Wir und die Eintracht

Kleiner Blick nach oben, in die Bundesliga, und das nur mal am Rande.

Die Frankfurter Eintracht hat jetzt ‚unseren‘ Libero verpflichtet, also den griechischen Knaller-Stürmer, den wir gern vor der letzten Saison verpflichtet hätten, eben statt des griechischen Torgaranten-Placebos Charisteas, der ja – und daher nicht despektierlich gemeint – nicht gerade für die Killer-Quote vor dem Tor Synonym zeichnete und diesen Eindruck auch nicht auf dem Platz entkräften konnte. Dennoch mochten wir ihn dann doch, irgendwie.

Nikos Liberopoulos spielt jetzt also Bundesliga, nur eben nicht bei uns (was auch faktisch in punkto Ligazugehörigkeit gar nicht mehr ginge), sondern bei unseren ‚Freunden mit dem Adler‘. Die Bezeichnung „Freunde“ mag so mancher gerade nach den Vorfällen der letzten Saison und manch verbaler Scharmützel nun zynisch nennen, tatsächlich aber ist man gefühlt gar nicht so weit voneinander entfernt, irgendwie eine Art Schicksalsgemeinschaft, die nicht zwingend auf der großen Liebe beruht, aber verbindet.

Vielleicht wäre es mit Liberopoulos alles anders gekommen, immerhin wurde er (mal wieder) Torschützenkönig in Griechenland in der gerade abgelaufenen Saison, ob er mit der kolportierten altersbedingten Grundschnelligkeit für die Eintracht mit seinen bald nun 33 Lenzen eine Hilfe sein wird, ist da Gott sei Dank nicht mehr unser Problem. Unsere Probleme lauten weiter Charisteas, Saenko, Vittek und Eigler…

Doch wie komme ich darauf nur wegen Nikos Liberopoulos einen eigenen Artikel hier zu eröffnen? Es sind die schon angesprochenen gefühlten Parallelen. Die Eintracht wie der Club sind Traditionsmannschaften (ja, auch die Eintracht lasse ich da mal mit in die Museumsvitrine), die sich eigentlich immer (seitens Fans und „Umfeld“) zu den Hauptakteuren der Liga zählen, dann aber mit schöner Regelmäßigkeit aus Liga 2 grüßen.

Dort sind wir gerade mal wieder angekommen und so manchem Eintracht-Fan dünkt, es könnte auch sie bald wieder erwischen. Dagegen arbeiten vehement die beiden sportlichen Macher, Bruchhagen und Funkel, die sich selbst „gern als Antipode einer überzogenen Erwartungshaltung“ gerieren (Quelle: 11Freunde). Eine prosaische Umschreibung einer Angst vor dem Fall trotz bester Voraussetzungen, der dem Club ja letztes Jahr wiederfahren ist.

Also sind wir wieder bei unserem Club, dem das Understatement nichts genutzt hat, obwohl wir doch fast gebetsmühlenartig die Zielvorgabe „bloß nichts mit dem Abstieg zu tun haben!“ formuliert haben. Nicht verwunderlich also, wenn Bruchhagen (Quelle: a.a.O.) gerade vor uns warnt: „Nach oben geht nicht viel, nach unten sollte nicht viel passieren, »wir haben unsere Qualität so vergrößert, dass uns Bielefeld, Cottbus und Bochum nicht mehr gefährlich werden sollten«, sagt Bruchhagen. Das sei viel wert, »uns darf nur nicht das passieren, was dem 1. FC Nürnberg passiert ist. Die sind doch mit einer Mannschaft abgestiegen, die auf Platz fünf bis sieben hätte landen können«.

„Hätten“ … richtig. „Hätten“ wir sicher tun müssen/können/wollen, wie wir nun aufsteigen „sollten“, bei dem Kader. Doch – auch wenn man mir das nun wieder als Nestbeschmutzung auslegen wird – gezeigt hat der Club bisher sportlich maximal eine Art Pflichterfüllung gegen unterklassige Gegner (von Glanz und Aussendung ehrfurchtsvoller Dominanz an die Konkurrenz ist man noch ein Stück weg). Und die Verpflichtung einiger viel versprechender Nachwuchskräfte – die dafür fast schon „im Dutzend“, machen Hoffnung und sind der sicher perspektivisch der richtige Ansatz, aber ob das reicht für die ersten Plätze?

Die echten Probleme scheinen in der Tat nämlich noch ungelöst. Der zähe Verkauf der 2-3 Stürmer zählt da ebenso dazu, wie offenbar auch das Binden der so genannten Säulen der Mannschaft für das offen proklamierten Ziel „Wiederaufstieg“. Denn erst vor wenigen Tagen sickerte durch, das Andreas Wolf wohl doch nicht so sicher sei, wie man immer verlauten ließ, und heute kam prompt das erste handfeste Gerücht: Wolf wechsle nach Santander. Das kommt einen nicht nur spanisch vor, das wäre schon ein Schock für die Fans, die unter anderem wegen eben dieser Säulen die Kassenhäuschen für eine Dauerkarte belagerten. Bader dementiert zwar aufs heftigste, aber spätestens seit der Meyer-Entlassung hat Bader bei vielen Fans ein Stück Glaubwürdigkeit seiner Aussagen verloren (was vielleicht aber branchenüblich ist …).

Pinola hat jedenfalls einen neuen Vertrag und auch Mintal hat sich klar geäußert, aber sicher ist in diesem Geschäft gar nichts, machen wir uns da nichts vor.

Bruchhagen beschreibt die Transferpolitik der Eintracht so: Man suche »ausländische Kräfte mit gewisser, aber doch begrenzter Anziehungskraft, „um die sich kein deutscher Spitzenverein bemüht hat“«. (Quelle a.a.O.). Das klingt auf den ersten Moment ein wenig unfreiwillig komisch. Gene würde man von „Knaller-Verstärkungen“ lesen, wie das der Boulevard gern aus jeder Meldung macht – aber vielleicht ist diese Haltung dann doch eben genau richtig.

Denn das war einst auch unsere Stärke, als man z.B. einen Vittek oder Mintal aus der Slowakei holte. Diese Spieler konnten ihr Leistungspotenzial entwickeln, ein Charisteas stand wie ein Koller von der ersten Minute an unter dem Druck der Pflichterfüllung, die man mit den Namen verband.

Wieder also durchaus Parallelen, die aber dem gemeinen Fan nicht unbedingt schmeckt. Vielleicht ebensowenig wie uns schmeckte, dass ein Charisteas am Ende doch vielleicht nicht die Sahne des europäischen Angriffsfussballs ist. Für uns zwar der Rekordtransfer und eine gerade so „machbare Option“, aber im europäischen Transfervergleich war die damalige Ablösesumme im Verhältnis zum „Gegenwert Spieler“ schon ziemlich viel fürs Geld – das vergisst gern mancher Fan. Ein Liberopolus zum Beispiel konnte und wollte sich im vergangenen Jahr erst gar nicht für den Club entscheiden, ebensowenig wie ein Danny Koevermans, der dann zum PSV wechselte und in 29 Spielen 13 mal einnetzte. Man muss eben auch mal wissen, wo die eigenen Grenzen sind. Und auch ein Eigler, der ja fast schon wie der kommende Messias herbeigewünscht wird, ist eben kein echter Knaller und hat in der Bundesliga maximal angedeutet, dass er was werden kann – soll aber auch fast 2 Mio. kosten.

“Der typische Hesse ist mit rationalen Einschätzungen nicht erreichbar.” ließ Bruchhagen noch einen krachen (Quelle: Blog-G) in Richtung Fans. Doch die Fans sind rational manchmal doch auch gegen Blendversuche immun und rational genug um zu sehen, dass ein Caio bspw. in Frankfurt drauf und dran ist eine der größten Fehlinvestitionen des Vereins zu werden (will es nicht hoffen) und auch ein Martin Bader sich vielleicht mit den eigentlich auf dem Papier sehr clever formulierten Optionen für Spieler wie Saenko und Charisteas am Ende verpokert haben könnte.

Der fränkische und der hessische Fan haben – bei aller sportlicher Rivalität – also durchaus einen gemeinsamen Weg, der sich leider nicht immer in der gleichen Liga kreuzt.

16 Gedanken zu „Wir und die Eintracht

  • Ist das dein ganz doller, echter, wirklicher Ernst Franken mit Frankfurt zu vergleichen? Da fühl ich mich ja schon fast persönlich beleidigt. Hättest du das auch geschrieben, wenn du nicht in Frankfurt wohnen würdest???

  • ach so, sags doch gleich

    Klar ist, dass ich durch mein Leben hier ne andere Beziehung zur Stadt habe als sonst. Man bekommt viel mehr mit, die Fans im täglichen Leben, die Beziehung der Leute zu ihrem Verein. So unterschiedlich sind dann die Menschen doch nicht, gerade wenn es Fußball-Fans sind – denke da sind Ressentiments, also Abneigungen nur um der Sache Willen, fehl am Platze. Ein Franke ist nicht besser als ein Hesse – nur anders manchmal.

    Aber darauf wollte der Artikel gar nicht raus. Es geht mehr um den aktuellen Aufhänger (Wechsel Liberopoulos und der Bezug Bruchhagens auf den Club) und da fühle ich mich anlaßbezogen wie „Brüder im Geiste“ – hätte aber auch Hamburg oder Hannover sein können, wenn sich die Parallelen angeboten hätten.

  • Dann tu ich jetzt einfach mal so, als ob ich den Artikel nicht gelesen hätte. Denn die Eintracht interessiert mich null 😉 (*stänker hehe)

  • Mal ne ganz andere Frage: Was hat es mit dem Herz-Jesu-Apostulat auf sich? Wird diese Seite von einer christlichen Sekte gesponsort? Oder hofft Ihr auf Segen von oben im durch biblische Plagen gestraften Club-Haus („1. Verheißung: Ich werde die Häuser segnen, in denen das Bild meines Heiligsten Herzens aufgestellt und verehrt wird.“).

    Bin ziemlich ratlos…

  • belschanov … das ist Google AdSense, die Einblendung steuern wir nicht … aber hab es mir vor einiger Zeit mal angesehen, sind glaube ich ne versprengte Katholiken-Gruppe, die das Thema Glaube wieder etwas pushen wollen … ich fand es ok soweit

  • Also Alexander, was man als Clubfan alles mitmachen muss. Erst wird englisch eingeführt, dann auch noch Frankfurt und zum Schluss die Katholiken, hihi

  • Aaalso….Frankfurt & der Glubb….neeeeeee, das geht nimmer zusammen!!! Diese “ Freundschaft“ wird nur noch von der zu den Bielefeldern übertroffen. 😉

    Um ein wenig Aufklärung zu betreiben, ich bin auch im “ Kicker“-Forum vertreten und da hat sich in den letzten ca 18 Monaten eine regelrechte Antipathie entwickelt. Besonders zwischen den Bielefeldern und uns Glubberern. Und da Frankfurt ganz offen mit den “ Billigfeldern “ sympathisieren, werden wir von den „Adlern“ eben auch genervt.
    Am letzten WE hatten wir unser 2.“KICKER- Forumsturnier im Taunus ( der Organisator ist einer der ganz wenigen netten “ Adler-Kicker“, einem Griechen).Dabei wurde die „Freundschaft“ wieder so richtig hochgekocht. Nachdem wir Glubberer im Vorjahr den selbsternannten Turnierfavouriten Bielefeld im HF besiegt hatten und auch die Frankfurter hinter uns gelassen hatten ( und das bei einem Altersdurchnitt von ca 47 Jahren gegenüber ca 25 Jahren bei den Almern!!), konnten wir dieses Jahr leider nicht so erfolgreich gegen den beim HSV spielenden Rest der Bielefelder bestehen. Selbst nach diesem Erfolg wird von denen “ nachgekartelt“! Und die Frankfurter grüßtenteils mittendrin… ( Alleine deswegen bin ich schon wegen unseres Abstieges noch immer richtig sauer!!). Ein weiterer Zankapfel zwischen den Frankfurtern und den Glubberern im KICKER sind Vorkommnisse bei den beiden Spielen in Nürnberg und Frankfurt. Neee , Frankfurt und Nürnberg, das geht dort nicht !!
    Letztes Jahr hat übrigens der griechische Adlerfan seinen ganzen Einfluß geltend gemacht, dass der „Libero“ nicht zum Glubb kommt. der ist im 2. Leben AEK -Fan und wollte mit seinem Verein ( und dem “ Libero“) die Champions-League aufmischen.Und kannst Du Dir vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als AEK erst aus der Ch-L ausschied und dann sang-und klanglos im UEFA-Cup einging… ;-))

    Neeee, ich wünsche der Eintracht EBENFALLS den Abstieg ( und die Billigfelder gleich dazu…und wenns net so nervenaufreibend wäre auch noch in der Relegation gegen uns….)

    Und es könnte sein, dass das 3. Turnier nächstes Jahr in Nürnberg beim Glubb stattfindet ( der Woy hat uns schon sein OK für den Valznerweiher gegeben). Ich hoffe, es gibt dann auch aus diesem Forum die notwendige Unterstützung für uns „alte Säcke“. Es wäre doch peinlich , wenn diese beiden Fangruppen in Nürnberg wieder Schmähgesänge gegen unseren Glubb loslassen würden !! ODER??? ;-))

  • Na aber, hallo KUZ! Ist das öffentlich? Dann steh ich aber da und schrei mir die Seele ausm Leib gg. Im übrigen gebe ich dir vollkommen recht. Die sind ziemlich hämisch drauf, die Leute.

  • Na logisch wird die Veranstaltung öffentlich sein !!Wir wollen den Frankfurtern doch mal zeigen, wie sowas auch gehen kann! ;-)…wir stehen auch schon mit Radio Gong und anderen möglichen Sponsoren in Kontakt. Der Glubb hat uns letztes Jahr schon eingekleidet und wir sind als 2. nach hause gekommen. Dieses Jahr hats leider nur zum 5. Platz gereicht. Und nächstes Jahr: AUFSTIEG und FORUMSPOKALSIEGER…das wärs… Und dazu brauchen wir alle Unterstützung, die wir bekommen können. Und die 2 Bielefelder “ Brüllaffen“ werden endlich leise sein… ;-)))

    Aber es ist noch nicht sicher. Wir haben schon einige hinter uns, aber …die Frankfurter halt… 😉

  • Was ich überhaupt nicht an Frankfurt verstehe ist die Tatsache dass sie einfach keine gescheite Mannschaft zusammenbringen. Die Infastruktur, das Umfeld, das Stadion. Mit den Einnahmen müsste doch eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz stehen…

    Unsympathisch sind mir die übrigens nicht mal.

    Aber was ich noch viel weniger begreife: Warum spielen die so einen wahnsinnigen Scheißdreck zusammen!! Ich hab mir letzte Saison, durch den Umstand dass die oft am Freitag ran mussten, einige Spiele angesehen. Das war in puncto Tempo, Attraktivität und Spielwitz kaum mehr zu unterbieten.
    Der Hesse mag das jetz vielleicht als Ergebnisfussball deuten oder zur Gegenoffensive blasen da wir abgestiegen sind aber der grauenhafte Schlafwagenfussball ist mir echt in grausiger Erinnerung geblieben. Und das sehe ich wirklich wertneutral, ich hab gegen die Frankfurter absolut nichts…

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