Freibier(e)

“Kompliment”, sagte der Wirt und schob mir ein Pils über den Tresen.

“Ja”, sagte ich, “die drei Punkte sind wichtig, überlebenswichtig, aber Kompliment? Die Leistung der Mannschaft war über weite Strecken durchwachsen, um nicht zu sagen bescheiden. Unterm Strich war es ein Sieg der Marke glücklich. War ein Zittersieg.”

“Das Kompliment gilt dir, Michael, äh belschanov.”

“Warum mir?”

“Weil du Aufstellung richtig vorhergesagt hast. Hecking hat genau die elf Spieler gebracht, die auch du aufs Feld geschickt hättest (klick).”

“Ach so. Ja. Aber…”

“Wirklich Kompliment, belschanov. Das ist mir zwei Freibiere wert.”

“Schön. Danke. Nett von dir. Aber…”

“Was aber?”

“Wenn man’s genau nimmt – und wer micht kennt, weiß, dass ich es manchmal sehr genau nehme -, hab’ ich mir nur ein Freibier verdient.”

“Wieso?”

“Ich habe die elf Spieler richtig vorhergesagt, aber nicht die Positionen der Spieler. Eigler spielte im Sturm neben Pekhart und nicht rechts im offensiven Mittelfeld und Didavi nicht zentral, sondern auf der vorderen rechten Außenbahn. Ich dachte, Hecking lässt weiterhin 4-2-3-1 spielen und wartet mit dem 4-4-2 noch, bis sich die Personalsituation entspannt hat. Dass er trotzdem 4-4-2 spielen ließ (klick und klick), hat mich überrascht.”

“Hobbi aa gleesn”, sagte Alfred (klick), “hobbi aa gleesn, dass da Hegging in da Riggrundn midd zwaa Schdirma schbill lossn will, wallsa in da Voorrundn zu weenich Doore gschossn hamm. Woor obba nedd vill zu sääng davoo, dass die Umschdellung zu mehr Schongsn firn Glubb gfierhrd hodd. Ausm Schbill raus hodda kaum Schongsn ghabd, da Glubb. Des aansnull woor a obgfelschda Gliggsschuss und des zwaanull is nooch am Fraischdoos gfalln und ansunsdn hobbi nedd vill gschaide Schongsn gsääng firn Glubb. Aamoll hoddsi der Dida, der Dida doo, der…”

“Didavi”, sagte ich, “Daniel Didavi.”

“…der hoddsi amoll guud durchgesedsd, obba da Schuss woor zu schwoch, und dann hodd da Aichla amoll gnabb iewas Door gekebfd und in da zwaadn Holbzaid hodd da anna Schdirma a Riesnmeechlichkaid ghabd, woor a scheene Vorlooch vom Aichla, schee fraigschbilld…”

“Ja”, sagte ich, “Pekhart hatte eine Riesenmöglichkeit. Die muss er machen. Ein Bundesligastürmer muss eine solche Chance machen.”

“…a bessere Meechlichkaid kossd aichndlich nedd grieng, doo derfa nedd bloos aufn Boll schaua und blind draufhaua, doo mussa na kubf hoochnehma und schaua, woss da Kibba machd, des Door hedd iech frieha gmachd, die Schongs häddima nedd endgeh lossn, woss dengsdn duu, woss iech mier vom Drääna ooheern hädd missn, wenni a soo a Schongs vergeem hädd, a Kobbm häddma der geem, a Kobbm, dossma da Orsch drai Dooch long weeh gedoo hädd, und zurechd, vellich zurechd häddasama geem, wall soo a Schongs griechd ma bloos aamoll in am Schbill…”

“Na ja”, sagte Hannes (klick), “blind draufgeschossen kann man nicht sagen. Pekhart wollte halt den Torwart tunneln. Wenn er das geschafft hätte, wäre er der King gewesen.”

“…und wenn der aane doo, der Glaane midd di longa schwaddsn Hoor, wenn der nedd zwaamoll richdich gschdandn wäär und auf da Lienje gegläärt hädd…”

“Der Cohen”, sagte ich, “Almog Cohen.”

“…waasd nedd, wie des Schbill ausganga wäär.”

“Cohen hat aber richtig gestanden”, sagte Hannes, “und der Club hat das Spiel 2:0 gewonnen und sich ein bisschen abgesetzt von den Abstiegsplätzen. Allein das zählt, egal ob Essweins 1:0 ein Glückstor war und das 2:0 in Anführungszeichen nur nach einem Standard fiel.”

“Des zwaanull woor schdorg gmachd. A gläwwara Aufsedzaflangng aufn longa Bfosdn, doo sigsd in da Vadaidichung imma bleed aus…”

“An Freund und Feind vorbei”, sagte der Wirt über den Tresen.

“…wärgli schee naigflangd vo dem naaia Schbiela, vo dem middi orangschana Schuh…”

“Hlousek”, sagte ich.

“…und dann is der anna, der Obwehrschbieler, schwadse Hoor hodda…”

“Maroh”, sagte Hannes.

“…im richdichn Augnbligg vorne naiganga und hodd di Kulln naigedriggd. Woor guud gmachd, hodd aischdudierd ausgschaud, aischdudierd ausgschaud hodd dess.”

“Sieht doch gar nicht schlecht aus für den Club”, sagte der Wirt, “Frantz und Nilsson waren wieder auf der Bank und sind kurz vor Schluss sogar eingewechselt worden und in Hannover werden Feulner und Chandler wieder dabei sein. Da hat Hecking ja fast die Qual der Wahl.”

“Und wenn Balitsch fit ist und Pinola wieder spielen kann, hat Hecking Luxusprobleme”, sagte Hannes.

Ich nahm einen Schluck aus dem Glas sagte: “Bloß nicht überheblich werden. Das war heute ein Pflichtsieg und der Club wird noch einige Pflichtsiege brauchen, um die Klasse zu sichern”, und der Wirt sagte: “Was ist jetzt, Michael, soll ich dir ein Bier gutschreiben oder zwei?”

“Eins”, sagte ich.

“Iech deed des annere fai nehma.”

“Meinetwegen”, sagte ich.

“Odda naa, gibma a Raadla, iech vadrooch doch kann Algohool.”

“Wie’s beliebt”, sagte der Wirt.

“Und a Zigareddn kenndsma geem, Michael, hosd aane fir miech?”

[Spielberichte: klick und klick und klick.]

 

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Kommentare (21)

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  1. Claus sagt:

    Glückwunsch zum Freibier, ich hätte das 2. auch noch genommen.
    Sehr schön zusammengefasst, das hat mich auch wieder an einen Kardinalfehler in der Offensive erinnert: Man spielte Eigler hoch und Pekhart flach an. Umgekehrt wäre erfolgversprechender gewesen. Dass Eigler es nicht so sehr mit Kopfbällen hat sollte bekannt sein, und Pekhart scheint mit den Füßen derzeit Probleme zu haben.

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  2. Optimist sagt:

    Ja, nette Geschichte, klingt auch schon viel besser ;-)

    @ Claus, der Kardinalfehler war für mich eher, dass allgemein zu wenig über die Flügel zuende gespielt wurde. Ich schätze, die Flanke für Eigler hat ihn auch nur aufgrund der statistischen Streuung erwischt (ungenau auf Pekhart geflankt und dann stand halt Eigler da :mrgreen: ).

    Naja, war so mein Eindruck. Es ging ein paar mal ganz ansehnlich durch die Mitte (bei den Abseits und bei Pekharts 100% Chance), aber von Außen kam zu wenig, kaum mal ein Durchbruch zur Grundlinie, zu wenige Flanken, wenn man schon mal mit 2 Stürmern im Zentrum spielt….

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  3. Juwe sagt:

    Hat sich eigentlich Freibrug beklagt, dass sie nicht so toll gespielt haben beim Last Minute Sieg, als sie in Nürnberg 3 Punkte mitnahmen?
    Hat sich Fürth beklagt, als sie den Club aus dem Pokal rausgeworfen haben, dass die 2. Halbzeit nicht so toll war? Nein! aber wir beklagen uns, wenn wir 3 Punkte holen, dass der Glanz fehlt.
    Sind wir wohl schon auf Augenhöhe mit Barcelona oder Real Madrid? Ich kann das Gejammere überhaupt nicht nachvollziehen.

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  4. Woschdsubbn sagt:

    Ts, ist doch ganz klar:
    Mit Kyaw Ko Ko aus Myanmar (ehemals Burma) wird alles besser, dann platzt der Knoten und wir gewinnen leicht das Triple: Meister, Europaliga und Pokalsieger.

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  5. Bertl sagt:

    Danke für eine weitere Folge der Tresengeschichten. ;-)

    Langsam scheinen sich die Gemühter wieder etwas beruhigt zu haben.
    Wir sollten tatsächlich nicht so viel Jammern und Klagen.
    Zwei Siege in der Liga in Folge, warum nicht noch ein dritter?
    Vielleicht ist das der Anfang einer kleinen Serie, etwas mehr Vertrauen in unser Team sollten wir schon haben.

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  6. Beate60 sagt:

    Woschdsubbn,

    Mal sehen, ob das jetzt wahr wird, ob er die Probezeit heil übersteht und dann nicht zu unbescheiden sein: Erstmal kann er ja Torschützenkönig werden. Wieso sollten wir denn nicht auch mal wieder Glück haben. Die Mintalzeiten sind jetzt schon so lange her.

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  7. Teo sagt:

    Beate60,

    Ich glaube eher, dass bei Esswein der Knoten platzt.

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  8. Teo sagt:

    Da ich mit Belschanov das Schicksal teile, die richtigen elf Spieler im falschen System aufgestellt zu haben (3-4-2-1, kuriose Idee, aber der Not auf der RV-Position geschuldet), würde es sich anbieten, dass ich mich um das zweite Freibier bemühe…

    …aber viel lieber würde ich den Protagonisten der Tresengeschichten eine Runde spendieren:

    Alfred, der aus einem Bier gleich zwei Radler GEWINNEN könnte,

    Hannes, der auch der größten vergebenen Chance noch etwas abGEWINNEN kann,

    der Wirt, dem es immer wieder aufs Neue gelingt, die drei für seinen Tresen zu GEWINNEN und schließlich

    Belschanov himself, bei dem man den Eindruck GEWINNEN kann, dass er die Figuren nicht kreiiert hat, sondern “lediglich” als Protokollant realer Kneipenszenen fungiert, der sich selbst als sein größter Kritiker outet, indem er auf sein zweites Bier verzichtet, statt sich den Clubsieg wenigstens ansatzweise “schön” zu trinken.

    Alle am GEWINNEN – wie der Club. Das muss gefeiert werden.
    Prost, die Herren. Rechnung geht auf mich!

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  9. KUZ sagt:

    Teo,

    das war SPITZE !!!

    Und so GEWINNT ein jeder!!

    ( Was ein weiterer Glubbsieg alles vermag…. ;-) )

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  10. Armin sagt:

    @Teo
    Deine Worte unterschreibe ich gern.

    Die Tresengeschichten sind sind mit das schönste was es über Fußball zu lesen gibt. Ich freue mich immer sehr darauf. Danke belschanov.

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  11. BSE08 sagt:

    Juwe:
    Nein! aber wir beklagen uns, wenn wir 3 Punkte holen, dass der Glanz fehlt.

    Es jammert hier doch keiner. Es gab lediglich ein paar Leute, die feststellten, daß das Spiel Scheiße war.

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  12. Claus sagt:

    Ein Spieler aus Myanmar ist im Anmarsch? Na das ist doch mal exotisch. Hoffentlich erfriert er nicht gleich, wenn er aus dem Flieger steigt, Myanmar hat im Winter immer noch Tageshöchstwerte >25°C.
    Da werden die Scouts demnächst wohl auch noch das Hochland von Papua-Neuguinea durchkämmen (und sich die neueste Malariavariante einfangen).

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  13. Robert R. sagt:

    Na, wenn das nicht den Abstieg verhindert:

    http://www.heise.de/new...-mit-RFID-1420924.html

    Wenn die grünweißen das auch noch kriegen, dann gibt’s bald wieder “Endspiele” um die Deutsche Meisterschaft in Franken.

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  14. Turba Norbert sagt:

    habt ihr gelesen, der vfb hat ibesevic gekauft, also haben sie für schieber keine verwendung mehr.
    ich denke schieber würde wieder sehr gut zu uns passen.

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  15. Florian sagt:

    Die Verpflichtung von Ibisevic bedeutet lediglich, dass Pogrebnyak gehen kann (spätestens zum Sommer, am besten aus Stuttgarter Sicht noch im Winter), evtl. sogar Cacau. Mit Schieber plant der VfB eigentlich, nicht umsonst hat er ihm nen neuen Vertrag angeboten.

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  16. belschanov sagt:

    @Teo, KUZ, Armin:

    Danke!

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  17. KUZ sagt:

    belschanov:
    @Teo, KUZ, Armin:

    Danke!

    belschanov, Du bist eigentlich wie der Glubb und verwandelst einfach auch nicht jede Chance (in Deinem Fall: Freibier ) …… ;-)

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  18. Armin sagt:

    belschanov:
    @Teo, KUZ, Armin:

    Danke!

    Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass es eines Tages ein herrlich altmodisches, analoges Buch mit den Tresengeschichten geben wird. Die besten Geschichten, vielleicht eine schöne Illustration dazu. Ich würde es kaufen.

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  19. ich hab das gefühl dass gegen hannover der knoten endgültig plazt!

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  20. Joshi vom Clubberer:
    ich hab das gefühl dass gegen hannover der knoten endgültig plazt!

    Hoffentlich gibt das dann keine Sauerei.

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