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Kein Schützenfest beim Schützenfest

„Der Club kommt mit seinem neuen Kader für die anstehende Zweitligasaison mit Ziel Wiederaufstieg. Der 1. FC Lichtenfels bietet mit diesem Spiel am ersten Schützenfestwochenende ein sportliches Großereignis für Fußballfans. Bei einem gut gefüllten Karl-Fleschutz-Stadion ist beste Stimmung garantiert.“

Mit diesen verheißungsvollen Worten wurde auf der Homepage des 1. FC Lichtenfels das Gastspiel des Pokalsiegers von 2007 angekündigt, der sich zurzeit in der Vorbereitung für die Zweitligasaison 2008/09 befindet. Als Augenzeuge dieser Partie kann ich berichten, dass das kuschelige Karl-Fleschutz-Stadion mit 4200 Zuschauern dann auch rammelvoll war. Leider war aber nix mit Schützenfest und dementsprechend die Stimmung der zahlreichen Club-Fans, die auf ein solches eingestimmt waren, nicht die beste. Gerade mal drei Tore gegen einen Bezirksligisten (!) sind eine erschreckend dürftige Ausbeute. Da beschleicht einen schon ein leicht mulmiges Gefühl, wenn man an Augsburg, Kaiserslautern, Rostock und Duisburg denkt. Zumal die Vorstellung des Bundesligaabsteigers auch abgesehen von dem nicht standesgemäßen Endstand unter aller Kanone war.

Doch halten wir uns an die Fakten. Der Club trat zur ersten Halbzeit in folgender Formation an: Schäfer – Reinhardt, Kammermeyer, Goncalves, Bieler – Judt, Kluge – Pagenburg, Gygax, Masmanidis – Breska .

Wie bei dem Testspiel in Amberg, von dem ich berichtete , brauchte der Club eine halbe Stunde, um in Führung zu gehen. Gygax vollendete eine Flanke von Reinhardt per Kopf zum 1:0. Wer dachte, dass damit der Bann gebrochen war und die Nürnberger Tormaschinerie nun endlich Fahrt aufnehmen würde, lag verkehrt. Mehr als einen Pfostenschuss durch Gygax brachte der Zweitligist in den bis zur Pause verbleibenden 15 Minuten nicht mehr zustande. Der Schweizer war übrigens zusammen mit Masmanidis (gute Dribblings und Flanken) noch so etwas wie ein Aktivposten in einer Nürnberger Mannschaft, die den Nachweis der Zweitligareife schuldig blieb. Na gut, sie dominierte die Partie in allen Lagen, erstickte die wenigen Chancen des Gegners bereits im Ansatz (Goncalves , Bieler ). Aber was hat das gegen einen Bezirksligisten schon zu bedeuten!

In der Halbzeitpause dröhnte der Wolfgang-Petry-Gassenhauer „So ein Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle“ blechern aus den Lautsprechern, was die Gefühlslage der Club-Fans stimmig untermalte. Und die Angriffsleistung des Bundesliga-Rekordabsteigers blieb dann auch im zweiten Spielabschnitt unterirdisch . Trotz einiger personeller Veränderungen im Mittelfeld und Sturm: Schäfer – Reinhardt, Kammermeyer, Goncalves, Bieler – Kluge (ab 70. Wolf), Engelhardt – Gygax (ab 60. Perchthold), Mintal, Pinola – Vittek.

Kurz nach dem Wiederanpfiff hätte es sogar 1:1 geheißen, wenn sich Schäfer nicht einem plötzlich vor ihm auftauchenden Lichtenfelser Angreifer waghalsig vor die Füße geworfen hätte. Danach wurde das Spiel des Clubs etwas druckvoller und der zur Halbzeit eingewechselte zweite Torhüter der Gastgeber rückte mehr und mehr in den Blickpunkt des Geschehens. Trotz seiner Statur, die eher nach Wrestling als nach Fußball aussah, brachte er die Clubstürmer mit katzengewandten Reaktionen auf der Linie zur Verzweiflung (zwei glänzende Paraden gegen Vittek innerhalb weniger Sekunden und eine prächtige Fußabwehr gegen einen Nahdistanzschuss von Mintal ). Zudem setzte er mit einem fulminanten Abschlag, der erst hart an der Strafraumgrenze des FCN einschlug, ein Glanzlicht in dieser an Höhepunkten armen Partie.

Wäre Mintal nicht gewesen, der das 2:0 (Kopfball nach Flanke von Gygax , 55. Minute) und das 3:0 (Flachschuss nach Vorlage von Vittek , 72. Minute) erzielte, wäre es wohl beim 1:0 geblieben, und man hätte froh sein müssen, das Spiel überhaupt gewonnen zu haben, denn der Bezirksligist war zwischenzeitlich nach einer gelungenen Kombination, mit der er die komplette Defensive des FCN aushebelte, einem Treffer sehr nahe (Schäfer war auf dem Posten).

Dass es für den Club nur zu drei Treffern reichte, lag natürlich nicht nur an dem gut disponierten Lichtenfelser Torhüter, sondern in erster Linie an der eklatanten Abschlussschwäche. Was da in der zweiten Halbzeit über bzw. neben das Tor des Gastgebers segelte, ging nicht auf die berühmte Kuhhaut. Und dann diese katastrophalen Fernschüsse! Besonders Vittek , aber auch Pinola und Perchthold produzierten reihenweise Raketen in die Gefilde, in denen nach Reinhard Mey die Freiheit grenzenlos ist…

Bemerkenswert: Der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Pinola spielte nicht wie gewohnt links in der Abwehrkette, sondern links vorne. Eine durchaus interessante Variante. Nicht von der Hand zu weisen, dass der ballsichere und über einen satten Linksschuss verfügende Argentinier auch in der Offensive Akzente setzen kann. Allerdings sollte er dann sein Visier besser einstellen, als das gestern der Fall war.

Noch bemerkenswerter: Der etatmäßige Innenverteidiger Wolf , der in der 70. Minute für Kluge eingewechselt wurde, spielte rechts vorne (Perchthold rückte nach innen ins defensive Mittelfeld). Z.T. tauschte Wolf auch mit Vittek die Position und agierte in der Sturmmitte, wo ihm sogar fast das 4:0 gelungen wäre.

Tja Freunde, welche Schlüsse soll man aus diesem armseligen Kick in Lichtenfels ziehen. Alles halb so wild, weil die Mannschaft von den Strapazen der Saisonvorbereitung platt war? Oder kündigt sich da doch ein böses Erwachen in der kommenden Zweitligasaison an?

Gegen Ende des Spiels fragte mich ein mit einem Club-Trikot bekleideter jüngerer Zuschauer, ob ich Journalist sei. Er hatte wohl beobachtet, wie ich etwas in mein Notizbuch schrieb. Obwohl ich mich gerade in diesem Moment wie ein Journalist fühlte, antwortete ich: „So was Ähnliches“, und er sagte: „Schreiben Sie einfach: Der Club siegte, aber er überzeugte nicht“.

Ich denke, ich schreibe das nicht. Denn mit diesem “harmlosen” Fazit wäre die mehr als maue Leistung unserer Mannschaft reichlich schöngeredet

     

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Kommentare (13)

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  1. Clyde sagt:

    ich finde wir sollten die kirche mal im dorf lassen. total egal was der glubb in der vorbereitung gegn unterklassige gegner zusammengurkt, fazit kann man erst nach auftritten gegen panious (oder so) athen oder getafe ziehen. da werde die besten spielen, die einstellung stimmen undkeiner platt sein.

    ich hab mir schon öfter irgendwelche gräßlichen vorbreitungsspile angesehen. aussagen über die folgende saison (wenn ich welche getroffen habe)konnten sich nie bestätigen.

    ein bisschen cooler sollten wir schon sein. gut ding will weile haben! :-)

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  2. michel sagt:

    Die Weile dauert jetzt schon 1 Jahr. Leider muß ich feststellen, dass Belschanov mit seinen Vorhersagen und Einschätzungen immer recht hatte.

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  3. Gretl sagt:

    Clyde! Sehe ich genauso. Immer ruhig Blut. Lieber ne bescheidene Vorbereitung um dann, wenn es drauf ankommt, eine super Leistung zeigen, als umgekehrt

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  4. Rangers sagt:

    Ich find auch man sollte nicht zu viel auf diese Vorbereitungsspiele geben! Da spielt ein Bundesligist der mitten in der Vorbereitung steckt gegen einen Bezirksligisten für den das,das Spiel des Jahrhunderts ist! ich glaub nicht das man zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung sagen kann dass eine Mannschaft die so ein Spiel zweistellig gewinnt,ne bessere Saison spielt!
    Und der Vittek schiesst doch schon seit Jahren Fahrkarten,da ist das Tor gegen einen Bezirksligisten auch nicht grösser!!

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  5. Manu sagt:

    hab es bereits geschrieben… war ebenfalls dort und seh das ganze nicht so eng…unsrere jungs werden füh eine harte trainingseinheit gehabt haben und dann haben sie ein bisschen gekickt…für 8 euro hätte man dort mehr erwarten können…über die fahrkarten in den himmel habe ich bereits auch geschrieben…das visier war falsch eingestllt…belschanov sagte es bereits…die devise lautet: torschusstraining

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  6. mok sagt:

    ich denke nicht,dass man zu viel auf solche spiele geben sollte!!…ein fc bayern münchen hat auch nur 7:1 gegen einen der untersten gespielt…na und??…die wirkliche leistung zeigt man erst,wenn man unter druck steht!!..und ich bin mir sicher,dass der club gegen athen eine gute chance hat!!…der club hat eindeutig die beste manschaft der 2. bundesliga…es ist eine pflicht wieder aufzusteigen!!!!!!!!!!

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  7. Also ich habe keine “Panik”, aber wohler wäre mir schon, wenn es schon runder liefe. Auch die Frankfurter Eintracht mühte sich ja bspw. gegen einen österreichischen Regionalligisten zu einem 2:0 und außerdem ist alles auch immer ne Frage der Verpackung (das 7:1 der Bayern, lieber mok, beschrieben manche Gazetten glatt als “Schützenfest”). Nur eben die Eindrücke, die man so liest (auch hier) klingen nach so wenig Veränderung zum Vorjahr – man mag uns da also unser ‘schlechtes Gefühl bei der Sache’ nachsehen….

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  8. Sandra sagt:

    Also ganz so schlimm, wie das hier stand war´s doch wirklich nicht.Im Gegenteil!!! Ich fand es super! Ich als Lichtenfelser war dort auch anwesend und es hat echt super viel Spaß gemacht. Der Club war immerzu überlegen, und dass es nicht so hoch ausging, wie erwartet lag wohl an dem “unserem” spitzenmäßigem Torwart, der echt in Höchstform war.(Kann der FCN ja gleich unter Vertrag nehmen:-)
    Ich fand das Spiel jedenfalls super und für unser kleines Städtchen war es echt ein großereiginss, dass man nicht alle Tage hatte.
    Groß und Klein waren jedenfalls mit dem Spiel vollstens zu frieden (Vor allem weil sich viele “Stars” noch Zeit genommen haben, um Autogramme zu schreiben oder Bilder zu machen –> DANKE)
    Ich fand´s auf jeden Fall mal ein Erlebinss, dass ich so schnell nicht vergessen werde!!!

    Und den Club finde ich nach wie vor einfach nur Spitze!!!! Jungs, ihr seit sicher auf in der 2. Liga klasse!!

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  9. Jedenfalls die Gazetten sind alle ganz happy:

    “Für Absteiger Nürnberg läuft die Vorbereitung weiter wie geschmiert.”
    http://www.spox.com/de/...l/testspiele-1207.html

    “Clubfieber in Lichtenfels. Nach unterhaltsamen 90 Minuten waren am Samstag alle rundum glücklich. – Die Spieler des 1. FC Nürnberg, weil sie trotz ihrer geringen Ausbeute von nur drei Treffern ansehnlichen Kombinationsfußball geboten hatten und von ihrer Fangemeinde aus dem nördlichen Franken frenetisch gefeiert wurden.”
    http://www.np-coburg.de...egional/art2443,838501

    Also wollen wir das mal wohlwollender weiter beobachten. :-)

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  10. Gretl sagt:

    Na also, geht doch ;-)

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  11. belschanov sagt:

    Na gut, vielleicht war ich mal wieder zu kritisch. Vielleicht lag die maue Vorstellung ja wirklich an den Strapazen des Trainings. Aber, nur drei Tore gegen einen Bezirksligisten (d.h. 8. Liga!) sind schon arg wenig. Da sollte, auch wenn’s für den Club nur ein “Trainingsspiel” war, doch etwas mehr herausspringen (gerade im Training soll ja so manches gelingen…).

    Ich hab’ das Spiel halt unter rein sportlichen Aspekten betrachtet und bewertet. Und da gab es nichts schönzureden. Aber wahrscheinlich sehe ich das alles zu verbissen (so bin ich halt, wenn’s um den Club geht…). Tut mir Leid, wenn ich jemanden in Panik versetzt habe. Natürlich kann man aus solchen Testspielen, zumal in der harten Phase der Vorbereitung, noch keine Rückschlüsse auf den Saisonverlauf ziehen.

    Aber eins steht fest: Die Chancenauswertung war weit von Zweitliganiveau entfernt!

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  12. [...] als beim ausgebliebenen Schützenfest im Spiel gegen den Bezirksligisten FC Lichtenfels lag das Manko in der Offensive diesmal nicht so [...]

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  13. [...] der Saisonvorbereitung in besserer Form präsentiert, als dies vor einem Jahr der Fall war (klick). Natürlich ist ein Freundschaftsspiel gegen einen Bezirksligisten kein Gradmesser. Aber es [...]

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