Die Wiederkehr des Gleichen
Wenn ich Journalist beim “Kicker-Sportmagazin” wäre und man mich mit der Aufgabe betraut hätte, im Sonderheft für die Saison 2009/2010 den Artikel über den 1. FC Nürnberg zu schreiben, wäre mir der Einstieg in den Text ziemlich leicht gefallen. Als Schlagzeile hätte ich gewählt:
Das Wunder nach der Wende
Der Artikel-Vorspann würde lauten:
Die Not zwang Nürnberg auf den Erfolgskurs. Heute dankt der Club dem Schicksal, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als auf ein blutjunges Team zu vertrauen.
Der erste Absatz des Artikels würde sich so lesen:
Die Bundesliga hat ihn wieder, den 1. FC Nürnberg! Nach dem Abstieg aus der Bundesliga gelang einer stark verjüngten Club-Mannschaft auf Anhieb die Rückkehr in die Eliteklasse des deutschen Fußballs. Niemand hätte nach den Turbulenzen, die in der Vorrunde der letzten Saison am Valznerweiher herrschten, damit rechnen können.
So treffend diese Sätze sind, so sehr hätte ich mich mit ihnen schuldig gemacht. Ich hätte gegen das Copyright verstoßen. Diese Sätze sind schon einmal geschrieben worden; ich habe sie – abgesehen von ein paar der Aktualität geschuldeten Änderungen – wortwörtlich übernommen. Wer das “Kicker”-Sonderheft der Saison 1985/86 besitzt, kann sich persönlich von meinem Plagiat überzeugen. Er braucht nur die Seite 59 aufzuschlagen.
Dass mir die Vorrunde der hinter uns liegenden Zweitligasaison wie ein Remake der Vorrunde der Zweitligasaison 1984/85 vorkam, habe ich in meinen Artikeln A glaans Rewöldla und Remember 85 dargelegt. Dass auch die Rückrunde nach dem Drehbuch des Originals verlaufen würde, habe ich gehofft, darauf gewettet hätte ich nicht.
Vielleicht hatte ich aber so etwas wie eine Vorahnung. In Remember 85 schrieb ich:
Mit den von Bayer Leverkusen losgeeisten U-19-Europameistern Reinartz und Risse (und auch mit dem Bremer Diekmeier?) stoßen nun noch weitere “junge Wilde” zum Club. Wenn diese Neuzugänge ähnlich gut einschlagen wie die bereits bewährten Jungspunde Perchthold, Maroh und Frantz, wenn Wolf und Gygax wieder zur Verfügung stehen, wenn Kluge (für mich der Mann der Vorrunde) sich weiterhin so stark präsentiert und wenn Mintal sich noch mehr steigert, als er das im bisherigen Saisonverlauf ohnehin schon getan hat, ist die Hoffnung, dass die bevorstehende Rückrunde ein Remake der Rückrunde der Saison 1984/85 wird, keine blanke Utopie.
Ist doch im Prinzip so gekommen, wie ich es gehofft habe.
Reinartz, der jetzt leider wieder in Leverkusen ist, und Diekmeier schafften auf Anhieb den Sprung zum Stammspieler, Risse zeigte gute Ansätze.
Kluge spulte weiterhin emsig sein Pensum herunter und Mintal demonstrierte denjenigen, die an ihm zweifelten, dass es an seinem Leistungsvermögen nichts zu bezweifeln gibt.
Obwohl Gygax die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht so recht erfüllen und Wolf wegen erneuter Verletzung auch in der Rückrunde kaum mitwirken konnte, ist unsere Mannschaft jetzt wieder in der Liga, in die sie gehört. Dass der Einzug ins Oberhaus des deutschen Fußballs nicht so glatt verlief wie 1985, sondern erst nach dem retardierenden Moment der Relegationsspiele gebucht war, kann als dramaturgischer Spezialeffekt interpretiert werden, durch den sich ein gelungenes Remake von der Originalversion absetzt.
Beleuchtet man die Situation unserer Mannschaft vor der Saison nach dem Remake, landet man mitten im nächsten Rendezvous mit 1985. Damals wie heute vertraute die Vereinsführung auf den inneren Zusammenhalt der im Aufstiegskampf erfolgreich erprobten Mannschaft und nahm nur punktuelle Ergänzungen im Spielerkader vor. Im Kicker-Sonderheft der Saison 1985/86 schrieb Helmut Dirschner (S. 59):
Schon gab es wieder Stimmen, die den Kauf von erfahrenen Spielern forderten; sonst wäre der Abstieg vorprogrammiert, prophezeien sie düster. Doch das Präsidium [...] ließ sofort deutlich erkennen, daß es seinen eingeschlagenen Kurs unbeirrt weitersteuern wird. Die Verpflichtungen des Jugend-Nationalspielers Sebastian Hafner (18) von 1860 München und des Amateurs Heinz Schneider (24) vom Bayernliga-Aufsteiger SpVgg Weiden sind klarer Beweis.
Im aktuellen Kicker-Sonderheft schreibt Christian Biechele (S. 56f.):
Oft hatte man ihn gehört in Nürnberg, jenen Satz der jüngst auch Trainer Michael Oenning locker von den Lippen ging: “Wir vertrauen der Aufstiegself.” Nur, dieses Mal hält der Club tatsächlich Wort und Kurs, blinkt nicht mehr links, um dann doch rechts abzubiegen. [...] “Den großen Umbau nach dem Abstieg [...] haben wir im Winter abgeschlossen”, erklärt Bader, warum sich die Franken beim vorsaisonalen Einkaufsbummel zurückhielten und mit Mittelfeldspieler Thomas Broich (28) und dem im Winter an Leverkusen ausgeliehenen Stürmer Angelos Charisteas (29) nur zwei gestandene Akteure holten. [...] Oder, um es mit Michael Oenning zu sagen: “Wir haben uns eine Hierarchie und eine Spielphilosophie erarbeitet – wieso sollten wir da von vorne beginnen?”
Und weiter:
Und so geht der jugendlich wirkende, eloquente 43-Jährige als Cheftrainer in seine erste Bundesliga-Saison mit einem Kader, dessen Durchschnittsalter knapp über 24 Jahren liegt. Da drängt sich die Gleichung nahezu auf: zweimal jung und unerfahren ergibt Risiko im Quadrat.
Allerdings:
Nur, so unerfahren ist der Kader nicht, Raphael Schäfer, Andreas Wolf, Javier Pinola, Jawhar Mnari oder Marek Mintal lassen grüßen. In den Relegationsspielen gegen Cottbus standen acht erstligaerprobte Recken auf dem Platz.
Anders als heuer war im Kader von 1985, der ein Durchschnittsalter von 22 Jahren aufwies, die Balance aus jünglingshafter Frische und gediegener Erfahrung nicht von vornherein gegeben. Da von den vier Neuzugängen – neben Schneider und Häfner stießen noch Joachim Philipkowski und Jörg Neun zum Club – nur Philipkowski Bundesligareife zeigte, musste angesichts einer nicht enden wollenden Serie von nicht gewonnenen Spielen gegen Ende der Vorrunde Verstärkung geholt werden. Die kam in Person der beiden “Wikinger” Jörn Andersen und Anders Giske. Besonders Giske – vielleicht der beste Abwehrspezialist, den der Club in den letzten 25 Jahren hatte – brachte mit seiner Routine Stabilität ins Club-Spiel und leistete einen entscheidenden Beitrag dazu, dass der direkte Wiederabstieg vermieden wurde.
Am 29. Spieltag der Saison 1985/86 gewann der FCN daheim gegen den 1. FC Saarbrücken durch Tore von Dieter Eckstein (8. Minute) und dem eingewechselten Frank Nitsche (74. Minute) mit 2:0 und stellte mit diesem Sieg die Weichen in Richtung Klassenerhalt. Die Startaufstellung in dieser Partie entspricht so ziemlich der Stammformation dieses Spieljahres (klick):
Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg
vom 29. 3. 1985
HAIDER
GISKE LIEBERWIRTH GRAHAMMER
TH. BRUNNER REUTER GÜTTLER N. WAGNER
DORFNER
ANDERSEN ECKSTEIN
Spielbeginn:
15 Uhr 30
Die Elf, mit der der Club im Heimspiel gegen Schalke 04 in die neue Saison startet, könnte so aussehen (klick):
Die mögliche Aufstellung des 1. FC Nürnberg
am 8. 8. 2009
SCHÄFER
DIEKMEIER WOLF PINOLA BIELER
MNARI
KLUGE MINTAL GÜNDOGAN
EIGLER BOAKYE
Spielbeginn:
15 Uhr 30
Ich will darauf verzichten, einen Qualitätsvergleich zwischen diesen beiden Formationen anzustellen. Der geneigte Leser möge selbst Überlegungen anstellen und diese gegebenenfalls in einem Kommentar in die Debatte werfen.
Tja, Freunde, dann wollen wir mal hoffen, dass das kommende Bundesligaspieljahr ein Remake der Saison 1985/86 wird und unsere Mannschaft das Klassenziel erreicht. Diesmal aber bitte – und ich denke, da sind wir uns alle einig – ohne retardierendes Moment…
Ich möchte vorne weg noch sagen, dass der Artikel mal wieder super geschrieben ist. Nur dass ich nicht jetzt als Miesmacher dastehe
Ich möchte nämlich einen kritischen Aspekt von solchen geschichtlichen Verbindungen aufzeigen. So gibt es in der Tat wissenschaftliche Bemühungen, die sich damit beschäftigen wie “gleich” die Tode von A.Lincoln und Kenedey waren. Wenn man die Gemeinsamkeiten betrachtet ist man fasziniert von den dargestellten Fakten. Man kommt nur zu dem Schluss: Da ziehen dunkle Mächte ihre Strippen hinter den Kulissen . Genauso haben die Menschen vor der Zahl 13 Angst. Es gibt ein paar negative Ereignisse die mit dieser Zahl verbunden werden.
Die Frage dabei ist, wann glaubt man am ehesten, dass zwei Ereignisse zusammen gehören sollen? Es hängt einerseits davon ab wie viele Gemeinsamkeiten gefunden werden und andererseits entscheidet die Intensität in der die Gemeinsamkeiten auftreten. Bei Lincoln und Kennedy sind es die hinterhältigen Tode, die am meisten verwundern, sodass man hier Gemeinsamkeiten sucht.
Das Gegenteil kann man immer erst sehen, wenn man die Unterschiede betrachtet. Diese werden in den “Verschwörungstheorien” meist nicht aufgeführt. Das geschieht aus guten Grund, denn die Unterschiede lassen die Verbindungen meist wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.
Natürlich klingt die Geschichte in diesem Artikel super interessant. Aber ich denke man kann aus ihr auf keinem Fall die Zukunft vorhersehen. So ist sie bestimmt auch nicht gedacht. Aber um noch mal auf mein Thema der Verbindungen zurück zu kommen:
Wo liegen denn die Unterschiede zwischen dem Jahr 85 und 2009? Das ist eine Frage die nur ihr mir beantworten könnt, denn im Jahre 85 war ich gerade mal 3 Jahre und habe Fußball noch überhaupt nicht wahrgenommen.
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Prima Artikel Belschanov. Mit dem Beginn (Kicker SoHe 85) hast Du mich ganz schön “geleimt” und ich hab spontan in den alten Sonderheften gewühlt. Hier liegen die 3 “Lieblingshefte” immer ganz oben auf dem Stapel
(78/79 80/81 und 85/86) Und im Ersten ist dann zu lesen: “DIE JUGEND BLEIBT SEIN FAUSTPFAND: mit seiner blutjungen Mannschaft schaffte der Club den Wiederaufstieg. Auch in der BL setzt er auf den Elan und die jugendliche Begeisterung.” Und unter Trainer ist dann noch zu lesen: “Werner Kern ist der jüngste Bundesliga-trainer der Saison”
Ach ja. Im Fußball wie im Leben wiederholt sich halt doch vieles. So will ich zusammen mit Dir hoffen, daß sich diesmal noch DAS wiederholt, was damals unter Heinz Höher gelang,- ABER ein Ende der Wiederholungen wünsche ich mir spätestens dann, wenn die Bauern auf unsere Talente aufmerksam werden. Damit nicht wie ehemals wieder 2-3 gen Süden wechseln.
Schönen Sonntag.
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Belschanov, bei Jörg Neun muss ich ein wenig ergänzend einschreiten
“Bundesligareife” zeigte er häufig..er war bei Mönchengladbach langjähriger Stammspieler und machte ca 300 BuLi-Spiele. Er war damals in den wenigen Wochen, die er beim Glubb war, einer meiner Lieblingsspieler. Er schoss sogar ein Tor, und dass er großes Potential hatte, zeigte er, meiner Meinung nach, auch beim Glubb. Ich hatte aber den Eindruck, dass er sich bei uns nicht so wohlfühlte.Ich glaube, er passte nicht in das Gefüge und Konzept der Mannschaft. Er wurde ja gleich wieder abgegegen ( in Erinnerung habe ich so den September/Oktober), was mich damals trotzdem sehr überraschte.
Heinz Schneider war doch der Mann mit ” Schmackes” in den Beinen. Wenn er ballerte, ging, glaube ich mich erinnern zu können, immer ein Raunen durchs Rund…es könnte aber auch an der scheinbar unkontrollierten Richtung des Geschosses gelegen haben…
Ansonsten sehe ich jetzt richtig beruhigt der neuen Saison entgegen. Bei so vielen Parallelen..Dass Diekmeier den Reuter spielt,ist klar, Dorfners Part übernimmt dann Risse ( Leihspieler)…nur wer macht dann den Eckes??? Belschanov, jetzt kannst Du es zugeben: Eigler ist Dein neuer ” All-Time Hero”……
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Also, das Pendant zu Eckes ist natürlich Marek. Eckes war ja ebenfalls absolut Kult. Praktisch unantastbar. Stand für den Club schlechthin.
Spielerisch wären sich die beiden auch nicht so unähnlich. Eckes war ebenfalls beidfüßig, aber im Gegensatz zu Mintal schneller. Dafür ist Mintal der mannschaftsdienlichere Spieler.
Jörn war ein echter Mittelstürmer. Unglaublich kopfballstark. Da kommt Boakye bei weitem nicht ran.
Am meisten Ähnlichkeit mit Anders Giske hat vom Typ her Andi Wolf – ähnlich robust und mit ähnlicher Übersicht und Ruhe.
Hansi Dorfner war ein richtiger Regisseur. Der fehlt uns heute auch ein wenig.
Ansonsten pflegten/pflegen die beiden Teams natürlich völlig verschiedene Spielstile. Das 85er Team spielte gnadenlos offensiv und wäre damit fast abgestiegen. Weil man vorne die besten Dinger versiebte und hinten offen war wie ein Scheunentor. Bis dann eben Anders und Jörn kamen.
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@Derbfuss
Ja, auf ein Remake in puncto Ausverkauf können wir verzichten. Wäre schön, wenn Diekmeier, Maroh, Gündogan und Co. langfristig beim Club bleiben würden.
@KUZ
Ja, bei Neun trifft mangelnde “Bundesligareife” nicht zu, da gebe ich dir Recht.
Eigler mein “All-Time-Hero”? Das muss ein schlechtes Gerücht sein…
@BSE08
Die “besten Dinger” hat der Club gestern auch versiebt. Obwohl er gar nicht so “gnadenlos offensiv” spielte wie die 85-er-Truppe…
@ElectricMaxxx
Wenn ich von “Wiederkehr des Gleichen” und “Remake” usw. spreche, meine ich nicht, dass es eine geheime (Fußball-)Instanz gibt, die das (Fußball-)Geschehen aus dem Verborgenen lenkt. Ich meine damit etwas, was jeder Einzelne von uns ständig tut. Jeder Mensch bewertet seine neuen Erfahrungen und Erlebnisse, indem er sie mit bereits gemachten Erfahrungen vergleicht, d.h. er projiziert das aktuell Erlebte auf die Folie des in seiner persönlichen Vergangenheit erworbenen Erfahrungsschatzes. Er ordnet Erfahrungen nach dem Schema “Das ist so wie damals…” versus “Sowas habe ich noch nie erlebt…”. Und wenn ich das, was beim FCN seit gut einem Jahr passiert, auf meine FCN-Biographie beziehe, stelle ich Ähnlichkeiten zu den Jahren 1984 und 1985 fest.
Natürlich lassen sich aus diesen Erfahrungsähnlichkeiten keine Prognosen für die Zukunft ableiten. Das tue ich ja auch nicht. Ich sage ja nur, dass ich HOFFE, dass der Club – wie in der Saison 85/86 – nicht absteigt. (Wobei mir übrigens ein Remake der Saison 06/07 lieber wäre…)
Eine Antwort auf die Frage nach den Unterschieden zu 1985 findest du, wenn du dir die beiden Mannschaftsaufstellungen anschaust und das liest, was BSE08 geschrieben hat…
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http://www.nz-online.de...rt=1064789&kat=32
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[...] Wetten, der fängt gleich wieder mit Remember 85 (klick) und dem ganzen alten Käse (klick) [...]
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