die 32 Euro für eine Mannschaft, die mit ihrem Stadtnamen nur noch den gleichen Spielort gemein hat und zu einem gewissen Teil nicht mal mehr die gleiche Sprache wie die Einheimischen spricht.
Die meisten Fans stehen doch auf Fluktuation, solange Hochkaräter kommen und gehen – “Langeweile” wird dadurch immerhin vermieden. Immer mehr, immer besser, immer teurer. Und solange, wie nicht ein bestimmter Anteil von Fans für sich entscheidet “hier wird gerae das Maß überzogen” und als Schlussfolgerung lieber die Verbandsliga besucht, solange wird das Profifußballrad sich weiterdrehen.
Immer weiter.
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