Michel Platini ist neuer UEFA-Präsident

Gestern wurde der neue UEFA-Präsident gewählt und dass es tatsächlich ein neuer wurde, statt den bisherigen Amtsinhaber Johansson wiederzuwählen, darf durchaus als kleine Sensation gesehen werden. Johansson war ausdrücklicher Wunschkandidat des deutschen Fussball-Bundes, Platini wurde offen (was heftig kritisiert wurde) von Fifa-Präsident Joseph Blatter unterstützt.

Nun ist Blatter für mich nicht unbedingt ein Sympathie-Träger, spätestens seit seinem Auftreten rund um die WM in Deutschlang 2006 und seiner totalen Vermarktung und Unterwerfung des sportlichen Großereignisses unter den Kommerz. Die radikalen Regelungen rund um die Verwendung von Wort- und Bildmarken, die Diskussionen um Bannmeilen um Stadien, die Angst manches Fans, am Stadioneingang sein Club-Trikot wegen „falscher“ Werbung ausziehen zu müssen … Und gerade deshalb verwunderte es, warum gerade er Platini unterstützte, der doch als französischer Revoluzzer gilt, ein Mann, der den Sport liebt, der die kleinen Vereine fördern, der die Vermarktungsmaschine kritisch überprüfen will.

Platini dazu in einem bemerkenswerten Statement nach seiner Wahl:

Fußball ist ein Spiel, kein Produkt, ist Sport, kein Markt, zunächst ein Spektakel und kein Geschäft

Quelle: Hamburger Abendblatt und viele weitere

Gestern in einem Interview im hessischen Rundfunk (aus der Erinnerung) machte der EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit, der bereits heftigst gegen eine Kampfkandidatur Beckenbauer gegen Platini opponierte (was sich durch die Nominierung zur Wiederwahl von Johansson erledigte), deutlich, dass Platini genau der richtige Mann sei um den Fussball vor dem totalen Kommerz noch zu retten. Beckenbauer stehe – so Cohn-Bendit (frei wiedergegeben) – für die Groß-Vereine, für den Kommerz, Beckenbauer sei selbst eine wandelnde Litfaßsäule. Platini dagegen habe sich das erarbeitet und durch seine Leidenschaft für den Fussball auch und gerade in kleinen Ländern und bei kleineren Vereinen überzeugt.

Dazu die taz:

Daniel Cohn-Bendit: Man muss Michel Platini etwas Zeit geben, dann wird man sehen, ob sein Wahlprogramm nur Sozialromantik oder ob er doch ein sozialpolitischer Reformer ist. Es steht ein Bericht im EU-Parlament an zur Lage des europäischen Fußballs. Berichterstatter ist ein französischer Grüner. Dafür wurde sehr eng mit Platini zusammengearbeitet. Es könnte sein, dass danach einige Dinge sehr schnell vorankommen, etwa der Schutz der jungen Spieler und die Transparenz der Transferregelungen.

Wenn man sich – als Fan gerade eines eher „kleineren“ Vereins – das alles so durchliest und die Statements so anhört, dann komme ich nicht darum herum mich über diese Wahl zu freuen. Denn wenn man es subjektiv aber nüchtern betrachtet, steht gerade unsere Lichtgestalt Beckenbauer für den Kommerz und für seinen FC Bayern – und was dem nutzt darf auch anderen dienen. Gewundert habe ich mich allerdings, warum auch Zwanzger sich pro Johansson und insoweit „gegen“ Platini stellte. Denn Zwanzger hat sich – bei mir – in vielen Aussagen und Statements viel Respekt erworben – durch Weitblick – für einen Fussball mitten in der Gesellschaft mit Verantwortung und Aufgaben. Eben Fussball als Sport und nicht als Geschäft.

Zwanziger (Quelle: Hamburger Abendblatt): „Die Kleinen haben gesiegt. Jetzt muss sich die Sozialromantik an der Realität messen lassen. Ich hoffe, dass die beiden Lager schnell wieder zusammenwachsen und sich um den Fußball kümmern. Ich bin traurig darüber, dass jemand abgewählt worden ist, ohne dass ihm inhaltlich etwas entgegengesetzt werden konnte.“

Vielleicht bin ich auch Sozialromantiker, aber auch ich wünschte mir wieder einen Fussball mit weniger Glamour, aber mehr Identifikation. Mit deutschen Mannschaft mit wenigstens in der Mehrzahl deutschen Spielern. Mit regionalen Talenten, die sich mit dem Verein identifizieren und auch gehalten werden können. Für einen Sport, der es Vereinen ermöglicht durch langfristige gute Arbeit nach oben zu arbeiten und nicht bei ersten Erfolgen durch erfolgreiches Abwerben der Leistungsträger gleich wieder auszubluten oder von Vereinen mit Hobby- und/oder Groß-Investoren rechts und links überholt zu werden – vielleicht weil man eine Marke bewerben will oder einfach Kurzweil sucht…
Und in dem Sinne bin ich für Chancengleichheit und gegen eine Total-Vermarktung, für Fussball im Free-TV, für faire Preise für Eintrittskarten und wenn es sein muss daher auch für eine Begrenzung von Gehältern und für eine Verpflichtung zur Integration von deutschen Spielern.

Einfach Fussball eben …

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