Der Leit-Wolf

Der neue Leitwolf: Andreas Wolf

Andreas Wolf ist der neue Club-Kapitän – und was für Fußball-Außenstehende vielleicht nach einem Schiffsführer einer Vergnügungsbootsfahrt klingt, ist für eine Fußball-Mannschaft gestern wie heute ein integraler Bestandteil. Capitano Ballack beispielsweise – nicht nur aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten eine zentrale Figur in Jogis Erfolgsrezept, seine Führungsrolle als Kapitän ist zementiert und für Mitspieler und Gegner damit auch exponiert.

Der Spielführer ist Sprachrohr des Trainers am Platz und Ansprechpartner der Mannschaft für die Interessen derselben in Bezug auf Trainer und Verein. Die Bestimmung des Kapitäns eines Teams ist unterschiedlich. Manche Trainer lassen die Mannschaft wählen, andere bestimmen direkt und lassen über einen Mannschaftsrat demokratisch ein wenig mitwirken. Hans Meyer beispielsweise legte nach Schäfers Wechsel Galasek fest, eine nicht unumstrittene Entscheidung, da Galasek zwar ein international erfahrener Recke war, ein Stratege am Platz höchster Güte, aber keiner, der auch mal die verbale Grätsche ausfahren konnte. Was sich auch in der Öffentlichkeitsarbeit nicht zum Vorteil machte – Galasek wirkte da einfach fehl am Platze, was auch seinem Standing in der Öffentlichkeit nicht immer gut tut, wenn man eine Respektsperson in einer Sprache, die man nicht beherrscht, vor die Mikrophone zerrt (wir würden da alle keine gute Figur machen!).

Mit der Rückkehr Schäfers sprach vieles dafür, dass er auch wieder ‘sein’ Amt übernehmen würde, doch TvH machte seinen Wunsch geltend, einen Mann zu haben, der ‘überall am Platz’ präsent sein kann – ein verständlicher Wunsch aus meiner Sicht. Ideal finde ich da sogar ein zentraler Mittelfeldspieler, vor allem einer, der ‘gesetzt’ ist. Engelhardt wäre sicher hier eine Option gewesen und in Kaiserslautern auch schon in der Funktion, allerdings ist Engelhardt erst im Begriff in Nürnberg vollends “anzukommen” (so jedenfalls aus meiner Warte), in 1-2 Jahren kann das schon anders sein.

Nun also Wolf (Stellvertreter sind Raphael Schäfer und Marek Mintal), der gerade noch zwischen ‘bedingungsloser Hingabe zum Club’ und ‘Wechsel mit internationaler Perspektive’ schwankte – ohne Sarkasmus festgestellt an dieser Stelle. Wolf ist in punkto Identifikation trotz seines (legitimen) Gedankenspiels sicher untadelig, dennoch wird man sehen müssen, ob er den nun schon öfter heranzitierte “Kaptiäns-Fluch” ereilt: Die letzten Spielführer des Clubs ‘überlebten’ (im Sinne des Amtes) nämlich nur je eine Saison, namentlich Galasek (kein neuer Vertrag), Schäfer (nach einem Jahr im Amt gewechselt), Mario Cantaluppi (löste seinen Vertrag enttäuscht auf) oder Tommy Larsen (löste seinen Vertrag aus persönlichen Gründen auf). Steigt der Club nicht auf, kann man davon ausgehen, dass sich Wolf in diese Reihe eingliedert. Dem Innenverteidiger wird durchaus das Zeug zu einer internationalen Karriere bescheinigt, doch dazu darf man sich nicht allzu viele Schleifen erlauben. Steigt der Club dagegen mit Glanz und Glorie auf, kann es sogar umschlagen zu einem Vorteil – denn das Jogi auch mal Leistungen in Liga 2 honoriert ist nicht nur bekannt, sondern mit Neuville (und Marin) ganz aktuell bei der EM dokumentiert.

Ob Wolf, der sicher intern ein hervorragendes Standing hat, auch mit der nun sicher gestiegenen Erwartung der Öffentlichkeit an a) seinen Leistungen und b) seiner medialen Präsenz zu Recht kommt, wird sich zeigen müssen. Sich dabei an einen guten Mentor zu wenden wäre vielleicht kein schlechter Rat, auch ein Franz Beckenbauer musste erst mal lernen und hatte mit Robert Schwan wohl nicht nur einen finanziellen Kümmerer im Rücken, sondern auch einen exzellenten Berater in punkto Außendarstellung (siehe auch zeit.de).

Ein Kapitänsamt kann einer Karriere sehr förderlich sein, Michael Ballack ist nach seiner Inthronisierung als Kapitän der Nationalmannschaft sichtlich gewachsen. Dass es auch anders laufen kann, sah man hier in Frankfurt: Der zum Kapitän einst vom Trainer Funkel gemachte Jermaine Jones laborierte erst (für viele Fans auffällig lange) an einer Verletzung und wechselte dann sang- und klanglos trotz aller Treueschwüre zum Ligakonkurrenten Schalke – statt zum Mythos geworden hier in seinem Frankfurt, seiner Heimtstadt, wurde Jones (wie ich das höchst subjektiv so aufschnappe hier in der Stadt) für viele Fans damit zum Sinnbild einer Spielergeneration, die vor allem eines im Kopf hat: die eigene Karriere.

Wir wünschen Wolf viel Glück und Erfolg als Kapitän der Mannschaft mit der klaren Zielvorgabe ‘Wiederaufstieg’ und ein gutes Händchen dabei, wann es Zeit ist zu Reden und wann man besser mal die Klappe hält. Denn zu wissen wann Schweigen Gold ist, daran haben sich so manche (gerade auch fränkische) Spielführer schon die Zunge verbrannt…

Das Ergebnis unserer Umfrage hier im Blog:

Wer sollte Kapitän werden?

Wolf (38%, 26 Votes)
Schäfer (22%, 15 Votes)
Pinola (12%, 8 Votes)
Mintal (12%, 8 Votes)
Engelhardt (12%, 8 Votes)
Gygax (4%, 3 Votes)
(ein anderer) (1%, 1 Votes)
Kluge (0%, 0 Votes)

Bild mit freundlicher Genehmigung fcn.de

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Kommentare (16)

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  1. Manu sagt:

    der richtige mann. leit- wolf passt super! sollten ihn jetzt noch langfristg binden…harry ab nach stoke für 3,8 und ivan ab nach moskau…dann noch eine granate für den stürm holen und der kader passt

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  2. Töffi sagt:

    @Manu:

    Eine Granate für den Sturm holen? Anfang August? Der zu einem Zweitligisten wechselt?
    Hey, wovon träumst Du nachts?

    Schätze mal, dass ein Saenko+Charisteas-Nachfolger eher in die Kategorie Benko/Beliakov/Belic/Todorovic (kennt die noch jemand?) einzuordnen sein wird…

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  3. sam sagt:

    ja!! die sind noch bekannt!! hättest auch michalke gomis und rink dazuschreiben können!!! *g*

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  4. Christoph sagt:

    …oder Oktay Derelioglu, den “Bomber vom Bosporus” :-).

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  5. Failhaid sagt:

    Sezer Öztürk hatten wir doch auch mal.
    Oder wie wäre es mit Marcel Ketelaer?
    Marco Villa?
    Aber die Obergurke ist meinermeinung nach immer noch Markus Daun – war immer ein Rätsel,wie er in einer Saison auf über 30 Spiele kommen konnte…

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  6. Töffi sagt:

    Ich hab da noch ein paar…
    Jeder von denen wurde im Vorfeld als absoluter Top-Stürmer angepriesen:

    Roman Hogen, Vitas Rimkous, Uwe Rösler, Thomas Weissenberger, Niklas Skoog, Sead Kajtaz, Mirza Golubica, Sergio Bustos…

    Bei Louis Gomis wäre ich vorsichtiger: Der hat in der Zweitligasaison 2000/01 bei 24 Einsätzen immerhin 10 Tore geschossen.

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  7. belschanov sagt:

    BELIAKOV war doch gar nicht schlecht, der hat in der Zweitligasaison 1999/2000 immerhin 14 Tore geschossen. Da gab es im Sturm ganz andere Nieten, die größte war wahrscheinlich ULI HOENESS in der Saison 1978/79. Aber das ist schon so lange her, dass man sich kaum noch daran erinnert. Gleiches gilt für einen Mann namens WOLFGANG FRANK, der Mitte der 70er-Jahre mal ne große Nummer war (89 Tore in 215 Bundesligaspielen), aber beim Club (1980 bis 82) total versagte.

    Vielleicht sollte man mal einen Artikel über die größten Versager in der Geschichte des FCN schreiben…

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  8. Wäre auch ein ‘witziges’ Thema für ein Forum … Stefan? :grin:

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  9. Wir hatten schon paar illustre Namen bei uns: Martin Roberto Mandra, Lawrence Aidoo, Oktay Derelioglu, Marco Villa, Paulo Rink, Niklas Skoog … und das alles in diesem Jahrtausend

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  10. KUZ sagt:

    Also den Paulo Rink habe ich gern beim Glubb spielen sehen. Der hat Sachen gemacht, die ich hier selten sah…das einzige , was er von den damaligen Spielern NICHT hätte übernehmen sollen, war seine Torungefährlichkeit! Spielerisch war er toll.

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  11. sam sagt:

    um gottes willen wie konnt ich nur diesen skoog und villa vergessen!!!*g*

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  12. Manu sagt:

    rink hat damals aber viel abgelegt…er war ein garant des klassenerhalts.

    oktay ist wohl die größte enttäuschung und fernando( wurde als mitspiler gascoignes in china präsentiert).und hat sich schnell nach zypern verabschiedet…

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  13. Manu sagt:

    ach ja, ich war gestern in weismain beim 0:0 gegen “zettel ewalds” truppe aus athen.

    harry und die anderen sind auch kuam besser als andere hier erwähnte spiele. mal sehen, ob die jetzigen (eigler, vittek etc.) überhaupt 10 dinger wiw gomis und andere schaffen…

    den eindruck hatte ich gestern nicht. die treffen momentan kein scheunentor…

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  14. Manu sagt:

    ach ja, mein “freund” reinhardt kam erst spät rein und ich sagte noch zu meinem bruder , dass der gleich patzt. halbe minute später hat er sich überlaufen lassen…da wird dir angst und bange auf der rechten abwehrseite…breska ist da durchaus eine gute option…und links pino…

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  15. Gretl sagt:

    habt ihr den Spot schon gesehen?

    http://www.em-n.eu/index.php?id=623

    schee :-)

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