Aus, Ende, Ananas – und was nun?

Als Neururer und Oenning nach der 2:2-Niederlage des Clubs in Duisburg zusammen mit dem DSF-Reporter vor der Kamera standen, hätte das Minenspiel der beiden Trainer unterschiedlicher nicht sein können. Neururer grinsend wie ein Pokerspieler, der in der letzten Runde einen nicht mehr für möglich gehaltenen Coup gelandet hat. Oenning dreinblickend, wie eben jemand dreinblickt, der den großen Coup gelandet hätte, wenn beim finalen Showdown das Spielerglück nicht gnadenlos gekippt wäre. Neururer – der auch in dieser Woche nicht zum Friseur darf, obwohl er einen Haarschnitt dringend nötig hätte – aufgeräumt und munter plaudernd. Oenning sichtlich angeschlagen und wortkarg.

Dabei hatte Oenning bei diesem Spiel alles richtig gemacht. Kurz vor dem Abpfiff wechselte er Bunjaku ein und bei dem ging prompt der Knopf auf. Sehenswert sein Treffer zur 2:1-Führung in der 89. Minute.

Dass Oenning nach dem Spiel dann so zugeknöpft war, lag daran, dass seine Spieler im Anschluss an den Führungstreffer aus der offenbar unerschöpflichen Fundgrube der Club-Idiotien mal wieder eine der Kapriolen hervorzauberten, die im Magen-Darm-Trakt des Club-Fans Montezuma in Aktion treten lassen, während sich der Rest der Fußball-Welt den Bauch vor Lachen kaum halten kann.

Zuerst spielt Mintal, der in puncto Spielverständnis keineswegs ein Blindgänger ist, aber in diesem Augenblick Knöpfe auf den Augen hatte, Kluge auf Höhe der Mittellinie so dämlich an, dass der sich nur mit einem Foul zu helfen weiß. Bei dem anschließenden Freistoß, der eine halbe Ewigkeit lang hoch und weit unterwegs ist, macht Eigler, der in den letzten Sekunden dieses von ihm selbst als richtungsweisend bezeichneten Spiels bereits die Schlafmütze über die Augen gezogen hatte, keine Anstalten, zum Kopfball zu gehen. Gerührt von diesem Trauerspiel seines Mannschaftskameraden, zieht dann auch Schäfer die Schlafmütze nach unten, so dass er keine Hand frei hat, um den nicht gerade hart und platziert gesetzten Kopfball daran zu hindern, genüsslich ins Tor zu trudeln.

Na gut, Freunde. Jetzt wissen wir wenigstens Bescheid. Richtungsweisende Spiele wird es für unsere Mannschaft in dieser Saison wohl nicht mehr geben. Auch keine Endspiele mehr – ausgenommen solche im Kampf um die goldene Ananas im Niemandsland der zweiten Liga.

Zweite Liga…

…das wird, sollte sich nicht das achte Weltwunder ereignen, auch in der nächsten Saison die Heimat des 1. FC Nürnberg sein.

Ich glaube nicht an das achte Weltwunder und auch Oenning scheint das nicht zu tun. Seine in den Nürnberger Nachrichten zitierte Äußerung, dass es für die Entwicklung der jungen Spieler wie Reinartz, Diekmeier und Frantz vielleicht ungünstig sein könnte, wenn sie schon jetzt mit dem Abstiegskampf in der Bundesliga konfrontiert werden würden, interpretiere ich so, dass er sich mit dem Nicht-Aufstieg abgefunden hat und den Fans nahelegt, sich schon mal gedanklich auf ein weiteres Jahr in der zweiten Liga einzustellen.

Die jungen Spieler könnten ein weiteres Jahr zweite Liga gut gebrauchen, sagt Oenning.

Tröstlich ist ja schon, dass er von einem weiteren Jahr zweite Liga spricht. Aber woher nimmt er die Gewissheit, dass seine Mannschaft in der nächsten Saison das Ziel erreicht, das sie in dieser Saison wohl bereits zum jetzigen Zeitpunkt verspielt hat?

Ich habe da so meine Zweifel. Ich befürchte, dass Peer Kluge, Andreas Wolf und Javier Pinola nicht bereit sind, ihren Aufenthalt in Liga zwei zu verlängern. Wenn sie den Verein nach dieser Saison verlassen, fehlen die Führungskräfte,  die den jungen Spielern Orientierung geben. Ob man auf dem Transfermarkt angemessenen Ersatz für dieses Trio findet, ist fraglich. Denn eins ist klar: Ein finanzieller Kraftakt wie in dieser Saison, in der allein aufgrund des hohen Etats des Spielerkaders der Aufstieg eigentlich Pflicht wäre, wird in einer weiteren Zweitligasaison nicht mehr möglich sein. Davon auszugehen, dass der Club im nächsten Jahr mit einer “billigen” Mannschaft das schafft, was er mit einer (vielleicht zu) teuren Mannschaft, nicht geschafft hat, halte ich für naiv.

Nach dem Abstieg als deutscher Meister im Jahr 1969 dauerte es neun Jahre, bis der 1. FC Nürnberg wieder in der Bundesliga war. Wieviele Jahre es nach dem Abstieg als Pokalsieger dauert, wird man sehen…

Dabei war ja schon dieses eine Jahr zweite Liga ein Jahr zuviel.

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3 Kommentare zu “Aus, Ende, Ananas – und was nun?”

  1. [...] wohl ähnlich trübe wie nach der 2:2-Niederlage unserer Mannschaft im diesjährigen Auswärtspiel in Duisburg. Zumindest ist nicht damit zu rechnen, dass ich noch damit gerechnet habe, dass der Club am Ende [...]

  2. [...] “Ja”, sagte Hannes, “das ist ein Clubfan, der schreibt im Internet Artikel über den FCN, in einem Blog für FCN-Fans. Ist ein ziemlicher Pessimist. Wenn’s nicht gut läuft, malt er den Teufel an Wand und schildert die Zukunft in den schwärzesten Farben. Bei dem ist das Glas immer halbleer. In der letzten Saison hat er den FCN mehrmals für tot erklärt (klick und klick).” [...]

  3. [...] der sieht immer schwarz, nach dem Spiel in Duisburg hat der einen Artikel geschrieben, so ganz in dem Tenor, alles gelaufen für den Club, aber nicht nur in dieser [...]

  • Juwe: Also ich will ja nicht unromantisch sein, aber die Sozialkompetenz für einen Fußballer! wird für meinen...
  • Optimist: Alexander | Clubfans United: Teamplayer auf hohem Niveau lassen sich nicht antrainieren, das muss man als...
  • Alexander | Clubfans United: Juwe: Na ja, man kann eher einen begabten, talentierten Spieler zum Teamplayer...
  • Juwe: Na ja, man kann eher einen begabten, talentierten Spieler zum Teamplayer erziehen, als einen unbegabten...
  • Alexander | Clubfans United: Optimist: ..eher mit Talent, Begabung, denn “Können” kann man antrainieren, aber ich...
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