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Zehn Spiele – dreizehn Punkte

Als Charisteas kurz nach der Halbzeit die tausendprozentige Chance zum 3:1 versemmelte, als wäre er der Hauptdarsteller in der Frank-Baumann-Revival-Show, als gleich danach Spiranovic’ Kopfball knapp am Tor vorbeiflog, als wenig später Eiglers Kunstschuss den Pfosten rasierte, als dann noch Kluge und ich weiß nicht mehr wer beste Tormöglichkeiten versiebten, da war mir klar, das läuft wie in Koblenz; und als der Schiedsrichter nach 90 plus 2 Spielminuten – endlich – abpfiff, stellte ich mit einer Mischung aus Verblüffung und Erleichterung fest, dass das, was mir klar ist, nicht immer zutrifft.

Es war wie in Koblenz – abgesehen von der Tatsache, dass die mangelnde Chancenauswertung diesmal nicht mit dem Ausgleichstreffer bestraft wurde. Na gut, der Club hatte etliche Torchanchen mehr als am Sonntag, aber was die Mannschaft über weite Strecken in puncto Offensivbemühungen ablieferte, war so wie in Koblenz und in den Spielen davor: immer wieder weite, über das Mittelfeld hinweg segelnde Bälle, die im Niemandsland zu Boden gingen oder von den RWO-Verteidigern mit Dank an den Absender in Empfang genommen wurden. Und wenn doch einmal ein Ball bei einem Club-Stürmer ankam, konnte der damit nichts anfangen, weil ihm die Unterstützung fehlte.

Mag sein, dass dieser Hauruck-Stil taktische Vorgabe ist, um das Spielgerät möglichst schnell vom eigenen Strafraum weg zum Strafraum des Gegners zu befördern, doch wird diese Taktik zum Rohrkrepierer, wenn vorne die Anspielstationen fehlen und abgewehrte Bälle nicht zurückerobert werden können, weil das Mittelfeld nicht nachrückt.

Hauptsache gewonnen – viel mehr bleibt von diesem 2:1 über Oberhausen nicht übrig. Aber es gab durchaus auch ein paar Lichtblicke in dieser Partie, deren Niveau so recht zur Tristesse des unwirtlichen Oktoberabends passte. Marek Mintal hat zum zweiten Mal in Folge in einem Heimspiel getroffen. Offenbar hat er die ihm zwischenzeitlich abhanden gekommene Tarnkappe wieder gefunden. Mintal spielte wie zu seinen besten Zeiten: unsichtbar, aber eiskalt vollstreckend, wenn die Chance da ist. Dominik Reinhardt scheint seine Formkrise überwunden zu haben. Im Spiel nach vorne setzt er derzeit wesentlich mehr Akzente als sein Kollege auf der linken Abwehrseite. Auch Peter Perchthold hat seine Rolle in der Mannschaft gefunden. Nicht nur als Abfangjäger vor der Viererkette, auch im Aufbauspiel. Sein mustergültiger Pass in die Gasse, der den Weg zu Eiglers 2:0 ebnete, war der kreative Höhepunkt des Spiels.

Beruhigend ist schon mal, dass sich der Club etwas von der Abstiegszone absetzen konnte und im Mittelfeld der zweiten Liga “angekommen” ist. Mit dreizehn Punkten aus zehn Spielen steht die Mannschaft in der Tabelle auf dem elften Platz und weist vier Punkte mehr auf als der Tabellensechzehnte, der in die Relegation muss, und sechs Punkte mehr als der Tabellensiebzehnte, der direkt absteigt.

Übrigens: In den Zweitligarunden 97/98 und 03/04 hatte der FCN nach dem zehnten Spieltag ebenfalls dreizehn Punkte auf dem Konto. Am Ende der Saison 97/98 war er Dritter, am Ende der Saison 03/04 Erster. Was ich mit diesem Hinweis sagen will, sage ich nicht; ich denke, der geneigte Leser kann es sich denken…

Nochmal übrigens: Das letzte Spiel zwischen dem Club und seinem nächsten Gegner, dem FC St. Pauli, fand am 34. Spieltag der Bundesligasaison 01/02 statt. Der Club gastierte am Millerntor und gewann mit 3:2. Ein Tor erzielte Junior (richtig, den hat’s mal gegeben, was aus dem wohl geworden ist?), die beiden anderen Tore Stürmer Kai Michalke (auch den hat’s mal gegeben).

Wann es das letzte Mal ein Doppelpack von einem Club-Stürmer gegeben hat, weiß ich nicht; ich denke, es wäre mal wieder an der Zeit.

Also, Spezialauftrag an Nr. 8 und/oder Nr. 9: Macht’s am Sonntag so wie Kai Michalke!

Und Auftrag an Nr. 11: Tarnkappe nicht daheim im Schrank vergessen!

Klingt vermessen?

Tja Freunde, Siege wirken halt belebend. Auch solche in Grottenspielen…

     

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Kommentare (10)

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  1. Besten Dank, belschanov – vor allem auch für die Ausführungen zum taktischen Spielaufbau!

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  2. dragotoschi sagt:

    Danke belschanov für Deine sachliche und präzise Ausführung. Jedenfalls hast Du erkannt, dass der Club eine einzige Baustelle ist, außer dem R. Schäfer. Wie ich aus verschiedenen Presseberichten entnehmen konnte, will M.O. am Sonntag wieder mit einem defensiven Mittelfeld anfangen. Ist St. Pauli der so übermächtige Gegner? Aber das Fragen nach dem “warum” habe ich schon seit 1 1/2 Jahren eingestellt. Ich meine aber, dass der Club derzeit besser offensiv aufgestellt sein sollte als defensiv.Da hat doch der eine oder andere Angreifer die Möglichkeit, mal ein Glückstor zu erzielen. Und die Abwehr wäre entlastet. Sobald mehrere Angriffe des Gegners auf das Clubtor laufen, kommen unsere Abwehrspieler ins “Schwimmen”. Und dann ist meine Meinung, dass der Masmanidis endlich mal eine Chance bekommen sollte. Seine Kreativität könnte das Spiel beleben. Ich muß heute ernsthaft hinterfragen; Will man noch immer aufsteigen oder langt den Verantwortlichen das “Herumgegurke und Herumgestolpere” auf dem Platz? Wenn ja, dann verkauft der Club nächste Saison keine 20.000 Dauerkarten mehr. Das ist sicher.

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  3. clyde sagt:

    also meine herren,
    diesmal liegen wir weit auseinander.
    gut, defensiv haben wir zuviel zugelassen. aber offensiv war das ein gutes spiel! wir haben uns gerade in der zweiten halbzeit ca. 4 100%ige herausgearbeitet. Was erwartet ihr denn mehr? und dass es keinen hochglanzfussball mehr zu sehen gibt (wie damals als saenko und vittek am zenit gespielt haben) ist doch auch klar.
    hallo 2. liga. kämpfen, beißen, kratzen… und wenn dann noch ein paar schöne spielzüge dabei sind, die auch noch verwertet werden ist doch alles in butter! also ich war zufrieden! zumendest mit der offensive…

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  4. manu sagt:

    das phantom ist also wieder da? hoffentlich…

    übrigens jesus junior kam damals ja vom fck und ist anschließend zu wacker burghausen gewechselt…dort dann nur noch in der II aufgelaufen…seitdem hab ich von dem nichts mehr gehört…michalke war zuletzt bei almelo, zusammen mit martin pieckenhagen…wo der jetzt wohl kickt…keine ahnung

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  5. KUZ sagt:

    Ich gebe clyde Recht. Es war doch ein nettes Spielchen in der Hälfte 2. Was auch daran lag, dass RWO mitgespielt hat! Wenn ich da an Duisburg denke…..und dass am Ende, wenn mal wieder der entscheidende Treffer nicht fällt, nicht auf Biegen und Brechen gestürmt wird, sollte uns inzwischen auch verständlich sein.Klar ist doch auch, dass das Gewürge nicht dem entspricht, was wir in den letzten Jahren erleben durften. Wir sind keine Spitzenmannschaft der Liga 2! Vielleicht werden wir es noch, aber jetzt heißt es erst mal Punkte sammeln.

    P.S. letztes Jahr um diese Zeit freute ich mich auf Everton…” sag mir, wo die Blumen sind…wann wird man je verstehen?”

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  6. @Clyde und KUZ

    Zugegeben: In der 2. HZ ging nach vorne mehr, sonst hätte der Club ja auch nicht soviele Chancen gehabt, deren mangelnde Verwertung ich in meinem Artikel beklage. Das lag daran, wie KUZ sagt, dass RWO im Bestreben, den Ausgleich zu schaffen, aufmachte. Hätte man das 3:1, das 4:1 und womöglich noch das 5:1 erzielt, würde keiner das Offensivspiel kritisieren. Dann wär’s ein “nettes Spielchen” gewesen und kein Zitterspiel.

    Unverkennbar ist aber, dass sich der Club sehr sehr schwer tut, einen Abwehrriegel zu knacken. Da wird dann so agiert, wie ich das beschrieben habe: hoch und weit übers Mittelfeld hinweg, totale Absage an “spielerische” Lösungsansätze. Vielleicht geht das auch gar nicht anders, weil man aufpassen muss, keine Konter zu fangen. Ich glaube wirklich, dass dieses “kick and rush” Konzept ist, aber es müsste dann schon etwas mehr “rush” rein, damit mehr Druck erzeugt wird. Sonst sieht das Angriffsspiel so aus wie in Koblenz und wie gegen RWO bis zum 1:0.

    Ich sehe die Probleme weiterhin eher im Offensivspiel als in der Defensive. Im Mittwochspiel fand ich Goncalves übrigens gar nicht so schlecht.

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  7. KUZ sagt:

    @belschanov: die Abwehr hat ja auch einen Schäfer!! Spiro ist hinten der große Unsicherheitsfaktor.Vorne haben wir 2,5 Strafraumstürmer aber keine, die über die Flügel kommen können.Ich habe noch ein klein wenig Hoffnung bei Breska, dass er mal auftaut nach TvHs ” Winterchaos ” des 2. Spieltages. Alleiniger Heilsbringer kann er aber auch nicht sein.

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  8. dragotoschi sagt:

    Gr. Fürth hat sich heute gerade mit dem 1:1 gegen Wiesbaden auch nicht mit Ruhm bekleckert.Daher will ich mich mit meiner Kritik am Club künftig zurückhalten. Ich gelobe Besserung!(Ehrlich)

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  9. @KUZ

    Gygax ist ja leider verletzt…

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  10. [...] aufgefordert werden. belschanov, unser Co-Autor, hat vorgelegt und ich lege nach, beides bitten wir im Kontext zu lesen: Denn andere Sichtweisen kann man gar nicht genug bekommen, um sich ein eigenes Bild machen zu [...]

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