Jan Koller – Ein Kommentar

In der NN steht ein Zitat, das für mich alles auf den Punkt bringt:

«Jan Koller verkörpert gerade den alten Typus des Profis, der sich mit Leib und Seele für seinen Verein einsetzt – aber eben nicht für den einen, sondern den jeweiligen».
www.nn-online.de

Und das deckt sich genau mit dem, was ich mir immer auch dachte: Koller ist ein Vollprofi, der Leistung für einen Verein bringt. Er ist kein Abzocker, sondern ernsthafter Profi-Sportler. Wie ein Michael Schumacher, der erst für Renault fuhr, dann für Ferrari. Als er bei Renault war, war er mit allem was er hatte bei und für Renault, als er bei Ferrari war, war er Ferraristi. Wo man sein Herz als Sportler hin verliert, dass kann man sich nicht aussuchen, und dennoch trennen sich manchmal die Wege.

Was zählt ist aber ehrliche Arbeit auf dem Platz und in der Vorbereitung. Koller ist da vollkommen untadlig. Dass er sich mit seinen reifen Jahren nicht Hals über Kopf in wenigen Monaten in einen neuen Verein verliebt, mag man bitte mit etwas klarem Kopf mal nachsehen und respektieren. Koller hat sich in Dortmund kurz seinen Gefühlen hingegeben, dazu sollte man sich auch mal das untenstehende Video ansehen. Dass er dabei nicht seinen Arbeitgeber und die Fans vergessen hat, sah man in seiner Reaktion danach, als er sich wieder sammelte und wusste, bei wem er zur Zeit in Lohn und Brot steht. – Ich denke, dass ist alles einfach vollkommen normal und nachvollziehbar, inklusive seiner Wut und Enttäuschung, als seine Entschuldigung nicht angenommen wurde – auch wenn er sich manche Äußerung im Anschluß besser verkniffen hätte.

Jan Koller verdient sein Geld mit redlicher Arbeit, und dass er genau dafür nicht belohnt wird, sondern man lieber heuchelnde Treueschwüre und aufgesetzte Lippenbekenntnisse fordert, ist vielleicht mehr als alles andere ein trauriges Zeichen unserer Zeit. Wer ernsthaft erwartet, dass er mit seinen 35 Jahren, der noch einmal für ein halbes oder 1 1/2 Jahre bei einem abstiegsbedrohten Club anheuert, eine tiefe Verbundenheit mit Verein und Umfeld entwickelt, ist entweder ein verklärter Träumer oder will belogen werden.

So eine Verbundenheit muss wachsen, und sie ist unabhängig von Alter, Nationalität oder Herkunft. Ein Mintal – um ein Beispiel aus dem aktuellen Kader zu nehmen – ging durch seine schönsten und seine bittersten Jahre mit dem Club, da ist was gewachsen. Vielleicht auch bei Galasek, der sich wie kaum ein zweiter in den Dienst des Clubs stellte. Aber allen ist eines gemein: Sie hatten Zeit und sie hatten das Vertrauen der Fans. Jan Koller wurde beides nicht zu teil. Am Anfang vollkommen übertrieben hochstilisiert zum Retter, ohne auch nur ein Spiel gemacht zu haben, und nach nur 1-2 schlechten Spielen, die jedem Spieler erlaubt sein sollten, vor allem wenn er in eine nicht funktionierende Mannschaft kommt, als Fehleinkauf fallen gelassen zu werden. Jan Koller hatte keine Zeit bekommen und nun muss er auch noch für eine nach außen eher unglückliche, aber doch eben menschlich emotionale und insoweit verständliche Aktion den Frust ausbaden, den ein Verein samt Führung, Mannschaft und auch Fans (wie in Frankfurt) in einem Jahr selbst zu verantworten haben.

Sorry, dafür habe ich kein Verständnis, das ist für mich nicht in Ordnung. Wenn daran morgen eine gute Stimmung im Stadion scheitern sollte, ein Koller und eine Mannschaft verunsichert wird und deswegen verliert, legt man mit dieser angeblichen „einzig wahren Fanbegeisterung“, wo alles nur „für den Club“ getan wird, selbst mit Hand an den Spaten des sportlichen Untergangs. Jeder Pfiff morgen in Richtung Koller ist daher für mich ein Schlag ins eigene Kontor.

Zusammenhalten. Zusammenrücken. Fehler der anderen auch mal ausbügeln und aushalten. Das fordert man von den Spielern, das sollte man auch von sich als Fan fordern. Nur noch drei Spiele und ein Ziel: Nicht absteigen!

22 Gedanken zu „Jan Koller – Ein Kommentar

  • danke alexander!!!
    bei allen nervenauftreibenden und zerreissenden dingen, die gerade auf dem programm stehen, darf man so etwas nicht vergessen!
    ganz wichtig finde ich das „aushalten von fehlern“. klar frage ich mich manchmal, wie ein ball 5 meter wegspringen kann und wieso vittek keine einzige 1 vs 1 situation hinbekommt, aber es gibt einen unterschied, ob man dann flucht oder schimpft und pfeift oder gar vollkommen am rad dreht, wie einige von diesen „hartz IV bezahlt mir meine dauerkarte“-fans! wie gesagt: ich stand auf der nordtribüne und habe mich geschämt und bin gegangen.

    ein wichtiger aspekt sind sicherlich auch die mechanismen des modernen fußballs – man hat immer im hinterkopf, dass die spieler, die einem die abstiegssuppe eingebrockt haben, sie nur zum teil wieder auslöffeln, da viele beim abstieg ja wechseln werden. motto: die sind weg – wir fans bleiben!
    diese diskrepanz kann einen manchmal dazu verleiten, den professionellen aspekt (siehe alexander) auszublenden!

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  • Bin ganz deiner Meinung,Alexander!
    Einer für alle,alle für einen!

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  • Wobei man aber auch sagen muss, dass das Verhalten von Koller nicht gerade „professionell“ war. Es hat ja fast schon etwas Makaberes, wenn ein Spieler in einer Situation, in der sein Verein (fast) abgestiegen ist, mit den Fans des Gegners „Party macht“. Dass Koller das nicht so gemeint hat, wie es aufgefasst wurde, ist mir klar, aber er hätte wissen müssen, dass in dieser Situation nicht mehr erlaubt ist, als ein kurzes Winken in Richtung BVB-Fan-Kurve. Außerdem wundert es mich, dass er nach diesem 0:0, das nach allem, was die Spieler sich für dieses Spiel vornahmen (und zum x-ten Mal nicht einlösten), einer Niederlage gleichkam, überhaupt in Partylaune war. Ich war es jedenfalls nicht…

    Das bedeutet aber nicht, dass ich das, was dann einige Club-„Fans“ veranstalteten, billige. Wild gewordene Affen gehören in den Zoo und nicht ins Fußballstadion!

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  • jan koller ist ein großer, nicht nur wegen seiner 2.02 m körpergröße.

    das verhalten der ultras war wieder total daneben. sie sollten endlich mal vom glubb eins auf den deckel bekommen.

    koller, der aufgrund der em und wohl auch wegen galasek zu uns gewechselt ist, ist alles andere als ein söldner.hallo, er hat im steuerparadies monaco gekickt. besser geht es vom verdienst wohl kaum.

    seine offene art machte ihn in dortmund zum liebling und auch der bvb hat gerade keine gute zeit, das dfb-finale täuschte und verdreht die realität einer grotten saison. also feierten sie koller.
    wenn man die bilder gesehen hat, dann hat man einen total emotionalen koller vor der südtribüne gesehen. er holte sich seinen dank ab. ein jeder hätte sich darüber gefreut. seine leistung für den bvb wurde hier nochmals gewürdigt.

    koller ist außerdem wertvoll, gut er macht nicht jede chance aber er arbeitet defensiv sehr gut und hat schon ein paar vorlagen gegeben. vor einigen wochen bereits habe ich ja geschrieben, dass vor allem auch beim bvb damals amoroso und ewerthon von koller enorm profitierten.

    fazit: der lange ist ein guter, die ultras sind größenteils vollidioten und die kehle könnten sie einem jan koller eh nicht durchschneiden. der ist 2,02 m und da müssten diese witzfiguren von ultras erstmal gehörig wachsen (ich neige zur satire und ironie).

    Hoffen wir nun, dass wir morgen drei punkte holen. ein kleines fünkchen habe ich noch…beim restprogramm der arminia

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  • auch darf man nicht vergessen, daß er erst in der glubb kurve war und sicch nacher durch verbeugen entschuldigte.

    der hat herz und wird duisburg hoffentlich mit den 10 anderen besiegen.

    ein jan koller will und wird hoffentlich nicht absteigen

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  • klar war die stimmung gereizt weil wieder mal nicht gewonnen wurde, weil wieder mal keiner in der lage war mal ne chance zu machen, weil vittek jeden ball verstolpert den er bekommt!!! der sündenbock hat sich mit der „aktion“ von koller sehr schnell gefunden!!! trotzdem darf man die eigenen spieler nicht so beleidigen und fertig machen!! ich war völlig schockiert als ich die bilder im TV sah!! da hat der koller schon richtig gesagt „fucking fans nürnberg“!! wie schon beim auswärtsspiel in frankfurt stehen wegen diesen idioten alle FCN fans wieder mal beschissen da!!! also ich schimpf im stadion auch immer bin auch sehr emotional aber das war schon krass!!
    einst sagte marek mintal der FCN ist sein verein – der club habe die besten fans der liga!!! ob er jetzt immer noch der meinung ist?? also bei dem interwiev das er zur dieser sache gegeben hat sah er sehr enttäuscht aus!! beim club gehts langsam dahin nicht nur sportlich!! bleibt zu hoffen das wenn morgen nicht gewonnen wird die fans nicht völlig eskalieren!!

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  • Hallo, mal aus der Sicht eines Dortmunders:
    Ihr habt mit Koller einen richtig guten geholt, der tatsächlich ehrliche Arbeit abliefert. DasIhr nicht gewonnen habt, lag nicht an Koller, das Ihr nicht verloren habt schon eher (seine Rettungsaktion kurz vor der Linie). Koller war und ist in Do so beliebt weil die Fans hier gute Arbeit anerkennen und keine Söldner wollen. Wenn Ihr den Klassenerhalt noch schaffen wollt, dann sicherlich nicht mit gegenseitigem Zerfleischen von Ultras (die bald jeden Verein kaputtmachen – siehe Ordner krankenhausreif schlagen in Bochum oder auch Pfiffe bei uns gegen eine gesponsorte Riesenfahne). Meine von außen gefühlte Wahrnehmung ist eher dass der 1 FCN an seinem Präsidenten leidet… Einen sportlichen Gruß aus Do, viel Glück für Euer Restprogramm.

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  • so ein quatsch vh…an michael a roth soll jetzt wieder alles liegen. glotzt ihr in dortmund erstmal auf eure herren watzke, rauball und zorc…

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  • unser franken-napoleon, der würde im alleingang die liga halten, wenn es ginge…

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  • @vh…Das sind wirklich nette Worte von dir. Aber, obwohl ich den Herrn Roth nicht wirklich mag, kann ich ihm nicht die alleinige Schuld an der Misere geben. Dieses Jahr machen sich alle zum Deppen: Die Spieler, das Präsidium und wir Fans

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  • @Alexander …habe das Video nicht gesehen, müsste da wohl noch irgendwas installieren.

    Ich meine nur: Was Koller bei dieser Aktion dachte oder fühlte, ist seine Privatsache, aber es nicht seine Privatsache, wie die Aktion gerade in dieser prekären Situation seines Vereins – und das ist der FCN! – wirken muss. Dabei sage ich ja gar nicht, dass er die Ovationen der Fans seines Ex-Vereins hätte ignorieren sollen. Aber ein kurzes Winken hätte es getan. Es kann doch nicht sein, dass sich der Spieler einer Mannschaft nach einem vom Ergebnis her ernüchternden Spiel von den Fans des Gegners feiern lässt und den Eindruck erweckt, er stünde seinem Ex-Verein näher als dem, für den er gerade spielt und mit dem er möglicherweise gerade ABGESTIEGEN ist. Das wirkt für mich, ich wiederhole es, fast schon makaber. Aber vielleicht sehe ich die Dinge ja zu verbissen, vielleicht geht mir die ganze Scheiße, die sich vom ersten Spiel an durch die Saison zieht, ja näher als so manchem Spieler…

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  • @vh … du hast soo Recht! wir haben wirklich alles probiert! Für’s Tor war er zu klein, in der Abwehr zu langsam, im Mittelfeld fehlte es am läuferischen und im Sturm fehlte es an der Schußkraft … wir sind verzweifelt!

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  • Ich bin zwar Werderaner und gehöre also hier eigentlich nicht hin, kann dem Alex aber nur zu 100 % zustimmen.

    Das Verhalten dieser „Fans“ trifft auf jeden Fall nicht wirklich auf Gegenliebe…

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  • @belschanov … ich seh das echt nicht so streng. Wenn du 90 Minuten hart gefightet hast und gerannt bist wie ein Irrer – und selbst enttäuscht bist und dann in deinem alten Wohnzimmer dein Name skandiert wird, dann reagierste nicht mehr so nüchtern und selbstbeherrscht. Profi hin oder her, das ist zwar ein Fußball-Opa, aber der ist doch jünger als ich! Und wenn ich allein sehe welche emotionale Fehlentscheidungen ich treffe, wenn mich nach nur 30 Minuten Fahrrad fahren einer schneidet, hab ich für fast alles Verständnis…
    Ne, aber will es nichts ins Lächerliche ziehen. Denke, es war ne unglückliche Entscheidung, aber die Reaktion darauf war total daneben und vollkommen unverhältnismäßig.

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  • @conti … erstmal danke für die Zustimmung

    … und zum Link: die Ecke ist bekannt, dort beschäftigt man sich ja gerne mit dem Fehlverhalten von Fans, solange sie aus dem anderen Lager kommen. Schön, dass man diesmal im Eingangstext etwas differenziert, im Titel musste es aber mal wieder deftig sein. Die armenen Bochumer Randaletten wurden aber nicht mal mit einem Artikel bedacht, da sind wir eben doch was besonderes vom Club, ätsch.

    Aber wollen wir doch mal eines festhalten: Es geht hier um das Verhalten einzelner Fans, das zieht sich doch durch viele Clubs aktuell. Wenn man mal aufhört das als gegenseitige Polemik zu instrumentalisieren und auf Ursachenforschung zu gehen und nach Lösungen zu suchen, wären wir nen Schritt weiter.

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  • @vh
    ähhhh…wie bitte????
    die heile dortmunder welt!!! ich erinner mich noch genau wie koller dortmund verlassen hat.
    auf einmal war koller nämlich auch bei euch der sündebock, wegen langen bällen, die er nicht verarbeiten konnte. das war die endphase von koller! da war dann auch mal direkt alles vergessen was er für euch getan hat!

    gebe zu: ich reagiere gerade allergisch auf dortmunder die mir etwas über fußball erzählen wollen und wie toll doch alles läuft. ihr seid doch die meister der sündenbock-sucherei. und jeder transfer ist immer ein top-transfer etc.
    schade dass man die südtribüne bis zum koller-verbeuger nicht gehört hat…. obwohl, ich glaube ihr habt ab und zu mal „haaaaaaaaaand!!!“ geschrien…..

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  • so sehr ich die offenbar vorherrschende meinung teile, dass kollers verhalten vielleicht nicht super-professionell, aber doch menschlich verständlich war – so sehr wundere ich mich auch, wie hier andere fangruppen runtergemacht werden. muessen fans, die sich angesichts der aktuellen situation ueber kollers scheinbare illoyalitaet aufregen, als „idioten“ und harz-4-abzocker abqualifiziert werden? ist doch irgendwie absurd, von fans mehr abgeklaertheit zu verlangen als von einem gestandenen profi …

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  • 1. Ich seh’s wie Alexander.

    2. Gretl hat Recht: Jetzt macht mal einen Punkt. Koller ist ein meistens vorbildlicher Profi und hat in dieser nicht einfachen Situation spontan nicht ganz korrekt reagiert.

    3. Das Thema Ultras muss vom Verein speziell und von der Liga generell gelöst werden. So kann es nicht weitergehen.

    4. Wir haben derzeit wirklich andere Probleme.
    Und jetzt erst mal drei Punkte gegen den MSV!

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  • @Lebkuchenclubberer: Was du über Kollers Abschied aus Dortmund schreibst, ist Quatsch. Koller bzw. vor allem seine Frau wollten damals weg aus Dortmund und Deutschland. Und wenn du bei seinem Abschied im Westfalenstadion dabei gewesen wärst, wüsstest du, dass wir ihm nicht vergessen haben, was er für uns getan hat. Das war noch um einiges emotionaler als letzten Freitag.

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