Spieler, schöne frische Spieler – jetzt zugreifen

Nur noch wenige Tage bis zum Saisonauftakt, wenn man den vorgezogenen DFB-Pokal dieses Jahr denn so sehen will. Die Saisonplanungen sollten also längst abgeschlossen sein, denkt man, weil die Vorbereitung ja schon weitgehend gelaufen ist – oder ist so Gedöns wie taktische Formation, Laufwege und Teambuilding doch überbewertet?

Die Club-Planungen sind eigentlich längst abgeschlossen, von einem eingespielten Team allerdings ist man noch weit entfernt. Der Kader steht – denkt man – doch die Akte Polak ist, wie spekuliert wird, noch nicht zu. Neue Nahrung gibt dem der Test des US-Amerikaners Greg Dalby, ein Talent und bei der U20-WM in den Niederlanden Mannschafts-Kapitän.

Polak will wohl zwar bleiben und der Club ihn eigentlich auch behalten, Anderlecht scheint aber gewillt beide Seiten mit monetären Argumenten zum Sinneswandel zu bewegen. Die oft zitierte „Schmerzgrenze“ scheint bei Martin Bader bereits nahe zu sein und bei Polak wohl auch, nachdem er auch in den Testspielen nicht erste Wahl von Meyer war.

Aber nur eine Personalie zur Disposition beim Club zur Zeit. Bei anderen ist die Mannschaft offenbar noch vollkommen „im Fluß“. Jedenfalls hat man bei Hertha BSC so den Eindruck eines Fischmarkts: »Spieler, schöne frische Spieler – jetzt zugreifen«. Fünf eher hierzulande unbekannten Neuzugängen stehen 10 namhaften Abgängen entgegen, darunter zwischenzeitlich wohl beide Boateng, Bastürk, Dejagah, Schorch und nun wohl noch Gimenz. Auffällig: Vor allem junge Spieler gingen, denen man durchaus gute Perspektiven zugetraut hätte. Aber auch in Europa ist das Wechselfieber noch lange nicht erloschen. Utopische Summen geistern dabei wie gewohnt rund um die nun von Bernd Schuster trainierten Galaktischen aus Madrid: 90 Mio. für Kaka? Oder doch 40 Mio. für Ballack? Schon vor einiger Zeit hatten Insider prognostiziert, dass zum Ende der Wechselperiode noch einmal viel passieren könnte mit „Kollateralschäden“ überall, denn wenn diese Summen fließen könnte dies Kettenreaktionen von Zu- und Abgängen noch nach sich ziehen, weil plötzlich enorm Geld im Markt ist.

Warten wir es mal ab. Greg Balby gilt derzeit noch eher als unbeschriebenes Blatt und Talent, kein Vergleich also mit einem tschechischen Nationalspieler Polak. Aber wer weiß? Am Ende reicht das Geld ja dann doch noch für einen weiteren Stürmer und einen Innenverteidiger, Koevermans scheint ja noch nicht ganz vom Markt zu sein und wäre mit den – nach Medienberichten – 3,5 bis 4 Mio. nun auch machbar. Dies würde den Konkurrenzkampf im Sturm noch weiter beleben, im Mittelfeld ist das Gedränge sowieso bereits groß.

Doch gerade auf der Innenverteidigerposition könnte man sich noch verbessern, da der eigentlich gesetzte Glauber seit Monaten nicht fit und in Form kommen will. Beauchamp ist zwar eine Option, ob eine Bank, müßte er erst nach Nachweisen. Spiranovic noch jung und (zu) unbekümmert, Nikl nur noch eine Option für den Notfall. Doch gute Innenverteidiger wachsen auch nicht auf Bäumen.

Und ob Neuzugänge in einem mit 33 Spielern größten Kader der Liga für ein verbessertes Mannschaftsgefüge sorgen, darf zumindest mal in Frage gestellt werden. Insoweit macht Greg Balby als klassischer Nachwuchsspieler vorerst ohne Ansprüche schon Sinn.