Promi-Blogger

Können Promis eigentlich bloggen? Das Dilemma ist doch, dass man einige ungeliebte Stammleser hätte: die Boulevard-Blätter. Jedes Detail könnte man in den lieben Schmierblättchen nachlesen – inklusive Analyse und ‚freie Interpretation‘ …

Fussballer sind auch Promis und führen daher auch naturgemäß keine Blogs – für gewöhnlich. Was sollen sie auch schreiben? ‚Gestern sagte der Trainer noch zu mir, hau ihn um!‘ Nein, das geht nicht. Auch Kritik an der eigenen Mannschaft kommt nicht so gut, und Wechselabsichten werden sicher auch keine gute Stimmung machen. Letztendlich ist ein Fussballspieler ja dann doch eben nur Angestellter und zugleich Teil eines Teams. Indiskretionen sind da eigentlich Tabu.

Eine Ausnahme macht da die Aktion von MSN, bei der auch Kevin Kuranyi zum Blogger gemacht wurde. Prominente Fussballer sollten ihren Weg zur WM schildern. Gute Idee, wenn die Texte auch ein wenig glatt wirken, zu gebügelt – und alle beginnen mit ‚Hallo Freunde‘ oder ähnlich. Na ja.
Und wenn es dann mal lockerer wird, wird es eben auch schnell peinlich, wie ‚Klaus Eck vom PR Blogger‚ anschaulich am Beispiel Michael Owen demonstriert: ??Ich denke, ich könnte einige Zeit der toten Zeit dazu benutzen, unsere Gegner in der Weltmeisterschaft zu studieren, aber ich denke, es ist besser ?? und wesentlich sicherer! – dies dem Management Team zu überlassen.??

Wen wundert es also, wenn der DFB den Nationalspielern verbietet, Blogs zu betreiben. Bloggen kann im Ergebnis eigentlich nur peinlich werden – oder eben ßrger geben.

Und dann klingen noch die Worte von Hans Meyer in den Ohren, als er einmal sagte: »Von 25 Mann im Kader gibt es sicher fünf, die richtig blöd sind. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fußball spielen würde.«
Oder anders ausgedrückt: Nur weil man ein berühmter Fussballer ist und die Pille über 50 Meter in den Fuss spielen kann, muss man nicht auch clever sein. Manchen stände da sowieso schon etwas mehr Zurückhaltung in den klassischen Medien gut zu Gesicht.

Bei MSN sind übrigens Ronaldhino, Gianluigi Buffon, Xabi Alonso, Edgar Davids, Claude Makalele und eben Kevin Kuranyi zu lesen, via MSN WM-Special (alles übersetzt ins Deutsche).

Apropos Zurückhaltung: Es gibt es ja auch den ‚Ex-Fussballer‘, und die sind meistens niemand mehr verpflichtet und haben vornehmlich gegen einen unsichtbaren Gegner zu kämpfen: dem unaufhörlich schwindenden Medien-Interesse – daher geben sie gern zu allem und jeden ihren Senf ab. Hier kann man sicher zukünftig eine Reihe neuer Blogs bald bewundern.
Womit wir zufällig bei Lothar Matthäus wären. Der hat z.B. auch eine Homepage und bloggt da irgendwie auch, so in der Art. Dumm nur, wenn auf der offiziellen Website von Lothar Matthäus der aktuellste Beitrag vom 26.01.2004 stammt.
Und wenn ich schon mal da bin, dann sehe ich mich auch ein wenig um und frage mich, was die Rubrik Urlaubsziele hier soll – ist mir alles ein Rätsel. Aber ein Schmankerl findet man doch noch in all der nüchternen Tristesse: In der Navigation kann man auf den Mini-Loddar klicken, und dann spricht er, der Loddar. 🙂

Aber es gibt auch Ausnahmen: Thomas Broich von Borussia Mönchengladbach. Auf seiner Website gibt es eine nette Mischung aus Information und Persönlichem. Die Kolumne »La dolce Vita?« zum Beispiel, die gibt einen sehr persönlichen Blick auf das Leben als Fussball-Spieler.
Aber das ist wirklich eine Ausnahme.

Dieser Artikel wurde zuerst auf zielpublikum.de veröffentlicht. Besten Dank an Alexander von zielpublikum.de.

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Kommentare (3)

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  1. Stefan sagt:

    Warum bloggt eigentlich Hans Meyer nicht? Das wäre ein Spass 🙂

  2. Markus sagt:

    Das wäre was, am Besten alle Trainer. Ich hätte da gerne die Posts vom Schaaf nach dem St. Pauli Spiel gelesen.

    Oder auch Ailton: Ailton schreibe, Ailton Ball, Ailton Tor, Ailton gut.

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