Vielleicht ein Anfang

Frankfurt, 16:09 Uhr, du trinkst gerade Kaffee mit deinem Lieblings-Nachbarn, auch wenn er Werder-Fan ist, als dir der Löffel aus der Hand fällt: 0:2 – Mike Hanke zum Zweiten! Du weißt endgültig: Das ist alles nur ein schlechter Film, du musst nur warten bis du aufwachst, alles wird gut – Hanke – ich meine „Hanke“! vom Lieblingsgegner Hannover, zu Hause, 0:2! …

Wenn ne Saison seltsam beginnt, dann merkt man das sofort. Und diese Saison begann absolut seltsam. Ich mein: Hallo?! Der amtierende Meister dümpelt im Mittelfeld und konnte sich durch den „befreienden“ Heimsieg gegen Cottbus (sic!) gerade mal so wieder ins Mittelfeld retten, die gefeierten „ßber-Bayern“ sind zwar Tabellenführer, haben effektiv aber nur einen Punkt Vorsprung vor … vor … vor Bielefeld und Frankfurt, den aktuellen „Bayern-Jägern“. Schalke ist unbesiegt, sogar in München, und rangieren emotional medial unbehelligt auf Platz 8, punktgleich mit den „Fehlstartern“ aus Stuttgart übrigens, sowie den – Gruß an den Nachbarn – Total-„Fehlstartern“ aus Bremen, die sensationelle 10 Gegentore bereits verbuchen.

Wir konstatieren: Nichts passiert bisher, außer gefühlte Umfeldschwankungen, und außer im Osten, in Rostock und Cottbus, mit gemeinsam 2 Punkten und -15 Toren Tor-Differen – und das nach eben jenen 5 Spieltagen. Sonst sind es 5 Punkte zwischen oben und unten, das ist eigentlich gar nichts.

Doch wo war ich? Genau, beim Club, beim 0:2 nach 39 Minuten, nach einem Doppelschlag von Mike Hanke (sic!). Elfmeter nicht gegeben, Pfosten geschossen. Der Film muss kaputt sein. Das geht doch alles nicht mit rechten Dingen zu. Dazu ein Enke in Top-Form – Halleluja. Doch was dann passiert, ist vielleicht mehr noch als das emotionale Gefühl es könnte doch noch alles besser werden. Es ist nicht das Ergebnis, das mit 2:2 sich dann eben doch noch gut titeln lässt: »Mintal rettet Club den ersten Heimpunkt« oder »Nürnberg holt 0:2-Rückstand gegen Hannover auf« und »Mintal erlöst den Club« – Rückstand, Aufholjagd, Erlösung – das klingt eben schon nach Trendwende -, aber tatsächlich ist es nicht nur das, es ist die Körpersprache, die Gesichter, die Statements der Beteiligten danach, dieses unbedingte Wollen auf dem Platz, die Anfeuerung und der Schulterschluß mit den Fans, den man sogar in der Sportschau fast greifen konnte, das Aufmuntern der Spieler untereinander – Richtung Charisteas, Blazek – beide schon von so manchem Fan als Fehleinkäufe gewertet, werden von den Mitspielern abgeklatscht, aufgebaut.

Misimovic: »Wir haben uns in der Halbzeit in der Kabine eingeschworen. … Aber bei uns stimmt es einfach in der Mannschaft. … ßber mein Tor und vor allem über Mareks Treffer habe ich mich sehr gefreut« – Engelhardt: »Aber für unsere Moral war es natürlich hervorragend. Wir waren am Ende einfach nur wahnsinnig glücklich. Kurz nach meiner Einwechslung war ich selbst ein wenig unsicher, aber dann bin ich doch ganz gut ins Spiel gekommen.« – Charisteas: »Die Stimmung im Stadion war phantastisch.« – Galasek: »Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Das war wie ein Sieg für uns«

Man hat das Gefühl, es wächst zusammen, die Mannschaft findet sich, ist in der Lage eigene Fehler wegzustecken und die Eitelkeiten zu begraben. Mir ist nach dem Spieltag nicht bange um die Zukunft in dieser Saison. Und eines ist auch klar: Die Liga ist unglaublich ausgeglichen, derzeit aber leider nicht in der Spitze sondern in ihrer Fehlerhaftigkeit.

Kurzum: Passiert ist noch gar nichts. Und umso mehr muss man lächeln wenn man Medienvertreter schon reden hört, dass für Schalke ein Punkt in München schon gut sei, aber zu wenig um noch dranzubleiben. Am 5. Spieltag.

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Kommentare (5)

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  1. Stefan sagt:

    Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Die Mannschaft findet sich langsam, und die „alte“ Konstanz kehrt wieder zurück, wie man schon in Cottbus sehen konnte. ßber einen sind wir aber immer noch geteilter Meinung, Charisteas 🙂

  2. belschanov sagt:

    Na ja, ganz so entspannt sollte man die gegenwärtige Situation des Club nicht sehen. Die zweite Halbzeit gegen Hannover war zwar gut und die Mannschaft scheint sich langsam wieder zu finden, aber es müssen jetzt endlich Ergebnisse her, damit man aus der Abstiegszone herauskommt. Ob das am nächsten Samstag beim HSV gelingt, ist mehr als fraglich, zumal der Club dummerweise erst am Donnerstag gegen Bukarest spielt. Und die Gegner, die danach kommen, sind nicht von Pappe: Leverkusen daheim, dann auswärts in Bochum und gegen Bayern. Wenn bei diesen Spielen nicht sechs Punkte herausspringen, was nach den bisherigen Eindrücken nicht zu erwarten ist, hängt man erst mal dicke hinten drin. Irgendwie habe ich das blöde Gefühl, dass es in dieser Saison nur darum gehen kann, dass am Ende drei Mannschaften hinter dem Club stehen.

  3. tom tom sagt:

    hi belschanov,

    ich denke du hast recht, in dieser saison geht allein darum, drei mannschaften hinter sich zu lassen……und so schön der pokalsieg war…
    sollte man die realität erkennen..

    sonnst können wir in der nächsten saison das
    t-shirt kaufen,

    — absteiger 07/08 wir waren dabei —

    aber ich denke, so schlimm wird’s nicht.

  4. belschanov sagt:

    Hallo tom tom,

    tja leider ist beim HSV nichts Zählbares herausgesprungen. Jetzt muss gegen Leverkusen dringend der erste Heimsieg her. Hoffentlich hat Bernd Schneider sein Visier diesmal genauso schlecht eingestellt wie im WM-Halbfinale…