Heckinaccio
Ich weiß nicht, ob ich was von Taktik verstehe. Ich weiß nur, dass ich eine Vorliebe für Mannschaftsaufstellungen in taktischer Formation habe. Das ist so, seitdem ich von meinem Vater im Alter von neun Jahren ein Fußballbuch geschenkt bekam, in dem die Entwicklung der Spielsysteme in Skizzen dargestellt wurde – vom WM-System (klick) bis hin zum Catenaccio (klick).
Die Lektüre dieses Buches zeigte Wirkung: Fortan versuchte ich beim Anschauen eines Fußballspiels die Taktik der von mir unterstützten Mannschaft möglichst genau zu erfassen. Diese Marotte abzulegen ist mir bis heute nicht gelungen.
Sicherlich liege ich mit meinen Taktikanalysen nicht immer richtig. Ich besitze ja keine Trainerlizenz. Ich bin ja nur das, was man einen “interessierten Laien” nennt. Allerdings einer von der Sorte, die eine Vorliebe dafür hat, ohne Lizenz fachmännisch über die höhere Mathematik des Fußballspielens zu philosophieren.
Wenn mich jemand fragen würde, welches System der 1. FC Nürnberg beim 3:2-Heimsieg gegen Leverkusen spielte, würde ich antworten: bei Ballbesitz des Gegners ein 4-5-1, bei eigenem Ballbesitz ein 4-1-2-3.
Bei Ballbesitz des Gegners zogen sich die Außenstürmer Risse und Frantz tief ins Mittelfeld zurück und bildeten im Verbund mit Gündogan, Ottl und Tavares einen Fünferriegel vor der Vierer-Abwehrkette:
SCHÄFER
DIEKMEIER WOLF BRENO PINOLA
RISSE GÜNDOGAN OTTL TAVARES FRANTZ
CHOUPO-MOTING
Die Defensivstrategie des Clubs war darauf ausgerichtet, den Ball frühzeitig im Mittelfeld zun erobern. Zu diesem Zweck attackierten zwei Spieler aus dem Fünferblock den ballführenden Leverkusener Spieler, wobei Ottl als “freier Mann” im Rückraum die Passwege zustellte.
Wenn der Club den Ball gewonnen hatte, rückten Risse und Frantz auf den Flügeln und Gündogan und Tavares auf den Halbpositionen nach vorne:
SCHÄFER
DIEKMEIER WOLF BRENO PINOLA
OTTL
GÜNDOGAN TAVARES
RISSE CHOUPO-MOTING FRANTZ
Die taktische Marschroute lautete: Abriegeln, Ball erobern und solange in die Lücken stoßen, bis die Chance zum Zuschlagen da ist. Wie im Catenaccio.
In puncto Abriegeln hatte der Heckingsche Catenaccio schon beim 0:0 gegen Bayern München recht gut funktioniert. Abgesehen von der Phase zwischen der 55. und 66. Spielminute, in der der Gegner zu zwei Toren kam, hielt die Defensive auch gegen Leverkusen dicht. Und mit dem Zuschlagen, wenn die Chance da ist, hat es in diesem Spiel richtig gut geklappt – endlich.
Vielleicht sollte es der Club auch gegen Mannschaften, die nicht “über Augenhöhe” sind, im Heckingschen Catenaccio versuchen. Vielleicht ist der Heckinaccio ja die Formel für den Klassenerhalt.
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Ist das nicht dann fast schon das “spanische” 4-1-4-1? Klingt fast danach. Und als ich so drüber nachdachte, sah ich bei bundesliga.de just die Bestätigung für am Taktiktisch.
Also von wegen “Doppel-Sechs”! Das hat belschanov schon richtig gesehen, der Ottl ist der Abräumer.
Also taktisch haben unsere Jungs deutlich dazu gelernt. Unter Oenning sahen wir immer nur das 4-4-2 System. Für dies System ist aber eine hohe individuelle Klasse von Nöten. Das Ergebnis haben wir in den letzen vier Spielen der Hinrunde gesehen.
Inzwischen sind wir viel variabler geworden. Aber dieses Sysem der Doppelsechs halt ich immer noch für das Beste, da unser Viererkette doch des öfteren etwas konfus durch die Gegen läuft. Die Doppelsechs deckt aber auch Ausflüge unserer Flügelflitzer (Diekmeier und Pinola) ab, denn keiner von beiden ist in der Lage schnell genug wieder zurück zu sein.
Aber trotz dieser taktischen Weiterentwicklung fallen mir die Gegentore noch zu einfach. Ständig kommt ein Rückspiel in den Rücken der Abwehr, alle (auch die beiden Sechser) laufen auf Schäfer zu und keiner deckt den (oder sogar die) freien Spieler auf dem Elfmeterpunkt. Auf dieser Art und Weise sind in der Rückrunde bereits schon mehrere Tore gefallen. Ich bin zwar kein Taktikfachmann, aber kann man so etwas nicht einfach verhindern?
hmmmm….
ob man mit Heckinaccio da in Berlin was reissen kann, ich weiß nicht…
genauso wie ich vor dem Spiel gegen Leverkusen ein gutes Gefühl hatte, beschleicht mich vor dem Spiel gegen die alte Dame wieder zu so ein mulmiges ungutes Gefühl.
weiß auch nicht aber ich hatte und habe den Eindruck, dass unsere Jungs, wenn es um was geht, mit hinten reinstellen noch nie gut gefahren sind.
und was auf die Jungs zukommen könnte, lässt sich aus diesem Artikel entnehmen:
http://www.morgenpost.d...die-Schmerzgrenze.html
die Hertha hat ja nix mehr zu verlieren und gerade das macht sie gefährlich, von daher denke ich das der Club sofort offensiv dagegenhalten sollte..
naja ist nur so ein Gefühl, aber Heckinaccio ich weiß nicht
Die Pässe in den Rücken der Abwehr kann man nur durch das dicht machen der Außenbahnen und dem konsequenten Nachrücken der 6er an den 11er-Punkt bzw. 16er-Line verhindern. Leider lassen Pinola und Dickmeier noch zu viele Pässe und / oder Flanken zu (wie gegen Schalke, Bayern und Gladbach).
Trotzdem finde ich jetzt die Taktische Ausrichtung und Umsetzung deutlicher besser als in der Hinrunde. Was man ja auch an den Punkten ablesen kann!
Der Begriff „Heckinaccio“ gefällt mir übrigens richtig gut
Ich bin sicher nicht der gleiche Taktikfan wie belschanov, auch bei den Stadionbesuchen ist die Aufstellung im Raum nicht mein erstes Interesse. Allerdings eine kleine Initiation bezüglich Taktik hatte ich beim Spiel Frankfurt vs. Club im Jahr 2006. Im Frankfurter Stadion sitzt man sehr steil “über” dem Spielfeld, so sieht man die Aufstellung der Spieler im Raum und das Verschieben bei gegenerischem Ballbesitz sehr gut. Noch nie habe ich eine Clubmannschaft so diszipliniert auf “ihren” Positionen spielen sehen. Dort fiel mir auch zum erstenmal auf, wie wichtig die Viererkette hinten für den Spielaufbau ist. In diesem Spiel habe ich verstanden was Meyer verbessert hat, unsere Spieler liefen nicht wild durcheinander sondern man ahnte, dass jeder weiß wo er hin sollte und wenn dann doch mal Unordnung aufkam, dann ordnete Galasek die unsrigen Reihen so gleich wieder. Für mich eine großartige Demonstration, dass Taktik heute essentiell ist und die alte Beckenbauersche Losung, gehts raus und spielt Fußball auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.
Die Klasse die wir in der Saison 2006/2007 hatten haben wir danach leider nie mehr erreicht. Erschreckend danach war, dass allein das Herausbrechen von Schroth und Schäfer eine Mannschaft so schwächen konnte.
Nun aber zu heute, im Gegensatz zu Maxxx bin ich nicht der Meinung, dass Oenning nur stur mit einer Taktik spielen ließ, zu Beginn der Saison lobte ja auch der Kicker unsere Mannschaft, dass sie so variabel spielen kann und gegen jeden Gegner mit auf diesen abgestimmter Taktik antritt. Selbst eine Taktikänderung innerhalb eines Spiels war machbar. Also so schlecht sehe ich die taktische Schulung unter Oenning nicht.
Was sich aber schon verbessert hat ist die Sicherheit der Spieler, die Mannschaft fällt nicht mehr nach einem Gegentor auseinander, auch das Spiel nach vorne ist effektiver geworden. Ich denke das hat aber nicht nur mit dem Trainerwechsel zu tun, sondern auch mit der “Gewöhnung” an die Liga. Leider hat sich mancher bei uns wohl die erste Liga leichter vorgestellt, wahrcheinlich auch Oenning nach den beiden souverän gewonnenen Relegationsspielen. Ehrlich gesagt, hatte auch ich im Sommer das Gefühl die Mannschaft sei schon weiter, bzw. habe auch ich die Wichtigkeit des “6ers” unterschätzt. Auch hier vielleicht wieder eine leichte Parallele zu 2006/2007, der Aufschwung damals hatte sicher auch mit dem Top-Sechser Galasek zu tun, der Aufschwung in der letztjährigen Rückrunde mit dem 6er Reinartz und der Aufschwung in dieser Rückrunde mit dem 6er Ottl. Dabei muss ein solcher Spieler gar nicht immer aufsehenerregend spielen.
Dass Pino und Dennis besser dicht machen müssen erzählen wir ja schon länger. Aber du erwähnst noch, dass die beiden 6 besser nachrücken sollten. Eben das tun sie meiner Meinung nach zu sehr. In manchen Sportschau-Zusammenfassungen sieht es fast so als spielen die Viererkette und die beiden Sechser “Wer ist als erste bei Schäfer”. Eben das gefällt mir noch nicht. Man kann doch nicht ohne Bezug zum Gegenspieler (beide Sechser) zurücklaufen. Bei dem Gegentor der Batzis war zwar eine klasse Aktion vor dem Pass in den Strafraum gewesen, aber im Strafraum standen 3 Batzis am Elfer so frei, sie konnten sich aussuchen wer das Tor schießt.
Ich möchte jetzt damit keine schlechte Stimmung erzeugen, das sind leider aber noch zu einfach Tore, die da fallen.
Da bin ich absolut bei dir. Früher habe ich auf Papier alle möglichen Aufstellungen meiner Elf aufgeschrieben. Eine Wonne, die man nie wieder los wird. Muss man aber auch nicht
Passt nicht 1005ig hierher, sorry, aber mir fällt auch in der CL auf:
Sehr in Mode ist es, daß die Außenverteidiger bis zur Grundlinie durchlaufen und in den Rücken der Innenverteidiger auf den Elfmeterpunkt zurücklegen.
Das hat damals mit Reinhard und Mintal gegen Alkmaar im UEFA Pokal zweimal geklappt.
Wir haben nun gegen die Bauern und gegen Aspirin genau solche Tore bekommen.
Und es gab auch die eine oder andere Spielsituation gegen Aspirin in der der Ball um den Elfmeterpunkt von der Grundlinie kam, aber keiner da stand. Da sollten Gündogan, Tavares oder Ottl mal hinlaufen.
Das sehe ich bisschen anders: der ‘Hertha geht der Arsch auf Grundeis’ würde ich mal blumig sagen. Daher auch das Geheimtraining (-> Pressespiegel). Denen haben die Siege von Hannover und vor allem des Clubs gegen Bayer so richtig weh getan. Die hatten sich doch insgeheim nach den zumindest stabilen Auftritten nach der Pause und dem leisen Anpirschen mit Eichhörnchentaktik einiges ausgerechnet – da kommt plötzlich Hannover zu nem Dreier und der Club haut Bayer weg. Die machen doch die gleichen Rechenspielchen (wer schlägt wohl wann wen – siehe www) wie wir und das hat richtig weh getan. Da kann ich nur den Artikel (mit Kommentaren) mal wärmstens empfehlen:
http://www.hertha-blog....igkeit-unvermogen.html
Hertha weiß, dass sie kommen müssen, dass der Club mit einem Unentschieden viel besser leben kann als sie und die Hertha weiß, dass sie noch mehr ein Problem mit dem Spiel nach vorne haben als der Club. Der FCN wird also bestimmt nicht den Gefallen tun offensiv zu spielen, denn das wahrscheinlich einzige, was Funkel gut kann ist dicht machen nach Führung. Wenn man stabil steht und das Spiel lange offen hält, ja gar in Führung geht, sieht es für die Hertha ganz bitter aus. Daher: Cool bleiben, defensiv aufstellen, Sicherheit kriegen, Anfangsphase überstehen und vorne auf Bunjaku hoffen.
@ Alexander:
Wenn Hertha jetzt über Ungerechtigkeit lamentiert, was bitte war dann unser letzter Abstieg, bei dem wir ja sogar dachten, wir hätten die Mannschaft qualitativ aufgewertet (Misimovic, Kluge) und nicht wie die Hertha 3 absolute Leistungsträger verkauft…
Kopf hoch, Hertha, die eigene Situation ist selten die schlimmstmögliche, sie wird nur stets so empfunden
Hertha MUSS kommen, muss siegen – und dazu müssen die Herthaner das tun, worin sie in letzter Zeit am meisten versagen:Tore schießen.
Deshalb plädiere ich sehr für eine konsequente Anwendung des (wunderbarer Ausdruck vom Taktikfuchs belschanov!) Heckinaccio. Hertha wird vermutlich stürmisch beginnen und versuchen, ein frühes Tor zu erzielen, um sich dann in bester funkeloider Manier hinten zusammenschnurren zu lassen und wirksam zu kontern.
Deshalb: Sollen sie sich erstmal die Zähne ausbeißen und den ständigen Frust über nicht erarbeitete oder auch vergebene Chancen, der ihnen in den Knochen sitzt, im Spiel reaktivieren, so dass die Beine schwer werden und der Kopf vom vielen Nachdenken schmerzt.
Wenn der Club irgendwann mal in Ballbesitz kommt, während Hertha in der Vorwärtsbewegung ist, muss es schnell gehen. Siehe Auswärtsspiel in Hannover.
Aber bloß nicht überheblich nach Berlin fahren! Gefääääährlich!
Dem kann ich mir nur anschließen. Das wird ein ganz schweres Spiel, in dem es nicht nur für die Hertha um sehr viel geht. Sollte unsere Mannschaft das Spiel verlieren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Verlassen der Abstiegsränge nur ein kurzes Intermezzo war. Selbst bei einem Unentschieden droht ein erneutes Abrutschen!
Der Club ist noch lange nicht über den Berg!
also mir würde ein punkt in berlin langen. drei nehme ich natürlich liebend gerne. nur verlieren dürfen wir nicht. bin zuversichtlich! evtl. sind wir dann nach dem wochenende wieder ein weiteres stück am “berge” aufgestiegen.
hertha muss, wir können und wollen.
Abstiegsquotient ?!
… ist doch schön zu wissen, dass man die Abstiegswahrscheilichkeit berechnen kann. Umso schöner für uns, dass die Hertha-Fans selbst schon eine Nichtabstiegswahrscheinlichkeit von 17,85% errechnet haben, d.h. Hertha steigt mit ner Wahrscheinlichkeit von 82,15% ab.
Solche Zahlen sind doch absolut demoralisierend für Fans und Mannschaft !
Also ich wäre dafür, dass Hertha aufgrund dieser beindruckenden Berechnung am Samstag gar nicht mehr großartig spielen braucht, sie haben ja sowie so nur noch eine Chance von 17.85%, also so gut wie gar keine, warum also anstrengen und evtl noch ne Verletzung riskieren ?
das kann ich nur unterstreichen
Hoffentlich kann der kicker dieses Mal einen anderen Titel wählen als am 10. Mai 2008: “Hertha gewinnt mit wenig Aufwand”
Damals verspielten wir, unterstützt allerdings durch eine äußerst schwache Schiri-Leistung, leichtfertigst den Klassenerhalt bei einer Hertha für die es nur noch um die goldene Ananas ging.
Ich kann mich noch dunkel daran erinnern, daß damals Harry sowas wie einen “totalen Kampf” versprochen hat.
Hoffentlich wird es dieses Mal besser: Wir dürfen alles, nur nicht verlieren! Als Pessimist wäre ich auch mit einem Unentschieden zufrieden. Damit würden wir weiter unbesiegt bleiben, während Freiburg wohl sicher verliert und Hannover auch erstmal gegen die Diva aus Bankfurt punkten muss.
Platz 16 muss das Ziel bleiben, auch wenn der 15te schöner wäre.
Dafür gewinnen wir dann wieder daheim gegen 98+1 SAPheim.
[...] zurückkommen, die das Spielsystem ihres neuen Trainers analysieren und ganz treffend mit Heckinaccio [...]