Im Angriffsspiel fehlt die Zündung

Drei Tage nach dem 0:0 des Clubs beim Test gegen Panonios Athen in Weismain wurde ich gestern beim Saisoneröffnungsspiel gegen den FC Getafe erneut Zeuge eines torlosen Unentschiedens und meine Gefühlslage war beim Verlassen des Frankenstadions ähnlich zwiespältig wie nach der Partie am Mittwoch. Die Verteidigung erwies sich, abgesehen von dem einen oder anderen Wackler, der gegen einen spanischen Erstligisten schon mal vorkommen kann, vor der stattlichen Kulisse von 21000 Zuschauern als sattelfest. Mit dem frischgebackenen Mannschaftskapitän Andreas Wolf und dem Neuzugang José Goncalves (sperrig, abgezockt, kompromisslos) stehen im Abwehrzentrum zwei „Prellböcke“, die von der Angriffsreihe eines Zweitligisten nur schwer auszuhebeln sein dürften. Aber wenn man das Ziel hat, aufzusteigen, ist es auf Dauer zu wenig, wenn im Ergebnis die hinter dem Doppelpunkt stehende Null auch vor demselben steht…

Dass dies auch gestern wieder Fall der war, lag an dem schon in den Testspielen gegen Amberg, Lichtenfels und Erlangen-Bruck zu beklagenden Manko: In der Spieleröffnung, beim Umschalten von Abwehr auf Angriff fehlte die „Zündung“. Da wurde der Ball zu lange quer und wieder zurück gespielt und dem Gegner zu viel Zeit gegeben, sich wieder zu formieren. Zudem fehlte im Mittelfeld die Präzision im Abspiel. Womit in erster Linie Engelhardt angesprochen ist, der ein wahres Fehlpassfestival veranstaltete. Aber auch Vittek sollte, wenn er angespielt wird, den Ball vielleicht doch hin und wieder erst mal annehmen und dann kontrolliert weiterleiten, anstatt ihn überhastet ins Niemandsland prallen zu lassen. Schnelle Ballzirkulation ist im Prinzip ja wünschenswert, aber wenn die Anspielstationen zugestellt sind, ist ein bedächtiger Spielaufbau immer noch besser als ein sofortiger Ballverlust.

Torgefahr versprühte der Club besonders dann, wenn Pinola und Breska (wie schon gegen Athen als rechter Verteidiger durchaus überzeugend) mit langen Diagonalpässen aus dem Abwehrzentrum oder dem hinteren Mittelfeld an den Außenlinien auf die Reise geschickt wurden und zum Flanken kamen. Dieser einstudierte Spielzug, bei dem die stürmenden Außenverteidiger durch Mittelfeldspieler (Judt, Engelhardt) abgeschirmt werden, führte zu zwei guten Chancen: In der 30.Minute verpasste Mintal (insgesamt unauffällig) einen von Pinola nach innen gespielten Flachpass nur knapp und in der 52. Minute traf Vittek den Ball nicht richtig, nachdem sich Breska auf der rechten Außenbahn energisch durchgesetzt hatte.

Auch die aus Club-Sicht schönste Aktion des Spiels wurde nach diesem Muster herausgespielt: Der bis auf Strafraumhöhe aufgerückte Pinola nahm einen von Mnari gespielten Pass mit der Brust an, ließ zwei ihn bedrängende Gegenspieler stehen und feuerte aus 16 Metern mit dem linken Außenrist ein Geschoss ab, das knapp am langen Pfosten vorbeistrich (36. Minute).

Als weitere Chancen waren für den Club zu verzeichnen: ein von halbrechts abgegebener Vittek-Schuss, der knapp am linken Pfosten vorbeiging (17. Minute), ein Breska-Schuss aus 15 Metern, der aber so schwach und unplatziert getreten war, dass er dem Torhüter keine Mühe bereitete (67.), sowie – die klarste Torgelegenheit – ein wiederum von Vittek an der linken Ecke des 5-Meter-Raums abgegebener Schuss, der das Ziel nur verfehlte, weil er in letzter Sekunde noch abgefälscht wurde (79.).

Die Spanier waren in der 15. Minute nahe am Führungstor, als der Ball nach einer guten Kombination am linken Pfosten des Nürnberger Gehäuses landete. In dieser Szene sah die Club-Abwehr gar nicht gut aus, genauso wenig wie in der 34. Minute, als ein Getafe-Spieler bei einer Ecke frei zum Kopfball kam, und in der 39., als Schäfer gegen einen freigespielten Angreifer das 0:1 verhinderte. In der zweiten Halbzeit geriet die Club-Abwehr nur noch einmal ins Wanken, als die Iberer innerhalb weniger Sekunden zweimal aus der Distanz unbedrängt zum Schuss kamen und Schäfer zu Glanzparaden zwangen.

Der Club ging mit folgender Aufstellung ins Spiel (4-4-2 mit Raute im Mittelfeld): SchäferBreska, Wolf, Goncalves, PinolaMnariJudt, EngelhardtMintalVittek, Charisteas. Nach der Halbzeitpause kam Kluge für Judt und Abadonardo (aufmerksam, aber in einigen Szenen zu leichtsinnig) für Gonzalves. In der 69. Minute schickte von Heesen Reinhardt, Masmanidis und Gygax für Engelhardt, Mintal und Charisteas aufs Feld und stellte auf 4-2-3-1 um. Reinhardt, der erkennen ließ, dass er nicht dazu bereit ist, seinen Platz in der Startelf kampflos aufzugeben, bezog die Position des rechten Verteidigers, Breska (ab 81. Pagenburg) rückte auf dieser Seite nach vorne. Gygax spielte links offensiv, Masmanidis zentral hinter Vittek und vor den beiden Sechsern Kluge und Mnari. Mit dieser taktischen Veränderung wurden die Angriffsbemühungen druckvoller, aber nicht druckvoll genug für den gewünschten Torerfolg.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Offensivabteilung unserer Mannschaft bis zum Pokalspiel in Ahlen am nächsten Wochenende, spätestens aber bis zum Zweitligaauftakt gegen Augsburg in zwei Wochen zu der Durchschlagskraft findet, die für das Erreichen des Saisonziels notwendig ist. Diesbezüglich kann das Motto in der immer knapper werdenden Zeit nur heißen: üben, üben, üben

Aber, wer weiß, vielleicht wäre der Ball ja schon im gestrigen Spiel endlich mal wieder im Tor des Gegners gelandet – wenn ich in Ballbesitz gekommen wäre. In der zweiten Halbzeit köpfte Peer Kluge einen hohen Ball ins Seitenaus. Das Leder setzte auf der Laufbahn auf und sprang unmittelbar vor meinem Sitzplatz (Block 17 C, unterste Reihe) an die Balustrade und von dort zurück auf die Laufbahn. Hätte der Ball etwas mehr Auftrieb gehabt, wäre er direkt in meinen Händen gelandet. Dann hätte ich – wie in der Szene mit dem Jungen und Helmut Rahn in Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“ – den Ball zu Peer Kluge zurückgeworfen. Wahrscheinlich hätte der Peer dann den Siegtreffer erzielt – und ich könnte an Wunder glauben…

Bild mit freundlicher Genehmigung fcn.de

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Kommentare (10)

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  1. Manu sagt:

    der engelhardt meint halt jetzt, er müsse den reinhardt spielen. gegen weismain war des nicht auszuhalten…sein gestolpere…hoffe, der tvh lässt neben judt mnari oder kluge ran und net unseren blondi…seine mähne ist des einzigste was auf dem feld auffällt.

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  2. Failhaid sagt:

    ich kapier nur nicht warum man Breska so weit hinten spielen lässt,ich dachte er wäre einer für die Offensive?Anscheinend hat man aus dem Fall Kristiansen(man kann normalerweise einen offensiven Mittelfeldspieler nicht auf RV spielen lassen)nix gelernt…

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  3. Info sagt:

    Breska, hat schon in Griechenland längere Zeit RV gespielt.

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  4. kanzler sagt:

    das mit dem breska find ich schon ganz gut – der club wird es als favorit und namhafteste mannschaft der 2. liga wohl oft mit tief stehenden gegnern zu tun bekommen, da braucht man offensive außenverteidiger.

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  5. Das Argument für Breska hinten rechts ist wohl: Da man in der 2. Liga defensive Gegner (also ohne offensive Außen) erwartet, sind defensive Außenverteidiger verschenkt und Breska kann gegenüber Reinhardt offensiver spielen.

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  6. Manu sagt:

    boakye im probetraining. was soll den das bitte? will der v on heesen etwa alle ex-bielefelder zu uns holen…bitte nicht…-

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  7. babafrog sagt:

    Mal hoffen, dass der Herr von Heesen verstanden hat, dass er den Topfavoriten der 2. Buli (Wahnsinn, “zweite” Buli – und ich hatte die letzte Saison schon fast verdrängt ….) trainiert und das dann auch entsprechend verkörpert – manchmal habe ich den Eindruck, der will seine Arbeitsweise von Bielefeld eins zu eins hier bei uns durchziehen und auch so spielen lassen – und ob das gut gehen kann?

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  8. sam sagt:

    ich hatte viel geduld mit v.heesen!! war der meinung mit der zeit klappt das schon! jetzt bin ich anderer meinung
    mit diesem trainer steigen wir nie und nimmer auf!
    es hat sich nix gegenüber dem vorjahr geändert!
    leider haben wir nur diese saison und aufzusteigen danach wird es noch schwieriger(nach wolf und pinola abgang)
    ich glaube wir werden bereits am sonntag auf den boden der tatsachen gezogen!

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  9. Gretl sagt:

    Habe auch kein gutes Gefühl, warte aber erst mal Augsburg ab. Vielleicht kommt ja dann die “sensationelle” Wende…

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  10. Zitat Info :

    Breska, hat schon in Griechenland längere Zeit RV gespielt.

    Interessanter Aspekt, guter Einwurf!

    [Übrigens: Wir beißen nicht! :mrgreen: Und wen du nicht ganz so superanonym posten würdest, Mr. “Info”, müsste ich nicht immer wieder im Spam-Ordner suchen und finden]

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