Der Münchner Lothar Matthäus und die Franken

Wann immer in Deutschland die Trainer-Frage gestellt wird, auch wenn sie noch so abwegig sein mag wie im Falle Hans Meyer, fällt fast zwangsläufig der Name Lothar Matthäus. Das mag gerade in Nürnberg nahe liegen, da Matthäus aus dem Mittelfränkischen Herzogenaurach stammt, viele unken aber, im Allgemeinen würde Lothar, dem hervorragende Kontakte zu den Boulevard-Medien nachgesagt werden, sich immer selbst ins Spiel bringen oder das mindestens billigend in Kauf nehmen. So wundert einem manchmal nicht, wenn scheinbar aus dem Nichts, also ohne etwas von Vereinsseite gelesen zu haben, entsprechende Spekulationen in den einschlägigen Medien auftauchen, die dann aber umgehend und exklusiv von Matthäus selbst dementiert werden. Bühnenreif, möchte man meinen. Soweit sind wir Gott sei Dank noch nicht, aber da einige Fans nun den Namen schon handeln ein paar Worte zum Thema vorweg.

Lothar Herbert Matthäus wurde 1961 in Erlangen geboren und begann seine Karriere beim FC Herzogenaurach, um dann mit Borussia Mönchengladbach (1979-1984) und später beim FC Bayern München (1984-1988, 1992-2000) sowie bei Inter Mailand (1988-1992) internationale Erfolge zu feiern. Krönung seiner Laufbahn sicherlich der Gewinn des Weltmeistertitels 1990 in Italien als Kapitän und Leitwolf, wie ihn der Kaiser Franz immer gern nannte.

Seine Erfolge als Fussballer und Rekordnationalspieler des DFB sind unbestritten, als Trainer mag man da schon eher geteilter Auffassung sein, wie seine Engagements zu bewerten sind. Seine erste kurze Trainerstation war SK Rapid Wien (2001-2002), die er auf den 8. Platz führte, „die schlechteste Platzierung seit der Einführung der österreichischen Meisterschaft 1911 für den Verein. Anschließend wurde er wegen öffentlich getätigten, vereinsschädigenden Aussagen entlassen, ohne dass sein restliches Gehalt ausgezahlt wurde. Ein Versuch von Matthäus, das Gehalt und zusätzliche Gelder vom Verein wegen Rufschädigung einzuklagen (insgesamt ca. 2 Mio. Euro) schlug fehl.“ (Quelle: Wikipedia). Erfolgreicher im Folgenden FK Partizan Belgrad (2002-2003), die er zur Meisterschaft und in die Champions League führte, was allerdings nicht so überraschte, da Belgrad bereits 2002 Meister war und 2005 wieder wurde. Es folgte 2004-2005 ein Engagement als ungarischer Nationaltrainer, die Qualifikation zur FIFA WM in Deutschland wurde aber – wie erwartet – deutlich verpasst.

Es folgten zwei Engagements, die vielleicht ähnlich ins Bild passten wie der Karriereausklang als Aktiver bei den New York New Jersey MetroStars (2000) (legendäre Zitate: „I hope, we have a little bit lucky.“ und “ I look not back, I look in front.“ | Quelle), als er für RTL II die Fussball-Show-Amateurmannschaft (andere würden sagen: Zirkustruppe) „Borussia Banana“ trainierte, aber auch als er bei Red Bull Salzburg anheuerte, aber statt des – wie man unkt – erwarteten Engagements als Chef-Trainer ’nur‘ als ‚Co‘ für Giovanni Trapattoni tätig werden sollte, was aber auch wieder nach nur knapp einem Jahr wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ endete. Seine Tätigkeit bei Clube Atlético Paranaense in Brasilien (2006) ganz außen vor, denn das wurde wohl nie richtig begonnen, als es schon wieder endete und man unterschiedlichstes lesen konnte, inklusive Mutmaßungen, Matthäus wäre Brasilien doch zu weit weg.

Soweit zur sportlichen Historie, aber warum haben so viele Clubberer und Franken nun so ein Problem mit Lothar Matthäus?

Das sind natürlich subjektive Einschätzungen, da gibt es weder repräsentative Studien noch Belege dafür. Zusammenfassend kann man sagen, dass vielen Fans die Person Lothar Matthäus schlicht und ergreifend „peinlich“ ist. Peinlich, wie er sich immer wieder selbst ins Spiel bringt, peinlich, wie er just immer das macht, was einen dieses Ziehen in der Backenmuskulatur verursacht, weil es schon beim Zusehen/Zuhören weh tut, wie eben die genannten englischen Sätze in New York. Man kann sich in einer fremden Sprache vertun, aber wenn es gepaart ist mit einer so zur Schau getragenen „Arroganz“ und „Selbstherrlichkeit“, wird es manchem Betrachter einfach zur Qual und ist noch nicht einmal mehr lustig. Egal was passierte, Loddar, wie ihn in der Boulevard gerne nennt, fand immer den Fettnapf – ob in seinem Dauertwist einst mit Jürgen Klinsmann oder seinem ganzen Verwirrspiel um die Erlöse seines Abschiedsspiels und dem Twist mit Uli Hoeneß, mit dem bekannten Zitat des Uli daraufhin: „Der wird bei uns nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion“. Matthäus, stets ein Stein des Anstoßes, manchmal auch handgreiflich verwickelt, wie die Ohrfeige, die er angeblich im Training von Lizarazu bekam.

In Franken, jedenfalls beim konservativen Mittelstand zwischen Erlangen und Forchheim, nahm ihm mancher übel, dass der gelernte „Raumausstatter“ (manche sagen er sei eigentlich „Teppich-Verleger“, aber L.M. fand das nicht so gut im Lebenslauf), seine damalige Frau Sylvia, eine Röttenbacherin, mit den zwei Kindern verließ und statt dessen mit der italienischen „Lollidda“ anbandelte – und auch wenn es natürlich eine Doppelmoral ist, so trug das im Kern seiner Herkunft nicht unbedingt zur Beliebtheit bei.
Dazu kam natürlich, dass Matthäus einst als Jungtalent zu Gladbach und nicht zum Club wechselte (Hintergründe unbekannt), aber natürlich auch seine stets hofierte Liebe zum FC Bayern – für einen Franken grundsätzlich schon ein Problem, was mit der historischen Beziehung zwischen München und Nürnberg zu tun hat.

Matthäus ist der Typus Franke, den viele Franken gerade nicht als „typisch Franken“ in der ßffentlichkeit sehen wollen, stur, überheblich, redseelig, aber eben nicht eloquent/sprachfertig, stets bemüht im Rampenlicht zu stehen und sich selbst ins Spiel zu bringen. Es geht hier nicht um persönliche Aversion, es geht für viele mit denen ich sprach darum, dass Franken durch eine einzelne Person des öffentlichen Lebens charakterisiert wird, „karrikiert“ wie manche das empfinden. Es gibt nicht viele (erkennbare) Franken in der ßffentlichkeit, die wenigsten wissen bspw. dass Felix Magath einer ist, oder Dietmar Beiersdorfer, warum das gerade bei Matthäus so unterstrichen wird, ist ein Schlag ins Kontor mancher fränkischen Seele.
Und als einst ein Fussball-Reporter süffisant sagte, Mayer-Vorfelder sei zwar eine sehr umstrittene Figur, aber für eines muss man ihm immer dankbar sein, er habe verhindert, dass Matthäus (trotz massiver Unterstützung Beckenbauers) Nationalmannschafts-Trainer wurde (es wurde dann bekanntlich sein einstiger Intim-Feind Klinsmann, wie „peinlich“), war dies vielleicht ein Indiz dafür, dass auf internationaler Ebene so mancher „Deutsche“ mit dem „Deutschen Matthäus“ als Repräsentanten „Deutschlands“ ähnliche Probleme hätte.

Dennoch wird auch in Nürnberg sein Name immer wieder gehandelt, zuletzt auch von Michael A. Roth als Wolfgang Wolf entlassen und ein Nachfolger gesucht wurde (Quelle: faz.net), aber schon damals kamen beide Seiten zur Ansicht:

Es war den Verantwortlichen doch nicht ganz geheuer, sich auf Matthäus einzulassen. „Letztlich ist die Kritik zu groß gewesen“, sagte Bader. Anhänger hatten zuletzt in Internetforen mit Boykott und Vereinsaustritt gedroht, falls Matthäus Trainer in Nürnberg werden sollte.

Quelle ein sehr empfehlenswerter Artikel bei faz.net:
Lothar Matthäus – Der ewige Trainerkandidat

Dies alles eine höchst subjektive Sichtweise, es gibt auch in Nürnberg Fans des Lothar Matthäus, die Kritiker sind aber mindestens so zahlreich und vor allem äußerst empfindlich. Ein Augenthaler war auch ein „Bayer“, aber über ihn konnte man diskutieren, aber es wurde nicht emotional. Lothar Matthäus aber spaltet die Gemüter, wahrscheinlich gerade weil er ob gewollt oder ungewollt Franken repräsentiert und vielen damit keinen Gefallen tut, weil er für Franken der „verlorene Sohn“ ist, der aber den Schritt der Reue nie tat, der immer ein „Münchner“ sein wollte und damit auch Franken das fussballerische Ausnahmetalent Matthäus selbst entzog – ein Franke eben, wenn es peinlich ist, ein Münchner, wenn es Erfolge gibt – dieses Image drängt sich manchem auf und lässt einem die Haare zu Berge bei dem Gedanken stehen, der „Münchner“ will die „Franken“ trainieren, damit er am Ende noch Erfolge feiert um zu seinem wohl vermeintlichen Ziel zu kommen – zurück nach Hause, nach München auf die Trainerbank.

Ein rein subjektive Zusammenfassung des Autors, gestützt auf Hörensagen und Online-Quellen. Unklare oder falsch dargestellte Geschehnisse oder Daten/Fakten werden gerne korrigiert, es geht hier um ein Stimmungsbild, nicht um eine Biographie

9 Gedanken zu „Der Münchner Lothar Matthäus und die Franken

  • Pingback:Das fr?¤nkische Problem: Lothar Matth?¤us | Endl.de | Zielpublikum Weblog

  • Auch im Hessenland bei der Eintracht steht
    Loddar in den Top 3 der ewigen Hassliste. Gemeinsam mit Jupp Heynckes und Jermaine Jones.
    Loddar vereint sogar alles was den anderen partiell vorgeworfen wird. Selbstgefälligkeit, Heuchlertum und Unwahrheiten etc…
    Aber in jungen Jahren hat er zudem unseren größten Fussballer aller Zeiten Jürgen Grabowski mit einem brutalen und unnötigen Foul viel zu früh in die Rente geschickt. (- Seit dem ist Loddar nervös. Immer wenn er alleine in Frankfurt Airport ankommt… 🙂
    Ich für meinen Teil habe mir immer gedacht.
    Spiel Fussball Loddar und halt einfach mal das Maul.

    0

    0
  • Wat für ein Text Junge! Aber sonst hast du nix zu tun, oder? 😉

    0

    0
  • Ok,vielleicht ist Matthäus nicht so gut,bin nur tatal aufgewühlt,weil das mit dem Abstiegskampf schon wieder losgeht.Aber Bader hat ja in Blickpunkt Sport gesagt,können uns keinen Abstieg leisten,und wenn aus den letzten 4 Spielen keine 6 Punkte kommen,werden sie organisatorisch und sportlich handeln.

    0

    0
  • nicht dass man das nicht gewöhnt wäre, abstiegskampf ist für den club nun wirklich nichts neues, und da leider nicht nur der kampf, dass die beiden letzten ligaspiele verloren gehen würden, hatte ich ganz und gar nicht auf der rechnung, und die zweite halbzeit in bielefeld, zeigte, dass die mannschaft sich rasch auf den abstiegskampf einstellen muss, also weg von überlegener spielführung zum „dagegen halten“, bielefeld, dass spielerisch über weite strecken deutlich unterlegen war, hat es vorgemacht… das ist natürlich schade, und was mich besorgt, ist, dass der kader nicht auf diese situation angelegt ist, das wird schon eine schwierige mentale sachen werden… aber noch mag ich mir den club nicht schon wieder in liga zwei und ohne meyer vorstellen… bleibt die hoffnung auf eine kleine punkteserie, so schnell wie möglich…

    0

    0
  • Moin von der Ostsee: Wenn L.Matthäus- von Beruf „Dampfplauderer“- jemals Trainer vom CLUB werden sollte, schicke ich meinen Mitgliedsausweis retour ! Da kenne ich keinen Spaß! Lieber mit HANS in die 2.Liga, als mit „Loddar“ drinbleiben! Nach dem Motto: “ Wenn sie’s nicht draufhaben, starten wir wieder neu aus der 2. Liga“. Bleibt ja nur die Frage: Welche Sorgen haben die Spieler eigentlich, daß sie da SPIELEN vergessen haben…leben wir hier in einem Krisengebiet, gibt es Hungersnöte, ßberschwemmungen oder andere Seuchen ?
    Mit ernster Sorge- der Clubberer von der Ostsee- Burk

    0

    0
  • Pingback:clubfans.de - 1. FC Nürnberg - Der Blog

Kommentare sind geschlossen.