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Szenen

SZENE 1

Zeit: Freitag, 14.01.2011, 22:30h. Ort: Tresen.

BELSCHANOV steht am Tresen, links von ihm sitzt HANNES (klick) auf einem Barhocker, rechts von ihm KONRAD LORENZ (klick). Halb hinter, halb neben BELSCHANOV und KONRAD LORENZ steht ALFRED (klick). Vor BELSCHANOV steht ein Pilsglas auf dem Tresen, vor HANNES und KONRAD LORENZ Weizenbiergläser, Alfred hält eine Kaffeetasse in der Hand.

KONRAD LORENZ: Hoffentlich gewinnt Gladbach morgen. Sonst sieht’s düster aus. Wenn’s Gladbach noch schaffen will, müssen sie morgen gewinnen…

BELSCHANOV: Reize mich nicht zum Zorne.

KONRAD LORENZ: …der Club ist ein schlagbarer Gegner und gegen die wenigen Mannschaften, die für Gladbach schlagbar sind, müssen sie gewinnen.

HANNES zu BELSCHANOV: Was redet der? Ist der Gladbach-Fan? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Ich dachte immer, der hält zum Club.

KONRAD LORENZ: Ich halte ja auch zum Club, aber nicht, wenn er gegen Gladbach spielt und Gladbach die Punkte braucht, um in der Liga zu bleiben. Der Club kann eine Niederlage gut verschmerzen. Der braucht die Punkte nicht so dringend.

BELSCHANOV: Klar, der Club braucht die Punkte nicht! Der Club kann sich eine Heimniederlage gegen den Tabellenletzten leisten! Du bist wohl nicht ganz dicht!

KONRAD LORENZ nimmt einen Schluck aus dem Bierglas.

HANNES: Und wie kommt es, dass der Gladbach-Fan ist? Der ist doch ein waschechter Oberfranke.

BELSCHANOV: Weil bei Gladbach irgendwann einmal ein Langhaariger gespielt hat, der sich als Rebell am Ball (klick) verehren ließ, mit einem Ferrari durch die Gegend fuhr und wahrscheinlich schon damals FDP gewählt hat.

ALFRED: Said wann wähld a Rebell die Effdeebee? Obwohl, iss ja aichndlich egool, senn ja suuwiesuu in jeeder Bardai die glaichn Bleedl.

BELSCHANOV: Aber wahrscheinlich wird’s sogar so kommen. Wahrscheinlich verliert der Club das Spiel morgen. Beim Club muss man ja immer mit allem rechnen.

HANNES: Fang doch nicht schon wieder an, so rumzuunken. Der Club gewinnt morgen. Das wäre ja noch schöner. Gegen den Tabellenletzten, der noch dazu stark ersatzgeschwächt ist.

BELSCHANOV: Beim Club muss man mit allem rechnen, immer. Wahrscheinlich kommt’s so, wie’s sich der Verehrer des FDP-wählenden Ferrari-Rebellen wünscht. Und dann kann er sich freuen. Dann kann er hier rumfeixen und sich sein Bier schmecken lassen. Ihr werdet’s sehen. Es wird so kommen.

ALFRED: Naa, gwinna wärnsa nedd, die Gladbacher. Hägsdns unendschiedn. Obber normool missad da Glubb des Schbill gwinna. Geechan Tabellnledsdn missada scho gwinna, nuch dazuu dahaam. (Zu BELSCHANOV) Horch Michael, hossd a Kibbm fir miech, konnsd ma aane geem?

BELSCHANOV holt eine Zigarettenschachtel aus der Innentasche seines Jacketts und gibt ALFRED eine Blend 29 und ALFRED steckt sie sich hinters Ohr und verlässt den Tresen.

SZENE 2

Zeit: Samstag, 15.01.2011, 22:15h. Ort: Tresen.

HANNES und KONRAD LORENZ sitzen am Tresen, zwischen ihnen steht ALFRED. Vor HANNES und KONRAD LORENZ stehen Weizenbiergläser. BELSCHANOV tritt an den Tresen und der WIRT stellt ein Pilsglas unter den Zapfhahn und betätigt den Hebel.

ALFRED zu BELSCHANOV, der neben KONRAD LORENZ steht: Verschießt der Binoola den Elfmeeder, korz vor Schluss verschießt der Bleedl den Elfmeeder!

BELSCHANOV: War doch klar. Is so gekommen, wie sich’s unser Gladbach-Fan wünschte. (ZU KONRAD LORENZ) Na, alles fahrplanmäßig gelaufen, nicht? Gratuliere! Is ne tolle Sache! Das muss gefeiert werden! Das müssen wir feiern!

KONRAD LORENZ: Ich kann nichts dafür.

KONRAD LORENZ trinkt sein Glas aus und ordert ein neues Weizen beim Wirt.

BELSCHANOV zum WIRT: Geht auf meine Rechnung. Alles was dieser Herr heute trinkt, geht auf meine Rechnung.

WIRT zu BELSCHANOV: Hast du heute deine Spendierhosen an?

KONRAD LORENZ: Ich kann nichts dafür, aber wenn du mich einlädst, lasse ich mir das gefallen.

BELSCHANOV: Das is ne ganz tolle Sache. Und tolle Sachen muss man feiern! Gladbach hat die Punkte, die der Club nicht braucht. Gratuliere! Das muss gefeiert werden!

HANNES: Reg dich nicht auf, Michael. Das lag am Schiedsrichter. Wenn der Schiedsrichter in der ersten Halbzeit den Elfmeter für den Club gibt und das völlig reguläre Tor von Mendler nicht abpfeift, gewinnt der Club das Spiel. Der Club ist heute vom Schiedsrichter verpfiffen worden (klick).

Der WIRT stellt ein Weizenbier vor KONRAD LORENZ auf den Tresen und ein Pils vor BELSCHANOV.

WIRT zu BELSCHANOV: Soll ich das Weizen auf deinen Deckel schreiben?

BELSCHANOV: Schreib’s auf seinen Deckel und ich zahle alles, was draufsteht.

WIRT: Wird wohl nichts mit einer Goldene-Ananas-Saison (klick).

BELSCHANOV: Nein, Goldene-Ananas-Saison is nich. Da hab’ ich mir den Mund zu voll genommen. Da hab’ ich mich sauber geschnitten.

KONRAD LORENZ: Ich kann nichts dafür. Ich kann nichts für den Schiedsrichter. Aber der Sieg war wichtig für Gladbach. Und wenn der Club kurz vor Schluss einen Elfmeter verschießt, kann ich nur sagen: Selber schuld.

ALFRED zu BELSCHANOV: Horch Michael, gehd a Kabbudschieno?

BELSCHANOV zum WIRT: Einen Cappuccino für ALFRED! Auf meinen Deckel!

ALFRED: Und a Zigareddn braichadi aa.

BELSCHANOV zieht eine Schachtel Blend 29 aus der Jackentasche und legt sie vor Alfred auf den Tresen.

BELSCHANOV zu ALFRED: Nimm gleich die ganze Schachtel.

ALFRED: Dank schee, Michael.

ALFRED steckt die Zigarettenschachtel ein.

ALFRED zu BELSCHANOV: Solli da wos soong, Michael. Da Glubb muss aufbassn, dassa nedd abschdaichd.

SZENE 3

Zeit: Freitag, 21.01.2011, 12:05h. Ort: Eine Kantine.

BELSCHANOV, ANGELIKA, ELVIRA und der DER CHEF sitzen an einem Tisch. ANGELIKA sitzt neben BELSCHANOV, ELVIRA gegenüber von ANGELIKA und DER CHEF gegenüber von BELSCHANOV. An den Tisch schließt an der Seite, an der ANGELIKA und ELVIRA sitzen, ein anderer Tisch an. Die Stühle neben ANGELIKA und ELVIRA sind unbesetzt, am Ende des Tisches sitzen zwei Anzugmänner mittleren Alters. Der Anzugmann, der DEM CHEF diagonal gegenüber sitzt, hat die Krawatte zwischen zwei Hemdknöpfen unters Hemd geschoben, die Krawatte des Anzugmanns, der BELSCHANOV diagonal gegenüber sitzt, hängt frei. Die Personen essen.

DER CHEF: Samstagfrüh um halb zehn in der Küche sitzen und Zeitung lesen, ist gefährlich. Da kommt schnell die Gattin und sagt: “Müsste man nicht mal den Keller aufräumen? Sollte man nicht mal die Kommode neu streichen?”

ELVIRA: Solche Probleme hast du nicht, Michael. Oder?

BELSCHANOV: Nein, solche Probleme hab ich nicht. Meine Probleme sind ganz anderer Art.

ANGELIKA: Gegen wen spielt Nürnberg am Wochenende?

BELSCHANOV: In Freiburg.

ELVIRA: Das gewinnen sie.

BELSCHANOV: Das hast du letzten Freitag vor dem Spiel gegen Mönchengladbach auch schon gesagt.

ELVIRA: Haben sie nicht gewonnen?

ANGELIKA: Nein. Aber das war Pech. Da war der Schiedsrichter nicht unbedingt ein Freund der Nürnberger.

BELSCHANOV (echauffiert und ziemlich laut): Und dann haben diese Volltrottel noch einen Elfmeter verschossen…

In dem Moment, in dem das Wort “Volltrottel” fällt, macht der Anzugmann mit der frei hängenden Krawatte eine ruckartige Bewegung und die Krawatte liegt in der Bratensoße.

BELSCHANOV: …kurz vor Schluss verschießen diese Volltrottel einen Elfmeter! Gegen den Tabellenletzten!

Der Anzugmann hebt die Krawatte vorsichtig aus der Soße und steht vorsichtig auf und geht, penibel darum bemüht, die Krawatte vom Hemd wegzuhalten, in Richtung Toilette.

ELVIRA: Wie man sich über so was bloß so aufregen kann? Mal verliert man, mal gewinnt man. Das ist doch das Schöne am Sport.

BELSCHANOV: Das sagt mein Neurologe auch immer.

ANGELIKA: Aber unter der Woche haben sie gewonnen. Die sollen ja in Offenbach zienlich gut gespielt haben (klick).

BELSCHANOV: Offenbach ist dritte Liga.

ANGELIKA: Die haben aber immerhin Dortmund aus dem Pokal geworfen.

BELSCHANOV: Offenbach war ein Pflichtsieg…

DER CHEF: Manche Menschen sind schwer zufrieden zu stellen.

BELSCHANOV: …Morgen in Freiburg ist wichtig. Der Club braucht unbedingt drei Punkte. Wenn der Club in Freiburg gewinnt, zahle ich am Montag das Mittagessen für uns alle.

ELVIRA: Toll! Dann nehme ich ausnahmsweise mal das volle Menue. Mit Suppe und Dessert.

BELSCHANOV: Aber nur, wenn sie gewinnen.

SZENE 4

Zeit: Samstag, 22.01.2011, 22:20h. Ort: Tresen.

BELSCHANOV, HANNES und KONRAD LORENZ sitzen am Tresen.

BELSCHANOV: Is halt nix G’scheit’s mit’m Club. Man muss es sich halt einfach eingestehen: Is nix G’scheit’s mit’m Club (klick).

HANNES: Die erste Halbzeit war schwach. Das ist klar. Da habe ich mir auch mehr erwartet. Aber in der zweiten Halbzeit waren sie dominant. Darauf lässt sich aufbauen. Und der Okotie war gar nicht schlecht.

BELSCHANOV: Ja, das 1:1 von Schieber hat er gut vorbereitet. Und dann hatte er eine gute Szene, als er in Bedrängnis einen Eckball herausgeholt hat. Aber kurz vor Schluss muss er das 2:1 machen. Das war DIE Chance. Den Ball so unbedrängt so lauwarm übers Tor zu köpfen, ist schwach. Da hätte er zeigen müssen, dass er was drauf hat. Da hätte er zuschlagen müssen. War eine gute Vorlage. War DIE Chance.

HANNES: Der Okotie kommt noch. Der braucht noch ein bisschen Spielpraxis und dann kommt der. An dem werden wir noch viel Freude haben.

ALFRED erscheint am Tresen und stellt sich neben BELSCHANOV.

BELSCHANOV: Der Sieg von Köln (klick) will mir gar nicht schmecken. Jetzt wird’s wieder eng. Da kann man nur hoffen, dass wenigstens Gladbach und St. Pauli morgen nicht punkten.

KONRAD LORENZ: Gladbach muss morgen den zweiten Schritt machen.

KONRAD LORENZ nimmt einen Schluck aus dem Weizenbierglas.

ALFRED: Des aans aans bassd scho. Is a gerechds Ergeebnis. Die Fraiburcher wolln aa leem.

HANNES: Dass der Schuss von Eigler an die Latte geht, war natürlich wieder mal Pech.

BELSCHANOV: War der dreizehnte Aluminiumtreffer in dieser Saison.

ALFRED: Geecha ween schbilld’n da Glubb nägsds Wochnend?

HANNES: Gegen den HSV, daheim. Und dann haben sie noch ein Heimspiel gegen Leverkusen.

ALFRED: Au weh.

BELSCHANOV: Ich fordere sechs Punkte aus den nächsten beiden Spielen. Heimspiele gehören gewonnen.

ALFRED: Des glaabi nedd, dass da Glubb doo vill hulld.

ALFRED wendet sich BELSCHANOV zu und legt das aus dem Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand gebildete V an den Mund und BELSCHANOV gibt ALFRED eine Blend 29.

BELSCHANOV: Wenn der Club gegen den HSV und Leverkusen gewinnt, schmeiß ich eine Tresenrunde.

KONRAD LORENZ: Recht so. Das lasse ich mir gefallen.

BELSCHANOV: Für dich gibt’s nur was unter einer Bedingung.

KONRAD LORENZ: Und die wäre?

BELSCHANOV: Dass Gladbach in den nächsten drei Spielen keinen Punkt macht.

HANNES: Recht so!


Bild: E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg – Blick zur Bühne | Andreas Praefcke (via)

     

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Kommentare (10)

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  1. Christian sagt:

    Solche Beiträge sind immer die, die mir am besten gefallen!
    Ein Sieg auf Schalke wäre mehr als wunderbar und in der Liga die nötigen Heimspielpunkte zur Vergrößerung des Abstands zur Abstiegszone eine feine Sache.

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  2. Bühnenreife Vorstellung! Als ob das Leben das Drehbuch geschrieben hätte. Danke!

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  3. wouters sagt:

    zum schießen!

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  4. Optimist sagt:

    ….bin schon neugierig auf die 5. Szene. Wunderbar!

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  5. berlinclub sagt:

    Herrlich – großes Kino, belschanov! Mal was anderes als die Berliner Schule. Ich erhoffe mir in der nächsten Kneipenszene den überraschenden Auftritt des Psychologen Dr. Pfau nebst Gattin. Der hat doch sicher einige steile Thesen, warum der Club gegen vermeintlich machbare Gegner immer so schlecht aussieht (Offenbach mal ausgenommen – aber die sind ja 3. Liga und haben ihr Heimspiel gegen Sandhausen auch verloren), warum unter Druck Elfer verballert werden und warum man (aus Angst vor dem Sieg??) lieber ans Gebälk hämmert, anstatt 13 Tore und einige Punkte mehr auf dem Konto zu haben.

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  6. Kugelblitz sagt:

    Recht so! *lach*

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  7. Manu sagt:

    jawohl, recht so!

    morgen pack ma schalke!

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  8. Bertl sagt:

    Geile Story, Bravo und vielen Dank belschanov. ;-)

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  9. [...] hoddn der Kaschber doo gebfiffm?”, ereiferte sich Alfred (klick), “wor a gloors Door firn Glubb, a gloors Door wor des. Wenn a Schbieler an aichna [...]

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  10. [...] am samstagabendlichen Tresen, “wie sigs fir an Favoriddn gheerd”, und Konrad Lorenz (klick), der, obwohl gebürtiger Oberfranke, Gladbach-Fan ist, weil in grauer Vorzeit einmal ein [...]

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