Das gefühlte 1:0 für die Volksseele

Einmal wenn der FCN um sein Recht gebracht werden soll, dann klappt auch das nicht. Da hatten wir Clubberer doch alle gehofft, der Hoyzer hätte auch unser DFB-Pokalspiel gegen Ahlen verpfiffen, als wir zu Hause gegen den Zweitligisten verloren, und dann stellt sich raus, dass ausgerechnet das Spiel nicht manipuliert war. Na typisch.

Nun haben wir also unser erstes Urteil im Wettskandal: 2 Jahre 5 Monate Gefängnis – und damit ohne Bewährung. Das erste Urteil, wohlgemerkt, denn dank unseres Instanzenzugs werden auch in diesem Fall, dem Wettskandal, in dessen Mittelpunkt der ehemalige Bundesliga-Referee Robert Hoyzer steht, noch weitere Urteile folgen. So ist eben unser Rechtsstaat. Ein wichtiges Fundament unserer Gesellschaft ist dieses Recht auf Überprüfung eines Urteils, um nicht der Willkür der Gerichte ausgesetzt zu werden, aber auch – in mancher Augen – ein unverständlicher Zwischenschritt bis zu einem verbindlichen Urteil.

Und so fragt man sich: Was ist dieses Urteil wert?

Das Urteil einer Richterin, die bei einem Angeklagten (was eher üblich ist) unter dem von der Staatsanwaltschaft gefordertem Strafmaß blieb, bei Hoyzer aber (und das war die eigentliche Überraschung) die Staatsanwaltschaft sogar überbot.
Ein Zeichen richterlicher Unabhängigkeit? Sicher, aber auch – in seiner Ausformung – ein Urteil, das dem Zeitgeist (ob gewollt oder nicht) sehr entgegenkommt.
Hoyzer, der Inbegriff des Nestbeschmutzers deutscher Integrität (was so kurz vor der WM im eigenen Land nahe des Hochverrats kommt), kriegt so richtig eines drüber gebraten. Genau das brauchte die Volksseele: Knast – Ab in den Bau mit ihm! Mit einem einzigen Urteil einfach den Dreck wegkriegen, der an Deutschland und der WM zu haften drohte, sich national und international reinwaschen. Zeigen, dass Deutschland das mit sich nicht machen lässt.

Ich will der Richterin nichts unterstellen, aber – wann man mich fragt – liegen diese Gedanken nahe. Und es ist ja auch ohne Konsequenz. Herr Hoyzer wird in Anbetracht der Revision auf freien Fuß sein, die Revision hebt das Urteil später eh auf, und bis zur WM gibt es (mit Urteilsbegründung und und und) auch keine rechtskräftige Entscheidung. Bis zur WM kann man also vom ‚harten Durchgreifen der Justiz‘ lobend sprechen – Schulterklopfen aller Orten. Und das Ergebnis im Instanzenzug wird dann nach vielen vielen Monaten nur noch eine Randnotiz in den Gazetten sein.

Leider verstärkt sich dieser Eindruck zuletzt, der Eindruck, dass – gerade bei so Medien-Schau-Prozessen – Urteile mehr ‚im Sinne des‘ Volkes gesprochen werden als im Rahmen üblicher Strafzumessungen. 2 Jahre 5 Monate – man möge mal Urteile in weit kapitaleren Verbrechen vergleichen und mir sagen, ob dieses Urteil maßvoll ist.

Leite ich daraus eine Forderung ab? Nein. Weder will ich den Instanzenzug in Frage stellen, noch die Unabhängigkeit des Gerichts. Auch die Öffentlichkeit kann und soll man nicht ausschließen – und damit werden die Medien weiter eine gewichtige Rolle spielen und einen gewichtigen Druck ausüben.
Man muss sich einzig nur im Klaren sein: Es ist eben kein rechtskräftiges Urteil, die Entscheidung über das Strafmaß ist mit Einlegen der Rechtsmittel vollkommen offen.

Eben ein gefühltes 1:0 für die Volksseele, sowas wie Feldvorteile in der ersten Halbzeit. Aber das Spiel dauert eben 90 Minuten, manchmal mit Verlängerung und manchmal mit Elfmeterschießen.
Der Unterschied: In Fussballspielen steigt die Spannung der Fans zum Ende hin, in juristischen Prozessen nimmt sie schon nach der Halbzeit spürbar ab.

Wettskandal: Anwälte gehen in Revision

Dieser Artikel wurde zuerst auf zielpublikum.de veröffentlicht. Besten Dank an Alexander von zielpublikum.de.

3 Gedanken zu „Das gefühlte 1:0 für die Volksseele

  • Hm, wird sich zeigen was jetzt dabei rauskommt. Sicherlich ist das Urteil überraschend, aber meineserachtens auch verdient. Ab in den Knast mit Hoyzer. Ich finde er hat im Nachhinein schon sehr auf Mitleid gemacht.

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  • Das Verhalten im Nachhinein darf aber nicht straferschwerend gewertet werden (nur im positiven Sinne ggf. strafmildernd), jedenfalls soweit es um einen Beitrag zur Aufklärung der Sache geht.
    Und moralische Aspekte, bspw. ob er öffentlich sympathisch rüberkam, haben im Strafprozeß auch nichts verloren.

    Die Wahrheit ist ‚auf dem Platz‘, meine: im Gerichtssaal. 😉

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