Stellenwerte

Symbolfoto; Bild © Endl 2007

Nur um das mal so knallhart gegenüberzustellen, damit wir Fans wissen, wo der Baddel den Most holt:

Wir lassen Spieler nie von Fans aufstellen“, meint Sportdirektor Martin Bader
[Quelle: Wer hütet das Tor? – mittelbayerische.de]

Ein wenig mehr Einfluß scheint dagegen wohl die schreibende Presse zu haben:

Ebenso hätte Meyer zuletzt bei den Journalisten einen immer schwierigeren Stand gehabt, die sich laut Roth zusammengeschlossen und Front gegen Meyer gemacht hätten.
Quelle: Nürnberg-Boss Roth kritisiert Hans Meyer – goal.com]

Dass bei der Entlassung Hans Meyers die Fan-Meinung auch schon keine Rolle spielte, war ja offenkundig. Zu klar votierten die Fans gegen die Entlassung und sind bis heute nicht versöhnt. Wie auch? Seitens der Vereinsführung gab es nur herablassende Statements für die Presse und kleinere Sticheleien in Richtung Ex-Trainer, eine Fan-Kommunikation fand nicht statt.

Aktuell wird im Print-Magazin von 11Freunde der herablassende Umgang von Arsenal London mit seinen Fans thematisiert. Ein sehr interessantes Thema, wie ich finde, ein Thema das positioniert, in welche Richtung Fußball im Allgemeinen und im Profi-Bereich der 1. und 2. Bundesliga im Besonderen aktuell driftet. Fans als Stimmungskulisse, aber bitte wohl dosiert. Möglichst weg von der klassischen Vereinsstruktur und hin zum modernen Unternehmensmanagement, schließlich sei so ein Verein ja auch fast schon sowas wie ein Unternehmen und vor allem bewegt man Budgets, von denen viele Unternehmen träumen.

Doch … Wird hier nicht ein komplett neues „Produkt“ gerade geboren? Ist Fußball nicht einfach ein Volkssport für die Masse. Sind die Fußballclubs nicht originär „Vereine“, also Mitglieder-bestimmte Zusammenschlüsse zur Förderung des Sports?

Ein Rad scheint ins nächste zu greifen und der Fan wird dabei zermalen. Erst enteignete man das Volk indem man die meist mit Steuergeldern bezahlten Stadien verschacherte, dann nahm man ihnen das Recht auf freie Informationsbeschaffung, indem man die Ausstrahlung im Free-TV stark limitierte oder alternativ für Unsummen GEZ-refinanzierte (wieder mal die Kasse des Mannes auf der Straße), dann die eigene Berichterstattung, indem man Sanktionen fürchten muss, wenn man sein eigen erstelltes Video vom Spiel publiziert. Dass man nun auch ganz offen die Fan-Meinung ignoriert, ist da kein neuer Effekt, aber in der Deutlichkeit doch immer wieder erschreckend.

»Es ist noch nicht lange her, da hatte Hamburg in seinem Volkspark ein Stadion, das naheliegenderweise Volksparkstadion hieß. . […] Was ist geschehen? […]
Das Hamburger Beispiel hat aber eine besondere Symbolik, die darin besteht, dass hier das Volk aus dem Namen vertrieben […] wurde.
Streng genommen wurde hier ein Vertrag zulasten Dritter geschlossen, also etwas, das allen gesetzlichen Grundsätzen zuwiderläuft. […]

Privatisiert, das heißt: dem Bürger enteignet, wurde aber die öffentliche Rede. Das Sprechen über das Waldstadion, Pardon: die Commerzbank Arena gehört nun nicht mehr dem Bürger, sondern einer Firma. […] Man fragt sich, ob für ein paar Euro mehr sogar die Umbenennung der ganzen Stadt in Commerzbank-City drin gewesen wäre.

Quelle: Die ZEIT [via]

Natürlich darf man nicht Opfer von Stimmungen werden und muß als Verantwortliche kühlen Kopf bewahren, aber dass Wünsche der Sponsoren und der Druck der Medien heute so deutlich gewichtiger ist als die Seele der Fans und man nicht einmal mehr sich bemüßigt, wenigstens den Anschein zu erwecken Erklärungen bzw. Auseinandersetzung für nötig zu erachten, das treibt mir den Zorn auf die Stirn und ich kann und will da auch kein Gras über die Geschichte wachsen lassen.

Vielleicht ist die Entwicklung ja bereits an uns vorbeigegangen und der Zug längst abgefahren. Erfolgs-Fans durchziehen ja längst die Stadien und wechseln auch gerne mal das Fähnchen, wenn der Verein aus der Nachbarstadt man vorne ist (was uns bitte in Nürnberg erspart bleiben möge…). Der Stadionbesuch als Event, die Stadien als Vergnügungscenter – aber mit Fußball hat das nur noch wenig zu tun. Vielleicht ist Italien uns da wirklich einen Schritt voraus. Wenn man den Berichten von dort glauben mag, veröden die Stadien, kaschiert nur noch durch guten Kameraschnitt der omnipräsenten PayTV-Sender, um den bequemen Sessel-Fan zu bedienen. Dabei bricht jegliche Fan-Kultur zusammen, bis auf extrem radikale Elemente, die man eigentlich schon längst ausgerottet wähnte.

Vielleicht sieht so unserere Zukunft aus: Entweder mit Besuchern (statt Fans) gefüllte Ränge ohne Identifikation und mit vom Sponsor vor dem Spiel verteilte gebrandete Fähnchen – oder halbleere Ränge mit einem von radikalen Elementen dominierte Fan-Kurven, die den normalen Fan schon weit vom Stadion fern halten.
Kinder aus niedrigeren Einkommensschichten ohne Bezug zur ehemals lebendigen deutschen Fan-Kultur, da sie PayTV nicht sehen konnten oder die Übertragungszeiten im FreeTV leider erst nach 22:00 Uhr gelegt wurden. Zerfledderte Spieltage, die ein 15:30-Feeling zerstören, und zugleich eine Überflutung mit Spielen diverser Wettbewerbe, die Fußball 24/7 übersättigen.

Aber bis dahin werden die Verantwortlichen von heute längst nicht mehr in Amt und Würden sein und das alles soo natürlich nicht gewollt haben.

8 Gedanken zu „Stellenwerte

  • respekt alexander. so deutlich und treffend hab ich das noch nirgends gelesen.
    bin ganz deiner meinung. der fisch stinkt immer vom kopf her und geld stinkt auch.
    anscheinend erleben wir eine dressur. als spieler mit ehre würd ich nicht mehr spielen wollen…
    ( und raung daerf mer a nimmer, da lob ich mir helmers und loki, durchzaeng,wurscht wie)
    guts nächtler

    0

    0
  • Da passt das doch ganz gut dazu: Gestern hat man ganz kurzfristig entschieden, das Training unter Ausschluß der Öffentlichkeit abzuhalten. Dementsprechend sauer sind die Fans, die gestern umsonst zum Valznerweiher kamen. Auch eine Art die bisher treuen Fans zu vergraulen…

    0

    0
  • Pingback:Gegen die Fanenteignung : clubfans.de

  • Patrick … schon klar und Geheimtraining ist auch so schlecht nicht … aber … warum in aller Welt redet man nicht mit den Fans? wozu hat man eine Website? Wozu hat man Kontakt zu den lokalen Radiosendern? …

    0

    0
  • Pingback:Über Fan- und Volksenteignung und welchen Stellenwert ein Fan im Verein hat | Endl.de | Zielpublikum Weblog

  • stimmt schon was du sagst. allerdings ist das wahrscheinlich ein klarer fall von konditionierung. der club (ich benutze das jetzt als synonym für „die verantwortlichen“) hat in 45 jahren bundesliga gelernt, dass die clubfans sich durch GAR nichts vergraulen lassen (wir wissen alle was beim club schon so lief) und denken somit, sie können so eine aktion ruhig bringen. und vermutlich haben sie recht 🙁

    0

    0

Kommentare sind geschlossen.