Noch nicht angekommen

Paderborn (nur so als Beispiel), schrieb ich in einem Kommentar vor Saisonbeginn, habe ja selbst genug mit sich zu kämpfen, daher habe der Club ja eher ein Luxusproblem in Liga 2. Manchmal macht Freud uns mit seinen Versprechern doch ein wahres Lehrstück aus dem Leben. Paderborn, wie ich prompt auch eines besseren belehrt wurde, ist Liga 3 und eben gerade abgestiegen gewesen…
Nicht angekommen in der Liga, das hört und liest man in Foren bis zum Stehplatz, vom Promi-TV-Experten bis zum Manager.
Nach dem verbockten Saisonstart mit mageren fünf Zählern aus fünf Partien und dem Pokal-Aus am Mittwoch bei den Bayern (0:2) verordnet Martin Bader den Profis dringend nötige Nachhilfe. „Ich bin weit davon entfernt zu sagen: ,Alles ist toll’“, erklärt der Manager unmissverständlich. Und setzt statt auf rauchende Colts auf rauchende Köpfe. „Die Jungs sollen sich endlich hinterfragen, wie unsere Gegner in der Zweiten Liga heißen, auf welche Spieler sie treffen, was deren Stärken und Schwächen sind“, vermisst Bader bislang den nötigen Ernst, sich mit der Materie gewissenhaft zu befassen.
Quelle: AZ
Dass das gar nicht so einfach ist, wie es scheint, sieht man am Besten an sich selbst. Ich für meinen Teil habe – trotz gegenteiliger Beteuerungen vor Saisonbeginn – mich heimlich ertappt, dass ich erstens nicht mal wusste, dass Paderborn nicht mehr Liga-Konkurrent ist und zweitens, dass ich nach wie vor mein Ohr mehr an der Bundesliga habe, denn Liga 2 (außer wenn der Club spielt). Jetzt sind wir zwar kein Spieler oder Verantwortlicher, aber es ist schon auch so, dass man die Einschätzungen über die Liga und die zugedachte Rolle des Clubs nebst Einzelprognosen schon durchaus selbstkritisch hinterfragen muss, wenn man bis vor dem Spieltag entweder nicht mal wusste, dass der nächste Gegner in der gleichen Liga spielt, welche Rolle er darin spielt (und bisher spielte) und welche Spieler darin zu beachten wären. Das konnte man in Liga 1 leidlich runterbeten, jedenfalls im Groben, wer heute bei Duisburg aufläuft ist mir dagegen eigentlich relativ unbekannt (und das war sogar ein Mit-Absteiger…).
„Spätestens jetzt“, hebt Bader an, „sollten alle wissen, wie der MSV auftritt, dass es ganz schwer werden wird, wenn wir den Gegner am Montag laufen lassen sollten.“ Zudem gab es in den letzten Tagen Videoschulung anhand von Fernsehbildern. „Die sollen sich mit Osnabrück & Co. beschäftigen“, mosert Bader, „wenn sie die Aufstellungen und Taktiken von Schalke, HSV und wem auch immer herunterbeten können, nützt uns das in unserer Situation gar nichts.“
Nun sind wir – wie bereits erwähnt – nur Konsumenten und Hobby-Berichterstatter, dennoch gibt einen die laxe Einstellung (laissez-faire attitude) zu denken. Dass dies den Profis auch passiert, erscheint einem menschlich, doch kann das überhaupt passieren? Denn die Behauptung als wahr unterstellt darf man dann schon fragen: Lag das an fehlender Professionalität der Spieler, Unfähigkeit des Trainerstabs das zu vermitteln oder schlicht Arroganz aller Beteiligten, dass man sich gefälligst am Club zu orientieren habe und nicht der Club am Gegner. Ich fürchte von allem ein wenig, aber vom letzteren am allermeisten (uns Fans kritisch eingeschlossen…).
Dass Fußball leider bisweilen ‘so einfach’ ist, dass man auch mit einer mittelprächtigen Mannschaft erfolgreich sein kann, wenn man defensiv die Stärken des Gegners massiv bekämpft und alle Angriffskraft auf die auserkorene Schwachstelle legt, zeigen Runde für Runde die dann oft als “Überraschung” deklarierten DFB-Pokal-”Wunder”.
Ankommen heisst also für mich nicht zwanghaft nun so zu spielen wie der klassische Zweitliga-Rumpelfußball, der im Übrigen eine überholte Mär ist, wobei ich das Spiel FSV Frankfurt gegen TuS Koblenz nur unter Zwang ein zweites Mal auf Video anschauen würde. Ankommen heisst, sich mit der gleichen Konzentration auf den Gegner einstellen, als wäre Osnabrück oder Oberhausen der Hamburger SV oder Werder Bremen. Wenn man sich deren Stärken besinnt und nach deren Schwächen sucht, sollte es möglich sein, die meisten Mannschaften in der Liga zu besiegen, auch ohne sich dabei zwanghaft auf das oft kolportierte Zweitliga-Niveau zu begeben – denn ohne kämpfen, Laufbereitschaft zeigen und aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen wird man in der BuLi kein Spiel gewinnen.
Heute Abend also Duisburg, nicht nur ein herausfordernder Gegner, weil er zufällig mit dem Club zusammen abgestiegen ist.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
1. FC Nürnberg: Schäfer – Judt, Spiranovic, Goncalves, Pinola – Mnari, Perchtold – Gygax, Mintal – Charisteas, Boakye
MSV Duisburg: Herzog – Branco, Brzenska, Schlicke, Veigneau – Christ, Grlic, Tararache, Makiadi – Wagner, Kouemaha
Duisburgs Rudi Bommer hat als Trainer der Abstieg “überlebt” wie Von Heesen, im Unterschied zu TvH allerdings auch die ersten Spiele, die mit 2 Siegen, 2 Unentschieden und 1 Niederlage, durchaus als ‘durchwachsen’ gewertet werden darf. Doch in Duisburg setzt man die Messlatte niedriger an, der sofortige Wiederaufstieg ein Wunsch aber kein zwingendes Ziel, man plant eher mit einem Jahr Neusortierung und Verjüngung – die Fans sehen das wohl (ähnlich ambitioniert wie beim Club) etwas anders…
16 Spieler sind beim MSV neu in der Mannschaft, im Durchschnittsalter von 23,9 Jahre, 16 Spieler gingen im Schnitt von 27 Jahren, das bedeutete ein Transferplus und unterstreicht die Zielvorgaben: Konsolidierung und Verjüngung – kein Aufstieg mit Gewalt. Bekannte Gesichter gibt es beim MSV dennoch genug: Nicky Adler zum Beispiel, der beim Club letztes Jahr nicht Tritt fassen konnte (wie so viele andere…), Makiadi von Wolfsburg ist ein Begriff, Heller von der Eintracht aus Frankfurt, Brzenska aus Dortmund oder Sandro Wagner von den Bayern, der mit viel Lorbeeren auf einige Einsätze auch in der ersten Mannschaft kam doch gegen einen Toni oder Klose keine Chance hatte (wen wundert’s … Poldi lässt grüßen). Alles hungrige junge Spieler unter 25, die bereits großen Mannschaften auffielen, die nun aber über Duisburg zeigen wollen, was sie können. Das ganze um den Kapitän Grilic herum, ein alter Haudegen, einer der Typen mit Prädikat “Führungsqualität”. – Ein Schwachpunkt “könnte” sein, dass der Stammtorwart Starke ausfällt – doch um den Ersatzmann zu prüfen muss man erstmal Chancen erarbeiten.
Duisburg ist vor allem auswärts diese Saison noch nicht gut aufgetreten, zuletzt verlor man quasi zweimal (2. Liga und DFB-Pokal i.E.) gegen die 60er, die sonst nun wirklich noch gar nichts diese Saison zu Stande brachten. Doch allein die Tatsache bringt dem Club gar nichts, außer eine motivierte Duisburger Mannschaft, die sicher alles daran setzen wird, diesen Eindruck zu revidieren. In der Liga angekommen sein würde nun bedeuten, die Schwächen der Duisburger, die offenbar auch in den ersten Spielen zu sehen waren, zu entdecken, ihre Stärken zu eliminieren und daraus das eigene Spiel zu finden und die Klasse, die alle attestieren, auch in Erfolg umzumünzen. Oenning ließ die Spieler im Olympiastadion im Spiel 1860 gegen den MSV auf der Tribüne Platz nehmen um sich bis kurz vor Schluß der regulären Spielzeit selbst einen Eindruck ihres nächsten Gegners und des Ligakonkurrenten aus München, und das sind die 60ern, zu verschaffen – Oenning will wohl unbedingt endlich in der Liga ankommen.
[Es folgt: Live-Blogging heute Abend]
Heute gilts, heute stehen wir an einer Weggabelung…über Kampf zum Spiel….man könnte noch tausens Sprüche bringen. Bringen muß es heute die Mannschaft, sonst kann man ihr die ZweitLigaAufstiegsTauglichkeit vorübergehend absprechen.
Heute klappte es und der Pfeil zeigt dann klar nach oben ;o). Daumen drücken !!!
Gruß von der Ostsee
Gefällt mir
0
Diese Manschaft ist einfach nur armselig. Eine Oberliga Innenverteidigung mit Concalves und Spiranovic. Zur Krönung fehlt jetzt eigentlich nur noch Engelhardt, dann ist das Gruselkabinett komplett. Aber ich bin mir sicher, den bringt dieser ehemalige Co-Trainer auch noch. Vor dem Club braucht sich keine einzige 2. Liga Mannschaft zu fürchten, denn sie ist an Hilflosigkeit nicht zu übertreffen. Die einzígen Pässe, die bei dieser Mannschaft ankommen, sind die wenn sie sich den Ball vor dem eigenen 16-ner quer hin und her schieben. Mir graut schon vor der zweiten Halbzeit, aber als Club-Fan ist man ja leidensfähig und die Hoffnung stirbt zu letzt.
Gefällt mir
0