Kommentar: Entlassung von Michael Oenning

oenningDie Ehe zwischen Michael Oenning und dem 1. FC Nürnberg endet bereits nach 15 Monaten.  Nach dem durchwachsenen aber durchaus mit Lob zu versehenden Aufstieg folgte ein holpriger, was auch nicht anders zu erwarten war, Start in die Bundesligasaison. So richtig kam der FCN aber nie in die Spur. Ausrufzeichen waren Mangelware und oftmals auch überbewertet. Beispielsweise das 0:0 in Stuttgart oder das 3:0 gegen die Hertha. Aus jetziger Sicht waren das “Erfolge” gegen Vereine die zu diesem Zeitpunkt bereits richtig in der Krise steckten während der 1. FC Nürnberg noch auf dem Weg dahin war. Ausnahme war das Spiel in Wolfsburg, ein tolles Spiel von beiden Mannschaften und am Ende ein durchaus verdienter Sieg für den Club. Wenn man sich das Spiel aber nochmal ganz emotionslos anschauen würde, hätte der Deutsche Meister auch locker 5:2 gewinnen können.

Aber auch der Sieg in Wolfsburg konnte die Krise nicht abwenden, im Gegenteil, es wurde noch schlimmer. Hans Böller von den Nürnberger Nachrichten schrieb in seinem Kommentar zur Entlassung Oennings folgendes:

…….selbst der mutig herausgespielte 3:2-Erfolg beim Meister in Wolfsburg konnte die Gemüter nicht einen – weil sich alle bestätigt fühlten: Die, die eine spielerische, offensive Ausrichtung der Mannschaft bevorzugten, man hatte ja stürmisch gewonnen. Und die, die darin einen Sprint ins eigene Verderben sahen: Man habe ja nicht taktisch diszipliniert gesiegt, sondern von den Umständen profitiert. «Nicht normal« nannte Oenning selbst dieses Spiel, das so schön war, weil es alle Züge von fußballerischer Anarchie mitbrachte.

So sah es anschließend beim Club aus: Es gab keine Hierarchie mehr, keine Ordnung. Es folgte ein 0:1 gegen Mitaufsteiger Freiburg – der Anfang vom Ende. In Dortmund eskalierte die Lage, als Peer Kluge, ein grätschender Fleißarbeiter, in der Mittelfeldzentrale dem jungen Eric-Maxim Choupo-Moting weichen musste, einer Leihgabe aus Hamburg. Marek Mintal, einer der verdientesten Spieler dieses Vereins, blieb auf der Ersatzbank sitzen. Kluge war sauer, andere auch. Es soll gekracht haben in der Kabine.

Unbelehrbar sei der Coach, konnte man hören, und dass man genug habe von jugendlichem Spaßfußball und jungen Spaßfußballern. Der Trainer müsse sich ändern, sein positives Naturell fördere die Leichtfertigkeit im Umgang mit der Situation. Der nette Herr Oenning, der Spielerversteher – jetzt war das ein Makel. Es folgte ein 0:4 gegen den HSV. Ohne Gegenwehr.

Quelle: Nürnberger Nachrichten Online

Dies bestätigt meine Meinung, die ich schon nach dem Spiel gegen Freiburg hatte. Zwischen Mannschaft und Trainer stimmt es nicht mehr, da hilft auch kein aussortieren. Gegenüber vieler anderer Leser, Kommentatoren und auch Autoren sah ich vor ein paar Wochen schon den Trainer als unhaltbar, und bereits Anfang Oktober habe ich, aus meiner sicht jetzt berechtigt, Kritik an Oennings System geübt. Einer Mannschaft kann man zurecht Charakterschwäche vorwerfen wenn sie gegen den Trainer spielt, aber was wäre die Alternative gewesen bzw. wurde unterbewusst oder bewusst gegen Oenning gespielt? Wie will man Spieler noch motivieren wenn das Verhältnis zum Trainer bereits reichlich Schaden genommen bzw. der Trainer innerhalb der Mannschaft an Glaubwürdigkeit verloren hat?  Das es nicht schon viel früher richtig gescheppert hat, haben wir wohl der Hertha und dem ungewöhnlichen Spiel in Wolfsburg zu “verdanken”. Wenn Spieler unzufrieden sind, sollte man nicht so Leichtfertig damit umgehen. Klar, es wird immer den ein oder anderen Spieler geben der mit seiner Situation unzufrieden ist, dass ist klar, aber beim Club war es nicht ein Spieler sondern wohl der harte Kern der Mannschaft, Kluge, Wolf, Pinola und Schäfer. Die Spieler sind sicher nicht ganz unschuldig an der Misere, jedoch sehe ich da den Trainer mehr in der Verantwortung. Oenning hat es nach 17. Spieltagen nicht geschafft ein System, geschweige denn eine Stammelf zu etablieren und auch an Autorität scheint es gemangelt zu haben.

Fehler wurden aber schon im Sommer gemacht, nach dem Aufstieg, auch hier habe ich schon im Oktober geschrieben:

Spätestens nach dem Aufstieg hätte man die vergangene Saison mal nüchtern analysieren müssen, denn da war bei weitem nicht alles Gold was glänzt. Es wurde dann aber unverständlicherweise an dem Kader und dem Konzept “Jugend forscht”, dass in Liga zwei so einigermaßen funktioniert hat, mit dem man aber offensichtlich in der Bundesliga nicht in die Spur kommt, festgehalten.

In der Vorbereitung präsentierte Martin Bader Andreas Wolf nach seiner Verletzungspause und Angelos Charisteas nach seiner Rückkehr aus Leverkusen als Neuzugänge. Dem ein oder anderen ist das damals schon Sauer aufgestoßen. Der Plan ging jedenfalls nicht auf mit dem Gerüst aus den erfahrenen und den jungen Spielern. Es fehlt wohl der Typ Galasek, der Leader, der verlängerte Arm des Trainers der die Mannschaft während der 90. Minuten zusammenhält. Broich hätte wohl derjenige sein sollen, kam aber nie zum Zug. Statttdessen wurde der 19-Jährige Nordveit ins kalte Wasser geschmissen und war, trotzdem er ein guter Fussballer ist, gegen seine Gegenspieler heillos überfordert. Übel nehmen kann ich ihm das nicht. Am Ende muss man auch Martin Bader zur Verantwortung ziehen, der zum zweiten, manche sagen sogar zum dritten mal in Folge die Leistungsfähigkeit des Kaders falsch eingeschätzt hat. Auch die Finanzabteilung des 1. FC Nürnberg bzw. Geschäftsführer Ralf Woy muss hinterfragt werden. Ein Verein, der 2007 noch Gesund war muss plötzlich, zwei Jahre später, ein Minus von neun Millionen ausgleichen.

Bleibt zu hoffen das der neue Trainer, wer es auch immer sein mag, den Karren zumindest sportlich aus dem Dreck ziehen kann. Denn ein gezielter Abstieg verbunden mit einem erneuten Neuaufbau kann nicht das Ziel sein!

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Kommentare (13)

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  1. Was, 9 Mio Euro Schulden?! Ich dachte, es wären 5,8 Mio.

    Ich weiß nicht mehr, was/wem ich glauben soll…

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  2. Sven sagt:

    Laut Radio Gong Hecking als neuer Club-Trainer bestätigt.

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  3. @belschanov … meiner Kenntnis nach sind die 9 Mio. zusätzliche Schulden, die mit der Anleihe zusammenhängen und auf 6 Jahre abzugelten sind. Die 5,8 Mio. sind bereits bestehende Verbindlichkeiten bzw. Bilanz-Minus, aber da steig ich dann auch aus in der Differenzierung

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  4. Optimist sagt:

    So hab ich das auch verstanden: Die 9 Millionen muss der Club zur Rückzahlung der Anleihe inkl. Zinsen aufbringen, d.h. das sind jetzt keine aktuellen Schulden, sondern künftige…

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  5. Siehe dazu auch die Kritik von OB Maly:

    „Man hätte das als allgemeine Vereinsanleihe vermarkten müssen“, sagte Oberbürgermeister und Aufsichtsrat Ulrich Maly (SPD) zur AZ. Er findet es unglücklich, dass die Anleihe zweckgebunden für den Neubau ausgegeben wird. An sich sei an dem Finanzierungs-Instrument einer Anleihe nichts auszusetzen. Auch Firmen nutzen sie immer häufiger, um an Geld zu kommen. „Aber es wäre doch viel ansprechender gewesen, wenn die Fans eine schöngestaltete Anleihe bekommen, mit der sie den Verein insgesamt unterstützen können.“

    http://www.abendzeitung...nuernberg/sport/152240

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  6. Optimist sagt:

    Sven: Laut Radio Gong Hecking als neuer Club-Trainer bestätigt.

    Kicker.de bringt das auch so

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  7. Christian sagt:

    @ Stefan: Dein Kommentar spricht die m.E. wunden Punkte an! Dass sowohl Trainer, Manager und Vereinsführung namens Oenning, Bader, Schäfer & Co. nach dem Aufstieg außer Broich nicht mehr in die Mannschaft investiert haben, zeugt doch nur davon wie man sich vom Erfolg der Relegationsspiele hatte blenden lassen, wo eine nüchterne Analyse erforderlich gewesen wäre.
    Man hat sich anscheinend eingebildet, es ginge ganz ohne ‘Wettrüsten’. Aber aus der Traum, denn der Club steht jetzt genau da, wo zum Zeitpunkt der Relegationsspiele Cottbus stand, mit einer Mannschaft (zu der auch der Trainer gehört), die keine Einheit mehr ist. Dass wenn sich ändert, kann es mit dem Klassenerhalt noch klappen.
    Ich orakle: Alles wird noch gut! Schau mer mal!

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  8. Christian sagt:

    Es muss heißen: Das wenn sich ändert …

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  9. Hörnla sagt:

    Alexander | Clubfans United: Siehe dazu auch die Kritik von OB Maly

    Malys Kritik kommt bezeichnenderweise aus Politikermunde, also einer Kaste, der das Unscharfe und Unbestimmte immer lieber ist als Klarheit und Transparenz. Eine Anleihe aufzunehmen für einen klar definierten Zweck, den die überwältigend große Mehrheit der Fans unterstützt und als absolute Notwendigkeit ansieht, das ist – aufgrund der, Fanbonus!, gegenüber Bankangeboten wohl konkurrenzlos niedrigen Zinsen – eine finanziell sinnvolle und kluge Sache. Für den Anleger das Maximum an Fairness und Transparenz, das er aufgrund der Struktur des Darlehensnehmers erwarten kann. Wieviel Anleger (!) der Verein dagegen für eine von Maly dahergesalbaderte “allgemeine Unterstützung des Vereins” hätte begeistern können, das, so wage ich mal zu sagen, steht in den Sternen, denn das röche, bei der finanziellen Undurchsichtigkeit des FCN von vorneherein nicht nach Anlage, sondern nach Spende. Verwendungszweck: “allgemeines” Versickern meinte das dann wohl. Mit solch einem Quatsch wäre ich nicht mal mehr als Spender zufrieden (siehe den Trend, dass immer mehr Spender eine klar definierte Projektunterstützung gegenüber allgemeinen Gaben vorziehen). Aus Investorensicht käme ein Investment in einen Verein für “allgemeine” Belange mangels Kontrolle und Durchgriffsrecht auf die Verantwortlichen sowieso nicht für läppische 6 Prozent in Frage. Das ist Hochrisiko! Deshalb zur Kritik von Herrn Maly: blanker Unsinn!

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  10. KUZ sagt:

    Ich glaube in dem Prospekt der Anleihe gelesen zu haben, dass der Glubb in dieser Saison ( 09/10) NOCH einen Transferüberschuss erwirtschaften muss.Unter diesem Aspekt sehe ich den möglichen Verkauf von Kluge sowie die bisherige Einkaufspolitik als Vorgabe der DFL ( oder wer dafür zuständig ist). Und diesen Umstand sollte man nicht Bader oder anderen der Führungsebene ankreiden, sondern vielleicht eher der wohl nicht vorhersehbaren Rückzahlungen an ARO. Die genaueren Hintergründe werden uns ja eh vorenthalten.

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  11. regi sagt:

    Eine Frage vorweg: Wieso Rückzahlungen an ARO?

    Ansonsten: Ich hab es mir nochmal überlegt und glaube nicht, dass die Mannschaft gegen Oenning gespielt hat. Wie soll das gehen?
    Eher denke ich, dass zumindest die jungen Spieler der Mannschaft nach dem Freiburg-Spiel endgültig den Glauben an sich verloren haben.

    Dass dagegen die älteren Spieler wie Pinola, Wolf, Mintal und Kluge (habe ich einen vergessen?) unzufrieden sind, kann ich mir gut vorstellen. Das ist jedoch nur ein Spiegelbild ihrer eigenen Leistung(sfähigkeit).

    Wer gibt schon gerne (auch sich selber gegenüber)zu, dass man nichts bringt? Da wird dann gerne ein Sündenbock gesucht!

    Wir werden ja sehen, ob unter dem neuen Trainer der grosse Aufschwung kommt. Ich glaube nicht. Mein Fazit lautet: Die Jungen sind einfach nur mutlos, die Alten dagegen einfach nur schlecht.

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  12. Sabine Olzinger sagt:

    Ich finde es Herrn Oenning gegenüber eine Sauerei,was sich der Clubb und seine Eminenzen ,da erlauben mit der Entlassung!
    Herr Oenning hatte zur neuen Spielsaison keine Chance diesen Haufen von Fußballern neu zu strukturieren geschweige instruieren!
    Der Fisch fängt immer am Kopf zuerst an zu stinken und die müßte man entlassen!
    Gut nun hatter Hr. Hecking Glück und schlingerte so durch die Saison,das hätte Oenning locker auch geschafft!
    Normalerweise müßte man dem Club den Rücken zukehren,denn das was hier mit Hr.Oenning gemacht wurde ist unter Niveau!
    Ich wünsche Hr.Oenning,daß er zu Hertha Berlin geht und dort zeigen kann was er drauf hat!
    Übrigens,hätten wir Oenning nicht gehabt,hatte ein Gogünjo nie ein Tor für den Club erzielt!
    Danke mir reicht es,ich habe fertig!

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