Transfermarkt: Der Kader steht! … zur Zeit …

Lange wollte ich nichts schreiben zum aktuellen Transfermarkt, was vor allem an zwei Dingen lag: Erstens standen die meisten Entscheidungen schon lange fest, sehr lange sogar, so dass eigentlich beim Taktiktisch im März dieses Jahres schon vieles gesagt war. Und zweitens gab es außer Gerüchte noch nichts handfestes in letzter Zeit. Jetzt – mit Charisteas – ist aber wieder was passiert, was man wohl vermelden kann.

Meine Zusammenfassung der Entscheidungen der Transferpolitik des 1. FC Nürnberg:

Tor:
Die Torhüterposition wurde relativ schnell entschieden: Aus Prag kam Jaromir Blazek zu uns. Mit seinen 34 Lenzen also sicher kein Perspektivspieler mehr. Warum aber Blazek?
In der neuen Saison wird auf den Club ne Menge zukommen, damit sind zum einen schon mal die Teilnahme an Liga-Cup und UEFA-Pokal gemeint, aber auch all die ganzen Umstände außen rum. Das Medieninteresse ist bereits in der Sommerpause spürbar angestiegen, auch wenn der Club eigentlich relativ ruhig ’nur‘ noch einen Stürmer suchte. Dazu kommen die sicherlich höheren Erwartungen, die man sich auch selbst ja erarbeitete, die aber auch eine Bürde sein können, und die damit verbundenen neuen Streßfaktoren. Einen Mann wie Blazek zu holen, der mit Sparta einige Erfolge feierte (zuletzt das Double), international erfahren ist und als No. 2 hinter Chelseas Czech auch in der Nationalmannschaft der Tschechen anerkannt ist, hat Meyer hier auf die sichere Bank gesetzt. Sicher hätten viele dem ‚Jugendwahn‘ auch hier eine Fortsetzung gewünscht. Allein … ich verstehe es sehr gut, dass man hier versucht einen Ruhepol zu setzen. Dass Blazek dabei noch keine Auslandserfahrung hat, sehe ich in der Torhüterposition weit weniger bedenklich als bei Feldspielern, die Intensität und Dynamik evtl. anders gewohnt sind. Im Vergleich mit Klewer sollte er die Nase vorn haben.

Mittelfeld:
Der Abgang Greskos (zwischenzeitlich wieder bei Bayer Leverkusen gelandet) schmerzt mir, muss ich zugeben. Das Potential dieses Spielers hat er durchaus aufblitzen lassen und er war endlich wieder dran an der Mannschaft und seiner Leistungsfähgkeit. Glaubt man den Medienberichten, war wohl ein Disput mit Meyer die letztendliche Ursache dafür, dass man die Option einer Verlängerung nicht zog. Zudem wäre – so mein Kenntnisstand – die Verlängerung ein 2-Jahresvertrag gewesen – vielleicht doch dann auch ein kleines Risiko für einen ambitionierten, aber doch auch verletzungsanfälligen Spieler, der – offenbar – auch ein gewisses Problem damit hat sich dem Führungsteam des Club bedingungslos unterzuordnen. – Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit ist sicher ein Erfolgsgarant für Meyer und da lag es nahe einen Spieler, der quer schießt und zudem im fast überbesetzten Mittelfeld keine Aussichten auf einen Stammplatz hatte, ziehen zu lassen und dabei auch ein Zeichen zu setzen.
Also schade, aber nachvollziehbar.

Offensive/Sturm:
Schroth ging bekanntlich zu den 60ern zurück, das war auch bereits vor Saisonende bekannt. Und auch wenn Kennedy zwischenzeitlich wieder voll mitzieht bleiben Restzweifel, ob er wieder an seine Leistungsgrenze kommt und vor allem auch darüber hinaus. Der junge Adler ist ein Perspektivspieler, Sibon wurde nicht verlängert (was keinen wirklich wunderte) und Mintal eben kein Stoßstürmer. Ein Ersatz musste also her und als UEFA-Cup-Teilnehmer sollte es dann natürlich eine echte Verstärkung werden.
Es war – auch mangelns anderer Themen – meine erste akribisch mitverfolgte Transfersucher, die ich bisher mitverfolgte. In allen Blogs, Gerüchteküchen und Regionalblättern las ich quer mit und war wirklich überrascht, wie komplex so ein Transfer in den Dimensionen sein kann (und wir sprechen hier noch nicht einmal von den Top-Regionen eines Torres oder Ronaldinho, das sind noch drei Schippen drauf). Der gesuchte Kandidat sollte ja wenigstens ein Basisspieler eines besseren Teams sein, und so war auch immer zu bedenken, ob der umworbene Verein denn einen adäquenten Ersatz fand. Beispiel Koevermans: Da war die Frage ob Makaay tatsächlich zu Rotterdam ging damit ein Spieler dort evtl. für Alkmar frei würde oder eben Rotterdam einen anderen Kandidaten nicht verpflichten würde, den auch Alkmar gerne gehabt hätte. Und so weiter und so fort. Mit jeder News veränderte sich das Bild und die allermeisten Meldungen der großen Gazetten von wegen „Transfer fast vollendet/geplatzt“ waren das Papier nicht wert auf das sie gedruckt waren.
Nun also Charisteas (den man in Bremen übrigens immer ‚Harry‚ nannte), und natürlich (das gehört sich auch so) nun auch eigentlich schon immer der Wunschspieler der Verantwortlichen. Aus dem Rennen (wenn der Vertrag denn heute unterschrieben wird, wie zu erwarten) damit der Niederländer Koevermans, der Grieche Liberopoulus (Athen) und der Argentinier-Israeli Coulatti. Ich gebe offen zu: Ich kannte von den drei keinen einzigen vorher.
Als Favorit in der Fangunst bildete sich Koevermans heraus, da er sich der vermeintlich stärksten der drei Ligen (Niederlande, Griechenland, Israel) durchsetzte und als aggresiver schußstarker beidfüßiger Vollblutstürmer darstellte. Liberopoulus ist wohl spielstärker, aber auch schon um einiges älter. Zudem konnte man schlecht einschätzen, wie er sich dann in der Bundesliga macht. Coulatti gilt als torgefährlich, ist aber nicht unbedingt als Stoßstürmer bekannt.
Das Hauptproblem so einer Verpflichtung war wohl das liebe Geld und der beschriebene fehlende adäquate Ersatz. Mit den Spielern war man sich wohl relativ einige, doch die Vereine pokerten noch. Nun ist für Nürnberg aber die Position sehr wichtig und die Zeit für ein abstimmen und einspielen sehr wichtig. Als Stürmer No. 3 oder 4 könnte man sicher mit etwas zuwarten noch so manches Schnäppchen machen, nicht aber, wenn man wenige Wochen bis Liga-Pokal hat, den Meyer sehr ernst nimmt – nicht zuletzt wegen des möglichen Preisgeldes.
Der Name Charisteas fiel bereits vor langem mal, verschwand dann aber komplett aus dem Fokus. Und als man den Namen wieder hörte ging es plötzlich ganz schnell, was sicher eben auch mit dem Wechsel von Makaay zu Feyernord Rotterdam, dem Verein von Charisteas, zu tun hatte.
Ich gebe es zu: Meine erste Reaktion war keine Begeisterung. Bei der WM in Portugal war Charisteas zwar der EM-Held und köpfte Griechenland zum EM-Titel, doch Griechenland stand damals sicher für alles, nur nicht für den Fußball, den man sehen wollte. Und auch schon bei Werder Bremen (dort spielte er vor seiner Zeit in Holland) war Charisteas nicht unbedingt als eleganter Techniker oder Knipser bekannt. Ich hatte ihn immer eher als eher ungelenken Stürmer gesehen, der manchmal – aber nicht oft – gewinnbringend den Ball an den Kopf oder Fuß bekommt.
Aber ich habe mich überzeugen lassen!
Charisteas bringt folgende Vorzüge mit: Er spricht deutsch und kennt die Liga (= keine Integrationsprobleme), ist finanziell voll im Limit (Ablöse und Gehalt, anders sicher Koevermans), international erfahren und passt weit perfekter ins Anforderungsprofil des Stoßstürmers (1,93, kopfballstark) als z.B. Coulatti. Und er ist noch nicht so alt wie Liberopoulus.
Auch Schroth galt ja nicht als Torgarant, erfüllte aber seine Aufgabe: Rackern, Ablegen, Räume schaffen. Und mit Saenko, Mintal, Vittek nachrückend könnte es mit Charisteas richtigt gut klappen. Er soll ja gar nicht glänzen, er soll anderen Möglichkeiten verschaffen, gleichzeitig aber auch bei Standards und hohen Flanken für Gefahr sorgen. Das passt eigentlich alles. Auch ein Oliver Bierhoff war nicht sonderlich beliebt in der Spielweise, aber im System als zentraler Stoßstürmer nahezu perfekt. Man muss einfach sehen, dass dieses System des 4-3-3 nicht von so vielen gespielt wird auf höherer Ebene und meist dem 4-2-2 auf Linie oder Raute vertraut wird. Das erfordert ganz andere Stürmertypen.
Kurzum: Ohne nach den Sternen zu greifen sehe ich Charisteas nach einigem ßberlegen nun doch als echte Verstärkung. Und eine kurze Rückfrage bei einem Werder-Fan ergab auch, dass er durchaus beliebt war bei den Fans damals, aber eben im System nicht unbedingt einen festen Platz hatte. Das kann sich beim Club nun ändern – und als „Plan B“ bliebe ja noch Kennedy.

Rundherum also viele Neuzugänge die Lust machen auf die neue Saison. Ganz vorne natürlich Misimovic, ein potentiell echter 10er, aber allgemein offensiv kreativ und torgefährlich, gerade auch als Vorbereiter. Und Peer Kluge wird Mnari gehörig Dampf machen – und Engelharft ist ja auch noch da! Und auch Reinhard darf sich mit Jacobsen auf Augenhöhe messen.

Wenn ich aber sage, der Kader steht „zur Zeit“, dann deshalb, weil sich gut möglich noch einiges tun wird. Viele Vereine warten derzeit nämlich noch ab, was sich so ergibt. Einige Transfers sind noch in der Schwebe und viel Geld steht dabei auf dem Spiel bzw. ist auf dem Weg von A nach B, wo es wieder ausgegeben werden soll. Gut möglich also, dass man sich als Verstärkung auch noch beim Club umsehen wird zu später Stunde. Polak ist ja aktuell in der Diskussion, will aber wohl nun doch bleiben, was ich sehr hoffen würde. Aber auch Vittek scheint mir ein Wackelkandidat und – wäre er nicht verletztungsbedingt zuletzt zurückgefallen – sicher noch höher auf dem Notizblock so mancher Vereine. Er selbst zeigt sich – jedenfalls für Außenstehende – zuletzt zunehmend Diven-haft und so manch einer munkelt, er arbeite schon mal an seinem Abgang – bisher allerdings ohne konkrete Angebote. Ginge Polak, wäre das sportlich ebenso ein großer Verlust wie Vittek, denn beide haben enormes Potential, Vittek allerdings würde im Meyer-System eine echte Lücke hinterlassen, was in der Tat zu einem Nachkauf oder einem Systemwechsel führen könnte. Ich denke, da wird noch einiges diskutiert und verhandelt in den nächsten Wochen.

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