Inventur im Marktwertvergleich
Und es ist Sommer … Die Gazetten greifen auch nach jedem Strohhalm und sogar Frauen sollen Fußball spielen um das Sommerloch zu überbrücken.
(Der Spaß sei erlaubt, ich habe ja sogar Karten.)
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Warum also nicht mal wieder in den Zahlen schmökern in der allseits beliebten Rubrik: Schießt Geld Tore? Hier im Speziellen: Was haben die modernen Fond-Manager der Liga aus ihrem Depot gemacht?
Basis der kleinen Gegenüberstellung (“Wir haben ja sonst nix”) ist die durchaus umstrittene, aber bisweilen doch aufschlußreiche Marktwerttabelle des Portals transfermarkt.de. Mag die Höhe als Zahl vielleicht fiktiv sein, so ist vielleicht aber die Größenordnung in der Gegenüberstellung interessant. Hier also der Ausgangswert vom 05.7.2010:

Vornweg die Bayern, die mit 278 Mio. Marktwert und einem Schnitt von 11 Mio. die Liga überstrahlen. Gefolgt von Leverkusen, deren späterer zweiter Platz sich hier also nicht von ungefähr wiederspiegelt. Wolfsburg folgte nur knapp, dahinter Bremen und Schalke. Der spätere Meister kam hier nur auf – im Vergleich – 118 Mio. und einem soliden Platz im Mittelfeld. Der spätere Absteiger Frankfurt hätte nach dieser Tabelle einen Mittelfeldplatz sicher haben müssen, doch wie sehr die Liga dieses Jahr diese Prognose aus Marktwert zum finalen Ergebnis auf den Kopf stellen sollte, zeigen die Plätze 13 mit 17: Hannover, Mainz, Freiburg, Nürnberg und Lautern hätten hier vor dem abgeschlagenen St. Pauli (was sich dann allerdings bewahrheiten sollte), die fehlenden Abstiegskandidaten ausmachen müssen. Mit Marktwerten von 42 Mio. (Hannover) bis 37 Mio (Lautern) kam man nicht mal in der Summe auf den Wert der Münchner – oder anders ausgedrückt hätten je 33 Spieler dieser Mannschaften im Schnitt auf dem Platz stehen müssen, um den Wert der 11 von Mannschaften wie Wolfsburg oder Bremen kompensieren zu können. Rechenkram, ist klar, aber drückt doch immer wieder mal aus, in welchen Dimensionen man sich bewegt. Umso (wohltuend) überraschender dann das Endergebnis, bei dem eben jene Mannschaften am Ende die Plätze 4, 5, 6, 7 und 9 belegten.
Diese Leistungen spiegeln sich dann natürlich auch im neuen Marktwert 2011 wieder. Sicher ist hier eigentlich viel im Detail zu berücksichtigen. Zum einen natürlich die Transfers im Winter, die doch manchen Kader noch einmal veränderten, dann auch noch auslaufende Verträge, die – ohne weiteres zutun - den hier gemessenen Marktwert nach unten verändern. Dennoch lohnt ein Blick (Daten vom 20.6.2011 und damit noch vor den Sommer-Transfers):

Ganz oben rangierten weiter die Münchner, mit 294.750.000 Euro auf 21 Mann verteilt, was einen rechnerischen Schnitt von knapp 14 Mio. Marktwert pro Spieler ergibt. Trotz der eher (für den Anspruch im Süden) mäßigen Saison konnte man also den Marktwert sogar noch steigern und das sogar in der Summe bei Minimierung des Kaders. Knapp jetzt gefolgt von Dortmund, die mit 147.400.000 Euro nun auf Platz 2 rangierten und es pro Mann auf einen Schnitt von 5 Mio. bringen. Hier hat die fabelhafte Saison den Kader in der Summe wie auch im Schnitt fast exponenziell nach oben gehoben. Dies war nicht zwingend bei allen erfolgreichen Teams vergleichbar der Fall. Kaiserslautern bspw. konnte zwar den Durchschnittwert der Spieler auch erhöhen, kommt aber noch immer nicht von einem Marktwert-Abstiegsplatz weg – trotz Platz 7 in der Liga. Dort findet sich zwar auch immer noch Mainz in direkter Nachbarschaft, hier wurde aber auch massiv an der Verkleinerung des Kaders gearbeitet und der Durchschnittswert stieg doch auf durchaus beachtliche 2 Mio. (von 1,4 Mio.), eine prozentual enorme Veränderung.
Eine ähnlich erfolgreiche Performance darf sich auch unser 1. FC Nürnberg in die Bücher schreiben: Von 37 Mio. Wert bei durchschnittlich 1,4 Mio. gelang es durch die guten Leistungen den ganzen Kader enorm zu steigern. Obwohl im Winter nur “namenslose” Spieler aus der eigenen zweiten Reihe dazustießen, kam der Kader am Ende auf einen Wert von 55 Mio. bei einem Schnitt von 1,9 Mio – was sowohl auf eine deutliche Steigerung in der Spitze wie in der Breite schließen lässt.
Sicher kann man bei diesen Rechenschiebereien die Frage nach Henne und Ei stellen: Ist der Marktwert gestiegen, weil die Ergebnisse gut waren, oder waren die Ergebnisse besser als nach Marktwert erwartet, weil die Verantwortlichen mehr wussten (oder ahnten) als die Analysten auf der anderen Seite bewerteten. Dass hier aber wohl vor allem kluges Handeln und ein gezieltes Heranführen von bislang unbekannten Talenten der Fall sein müsste, brachte die BILD-Zeitung bereits im März zu der Schlagzeile: “Hier ist der Club Tabellenführer!” und errechnete einen Steigerung des Werts der Startelf von beachtlichen 73 % – Liga-Bestwert. Dabei waren es nicht allein die Leihspieler, wie Ekici oder Schieber, die hier die Akzente setzten, sondern gerade auch ein Wollscheid und Cohen – von einem Chandler war doch noch nicht einmal die Rede.
Eine weitere vielleicht interessante Zahlengegenüberstellung ist da auch das Aufwand-Ertrags-Verhältnis. Das Weblog “Die Welt – aus Sicht der Südtribüne” hatte hierzu eine einfache Berechnung unter dem Titel “Was kostet die Welt?” vorgenommen (ebenso basierend auf den Werten von Transfermarkt.de) und kam zum Ergebnis, dass bspw. Bayern München in Sachen finanzielle Effizienz glatt letzter sein müsste, da man 4.584.615 Euro aufwendete, um einen Punkt zu ‘erwirtschaften’. Hier war Hannover der Klassenbeste, gefolgt von Mainz und – auch das ein Beleg für die gute Arbeit der Saison – der Club, der “nur” 765.957 Euro pro Punkt auf den Tisch legte.
Zahlenspiele, ganz sicher. Aber keine gänzlich willkürlichen. Wer aus wenigem viel anzufangen weiß, dem gehört erst mal ganz einfach ein Kompliment. Allerdings ein Kompliment mit Auflage nun aus dem Gewinn einen Schritt weiter zu gehen und die Leistung dabei zu bestätigen, denn nur das würde erst den Erfolg veredeln. Denn machen wir uns nichts vor: Wir benötigen beim Club Jahr für Jahr Leistungen von Mannschaft und sportlicher wie wirtschaftlicher Leitung, die die gern zitierten 110 % bedeuten, denn sonst – siehe oben – wäre das Ergebnis wohl wieder nackter Überlebenskampf. Erst wenn dieses Niveau der überdurchschnittlichen Leistung gehalten werden kann und zugleich die davor aus ihren Möglichkeiten weniger machen, kann ein Vorsprung aufgeholt werden, dazu drängen von hinten stets Mannschaften mit bisweilen ambitionierten Sponsoren. Eine spannende Aufgabe.
Bild: Ticker board of Tokyo stock exchange, Author: Stéfan, This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.
Ein wie immer gewohnt fundiert recherchierter Artikel, aber das muss man ja eigentlich nicht mehr groß erwähnen. Hohes Niveau erzeugt nun mal auch einen gewissen Gewöhnungseffekt.
Die Tabellen auf transfermarkt.de wurden hier auch schon häufiger diskutiert, in der Summe ergeben sie sicher ein halbwegs realistisches Bild, im Einzelfall gibt es aber auch immer zuweilen amüsante Ausreißer. Bestes aktuelles Beispiel ist Timothy Chandler, der mit 600.000.- gelistet ist. Wenn ein Verein käme, der diese Summe bieten würde, würde Martin Bader vermutlich einen Lachanfall bekommen.
Von den von hinten drängenden Mannschaften mit “bisweilen ambitionierten Sponsoren” zählt ja wohl auch unser erster Gegner in der neuen Saison. Allerdings hat mich ein Werbeslogan überrascht, der mir (und nicht nur mir) das erste mal aufgefallen ist, als wir am Berliner Hauptbahnhof am letzten Spieltag auf unseren Zug nach Hannover gewartet haben: “Wir fahren schwarz, wir fahren rot, wir fahren günstig!”
Der hat für große Heiterkeit auf mehereren Ebenen gesorgt. Zum einen ist da der offensichtliche Zusammenhang zwischen Schwarzfahren und günstig Fahren, zum anderen logischerweise die Farbkombination, wenn auch, streng genommen, in der falschen Reihenfolge. Könnte man das u. U. vielleicht sogar als vorsichtige Annäherung an ein potentielles neues Sponsorenziel werten?
Wir haben den Slogan jedenfalls eine Weile in der richtigen Reihenfolge gesungen:” Wir fahr’n rot, wir fahr’n schwarz, wir fahr’n günstig…”
Liebe DB, das hätte wirklich Potential.
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Danke, Claus, bei Lob setzt bei mir kein Gewöhnungseffekt ein.
Die größte Herausforderung bei dem Artikel war im Übrigen, einen Screenshot am Anfang der Saison gemacht zu haben und den wiederzufinden.
Die Zahlen sehe ich – das muss man ganz oft betonen – im Detail wie du bisweilen realitätsfremd. Aber es ist (für mich) dann doch immer interessant, was die Zahlen dort für eine gewisse externe Bewertung ergeben. Und genau so sehe ich das auch, ein interessantes Rating von Extern.
Man könnte sich auch mal die EA SPORTS Fussballmanager-Spielerbewertungen vornehmen. Das ist im Prinzip auch nix handfestes, aber doch interessant, wie man da Spieler einstuft. Die geben da ja auch viel Geld für aus, dass man da versucht realitätsnah zu sein und entsprechend muss man sich da ziemlich oft korrigieren. Wollscheid bspw. ist dort in der aktuellen Auflage ein maximal durchschnittlich talentierter Kicker bei einer Körpergröße von 1,80 m (was zeigt, dass man den so gar nicht am Zettel hatte). Interessant dort vor allem, wie detailliert man versucht einzelne Fähigkeiten einzuschätzen wie Schnelligkeit, Kopfballstärke aber auch Teamfähigkeit.
Aber das alles sind Zahlenspiele – perfekt für die Sommerpause, wo es sonst nix zu sehen gibt.
Btw.: Gestern bin ich bei U21-Halbfinale eingeschlafen. Pekhart hab ich nur noch kurz wahr genommen, Klose spielte eine sehr solide Partie, war immer anspielbar und versuchte mit offensiven Pässen das Spiel anzukurbeln. Insgesamt muss man feststellen, dass man schon sieht, wie schon in dem Alter die Spiele unglaublich von Disziplin und Taktik geprägt sind. Das ist einerseits beeindruckend, andrerseits auch eben zum Einschlafen.
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Off topic nochmal zum Kader der U23: Jetzt geht auch Brunnhübner http://bit.ly/kXClle
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Naja, im Grunde sind die Werte und somit der Tabellenplatz auch ziemlich realistisch. Aber es gibt immer Ausreißer… siehe meine geliebte Eintracht! Oder das Mainz halt auch vorne mitspielt… aber genau das macht es ja spannend! Geld schießt nun halt doch kein Tor…
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Ich bin persönlich froh über die Entwicklung. Die letzten Jahre schien es gegenteilig zu laufen, dass mehr Geld auch stets mehr Erfolg bedeutet. Es ist wohl so, dass aufgrund der zwischenzeitlich so breiten und guten Nachwuchsarbeit es mehr Potenzial gibt als die Top-Clubs abschöpfen können, dadurch kann auch ein Ekici bspw. plötzlich bei einem Club wie dem FCN durchstarten und mit dafür sorgen, dass statt Abstieg Platz 6 am Ende zu Buche steht.
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Raus mit dem Screenshot Tool. Laut der aktualisierten TM Marktwerttabelle sind wir nach Augsburg der Topkandidat für die zweite Liga.
Ein paar “harte” Fakten:
- Bunjaku ist neben Wollscheid unser wertvollster Spieler.
- Timothy Chandlers Marktwert wurde auf den von Juri Judt angehoben.
- Wenn Wollscheid so weiter macht hat er bald den halben Marktwert von Holger Badstuber.
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Danke für den Hinweis! Schon erledigt und wird morgen noch mal gegengecheckt.
Schon hart, das so zu lesen. Individuell frag ich mich zwar manchmal schon, wer bspw. 4 Mio. für Polanski zahlen würde, aber wie auch immer – die Zahlen sprechen gegen den Club.
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Solange die Zahlen so ein Quatsch sind mache ich mir aber keine Sorgen. Im TM Drogeriemarkt gibt es beispielsweise für einen Püppi Jansen schon drei Almog Cohens. Klar… Püppi war mal Nationalspieler. Aber die Relationen stimmen gar nicht.
Auch lustig zum Beispiel, dass Kjaer noch zehn Millionen wert sein soll.
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Ich sag da mal: Lieber unter Wert als überschätzt!
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Sehr schöne Rechenbeispiele! Aber 2008 haben wir das genaue Gegenteil erlebt, nämlich dass eine wertvolle Club-Elf abgestiegen ist! Aber wie Du schon sagst: Das Sommerloch muss ja gefüllt werden!
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Wir haben aber auch das mit Abstand jüngste Team. Ganze 7 Monate jünger als Hoffenheim, das letztes Jahr das jüngste war. Eigentlich logisch, dass dann die Marktwerte noch nicht so hoch sind. Die Frage wird sein, können sich die Talente wieder genau so phänomenal entwickeln?
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Das hätte sich Wolf vielleicht auch sagen sollen!? Aus seiner Sicht war das Angebot des Clubs unter Wert, vielleicht hat er sich überschätzt?
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[...] markiert. Das muss den Clubfan nun nicht sonderlich beunruhigen, schließlich war man auch im vergangenen Jahr nur einen Platz besser geführt und landete am Ende auf Platz 6, aber da sich im Kader doch einiges [...]
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