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Morgen Heimsieg

„Morgen Heimsieg“, rief mir jemand hinterher, als ich gestern Nacht die Kneipe verließ. Ich blieb kurz in der Tür stehen, um einen leicht müden Abschiedsblick auf die paar am Tresen verbliebenen Kameraden der Nacht zu werfen, und sagte: „Morgen Heimsieg“. Etwas mechanisch sagte ich das. So wie man etwas sagt, ohne echt dran zu glauben. So wie man etwas sagt, um sich Mut zu machen, weil man den Mut eben nie verlieren darf. „Du wirst sehen“, hörte ich noch beim Rausgehen, „morgen gewinnen sie, mit Klewer im Tor gewinnen sie“.

Draußen vor der Tür steckte ich die Zigarette an und machte mich auf den Heimweg. Morgen also mit Klewer im Tor gegen den HSV. Wann hat es das eigentlich gegeben, dachte ich, dass beim Club mitten in der Saison der Torwart gewechselt wurde. Ich kramte in meinen Erinnerungen…

In der Saison 1985/86, lang ist’s her, der Club war gerade wieder in die Bundesliga aufgestiegen, nach dem legendären 2:0 gegen Hessen Kassel, Tore im Nieselregen von Dieter Eckstein und Thomas Brunner, in dieser Saison wurde schon im Herbst der junge Torwart Roland Grüner durch Herbert Haider ersetzt. Grüner hatte ähnlich wie jetzt Blazek bei hohen Bällen eine unsichere Figur gemacht, ausschlaggebend für den Wechsel war, wenn ich mich recht erinnere, eine unterlaufene Flanke in einem Heimspiel gegen den HSV, die dann zum spielentscheidenden 1:0 für Hamburg führte (hoffentlich ist das kein schlechtes Omen…)

In der Saison 1998/99, ebenfalls ein Spieljahr, in dem der Club gerade wieder mal im Oberhaus angelangt war, wurde der Schweizer „Goalie“ Hilfiker (so hieß der doch?) nach der Winterpause von Köpke, der aus Marseille nach Nürnberg zurückgekehrt war, abgelöst. Soweit ich mich erinnere, allerdings nicht wegen chronischen Versagens des Eidgenossen, sondern einfach deshalb, weil man sich ausrechnete, mit dem FCN-Denkmal Köpke zwischen den Pfosten im Abstiegskampf bessere Karten zu haben. Diese Rechnung ging aber am Ende nicht auf, weil der Club sein letztes Heimspiel gegen Freiburg mit 1:2 verlor und Kaiserslautern die Frankfurter in den letzten zehn Saisonminuten die nötigen Tore für den Klassenerhalt schießen ließ (dieser traumatische Last-Minute-Abstieg wird mich mein Leben lang verfolgen …).

Und da war doch noch was in der Saison 1997/98, der Club war nach einem Jahr Regionalliga in die 2. Liga zurückgekehrt. Curko, dessen unkonventionelles Torwartspiel ich eigentlich schätzte, folgte, glaube ich, dem Ruf Hermann Gerlands zu Tennis Borussia Berlin und dann kam ein Torwart von 1860 München, eigentlich kein schlechter Mann, Rainer Berg hieß der und der hielt in den ersten fünf, sechs Spielen so grottenschlecht, dass der Club auf dem letzten Tabellenplatz stand. Ich erinnere mich da an ein Heimspiel gegen Jena, das nicht zuletzt deshalb verloren wurde, weil Berg in einer absonderlichen Weise fahrig und nervös agierte, wie ich es bei einem Profi-Torwart noch nie gesehen habe. Übrigens erzielte damals ein junger Spieler namens Bernd Schneider ein Tor für Jena, ein platzierter, aber vielleicht doch haltbarer Schuss aus 20 Metern, weiß der Teufel, warum dieser Kerl gegen den Club fast immer trifft und in der Nationalmannschaft – also dann, wenn er treffen soll – die besten Chancen kläglich vergeigt, wie bei der Euro 2004 gegen Lettland, als er völlig freistehend den Ball nicht im leeren Tor unterbrachte, und dann sein Fehlschuss im WM-Halbfinale gegen die Azzurris, der uns womöglich den Weltmeistertitel kostete, aber das ist eine eigene Geschichte… Jedenfalls wurde Berg, der angeblich selbst beim Präsidenten um seine Entlassung gebeten hatte, zunächst durch einen blutjungen Mann namens Christoph Müller ersetzt (wo ist der eigentlich abgeblieben?) und dann später durch Andreas Hilfiker. In dieser Saison, die – Magath war für Entenmann als Trainer geholt worden – sensationell mit dem Direktdurchmarsch in die Bundesliga endete, kamen beim Club also sogar drei Keeper zum Einsatz.

Morgen also Heimsieg, dachte ich, als ich dann zu Hause im Bett lag, morgen Heimsieg mit Klewer im Tor. Ich schlief ein und begann zu träumen…

     

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Kommentare (2)

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  1. Gretl sagt:

    Die Erinnerungen in deinem Artikel lassen mich tief aufseufzen. Aber das gehört halt alles zum Club dazu, auch wenn ich manches soo gerne verdrängen würde.

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  2. Christoph Müller ging nach Oberhausen, dann nach Essen, Verl, dann 2. Mannschaft Schalke und spielt jetzt seit 2004 in der Mannschaft von 1.FC Kleve in der Oberliga Nordrhein (aktuell Platz 4, wobei Platz 1 und 2 von den Zweiten einer Profi-Mannschaft belegt wird – ein Aufstieg ist also drin). Trainiert wird er übrigens von einem sehr interessanten Ex-Profi: Arie van Lent. Den kennt der Meyer und der Kluge sicher auch noch gut.

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