Die italienische Posse

Was hatten wir nicht über Hoyzer gejammert, was klagten wir über den Fußball und seine Glaubwürdigkeit. Einfach ausgedrückt: Wir hatten beinahe den Glauben an unser liebstes Kind, den Fußball verloren. Die Urteile waren bisweilen sehr hart, die Aufklärung zeigte trotz der damals herannahenden WM das Bestreben, alles auszuhebeln was nur nach Skandal roch.

Was bisweilen fast schon hysterisch anmutete, kam aber dem Sport zu Gute: Zur WM hatte man die Sache wieder im Griff, der Fußball seine Glaubwürdigkeit wieder. Doch dann kam der italienische Skandal ?

Im Lande des Weltmeisters soll – und soweit ich das verfolgen konnte ist die Tatsache an sich unbestritten – jahrelang von Vereinen wie Juventus Turin und AC Mailand die Liga systhematisch verschoben worden sein. Die Konsequenzen will man sich wohl gar nicht richtig ausmalen. Nicht nur der Schaden für die Glaubwürdigkeit und natürlich auch der ??Wettbetrug? am kleinen Mann, der vielleicht redlich von einem sportlichen Wettstreit ausging, nicht nur die Benachteiligung anderer Vereine in Italien – nein, auch der deutsche Fußball hat schweren Schaden genommen, da auf diese Weise italienische Spitzenclubs eine lukrative Planungssicherheit sich erkauften, die es ihnen ermöglichte den europäischen Transfermarkt nachhaltig zu dominieren. Alles auf internationaler Vereinsebene ist in dem Sinne vollkommen fragwürdig geworden. Ein Debakel.

Als die Blase platzte gab es Geständnisse, einen Selbstmordversuch, Rücktritte – eine Staatsanwaltschaft, die bemüht war alles aufzuklären, ein Gericht, das harte Strafen aussprach.

Aber dann ? dann setzten wohl alte Mechanismen wieder ein. Es dauerte halt nur ein bisschen. Erst kam ein Begnadigungsvorschlag, weil man als Weltmeister ja nicht so böse Strafen haben sollte, dann das milde Berufungsurteil – das erste, denn weitere Milderungen auf Raten scheinen ja nur eine Frage der Zeit zu sein und am Ende wird es wohl – wie in einem alten Lucky Luke Comic mit einem generösen Richter – nur noch ein Klaps auf die Wangen der Betroffenen geben und die Aufforderung: ??Ok, ist schon gut, macht erstmal weiter – aber tut es ja nie wieder!?

Der AC Mailand scheint besonders gute ??Milderungsgründe? (ist da nicht Berlusconi der Chef?) zu kennen, denn statt Abstieg und radikale Strafe stehen nur noch 8 Punkte Abzug für die neue Saison im Raum und – rückwirkend – reicht es sogar noch zur Champions League Qulifikation. – Boah. Das schlägt dem Faß den Boden aus.

Aber nun die Hoffnung: Die UEFA spielt da vielleicht einfach nicht mit. Hört! Hört!

Man prüfe laut einer Meldung des kicker die ??ethische Solidität? des Mailänder Clubs.
Ein Sprecher des Verbandes hatte zuletzt erklärt, dass der AC einer genauen Prüfung zu unterziehen sei. ??Die Vereine müssen auch vom ethischen Standpunkt solide sein. Die Position in der Meisterschaft genügt nicht, um in die Champions League zugelassen zu werden. Klubs, die den Fußball in Verruf bringen, oder die für Vergehen verantwortlich gemacht werden, können von der Champions League ausgeschlossen werden?

Wenn die Faktenlage so ist, wie sie sich dem gemeinen deutschen Fan derzeit darstellt, und die Vereine tatsächlich nachweislich die Liga verschoben haben, und es tatsächlich so sein sollte, dass die italienischen Gerichte/Sportgerichte nicht in der Lage sind, dies gebührend zu ahnden, dann kann die Reaktion der UEFA nur ähnlich sein wie damals bei englischen Clubs, die die Sicherheit nicht mehr garantieren konnten: Eine langjährige umfassende Sperre aller italienischen Vereine (oder mindestens aller überführten Vereine) vom europäischen Fußball.

Meine Meinung – und das hat nichts mit Italien im Allgemeinen oder Speziellen zu tun, sondern mit meiner Liebe zum Fußball.

Dieser Artikel wurde zuerst auf zielpublikum.de veröffentlicht. Besten Dank an Alexander von zielpublikum.de.

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