Lyrikstunde
ER ISTS
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja Du bists!
Dich hab ich vernommen!
(Eduard Mörike, 1804-1875)
Wenn ich Schüler wäre und zu diesem Mörike-Gedicht, das ich mittlerweile in meinem alten Lyrikband nachgeschlagen und sogar auswendig gelernt habe, einen Aufsatz anfertigen müsste, wäre mir ziemlich klar, was ich zu schreiben hätte.
In dem blauen Band würde ich – zugegebenermaßen eine etwas gewagte Interpretation – einen rot-schwarzen Schal erblicken, die süßen, wohlbekannten Düfte wären für mich ein olfaktorisches Bild für den über dem Frankenstadion wehenden Bratwurstduft, der sein volles Aroma bekanntlich nur dann entfaltet, wenn der 1. FC Nürnberg in der Bundesliga spielt, den leisen Harfenton würde ich als schüchternen Vorboten dessen deuten, was in dem “Lied mit dem U-U” (Zitat Hans Meyer) ausgedrückt wird – und schon wäre ich bei den träumenden Veilchen angekommen.
Ich weiß nicht, welche Note mir mein Deutschlehrer auf diesen Aufsatz geben würde, und ich weiß auch nicht, würde es aber gerne wissen, was Marcel Reich-Ranitzki zu dieser Gedichtinterpretation sagen würde. Vielleicht würde er sich ja lobend über die frühlingshaft blühende Phantasie des Autors äußern. Na ja, eher ist zu vermuten, dass er das vernichtende Urteil Trrrivialer Blödthinn, dummeth Gerrrede aussprechen würde. Futhball und Literrraturrr, wie patht dath zuthammen?, würde er wohl sagen und in der von mir vorgenommenen Reduktion hoher Poesie auf die (in meiner Sicht welterklärende) Formel “Ball rund muss in Tor eckig” ein Indiz für den um sich greifenden Verfall der Kultur sehen.
Nun mag es ja sein, dass meine Betrachtungen über das Mörike-Gedicht aus literaturkritischer Sicht trrrivialer Blödthinn sind. Dass aber Fußball und Literatur nicht zusammenpassen, ist schlichtweg falsch. Dies beweist – und damit komme ich zum eigentlichen Thema – das folgende Gedicht aus der Feder eines renommierten deutschssprachigen Gegenwartsliteraten:
Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg
vom 27. 1. 1968
WABRA
LEUPOLD POPP
LUDWIG MÜLLER WENAUER BLANKENBURG
STAREK STREHL BRUNGS HEINZ MÜLLER VOLKERT
Spielbeginn:
15 Uhr
Keine Angst! Ich bitte Euch nicht darum, einen Aufsatz über dieses Gedicht zu schreiben (obwohl, wer Lust hat…). Ich bitte Euch nur darum, zwei Fragen zu beantworten:
Frage 1: Von welchem Autor stammt dieses Gedicht?
Frage 2: An der Mannschaftsaufstellung ist ablesbar, dass es sich bei dem in dem Gedicht thematisierten Spiel nicht um ein Bundesligapunktspiel des 1. FC Nürnberg handeln kann. Woran ist das ablesbar?
Also, Freunde, auf geht’s! Vertreiben wir uns noch ein bisschen die Zeit mit einem kleinen Ratespiel, bevor es am Sonntag ab 14:00h wieder ernst wird. (Dass Mainz im Heimspiel gegen Ahlen nicht über ein 0:0 hinausgekommen ist, kommt uns sehr entgegen…)
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Hallo belschanov,
Mainz hat gegen Ahlen Unentschieden gespielt? Die Mainzer sollten ihre Heimspiele auswärts austragen …
Platz 2 ruft! Es kommt mir so vor, als hätte ich so was schon mal gesagt.
Zum Ratespiel, auch wenn ich kein Lyriker bin:
1) Normalerweise sollte der Autor Max Merkel sein, aber das ist zu einfach, oder?
2) Abzulesen könnte es daran sein, dass Horst Blankenburg für den Club nie ein Bundesligaspiel bestritten hat.
Im DFB-Pokal durfte er dann in der ersten Runde mal gegen die Nicht-Profis von Bayer Leverkusen ran.
Gruß aus der Klappergass’
Kid
Peter Handke ?
Tja Freunde, da hat nachts, wenn der Club-Fan schläft, in der Klappergass’ der Wecker geklingelt. Blankenburg ist richtig und die Erklärung, die Kid dazu gibt, ebenfalls. Woher der das wohl so schnell wusste? Ich dachte eigentlich, bei dieser Frage müsste mal wieder Derbfuss ran.
Ein dreifach schallendes HIPP HIPP HURRA auf Kid Klappergass!
Und auch die zweite Frage ist bereits richtig beantwortet. Peter Handke heißt der Autor dieses Gedichts. Warum hat er dafür eigentlich noch nicht den Nobelpreis bekommen?
Übrigens (wen’s interessiert…): Das Buch, in dem das Gedicht erschienen ist, trägt den Titel “Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt”.
Ein dreifach schallendes HIPP HIPP HURRA auf michel!
Ehrlich gesagt: Die Sache ist mir etwas zu schnell gegangen. Für die nächste Raterunde muss ich mir unbedingt was Kniffligeres einfallen lassen…
Zum Glück gibt es ja die Fußballkulturverbreiter von den ELF-Freunden und in ihren 25 Dingen zum Club steht natürlich auch diese wunderschöne Ode:
Peter Handke verewigte die Mannschaftsaufstellung des 1.FC Nürnberg vom 27. Januar 1968 in einem Gedicht. Was wiederum den FAZ-Besserwisser Volker Weidermann bis heute nicht ruhen lässt: »Nicht Leupold, wie im Gedicht vermerkt, lief damals als linker Verteidiger auf, sondern Hilpert. Das ist der Unterschied. Das Gedicht ist wertlos.«
Schön auch zu sehen, dass die FAZ dichterische Freiheit bei einer Fußballmannschaft nicht gelten läßt.
@Armin:
Ich erinnere mich, dass da mal in einem ELF-Freunde-Heft was über den Club war. Leider weiß ich nicht mehr, in welcher Ausgabe das war. Kannst Du mir weiterhelfen? Wäre nett…
Habe gerade im den Weiten des Netzes recherchiert, dass es sich bei dem Spiel, auf den sich die Gedicht-Aufstellung bezieht, um ein DFB-Pokalspiel der 1. Runde in der Saison 67/68 handelt: Bayer Leverkusen gegen FCN 0:2, Tore durch Strehl (3. Minute) und Starek (83.). Leverkusen spielte damals in der Regionalliga West (damals 2. Liga), der Club wurde am Ende der Saison bekanntlich deutscher Meister.
Die Aufstellung ist “falsch” (oder besser fiktiv?), weil – ganz wie Armin sagte – statt Leupold Hilpert spielte. Leupold wurde dann aber in der 73. Minute für Blankenburg eingewechselt.
Auf die Frage, ob das Gedicht aufgrund der von Handke vorgenommenen Verfälschungen “wertlos” ist, will ich hier nicht näher eingehen…
Hallo zusammen,
@Belschanov
Aber ich hätte es auch ohne Internet nicht gewußt
Daß Du es mir zugetraut hast freut mich richtig.
Das Rätsel zum Wochenende hab ich diesmal total verschlafen
Wünsch allerseits schönes (und erfolgreiches) Wochenende.
Kein klingelnder Wecker, belschanov, eher schlaflos in Sachsenhausen.
Blankenburg fiel mir in der Aufstellung gleich auf weil ich ihn mit Ajax Amsterdam und dem HSV, aber nicht mir dem Club in Verbindung brachte. Ein kurzer Blick in fussballdaten.de und die Lösung lag nah. Das Internet ist eine tolle Sache, wenn man es nutzt.
Ich verstehe aber, dass es dir mit der Lösung zu schnell gegangen ist. Ich kenne das Gefühl, es geht mir ja ähnlich, wenn ich an einem “rätselhaften” Blogeintrag lange sitze und dann in Nullkommanix die Lösung präsentiert bekomme.
Gruß aus der Klappergass’ und drei Punkte für euch heute!
Kid
@Kid Klappergass: Ich gestehe , ich mag Dich nicht, Kid !!! Das hat absolut nichts damit zu tun, dass Du in unserem Blogg wilderst oder gar als erster unsere knifflige Fragen beantwortest . Das hat damit zu tun, dass sich eine gewachsene Antipathie in einem anderen Forum zwischen Frankfurt und Nürnberg in den letzten Jahren entwickelt hat ( meine Sonntagsfrage an Dich: wer hat damit wohl angefangen?? ) , die ich inzwischen in meinem Kopf schon als ” historisch gewachsen” empfinde. Und dann erscheint hier ein richtiger “Eintracht- Sympath” !! … einer, der uns sogar für das heutige , richtungsweisende Spiel 3 Punkte wünscht….
Ich habe mich am Sonntag morgen, bei Sonnenschein und bestem Wetter, sogar in Deinem Blogg umgesehen. Ich versteh die Welt nicht mehr….
Hallo KUZ,
das verstehe ich, nicht mal ich kann mich leiden.
belschnaov ist schuld, auch wenn er behaupten wird, ich sei es, weil ich mich hier nach eurem Sieg in Frankfurt zu Wort gemeldet habe. Immer wieder taucht dieser Mensch in meinem Blog auf und glänzt durch Fachwissen, tolle Tipps und klasse Kommentare, gepaart mit der Liebe zum Fußball und seinem Club. Was sollte ich machen? Nur gegenbesuchen und schweigen?
Danke für deinen Besuch in der Klappergass’, in der nächsten Saison will ich euch aber live im Waldstadion sehen. Als Gegner, versteht sich, damit die Welt wieder in Ordnung ist.
Haut ‘rein!
Servus Kid, geh doch einfach am kommenden WE schon ins Waldstadion… komm einfach auf die richtige Seite der Macht.. da kannst Du schon mal anfangen
Hallo KUZ,
ich habe tatsächlich vor, ins Waldstadion zu gehen, weil ich mir in dieser Saison ein Spiel des FSV dort ansehen will. Das Gastspiel des Clubs kommt mir da gerade recht.
@KUZ:
Ich hoffe, ich liege richtig, wenn ich das, was Du in Eintrag 9 und 11 schreibst, so verstehe, dass dein Geständnis, dass Du Kid nicht leiden kannst, voreilig war. (Gibt es wirklich eine “historisch gewachsene” Fan-Feindschaft zwischen dem Club und der Eintracht?)
@Kid Klappergass:
Ich habe da schon zwei Fragen im Hinterkopf, bei denen Du mächtig ins Schwitzen kommen wirst (bilde ich mir zumindest ein).
Gratulation übrigens zum gestrigen Sieg der Eintracht, der in einigen Phasen ähnlich “kitzlig” war wie der heutige Sieg des Clubs. Nach diesem Spieltag fällt wohl endgültig ein potentieller Relegationsgegner für den Club weg…
Hallo belschanov,
KUZ kann mich nicht “leiden”, weil ich seine “Welt” durcheinander gebracht habe. “Historisch gewachsene Feindbilder” geraten ins Wanken, ich finde das sehr schön ge- und beschrieben.
Ich komme übrigens öfter ins Schwitzen als du vermutest. Ich weiß wirklich, dass ich nichts weiß. Kunststück, wenn man sein Herz einem Verein schenkt, der auf eine 110jährige Geschichte zurückblickt.
Danke für den Glückwunsch. Ja, das war knapper als es dem Ergebnis nach aussieht. Wenn Pröll bei Marins erster Chance nicht auf dem Posten gewesen wäre …
Und: Der Club hat keinen Relegationsgegner, ihr steigt direkt auf, ich bleibe dabei.
@Kid, mal ein Wort von mir: Sei gegrüßt und fühl dich als Frankfurter Adler hier wohl und willkommen. Wir haben hier natürlich eine dicke Vereinsbrille auf der Nase, eine interessanten Stimme, die zudem – und den Eindruck habe ich bereits – das respektvolle Miteinander über Vereinsgrenzen schätzt und pflegt, ist hier aber immer gern gesehen.
Hallo Alexander, die dicke Vereinsbrille gehört dazu, ich gehe nie ohne aus dem Haus.
Danke für den herzlichen Willkommensgruß, vielleicht sieht man sich beim Spiel in Frankfurt gegen den FSV. Es würde mich freuen.