Clubfans United bei Google+ Facebook RSS

Regnet’s noch?

Am letzten Samstag ist mir was Komisches passiert: Ein Tor, das dem Gegner nicht gegeben wurde, hinterließ bei mir eine nachhaltigere Wirkung als ein Tor, das für den Gegner zählte.

Klar habe ich mich beim 1:1 der VW-Städter geärgert. Ich ärgere mich immer, wenn der Club einen Treffer hinnehmen muss. Aber irgendwie war gegen dieses Tor nichts zu sagen. Es war die Folge einer Musterkombination, an der mit Diego und Graffite zwei Spieler beteiligt waren, die zum Besten gehören, was die Bundesliga zu bieten hat, und die den Stempel “für den 1. FC Nürnberg nicht finanzierbar” tragen. Dass Spieler dieser Kategorie auch gegen den 1. FC Nürnberg die eine oder andere Gelegenheit wahrnehmen, ihre Extraklasse unter Beweis zu stellen, ist nichts, was überraschen könnte. Als das Tor fiel, ärgerte ich mich und zugleich dachte ich: “Was willst du machen?”

Als in Spielminute 90+2 das Spielgerät zum vermeintlichen 2:2 für Wolfsburg über die Linie des Club-Tores trudelte, dachte ich etwas anderes: “Scheiße!”, dachte ich. “Verfluchte Scheiße!” Oder vornehmer ausgedrückt: “Immer wieder diese Torheiten vor Toresschluss!” (klick)

Es geht mir nicht ein, warum das wieder passieren musste. Es kann doch nicht sein, dass das immer wieder passiert. Der Gegner kriegt ein paar Sekunden vor dem Schlusspfiff noch einen Freistoß auf Höhe der Mittellinie, der Ball segelt hoch in den Strafraum, der an sich leicht zu klärende Ball wird nicht aus der Gefahrenzone befördert und liegt in der letzten Sekunde des Spiels im Tor des 1. FC Nürnberg (klick), und ich komme mir vor wie jemand, der im strömenden Regen steht und seinen Regenschirm daheim vergessen hat – wie ein Trottel ohne Regenschirm (klick).

Das Trottel-ohne-Regenschirm-Gefühl wollte sich auch nicht legen, als ich realisierte, dass der Schiedsrichter das Tor – wohl zu Recht – wegen Abseits nicht anerkannte und der Club das Spiel mit 2:1 gewonnen hatte (klick).

Ich wusste (und ich weiß), dass unsere Mannschaft gegen den mit einigen Hochkarätern besetzten VfL Wolfsburg ein gutes, vielleicht sogar sehr gutes Spiel hingelegt hat. Es ist zu würdigen, wie Schieber rackerte und als Anspielstation in der Spitze die Bälle behauptete und wie er vor Gündogans 1:0 dem Wolfsburger Abwehrspieler den Ball vom Fuß spitzelte. Stark auch sein Solo und seine Übersicht vor dem 2:1 durch Frantz, der seinen überzeugenden Auftritt mit dem Siegtreffer krönte (klick). Es war eine imponierende Mannschaftsleistung: kompakt im Ersticken des Offensivpotentials des Gegners und kraftvoll in der Vorwärtsbewegung. Keine Verunsicherung nach dem Ausgleichstreffer der Gäste, stattdessen weiterhin Mut, auf die Chance zu lauern und diese zu nutzen. Der Club spielte, wie eine Mannschaft in einem Heimspiel zu spielen hat, und wurde dafür belohnt.

Genauso muss es sein.

Und dennoch fühlte ich mich, als hätte der Club mal wieder in letzter Sekunde den Sieg verspielt.

“Regnet’s noch?”, fragte mich Hannes (klick), als ich am Samstagabend am Tresen ankam.

Ich stellte den Regenschirm in den Schirmständer, hängte den Mantel an die Garderobe und sagte: “Ja, ziemlich stark sogar.”

“Und”, sagte Hannes, “was sagtst du?”

“Musste das sein?”,  sagte ich. “Musste das sein? In der letzten Spielsekunde!”

“Das war doch abseits”, sagte Hannes und Alfred (klick) sagte: “Des wor a glors Abseids, a glors Abseids wor des. Des konnsd nedd als bassivs Abseids werdn.”

Ich bestellte ein Pils und sagte: “Und was ist, wenn der Schiedsrichter das nicht sieht?”

“Er hat’s gesehen”, sagte Hannes und Alfred: “Des wor a verdienda Siech firn Glubb, der Glubb hodd subber gschbilld, do hobb nedd amoll iech wos zum Bemängln. Do konnsd haid nix soong Michael, des wor a subber Schbill vom Glubb.”

Alfred schaute mich an und legte das aus dem Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand gebildete V an die Lippen und ich gab ihm eine Blend 29 und Alfred steckte sie sich hinters Ohr und trottete nach draußen.

“Du kannst meinen Schirm nehmen”, rief ich ihm nach.

“Iech brauch kann Schärm”, sagte Alfred, “so waid kummds nuch, dass iech an Schärm brauch”, und aus den Boxen klang (klick):

RAINDROPS  KEEP  FALLING  ON  MY  HEAD…

     

Tags: ,

Kommentare (19)

Trackback URL | Kommentar RSS-Feed für diesen Artikel

  1. Claus sagt:

    Ich kann Deine Gemütslage nachvollziehen, obwohl sich bei mir der Unmut nach der Schirientscheidung doch relativ schnell legte, aber für einen Moment war es ziemlich still in unserer Kneipe. Es gab schon zuvor einige knappe Abseitsentscheidungen zugunsten des Club, bei denen ich mir überlegt hatte, wie lange das wohl noch gut ginge.
    Immerhin wurde der Club laut wahretabelle weder bevorzugt noch benachteiligt (bzw. es hat sich ausgeglichen), so kann es weiter gehen.

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  2. Pinola sagt:

    In der Nordkurve war dermaßen Krach und Party, dass das Tor nur kurz für Ruhe sorgte. Hätte der Schiri das gegeben, wäre ich trotz der “falschen” Entscheidung beim nächsten Spiel trotzdem mit der Gewissheit ins Stadion gegangen, dass wir besser waren und gegen jeden Gegner eine reale Chance haben.

    Ist mir bei allem Pech einer solchen Entscheidung lieber wie im letzten Jahr, wo man grübelte, welches Pech denn als nächstes kommt.

    Es gibt ein Glück des Tüchtigen, und wir haben das halt einfach gerade.

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  3. Das ist der Unterschied. In der letzten Saison hätte das Last Minute Tor für Wolfsburg gezählt.

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  4. Armin sagt:

    “Glück des Tüchtigen”? Seit wann ist es Glück, wenn der Schiedsrichter ein klares Abseits pfeifft? Und “im Regen stehen”? Natürlich kann es auch gefährlich sein einen Spieler “Abseits zu stellen”, sei es dass er gar nicht angespielt wird, sei es dass der Schiedsrichter das Abseits übersieht. Spielt man auf Abseits benötigt man eben auch die “Mithilfe” des Schieris. Man kann sagen, das ist in der letzten Minute einfach zu riskant aber wenn es klappt braucht man kein schlechtes Gefühl zu haben.

    Gerade gegen Spieler wie Grafite und Dzeko MUSS man auch die Abseitsregel als defensives Hilfsmittel benutzen und versuchen diese Spieler entweder per Abseits aus dem Spiel zu nehmen, oder sie durch weit vom Tor entferntes Aufstellen der 4-er Kette diese Spieler vom eigenen Tor fernhalten.

    Dass dabei potentiel auch mal etwas schief gehen kann ist eben notwendiges Risiko. Gegen Mannschaften wie Wolfsburg, die sicher individuell besser aufgestellt sind als der Club muss man auch zu taktischen Hilfsmitteln greifen um zu siegen.

    Natürlich bin auch ich im ersten Moment erschrocken, als im Radio der Torschrei aus Nürnberg kam, aber nach der richtigen Abseitsentscheidung war ich auch gleich wieder beruhigt und nach dem Abpfiff von der Leistung der Mannschaft begeistert!

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  5. Juwe sagt:

    Auch ein gar nicht gegebenes Tor kann scheinbar ein handfestes Trauma auslösen. :-) ich bewundere manchmal Schiedsrichter, die solche Zentimeterentscheidungen adhoc treffen müssen und hernach dann noch die Schuldigen sind. Warum tun Menschen sich das eigentlich an?

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  6. Zugereister sagt:

    Juwe: ich bewundere manchmal Schiedsrichter, die solche Zentimeterentscheidungen adhoc treffen müssen und hernach dann noch die Schuldigen sind. Warum tun Menschen sich das eigentlich an?

    Vielleicht eine Art des Masochismus (http://de.wikipedia.org...gungen_des_Masochismus)?
    Kein Wunder, dass manch einer von ihnen Berufe wie den des Zahnarztes gewählt hat :-)

    PS: ich würde es mir wohl nicht antun wollen (zumindest nicht im Profifußball)

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  7. BSE08 sagt:

    Nun, ich bin der Meinung, da hat er schon recht, der belschanov: Der Ball darf da überhaupt nicht den Weg in den Fünfer finden.
    Zur Erinnerung: Gegen Pauli kriegten wir drei Dinger in, am und unmittelbar vorm Fünfer.
    Das muß besser werden.

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  8. Bertl sagt:

    Ich denke beim 2:2 der Wolfsburger ist uns allen erstmal für einen Moment das Herz in die Hose gerutscht, aber dann: Abseits, Gott sei Dank.
    Letzte Saison wäre das Tor für Wolfsburg wohl gegeben worden, nicht aber in dieser verrückten heurigen Saison.
    Unser Club legt momentan eine Leidenschaft an den Tag, die wir alle lange schmerzlich vermißt haben.
    Unsere Jungs laufen, kämpfen und ackern um jeden Ball, die haben es auch mal verdient das jetzt auch das Glück auf ihrer Seite ist.
    Irgendwann werden auch wieder tiefschwarze Wolken über den Valzner Weiher hängen und das Pech uns verfolgen.
    Aber bis dahin sollten wir unsern Club und den Erfolg genießen.
    Auch wir Fans haben es uns mal verdient. ;-)

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  9. Claus sagt:

    Amen

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  10. schorschvolkert sagt:

    Ich war auch im Stadion und muss sagen, dass mich besonders Schieber schwer beeindruckt hat. Schade, dass der nach der Saison weg sein wird. Der Junge wird seinen Weg machen!

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  11. Die meisten Spiele, die knapp stehen, haben in den Schlußminuten noch haarige Szenen – die Frage ist, was daraus wird. Meistens bekam der Club eines auf die Mütze (Wer erinnert sich noch an die Friedel Rausch Schlußminuten-Ära?), aber unter Meyer war plötzlich alles anders. Unter Hecking auch – vielleicht ein gutes Zeichen.

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  12. Teo sagt:

    Der Vorsaison-Spieltags-Vergleich:
    1.Spieltag: Gladbach-FCN 1:1 (2:1)
    2.Spieltag: FCN-Freiburg 1:2 (0:1)
    3.Spieltag: HSV-FCN 1:1 (4:0)
    4.Spieltag: Leverkusen-FCN 0:0 (4:0)
    5.Spieltag: FCN-Stuttgart 2:1 (1:2)
    6.Spieltag: Frankfurt-FCN 2:0 (1:1)
    7.Spieltag: FCN-Schalke 2:1 (1:2)
    8.Spieltag: St.Pauli-FCN 3:2 (Berlin-FCN 1:2)
    9.Spieltag: FCN-Wolfsburg 2:1 (0:2)
    Vorsaison: 6:19 Tore, 4 Punkte
    JETZT: 11:12 Tore, 12 Punkte (bei 4 Heimspielen)

    Vergleich zum 9.Spieltag 2006/07:
    11:7 Tore, 13 Punkte (bei 5 Heimspielen)

    (Anmerkung: Statt St.Pauli wird Berlin und statt Kaiserslautern Bochum zum Vergleich herangezogen.)

    Nein. Es regnet nicht mehr. 12 Punkte in trockenen Tüchern.
    Hätte das Tor gezählt, wäre meine Gauloises-Schachtel sehr schnell leer gewesen (Frust) und der gute Schiri Winkmann hätte einen Regenschirm gebraucht…
    …und wäre dennoch im Regen gestanden (Kritik).
    Insofern ist das geplagte Clubfan geneigt, das NORMALE (richtige Entscheidung) bereits als GLÜCK und SONNE zu fühlen oder eben sich im falschen Film zu wähnen, weil man das NORMALE nicht als gewohnten Maßstab kennt. Gut, dass wir uns scheinbar daran gewöhnen dürfen!

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  13. Blitz sagt:

    Ich sehe den Club leider selten live, weil ich zu weit weg von meiner fränkischen Heimat wohne.
    Im Jahr 2006 war ich in Cloppenburg, als der Club dort die erste Pokalrunde mit 1:0 gewonnen hatte. Dann hab ich sie wieder im Finale in Berlin gesehen.

    Heute Abend hab ich ein Ticket für einen unüberdachten Sitzplatz in Elversberg. Würde gerne so wie damals noch ein weiteres Pokalspiel sehen. Berlin wäre nochmal ganz ok.
    :-)

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  14. Claus sagt:

    Tja, wir Berliner Clubberer hatten unsere Hoffnung auf ein “Heimspiel” auch auf den DFB-Pokal gesetzt. Da jetzt alle Berliner Clubs draußen sind, bleibt leider nur noch das Endspiel. ;-)
    @Alexander: Das war doch die Saison, in der in der Sportschau immer eine Tabelle gezeigt wurde, die nach 75 Spielminuten errechnet wurde, oder?

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  15. cia74 sagt:

    Dieses Abseitztor wär sowas von Unverdient gewesen mir würde wohl heut noch der Hals anschwellen…Die Bayern hätten den Treffer bestimmt anerkannt bekommen also sollten wir froh sein…Und egal wie es ausgegangen wäre wir waren die viel bessere Mannschaft….

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  16. Juwe sagt:

    Na ich hoffe TuS Koblenz gegen Hertha ist für den FCN heute eine Warnung gegen Elversberg, aber das Tor von dem Bezirksliga Spieler Stahl aus 57 Metern gegen Hertha war für mich einfach der Brüller des Tages.

    Der der FCN sollte unbedingt eine Runde weiterkommen, schließlich brauchen wir jeden Euro um Schieber am Saisonende zu kaufen :-)

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  17. Juwe: aber das Tor von dem Bezirksliga Spieler Stahl aus 57 Metern gegen Hertha war für mich einfach der Brüller des Tages.

    Wer es noch sehen will:
    http://www.youtube.com/watch?v=1QaQBPy7ivg

    :-D

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  18. Juwe sagt:

    Der Trainer hat noch zu ihm gesagt:….”wenn du nicht weißt wohin mit dem Ball, dann hau ihn einfach weg ” …hatter gemacht :-)

    Gefällt mir Daumen hoch 0

  19. Claus: @Alexander: Das war doch die Saison, in der in der Sportschau immer eine Tabelle gezeigt wurde, die nach 75 Spielminuten errechnet wurde, oder?

    Genau! Das war die Inkarnation des Deppen-Club-Images damals. Man schaltete zielsicher in der 85ten Minute das Radio aus, um es nicht mehr hören zu müssen (was man natürlich dann doch nicht tat). War das nicht sogar die Saison, als man dann von Platz …

    Gefällt mir Daumen hoch 0

Termin wird geladen....