Wer hilft mit beim Anschieben?
Es war unter dem Strich ein müder Kick, den die rund 15000 Zuschauer am Samstag im Frankenstadion zu sehen bekamen. Die Spieler des 21-fachen niederländischen Meisters PSV Eindhoven, der die letzte Saison als Tabellendritter abschloss, mussten nicht alle Register ihres Könnens ziehen, um zu einem 1:0-Sieg zu kommen.
Der einzige Treffer des Spiels fiel in der 48. Minute im Anschluss an eine Ecke des neunfachen deutschen Meisters. Der Ball wurde geklärt, und weil zwischen den absichernden Club-Spielern die Abstimmung nicht stimmte, war für die Holländer der Raum frei, den man braucht, um einen erfolgreichen Konter zu fahren.
Unmittelbar vor der Ecke, die das 0:1 enleitete, hatte nicht viel gefehlt und der Club wäre – ebenfalls nach einer Ecke – seinerseits mit 1:0 in Führung gegangen. Ekici hatte den Ball nach innen geflankt und Simons’ gefühlvoller Seitfallschlenzer wäre im Eindhovener Tor gelandet, wenn der Torwart des PSV nicht glänzend reagiert hätte.
Über die beiden geschilderten Spielszenen und einen Eindhovener Pfostenschuss in der dreizehnten Minute hinaus war die Partie so arm an Höhepunkten, dass Simon (klick) gelangweilt an den Fingernägeln kaute und ich auf einen ausführlichen Spielbericht verzichte. Wer wissen will, was sich sonst noch “auf Platz” ereignete, klicke hier und hier.
Kommen wir zur Aufstellung des Clubs:
Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg
vom 24. 7. 2010
SCHÄFER
JUDT MAROH NILSSON PINOLA
COHEN SIMONS
EKICI GÜNDOGAN BUNJAKU
SCHIEBER
Spielbeginn:
15 Uhr
Ein 4-2-3-1 mit Cohen und Simons als Doppelsechs und Schieber als einzigem “echten” Stürmer. Zur zweiten Halbzeit brachte Hecking Frantz für Gündogan (Ekici ging nach innen und Frantz besetzte den rechten Flügel). In der 60. Minute wurden Cohen und Bunjaku gegen Hegeler und Mak ausgetauscht und es erfolgte eine Umstellung auf 4-1-4-1. Eine Viertelstunde vor Schluss kam Mintal für Ekici, so dass der Club das Spiel in folgender Formation beendete:
SCHÄFER
JUDT MAROH NILSSON PINOLA
SIMONS
MAK HEGELER MINTAL FRANTZ
SCHIEBER
Ein hinter mir sitzender Mann mittleren Alters, der ein lebender Beweis dafür ist, dass es weitaus schlimmere Nörgler und Skeptiker gibt als den Autor dieses Textes, ließ kaum ein gutes Haar an der Leistung der Club-Spieler: “Ekici taugt nichts” (ich sah einen äußerst ballgewandten jungen Spieler, der viel versprechende Ansätze zeigte). “Von Gündogan ist nichts zu sehen” (na gut, er spielte nicht überragend, seine Ballgewandtheit und Kreativität im Passspiel waren aber in einigen Szenen “unübersehbar”). “Schieber ist ein Blinder” (dazu gleich mehr).
Besser weg kamen Simons und Nilsson, die in den Augen des Nörglers “unauffällig, aber effektiv” waren – eine Bewertung, der ich bei Simons vollständig, bei Nilsson nur mit Einschränkung zustimme. Der Neuzugang aus Hoffenheim, der anstelle von Andreas Wolf, der nicht zum Einsatz kam, die Kapitänsbinde trug, leistete sich einige Stellungsfehler (so auch vor dem Eindhovener Pfostenschuss) und den einen oder anderen “Bock” in der Ballbehandlung.
Gut gefallen hat mir Judt, der abgesehen von einer Situation, in der er überlaufen wurde, in der Abwehr ordentlich agierte und auch in der Vorwärtsbewegung Akzente setzte. Sehr gut gefallen hat mir der eingewechselte Hegeler, der als Ankurbler und Passgeber überzeugte. Nicht so gut gefallen hat mir Pinola, der sich besonders in der ersten Halbzeit zu sehr als Linksaußen versuchte und dabei vergaß, dass sein eigentlicher Beruf linker Verteidiger ist. Auffällig oft klaffte auf der linken Abwehrseite eine Lücke, in die die Niederländer Gefahr erzeugend vorstießen. Gar nicht gefallen hat mir…
… das Angriffspiel.
Schieber ist bestimmt kein “Blinder”. Der 21 Jahre junge Neuzugang ist ein am Anfang seiner Karriere stehender Stürmer, der noch ein bisschen lernen muss und lernen wird. Dass er nicht überzeugen konnte, lag daran, dass er eine gute und eine sehr gute Torchance vergab und in der einen oder anderen Szene den Blick für den freien Mann vermissen ließ. So bemängelte Claus, der in unserem Blog als Kommentator bekannt ist und zur Rechten des Nörglers hinter mir saß, dass der Mittelstürmer zweimal ein Doppelpassangebot des auf Ausflug befindlichen Pinola nicht erkannte.
Dass die Angriffsleistung des Clubs so mau war, lag natürlich nicht nur an Schieber. Der Junge war über weite Strecken auf sich alleine gestellt, es fehlte die “Anschubhilfe”. Bunjaku trat kaum in Erscheinung. Gündogan und Ekici zeigten einige gute Aktionen, die verpufften, weil im gesamten Offensivverbund die Bindung fehlte.
In den drei bis zum Pflichtspielstart verbleibenden Wochen wird Heckings Hauptaufgabe darin bestehen, den noch arg stotternden Angriffsmotor auf Touren zu bringen. Da müssen Spielzüge einstudiert, da muss an den Automatismen gearbeitet werden.
Und es darf auch über das Personal nachgedacht werden.
Frantz sollte eigentlich auf der vorderen Außenbahn gesetzt sein. Ob Mak von seiner Entwicklung her schon so weit ist, um sich im harten Bundesliga-Überlebenskampf behaupten zu können, bleibt abzuwarten. Eigler ist eine Option, aber wohl nicht erste Wahl.
Alternativen für die Position des Mittelstürmers wären Bunjaku (zur Zeit irgendwie nicht so recht in Schuss), Eigler (nicht erste Wahl), Boakye (Nachweis der Bundesliga-Tauglichkeit vergeblich gesucht), Charisteas (kassiert 1,8 Millionen Euro pro Saison, ist beim Trainer aber so weit unten durch, dass er nicht mal mit ins Trainingslager fahren darf) und Okotie.
Natürlich! Okotie!
Warum spielt der eigentlich nicht? Der war doch eigentlich als Nummer eins für den Mittelstürmer-Posten vorgesehen. Ist der immer noch verletzt?
Was ist los mit Okotie?
Tags: News, Saisoneröffnung, Testspiel


Wenn es das ist, was Du sagen wolltest, gebe ich Dir sogar recht, so lange daraus keine Erwartungshaltung erwächst, die ein Nichterreichen der Träume als Misserfolg brandmarkt. Denn das wirkliche Ziel kann auch mit positiver Einstellung nichts anderes als ein Etablieren in der BuLi sein. Zumindest für die nächsten 2 – 3 Jahre.
Sorry, ich habe unzählige mal geschrieben, den “nächsten Schritt” tun, der da lautet etabliere und nicht jedes Jahr zu den Top Abstiegsverdächtigen zu zählen! Wenns zumindest mal ein Schritt nach vorne gäbe…
In der oberen Tabellenhälfte wird man auf viele Jahre nicht mitspielen können, wenigstens nicht dauerhaft, von einem Ausreißer wie 2006 mal abgesehen.
Das kann man eben auch anders Revue passieren lassen, wenn man das nur will. Man kennt das ja mit den Statistiken, die man nur selbst richtig zu interpretieren versteht.
Bader übernahm am 12.11.2003 das Amt, der Club in Liga 2 auf Platz 4 (nach enttäuschendem Saisonstart, am 9. Spieltag war man 14.) und im DFB-Pokal ausgeschieden (wenn auch knapp i.E.). Am Saisonende war man überragender 1. mit 61 Punkten (5 Pkt. Vorsprung). Danach blieb man drei Jahre endlich mal wieder am Stück in Liga 1 und schaffte am Höhepunkt des Ganzen Pokalsieg und Platz 6. Alles unter Bader. Da war der Club nicht nur einen, sondern viele viele Schritte gegangen und die ganze Fußballwelt sah den FCN nun wieder in einer anderen Liga angekommen!
Dass danach der Abstieg erfolgte, konnte wirklich niemand vorhersehen, ein klassischer Rückschritt, ja, aber das passiert. Aber selbst danach gelang der sofortige Wiederaufstieg mit einer finanziell gewagten, aber nicht kopflosen Strategie (mit Mintal, Pinola, Wolf im Kader) und letztes Jahr der Klassenerhalt.
Mal ehrlich: Schau mal die Entwicklung des FCN seit den 70ern an und sag, dass MB keine Schritte nach vorne getan hätte mit dem FCN. Da muss man doch auch mal objektiv sein und da sind die infrastrukturellen Maßnahmen noch gar nicht drin.
@Juwe: Verstehe ich und kann ich nachvollziehen, aber so lange man sich in der unteren Tabellenhälfte oder gar -drittel herumtreibt, wird das Abstiegsgespenst ein steter Wegbegleiter bleiben. Es wäre aber ja auch schon ein Fortschritt, wenn in den Saisonvorschauen der Fachmagazine steht: “Ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist realistisch”. Dafür ist es aber immer noch etwas zu früh, zu zart ist das Pflänzchen, das da heranwächst….
Daneben muss man auch noch die Entwicklung der finanziellen Situation sehen, die allerdings durch das Mitmirken von Michael A. etwas verfälscht wurde.
“Wo sind denn die Millionen aus dem Europapokal hinverschwunden?” wurde häufig in einschlägigen Foren gefragt. Damit wurden u. A. Kredite an Herrn Roth (ohne den es den Club schon lange nicht mehr im bezahlten Fußball gäbe) zurückgezahlt.
Aber die Diskussion ist müßig. Die Bader-Gegner kann man auch mit noch so tollen Statistiken nicht überzeugen (u. A. auch deswegen, weil man dann ja zugeben müsste, dass man Unrecht hatte).
@Juwe
Dein Englandzitat zeigt aber auch, dass all die Romantik und der Glaube an die eigene Kraft wenig hilft, was haben denn die Engländer seit 1966 gerissen?
Ich sage doch gar nicht, dass man nicht positiv denken soll, ich sage doch auch, wir wollen uns dauerhaft in der ersten Liga halten, glaube mir das ist sehr positiv gedacht. Das schaffen wir seit 50 Jahren nicht. Das ist einfach der erste Schritt und Erfolg geht eben nur Schritt für Schritt und nicht durch gurumäßige Selbstsuggestion a’ la Psychocoach.
Ich weiß solche Motivations- und Psychoberatungshilfe boomt im Moment, Sprüche wie jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, Du kannst alles erreichen, wenn Du es nur wirklich willst. Aber stimmen die wirklich? Ich finde dass damit gerade in der Gesellschaft einfach nur die Verantwortung der Gemeinschaft Schritt für Schritt unterhölt wird. Wenn jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist, dann muss keiner mehr dem anderen helfen. Tolle Idee.
Natürlich kann der eigene Wille und eigenes Selbstbewußtsein viel bewegen, natürlich ist eine Selbstüberzeugung wichtig für den Erfolg, aber sie langt eben nicht aus. Da muss schon noch ein wneig mehr dazu kommen.
Und wenn wir die Zeit mit Höher ansprechen, das ist doch ein schönes Beispiel. Natürlich kann man als Verein Glück haben und eine herausragende Spielergeneration kann aus der eigenen Jugend kommen, nur wenn das eben reines Glück ist, sprich die Infrastruktur nicht passt, dann verpufft so eine Situation, die tollen Talente werden früher oder später weggekauft und wenn dann nicht ähnliches nachkommt, dann sinkt der Stern so schnell wie er aufgegangen ist. So am Ende ja auch bei uns geschehen.
Natürlich gibt es im Fußball auch gruppendynamische Prozesse, siehe die ersten 1,5 Jahre von Meyer in Nürnberg, aber ein solcher Prozess ist leider nicht dauerhaft, irgendwann kommt es zu Eifersüchteleien, die Etablierten sind auf die Neuzugänge eifersüchtig, weil diese vielleicht mehr verdienen, oder umgekehrt. Und am Ende steht wie bei uns die sportliche Talfahrt. Weil der Erfolg eben nicht der “Normalfall” war. Unsere Spieler waren im Prinzip eben nicht so stark wie in der Rückrunde 05/06 und in der Saison 06/07. Und das hat man dann in der Saison 07/08 auch gesehen, da hatten alle wieder Normalform.
Natürlich besteht die Chance, dass so etwas wieder passiert, natürlich kann eine Mannschaft die an sich glaubt über sich hinauswachsen, aber das funktioniert sicher nicht so, dass man das vor der Saison von oben herab postuliert und womöglich noch unrealistische Ziele setzt. Da besteht doch eher die Gefahr, dass dann die Enttäuschung schon vorprogrammiert ist, sprich eine Negativspirale in Gang kommt.
Und jetzt die Erfolge der Rückrunde an der Siegermantalität von Ottl festzumachen, na ja, das halte ich doch für sehr gewagt.
Also es geht nicht darum den Verein klein zu reden, unsere Situation schlechter dar zu stellen als sie ist. Gar nicht. Aber ich halte noch weniger davon Wolkenkuckucksheime zu bauen.
Siehe z.B. Gladbach, die dachten nach dem Wieeraufstieg auch daran, mit neuem Stadion und der Euphorie könnte man einfach an die Erfolge der 70er wieder anschließen. Dann verbrauchte man 8 Trainer, kaufte Spieler ohne Ende und wäre trotzdem 08/09 fast abgestiegen. Als man dort die Utopien erst mal zu den Akten gelegt hat, einen eher unbekannten Manager installiert hat, Max Eberl, der aber von der Öffentlichkeit unbemerkt davor schon im Nachwuchsbereich gute Arbeit geleistet hat und dann mit Frontzek einen Trainer geholt hat der vorher zweimal gescheitert ist, in Aachen und Bielefeld, dann schaffte man eine Saison im hinteren Mittelfeld ohne Abstiegssorgen. Obwohl es durchaus eine Durststrecke gab mit 6 Niederlagen in Folge inklusive Verasgen im Pokal gegen Duisburg. Man wurde aber nicht nervös, zog die Sache durch und war erfolgreich.
Man muss aber natürlich auch sehen, dass die Millionen aus dem Marin-Transfer auch Möglichkeiten bei der Spielersuche gebracht haben und Eberl scheint da auch häufig gut zu liegen.
Deshalb sehe ich unseren Weg eben auch darin, Stück für Stück die Mannschaft zu verbessern und GLEICHZEITIG (noch wichtiger) das Umfeld zu professionalisiern. Sprich den ganzen Nachwuchsbereich zu verbessern, NLZ, Internat, A-Scheininhaber als Jugendtrainer bis runter zu den jüngsten. Ausbau des Scoutings im Jugendbereich, die besten jungen Spieler zwischen Donau und Main müssen bei uns spielen. Koopereation mit Schulen und anderen Vereinen der Stadt Nürnberg um Talente die etwas länger brauchen auch im Auge zu haben und diese auch zu fördern.
Das Trainigsgelände entwickeln, eine Club-Welt herstellen, die die Fans immer besuchen wollen, wo evtl. auch Familien mit Ihren Kindern einen Ausflug hin machen, Marketing und Merchandising voranbringen.
Und das Stadion im Auge behalten, sprich auch da muss kontinuierlich investiert werden, siehe Bremen, Freiburg, Mainz. Nur wenn unser Stadion Top bleibt, oder vielleicht auch erst wird, werden wir langfristig wirtschaftlichen Erfolg haben können. Ich denke da sollte man auch nachdenken, ob ein Umbau zur reinen Fußballerana machbar ist, evtl. in mehreren Schritten?
Nur wenn die Investitionen in die Mannschaft UND in die Infrastruktur gegeben sind, dann kann man Schritt für Schritt nach oben kommen. Es gibt keine Wunderkur und es nützt auch nicht viel wenn wir jetzt immer denken, wir gewinnen gegen alle.
Noch einmal positives Denken und Selbstbewußtsein ja und das heißt jetzt eben drinbleiben, nicht mehr. Träume sind bei den Fans erlaubt, bei den Verantwortlichen besser nicht. Unrealistische Erwartungen bringen nichts.