Da wo der FCN regiert
Jetzt kann man sagen, dass man als Fan von einem Stadionbesuch ausgehen dürfe – andererseits ist das vielleicht genau nicht die Realität der meisten Fans in diesen Tagen. Live im Stadion seines Lieblingsvereins zu sein gehört für den Supporter sicher zum Tagesgeschäft, es qualifiziert ihn aber deswegen nicht alleinig seeligmachend zum Fan, das scheitert schon am normativen Zwang des Faktischen. Würden nur Fans Fans sein, wenn sie immer ins Stadion gingen, wäre per se in Nürnberg bei knapp 45.000 Schluß. Was, bei ständig unfluktuierter und krankheitsfälle kompensierter Besuchertreue eine Anhängerschaft von eben diese 45.000 bedeuten würde. Wäre schön famliliär im Stadion, für Marketing und Vermarktung im Allgemeinen aber das wirtschaftliche Ende. Kurzum: Auch Manchester United (und eben nicht ManU, danke für den Hinweise liebe Nordbayerische Nachrichten!) lebt gerade auch von seinen Fans in Asien, deren Andrang bei einem Besuch im Old Trafford sich sicher in Grenzen hält. Und nur um endgültig dem Fußball-Romantiker noch einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen die Anmerkung, dass Manchester United nicht mal mehr in Manchester spielt, sondern in Stretford, weswegen sich die Manchester City Fans beim Wechsel von Tevez von United zu City das Plakat “Welcome to Manchester” nicht nehmen ließen (Klick). Aber das nur am Rande.
Der Club spielt allerdings weiterhin in Nürnberg, auch wenn das Frankenstadion längst mehr wie ein schwer auf fränkisch aussprechbares Bio-Gemüse klingt (frei nach “is i credi, bin i gsund”). Jedenfalls ist der durchschnittliche pseudo-intellektuelle-möchtegern-11-Freunde-Sky-Gucker-(ohne Sky)-Fan froh, wenn er mal wieder im Land ist und die Gelegenheit nutzt, sich ein Restkartenschnäppchen für den Familienverbund zu sichern und dabei natürlich freudig und unterwürfig den Ablass von charmanten 150 Euronen hinterlässt. Gegen Mainz, sei angemerkt, nicht gegen Manchester United. 80 Mark pro Man für einen unbeheizten Sitzplatz. Kein Wunder, dass man sich bemüht aus der Freiluft-Sportveranstaltung ein Event zu konstruieren, sonst würde es einem im Geldbeutel schütteln. Immerhin kommt der Nachwuchsfan im G-Jugend-Alter für 40 Mark mit rein – fast geschenkt.

Wenn man so mit einigem Abstand mal wieder da ist fällt auf, dass es mehr Buden und Läden gibt. Vor allem einen Belegte-Weißbrot-Frendscheiß-Laden in Konkurrenz neben den Drei-im-Weggla fiel da fast ins Auge. Kulinarisch ist das als vielleicht willkommene Abwechslung aufzufassen, wie auch die Tschiggenmägnaggedds am Drei-im-Weggla-Stand. Mir wäre eine offene Feuerstelle mit echter Bratwurst-Braterei allerdings lieber als diese modernen Abfertigungsschalter, aber das ist wohl auch überholte und unpraktikable Romantik.
Aber vor allem bei Fanshop-Präsenz hat man enorm zugelegt – allein stolperte auf seinem Weg zum Block man über dero drei, interessanterweise sogar mit unterschiedlicher Bestückung. Was dabei wirklich auffiel ist eine ganz offensichtlich bestehende Rot-Schwäche im Corporate-Design des Club. Ist man nun eher Feuerwehrrot oder doch über das Bordeaux ins Aubergine driftend? Der Fan wird es am Fanshop nicht beantwortet bekommen. Einfach weil es alle Farben gibt, die der Farbfächer unter dem Oberbegriff “Rot” so hergibt. Mich würde nach diesen Eindrücken ehrlich nicht wundern, wenn die FCN Corporate-Design-Fibel unter dem Begriff “Vereinsfarbe” tatsächlich typisch fränkisch den präzisen Eintrag stehen hätte: “Die Vereinsfarben sind Rot und Schwarz” (und ergänzend: “aber eigentlich Rot-Weiß”).
Persönlich (und eigentlich auch fast jeder sonst befragte) mag eigentlich das klassische “Weinrot” am liebsten, der Verein driftet allerdings gerne ins Signal-Rot oder dann überschießend ins Aubergine (vgl. diese Kollektion der Meditationskissen). Das aktuelle Areva-Trikot ist da farblich noch eine gute Annäherung, trifft aber dann doch nicht den Punkt des gefühlten Weinrot/Bordeaux des guten Max Morlock (Klick). [Ach ja - auch so ein Einschub - die Max Morlock-Statue ist irgendwie klein geraten, oder?] Am Ende erstanden wir trotzdem einige Fan-Artikel, von Cap bis diesen wirklich einmal gelungenen Schal (mein Dritter), an dem eigentlich nur die etwas ungünstige Typo (da gibt es bessere Schriften für diesen Zweck in Schreibschrift) stört – aber jetzt will ich nicht kleinlich werden. Das Trikot allerdings erstand ich zu sensationellen 24 Euronen in Herzogenaurach im Adidas Factory Outlet. Da konnte selbst das Areva mich vom Kauf nicht mehr abhalten.
Als Abschluß des kleinen Erlebnisaufsatzes “Mein Besuch im Stadion” noch ein kurzer Blick auf das Erlebnis im Stadion selbst. Vielleicht war mein Platz (Block 18) dafür nicht der beste (wobei die Sicht hervorragend war!), aber die Stimmung war vor dem Spiel auch schon mal besser, trotz der gut gefüllten Ränge. Weiß nicht, ob nur allein ich die Begrüßung der Spieler schon mal als feuriger empfand, aber am aufgeregtesten war der Stadionsprecher beim Verlesen des Vornamens, denn die Antwort der Fans war eher so ein dahingenuscheltes “Diegmeier” oder “Moding” (weil der Stadionsprecher nicht “Maxim…” sondern “Choupo-…” rief – was ja eigentlich namenstechnisch Quatsch ist). – Auch doof, aber wohl notorisch, ist die Übertönung der Fangesänge durch Lautsprecherbeschallung. Aber WENN man das schon mit dem durchaus gut gewählten AC/DC-Song macht, dann sollte man Thunderstruck nicht durch das eher unpathetisch vorgelesene Heiner Stuhlfauth-Zitat überblenden.
Das Spiel selbst bot dann bekanntlich in der ersten Halbzeit beste Fußball-Unterhaltung, in der zweiten Halbzeit dann waren alle recht entspannt um einen herum beim Stande von 2:0 gegen 10 Mainzer, nur ich litt in den zweiten 45 Minuten. Warum? Weil ich vielleicht doch a Clubberer bin, denn ich habe schon viel doofes gesehen und sah mich schon nach einem späten 2:2 in der Nachspielzeit wieder mal in meinen Plastiksitz beißen und die Schlagzeilen des nächsten Tages lesen. Aber es kam anders, also irgendwie mal so wie bei anderen Vereinen eben normal, die anderen trafen nicht mehr und es plätscherte zum Ende und die Mitleidenden feierten den Schlußpfiff wie die Erlösung nach einem 45 Minuten-Thriller.
Warum man für die Abfahrt vor dem ehemaligen Grundig-Gebäude die Straße Richtung Flughafen dann nicht öffnete (was trotz Frühlingsfest meiner Meinung nach gut möglich gewesen wäre) und wir dann über ne halbe Stunde regungslos am Parkplatz im Stau standen, werd ich mal der Stadt vorwerfen, nicht dem Club. Am Ende blieb aber einfach das gute Gefühl eines Sieges, eine Menge Eindrücke und das Gefühl, dass sich was bewegt. Im Bereich Vermarktung finde ich die Ansätze gut, das wirkt schon immer mehr wie man das auch aus anderen Stadien kennt, auch wenn es im Detail schon noch zu arbeiten gibt. Immerhin arbeitet man dran, das sieht man auch. Vielleicht als Sofortmaßnahme zur Anregung: Bauchladen-Bierverkäufer! Das kennt man aus Frankfurt und würde den Umsatz an Gerstensaft sicher enorm steigern. In dem Sinne: Prost! Auf den Nicht-Abstieg!

Schön, dass Du im Lande warst. Interessant, Deine Eindrücke zu lesen. Aber es wird wohl kein Cluberer die Definition verwenden, dass nur der regelmäßige Stadiongänger als echter Fan zu begreifen ist. Es ist ein kleines Privileg, eine Dauerkarte zu besitzen und darüber hinaus die Zeit zu besitzen, bei vielen Heimspielen im Stadion dabei sein zu können. Aber man zeichnet sich nicht durch seine Anwesenheit im Stadion aus, sondern über sein Mitleiden, Mitbangen, Mithoffen und nicht zuletzt das Mitreden, wo und wann auch immer der Club gerade spielt. Ob man dabei im Stadion ist, das Spiel zahlend am Pay-TV oder nicht-zahlend über einen Livestream im Internet anschaut, am Radio die Reportage hört oder am Videotext die Zahlen , oder die Zahlen einen selbst hypnotisieren, ist gar nicht entscheidend. Cluberer in Franken, in Deutschland, in der ganzen Welt, und es soll sogar ein paar ganz tapfere in Hessen geben, sind per se anders als andere. Wir haben kein normales Verhältnis zum Erfolg, denn dafür haben wir viel zu wenig davon. Wir feiern Nichtabstiege und freuen uns, der aus Niederlagen und Abstiegen bestehenden Normalheit ein Schnippchen geschlagen zu haben, da das Versagen und Scheitern in Jahrzehnten ein viel zu enger Begleiter geworden ist. Wohl keiner, der den Pfingstsamstag 2007 erlebt hat, egal wie und wo, wird an diesen Tag denken, ohne nicht wengistens für einen kurzen Moment wieder diese Zufriedenheit zu empfinden, am Ende nicht der oft zitierte Depp gewesen zu sein. Pause. Ich stimme Dir zu, dass im Fanshop zu viele Rotvarianten angeboten werden, da man sich in der Kreativabteilung scheinbar nicht zwischen dem Wappenrot und dem Traditionsrot entscheiden kann. Alle weiteren Rotvarianten sind ohnehin nicht zulässig. Zurückrechnen von Euro in Mark mit dem damaligen Umtauschkurs ist übrigens auch nicht mehr zulässig. Aber das weißt Du auch selbst. Warum der Stadionsprecher nur “Choupo” und nicht “Eric-Maxim” vorschreit, weiß ich aber auch nicht. Es wäre ebenso einfach und zudem für das Vorname-Nachname-Spiel nur korrekt auf “Eric-Maxim” mit “Choupo-Moting” zu antworten. Aber diese Frage stellen wir uns vielleicht nur noch drei Mal, sofern kein anderer Leihspieler mit einem Doppeldoppelnamen kommt. Bauchladen-Bierverkäufer, die den Gesternsaft gut durchgeschütteltan den Mann bringen, gibt es übrigens, nur scheinbar nicht auf der Gegengeraden. Vielleicht aber schon beim nächsten Besuch im Stadion. Lass nicht zu lange auf Dich warten.
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Kurzer Einwurf meinerseits an diejenigen, die sich ob des von Alexander beschriebenen potentiellen Trikot-Schnäppchens auf den Weg nach Herzogenaurach in’s Outlet machen wollen (da komme ich nämlich gerade eben deswegen her…): spart euch den Weg! Bayern-Trikots in Hülle und Fülle, vom aktuellen Club-Heimtrikot nichts mehr zu bekommen. Hm… ob sich da vielleicht eine Tendenz ableiten lässt?! ;o)
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