Der Verein aus der Westvorstadt

Stell Dir vor Fürth steigt auf und keiner geht hin. So könnte es am Ende dieser Bundesligasaison aussehen. Fürth spielt gut, spielt erfolgreich, aber keinen interesiert es. Nur 7.120 Zuschauer durschnittlich besuchen ein Heimspiel der SpVgg Greuther Fürth. Für eine Stadt mit 115.000 Einwohnern und einem dazugehörigen Landkreis mit nochmals 115.000 Einwohnern ziemlich wenig, wenn man bedenkt das die SpVgg auf dem dritten Platz in der 2. Bundesliga steht (Und bereits in den Vorjahren immer knapp gescheitert ist). Dazu wird der Verein durch den Präsidenten Hack eigentlich vorbildlich geführt. Keine Schulden, hervorragende Jugendarbeit und wie schon erwähnt es wird erfolgreicher Fussball gespielt. Für einen, der nicht aus unserer Region hier kommt eigentlich unverständlich. Sind die Fürther dem Fussball abgeneigt? Nein, eigentlich ganz und gar nicht. Die Ursache des Problems liegt eigentlich weit zurück. In der Saison 1982/83 der 2. Fussball Bundesliga landete die SpVgg am Ende auf Platz 18 und stieg in die Oberliga (Bayernliga) ab. Im Jahre 1987 ging es dann noch eine Etage weiter runter, Landesliga. Von nun an tingelten die Fürther über die Sportplätze Mittel- Ober- und Unterfrankens. 1991 kam dann der Aufschwung, Wiederaufstieg in die Bayernliga, wo man am Ende der Saison den dritten Platz belegen durfte, wohlgemerkt als Aufsteiger. Als 1994 die Regionalliga gegründet wurde schaffte es die SpVgg prompt durch die Relegation und war von nun an ein Regionalligist. Ab dem 1. Juli 1996 wollte man die Kräfte bündeln, die SpVgg Fürth fusionierte mit dem Mittelfränkischen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth. Von nun an trug der Verein den Namen SpVgg Greuther Fürth.

Die Idee ging auf. In der ersten Saison als Fusionsverein erreichte man mit 76 Punkten den zweiten Platz in der Regionalliga Süd (hinter dem 1. FC Nürnberg, 80 Punkte) und stieg somit wieder in den bezahlten Fussball auf. Ja, seitdem wird wieder durchgehend Profifussball in Fürth gespielt.

Meiner Meinung nach liegt das Problem demnach in der Misere der 80er Jahre. Zugegeben, unser Club hat sich in den vergangenen 20 Jahren auch nicht zu sehr mit Ruhm bekleckert, aber immerhin spielte man bis auf Ausnahme der Saison 1996/97 immer im bezahlten Fussball. Als die SpVgg in der Landesliga dümpelte gabs im alten Zabo Bundesligafussball. Da ist das Interesse nachtürlich größer, folglich gab und gibt es selbst im Landkreis Fürth mehr Clubfans als Greutherfans.

Vielleicht hilft der Aufstieg in die erste Bundesliga um der SpVgg einen Schub an Fans und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auch wenn ich Clubfan bin, verdient hätten sie es allemal. Ausserdem, was kann es schöneres und spannenderes geben als ein Derby 1. FC Nürnberg – SpVgg Greuther Fürth in der ersten Fussball Bundesliga?

An einen gleichzeitgen Abstieg unseres Clubs und einen Aufstieg der SpVgg wäre aber nicht zu denken 🙂

9 Gedanken zu „Der Verein aus der Westvorstadt

  • Aber – um mal ein wenig Nest zu beschmutzen – groß aus dem Fenster lehnen sollten wir (die Clubberer) uns nun wahrlich nicht. Ich erinnere mich noch an Regionalliga-Zeiten, da hatten wir fast einen Zuschauerschnitt wie heute. Na ja, wenigstens in der 2. Liga war das so. Als ich zu Zeiten eines Willi Entenmann noch eine Dauerkarte hatte, war die Hütte gegen einen HSV mindestens fast voll. Aber das ist ein langes Thema …

    0

    0
  • Ja, das hast Du recht. Aber, in der Regionalliga hatte der Club im Schnitt 16500 Zuschauer. Fürth in der 2. Liga nicht einmal die Hälfte 🙂

    Momentan hat der Club einen Schnitt von 25000 Zuschauern, zu Entenmanns Zeiten hatten wir über 30000 im Schnitt. Das liegt vor allem an den Abstiegen in den letzten Jahren. Und natürlich auch an der schlechten Heimbilanz im Jahre 2005. Sollte der Club in dieser Saison die Klasse halten, wird auch sicher mit dem Zuschauerschnitt wieder Aufwärts gehen .

    0

    0
  • Jein … das hat sicher auch was mit den Abstiegen zu tun. Aber nicht nur. Ich denke, die Trainer- und Transferpolitik hat da auch so einiges getan.

    Meyer war sicher ein Glücksgriff, aber die letzten Trainer gingen ja alle irgendwie entgegen Volkes Stimme. Ob Willi, Magath, Auge oder jetzt auch Wolf – ichweiß nicht, ob Kontinuität (trotz Auf- und Abstiegen) nicht das bessere wäre und langfristig eine Bindung zwischen Fan und Club aufbauen würde. Nein, ich bin mir da sogar sicher.

    Auch bei Spielern ist das so. Es fehlen so Identifikationsfiguren wie Hintermayer, Eckstein, Reuter, Köppke oder auch Kubik und Ciric. Typen, die man mit dem Club einfach verbindet. Wenn also alles ständig beliebig ausgetauscht wird, inkl. Namen des Stadions (kommt sicher noch), was bleibt denn dann an Identität? Wenn dann auch noch die Erfolge ausbleiben und der Kick (ich erinnere mich mit Grauen an das Auswärtsspiel in Frankfurt) schlecht ist, warum soll man dann 20 Euro und aufwärts für zwei Stunden Frieren bezahlen?

    Zuletzt gingen (sicher auch unfreiwilligaus Sicht der Clubführung) aufkommende Leader wie Baumann oder Wiesinger. „Kies“ ist da ein anderes Problem. Den hätten die Fans sicher gern behalten, aber wer hätte auch gedacht (wenn die im Raum stehenden Zahlen stimmen), dass jemand so eine Summe auffährt. Ergo: Briefmarke auf den Hintern und Winke Winke.

    0

    0
  • Was ist mit der Identifikationsfigur Mintal? Gut, er ist verletzt, aber mit Sicherheit der beste Spieler den wir in den vergangen 10 Jahren hatten.

    Aber immerhin haben wir mit unseren Clubfans meist den besten Support beim Auswärtsspielen in der Bundesliga.

    PS: Auserdem gehts in dem Beitrag um die Greuther, nicht um den Club 😀

    0

    0
  • Mintal könnte es mal werden, wenn er denn wieder in Form kommt (sowas hat schon so manchen schwer zu schaffen gemacht) und auch bleibt. Ich hatte ja schon beinahe Zarate oben geschrieben, dass dann aber tunlichst unterlassen. Denn Mintal wie Zarate waren brilliante Spieler, die viel Freude gemacht haben, die aber nie einen Hehl daraus machten, den Club als Sprungbrett zu sehen. Auch Mintal war ja nicht gerade bekennender Club-Fan in seinen ßußerungen zu den Wechselspekulationen im Sommer.

    Cantaluppi könnte dazu werden…

    0

    0
  • Also ich finde Greuther hat es echt verdient in die 1. Bundesliga und mehr Fans bzw. zuschauer auch!! Auch wenn der Club erfolgreicheren Fußball spielt das ist ganz klar, doch so schlecht spielt das Kleeblatt nicht!!Was meint ihr dazu?

    0

    0
  • Die Mannschaft hätte es mit Sicherheit vielleicht verdient. Doch aber denke ich das dass Umfeld zu schwach ist um in der ersten Liga zu bestehen. Selbst bei Spitzenspielen in der zweiten Liga ist der kleine Ronhof nicht mal im Ansatz ausverkauft, was ich, trotzdem das ich Clubfan bin, eigentlich sehr schade finde.

    0

    0
  • Dito … finde ich auch schade. Aber die alte SpVGG war mir einfach wirklich auch sympathischer. Und bei den Vestenbergsgreuther war ich so manches mal beim Heimspiel dabei. Eine Verschmelzung, die beiden irgendwie die Identifikation nahm. Daher auch – trotz fränkischer Verbundenheit – sehe ich Traditionsclubs auch lieber in der Bundesliga als Werkselfs und Zwangsvereinigungen, die noch nicht mal eigenes Fanpotential mehr haben. Ich habe keine Ahnung, wie man das wieder hinkriegt.

    0

    0

Kommentare sind geschlossen.