Von Ferserln und Zanglern
Seitdem ich mich für Fußball interessiere, was nun schon 37 Jahre lang der Fall ist, gibt es für mich „tote“ Jahre und solche, die es nicht sind. In den „toten“ Jahren – das sind die mit ungerader Jahreszahl – besteht die Gefahr, dass ich in den endlosen Monaten der Sommerpause unter immer dünner werdender Luft zu leiden habe, weil keine Welt- oder Europameisterschaft stattfindet, die in diesem fußballlosen Vakuum für den notwendigen Nachschub an Sauerstoff sorgt.
Dieses Jahr ist eines mit gerader Zahl und demgemäß kein „totes“ – soweit man das als Club-Anhänger nach dieser „mausetoten“ Saison so sagen kann. Aber zumindest verheißt die anstehende EM in Österreich und der Schweiz eine willkommene Ablenkung vom Frust des erneuten Abstiegs und von mancher quälenden Frage (bleiben Pinola und Wolf, kommt Timo Rost?). Wobei diejenigen unter den Club-Fans, die auch Fans der deutschen Nationalmannschaft sind (zu diesem Kreis zähle ich mich), bei der EM wohl auf mehr spekulieren als lediglich auf ein unterhaltsames Spektakel, bei dem „der Bessere gewinnen möge“. Nach der Dauerpleite der abgelaufenen Saison ist man als Anhänger des FCN ja ungefähr so hungrig nach Erfolgserlebnissen, wie es Sportdirektor Martin Bader von den auf seinem Einkaufszettel stehenden jungen Neuzugängen fordert. Drücken wir also die Daumen, dass die Jungs mit dem Adler auf der Brust es bei der EM besser machen als die Ballesterer des FCN, die sich nach einem bis zum Pokalsieg führenden Höhenflug als Torstangenbewässerer entpuppten, die das FCN-Emblem zwar auf dem Leiberl, aber zum großen Teil nicht im Herzen trugen.
Nun mag sich der geneigte Leser über die im letzten Satz auftauchenden seltsamen Ausdrücke wundern und mutmaßen, dass der Autor Club-Trauma-bedingt nicht ganz bei Sinnen sei. Dem ist nicht so. Es geht mir gut (den Umständen entsprechend, versteht sich…) und ich habe diese komisch anmutenden Wörter bei klarem Bewusstsein und in voller Absicht gesetzt. Sie dienen dazu, mich und den Leser auf die in einer Woche beginnende EM einzustimmen. Unsere Jungs (die mit dem Adler auf dem weißen, neuerdings manchmal auch Club-farbenen Leiberl) tragen ihre drei Vorrundenspiele ja in Klagenfurt und Wien aus und ich habe mich schon mal sprachlich auf diese Ereignisse eingestellt.
Es ist ja bekannt, dass das österreichische Deutsch Ausdrücke aufweist, die der Deutsche nicht verwendet (etwa Obers für Sahne, Matura für Abitur). Solche Austriazismen gibt es auch in der Sprache des Fußballs. Der Österreicher sagt nicht Balljunge, sondern Ballschani, der Hackentrick heißt bei ihm Ferserl und einen technisch versierten Spieler wie Misimovic, der den Club leider verlässt, nennt er Zangler.
Wer wissen will, woher ich als gebürtiger Oberfranke das alles weiß, beschaffe sich das EM-Sonderheft von 11Freunde und schlage in der kleinen Beilage mit dem Titel „Euro 2008 – Alle Spieler, Stadien & Kaffehäuser“ das Wörterverzeichnis auf den Seiten 104f. auf. Dieser „Sprachführer“ ist ein Muss für jeden deutschen Schlachtenbummler, der zu den Spielen nach Österreich reist.
Tja Freunde, dann schaumermal, ob unsere Adlerträger im samstäglichen Testspiel gegen Serbien besser drauf sind, als es am Dienstag beim mauen 2:2 gegen Weißrussland der Fall war. Sehenswert war da eigentlich nur Podolskis Lochpass auf Klose, dessen Tor zum 1:0 nur deshalb zählte, weil der Autwachla die Abseitsposition des Bayern-Stürmers nicht sah…
In diesem Sinne: Küss die Hand!
Euer belschanov



Ich habe mich schon über den Titel deines Artikels gewundert und die wildesten Assoziationen gesponnen. Die Begriffe sind aber auch zu putzig. Und ich gebe zu, bei den Deutschen bin ich nur Fan, wenn sie gescheit spielen. Aber ansonsten bin ich bei sowas immer für die Mannschaft, die kämpferischen Fussball spielt. Mal sehen, wer es diesmal sein wird.
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Und was ist mit den Schweizern? Die haben doch sogar ein Idiotikon.
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@Christian: Ja, in dieser Broschüre gibt es auch ein Verzeichnis von Helvetismen, aber man findet da nicht so viele fußballspezifische Ausdrücke.
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Idiotikon? LOL, das haben die wegen Menschen wie meiner einer so genannt. Muss auch ständig nachschlagen, weil ich die Hälfte nicht verstehe
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