Luxusprobleme im Abstiegskampf
Wenn ich Thomas von Heesen wäre, würde ich mir wie Helmut Schön vorkommen. Natürlich nicht wie der Erfolgstrainer Helmut Schön, der die deutsche Elf zum Gewinn der Welt- und Europameisterschaft führte. Sondern wie jener Helmut Schön, dessen Stirn unter dem Schirm der Schiebermütze in Falten lag, weil es ihn peinigte, nicht zwölf Mann aufs Feld schicken zu dürfen. Wie jener Helmut Schön eben, der im Vorfeld der 74er-WM nicht wusste, ob er Netzer oder Overath in der Position des Spielmachers aufbieten sollte.
Da ich nicht Thomas von Heesen bin, kann ich nicht wissen, ob er sich wie Helmut Schön vorkommt. Ich kann mir aber vorstellen, dass ihm – neben den aus der prekären Tabellensituation erwachsenden Sorgen – ein Problem Kopfzerbrechen bereitet, das ähnlich gelagert ist wie das des ehemaligen Bundestrainers: Mit Mintal und Misimovic stehen ihm für die Schaltzentrale im offensiven Mittelfeld zwei Spieler zu Verfügung, die sich in puncto Spielwitz und Torgefährlichkeit wenig nehmen und von ihrem Potenzial her zu den Besten ihrer Zunft in der Bundesliga gehören. Soll er Misimovic in der Startelf bringen? Oder Mintal? Oder sollte er es mal mit beiden zusammen versuchen?
Ein Luxusproblem eigentlich. Ein Problem, gegen das so mancher Trainer, dessen Mannschaft in der Tabelle weit höher rangiert als der FCN, nichts einzuwenden hätte. Von Hessen muss es lösen. Wie der Mann mit der Mütze im Jahr 1974.
Schön entschied sich für Overath und setzte Netzer auf die Bank. Müßig, darüber zu diskutieren, wie das Turnier verlaufen wäre, wenn er Netzer hätte spielen lassen oder Netzer und Overath zusammen. Der Erfolg gab dem Trainer Recht: Deutschland wurde – mit Overath – Weltmeister im eigenen Land. (Für mich übrigens das echte Sommermärchen, auch wenn es in den drei Wochen dieses Turniers ständig geregnet hat.)
Wenn ich Club-Trainer wäre, würde ich – anders als damals Schön – „Sowohl-als-auch“ sagen. Ich würde beide – Misimovic und Mintal – von Beginn an einsetzen. Netzer und Overath, das wäre vielleicht doch ein „(Edel-)Zehner“ zu viel gewesen. Die beiden hätten sich wohl nicht ergänzt, sondern aufgrund ihres Genies und Machtanspruchs gegenseitig blockiert. Misimovic und Mintal könnte da schon eher funktionieren, weil sie im Grunde genommen unterschiedliche Spielertypen sind.
„Zwetschge“, der nicht umsonst die Nummer zehn auf dem Rücken trägt, ist – wenn es diese Spezies im durchrationalisierten Fußball von heute überhaupt noch gibt – noch so etwas wie ein klassischer Spielmacher, und zwar einer, der „ganz nebenbei“ auch als Goalgetter glänzt. Mintal ist eigentlich ein „nur zum Schein“ im Mittelfeld agierender Stürmer, der sich aus der Tiefe des Raums nach vorne schleicht, um den Abschluss zu suchen. Aufrund dieser verkappten Spielweise nennt man ihn auch „Heckenschütze“ (auf Neudeutsch: „Sniper“), „Tarnkappenbomber“ und „das Phantom“. (Ich bevorzuge den letzten dieser vier Spitznamen, weil er nicht an Krieg denken lässt).
Wie kann man diese beiden Spieler, deren angestammte Position zentral hinter den Spitzen ist, in einer Elf unterbringen? Ich sehe zwei realistische Möglichkeiten:
Möglichkeit 1: Man behält das in dieser Saison praktizierte 4-2-3-1-System bei und „verbannt“ einen der beiden auf die offensive Außenbahn. Es bietet sich dann an, Misimovic als Linksaußen agieren zun lassen, denn er ist ein Linksfuß und hat diese Position auch schon einige Male eingenommen, als Vittek verletzt war. Denkbar wäre dabei auch ein Wechselspiel zwischen Mintal und Misimovic (mal Mintal zentral und Misimovic außen, mal umgekehrt).
Bei dieser Aufstellung müsste natürlich Vittek oder Saenko geopfert werden. Womit wir wieder bei einem Luxusproblem wären…
Möglichkeit 2: Man ändert das System und stellt um auf 4-4-2, und zwar auf das auch von den Bayern praktizierte 4-4-2, das eigentlich ein 4-2-2-2 ist. In diesem System, hätte man mit Galasek und Engelhardt (oder Kluge? oder Mnari? Luxusprobleme…) zwei „Sechser“ vor der Vierer-Abwehrkette. Im offensiven Mittelfeld würde Mintal die rechte und Misimovic die linke Außenbahn besetzen. Davor hätte man zwei zentral agierende Stürmer: Koller (oder Charisteas?) und Vittek (oder Charisteas? oder Saenko?).
Was mich an diesem System bisher immer gestört hat, ist das „Vakuum“ im zentralen offensiven Mittelfeld. Aber vielleicht ist ja gerade das der Clou. Der Raum hinter den beiden Spitzen wird zunächst nicht besetzt und dann taucht immer wieder ein andere Spieler in diesem „schwarzen Loch“ auf: ein vorrückender defensiver Mittelfeldspieler, ein Stürmer, der sich zurückfallen lässt oder eben Mintal und Misimovic, die einrücken, wenn der Außenverteidiger auf ihrer Seite nach vorne kommt.
Wollte man Mintal und Misimovic plus Vittek und Saenko in einer Elf unterbringen, müsste man a) im 4-4-2 mit Raute oder b) im 4-3-3 mit zwei offensiven Mittelfeldspielern antreten. Allerdings kommen diese Möglichkeiten nicht wirklich in Betracht, weil die Ausrichtung zu offensiv wäre. Da einer der beiden „Sechser“ zugunsten eines Angriffsspielers aus dem Team genommen werden müsste, wäre die Absicherung im defensiven Mittelfeld zu schwach und man würde Harakiri spielen. Wobei nicht zu verhehlen ist, dass Möglichkeit b) durchaus Charme hätte, weil hier sämtliche offensiven Akteure auf ihrer angestammten Position spielen könnten (Mintal halbrechts, Misimovic halblinks hinter der Sturmreihe Vittek, Koller, Saenko).
Man sieht also: Die Variante Mintal und Misimovic ist gar nicht so abwegig. Sie ließe sich sogar innerhalb des gewohnten 4-2-3-1 realisieren, wobei ich das System mit dem „schwarzen Loch“ hinter den Spitzen vorziehen würde (der Reiz des Neuen…).
Da ich nicht Thomas von Heesen bin, weiß ich nicht, ob er in dieser Personalfrage ein Sowohl-als-auch in Betracht zieht. Ich weiß auch nicht, was Helmut Schön zu diesem Fall sagen würde, ich kann ihn leider nicht fragen.
Am Samstag wissen wir mehr…
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Zwetschge wird Samstag leider gar nicht erst aufgestellt aufgrund seiner Verletzung.
Schau mal einer an… die Glubberer schon wieder bei Luxusthemen,
kaum sind sie die rote Laterne los.
Zuviele gute Spieler. Mir kommen die Tränen vor Mitleid.
Hallo!! wachrüttel… Es steigen übrigens 3 Mannschaften ab und ich
glaube nicht das Duisburg nur noch einen Punkt holt, wie es Alexander ausrechnet. Am letzten Spieltag sind die in Frankfurt zu Gast. Immer gut als Aufbaugegner. Keine eigenen Sorgen. Rudi Bommer ist ein Eintrachtikon. Der Club nicht gerade gemocht, nach der Feuerwerksaktion. Funkel mag Duisburg…
hmm, ich würde nervös werden.
@jayJay: Ich muss nicht nervös werden. Ich bin’s, und zwar schon seit Oktober.
JayJay … ich glaub da tuste dem belschanov und seinem Artikel unrecht, da kommt schon gut raus, dass das ein Luxusproblem ist, wo wir eigentlich andere Sorgen haben. Aber mal im Ernst, das Problem ist wirklich da, gerade auch in der Situation: Nimmste Mintal nun raus nach DEM Spiel gegen Wolfsburg, kapiert das keiner, und (wenn er fit ist) Zwetschge nicht zu bringen, wäre wohl eine Sache, die bei der aktuellen Transferhysterie um ihn auch keiner versteht – aber beide geht nicht, oder sollen wir – wie beschrieben – deswegen eine Systemumstellung machen? Mitten im Abstiegskampf wo wir endlich wieder ne halbwegs stabile Formation haben?
Nene, statt Transferhysterie muss man wohl doch ab und an sachliche Taktikanalysen machen … ich hab aber den Eindruck, ganz heimlich wäre euch Frankfurter ein wenig Aufregung statt Mittelmaß-Frust lieber
und an belschanov … das Problem der beiden verfolgt uns seit Anbeginn, außer bei Verletzungen, und im 4-3-3 hat es schon HM erfolglos probiert – Zwetschge ist aber kein Außenspieler und Mintal eigentlich weder Stürmer noch 10er. Beide geht einfach nicht, ich hab das auch schon x-mal durchgespielt. Lande dann auch beim 4-3-3 mit zwei offensiven Mittelfeldspielern und weiß dann – wie du – dass das Harakiri ist, da Saenko und Vittek keine sind, die nach hinten dicht machen.
Man könnts ja vielleicht mal mit Mintal für Vittek oder Saenko im Dreier-Sturm probieren,so viel haben die 2 Aussenstürmer in letzter Zeit ja auch nicht gerissen!!
Und da er ja mit dem Koller ganz gut kann wär ja das auch ne Alternative!!
Oder Koller und Mintal 2-Mann Sturm,dahinter ne Raute mit Zwetschge offensiv, Galasek defensiv und auf den Halbpositionen Kluge und Engelhardt!!
Aber jetzt ist ja der Zwetschge eh verletzt(Luxusproblem kurzfristig erledigt), und drum sollns so spielen wie letzte Woche!!
NEVER CHANGE A WINNING TEAM!!
WIR SIND DER CLUB!!
Mannomann! Von Spieltag zu Spieltag werd ich nervöser. Mich zerreisst’s glei vor Anspannung.
Moin, es hätte so schön werden können, wenn “Aussetzer-Wolf” keinen handwerklichen Fehler- den er natürliche machen darf- gemacht hätte: Zuma muss “taktisch” gefoult werden – mit dem linken, nicht dem rechten Fuß- und schon wäre…wenn …und aber….
es wäre so schön gewesen….
Gruß von der Küste -Burk…wir träumen weiter !!!