Eine Frage des Stils

Diesem Artikel, der normalerweise in unserem Pressespiegel gelandet wäre, möchte ich einen Artikel widmen, so sehr spricht er mir aus dem Herzen. Mag sein, dass man von der Distanz wie ich sie zum Club zwangsläufig haben muss nicht immer die ganze Wahrheit mitbekommt, doch offenbar ist auch ein Nürnberger Lokal-Redakteur zu den gleichen Eindrücken gekommen, wie man selbst. Das bestärkt einen, doch besser macht es die Sache nicht.

Stilfragen beim Club
Wenn Scheiden wehtut

Als man vor einem Jahr beim FSV Bruck in Erlangen vorspielte, gab Angelos Charisteas sein Debüt für Nürnberg, ein paar tausend Menschen feierten einen Pokalsieger und mit Hans Meyer einen besonderen Trainer, der diesen 1.FC Nürnberg gerade auf ein ungeahntes Niveau gehoben hatte – sportlich sowieso, aber genauso in der Außendarstellung. Meyer mochte noch so gern den Poltergeist mimen; tatsächlich stand er betriebsintern auch für Umgangsformen, die diesen Verein nicht immer auszeichneten. Hans Meyer sorgte sich um diesen 1.FC Nürnberg.

Der unterschwellige Versuch, die Probleme des Frühjahrs inklusive des Abstiegs als Meyers Hinterlassenschaft zu verkaufen, zeugte dann nicht von Anstand.

Keinen Deut besser sah der Club in der Personalie Tomas Galasek aus

Der Kapitän, ein Ehrenmann und einer der besten Fußballer, die in der jüngeren Vereinsgeschichte das FCN-Trikot getragen haben, musste in letzter Konsequenz per SMS via Mobiltelefon erfahren, dass er nicht mehr gebraucht werde – unwürdiger kann man einen nicht nur auf dem Platz außerordentlichen Spieler, ohne den der DFB-Pokalsieg 2007 nicht gelungen wäre, kaum verabschieden.

Dass die Nürnberger Sommermärchenmannschaft von 2007 zerfallen würde, war mit dem Abstieg klar – dass es nicht die Zeit für Blumensträuße und salbungsvolle Worte ist, auch. Die unrühmliche Tradition, verdiente Mitarbeiter schon beim Abschied zu brüskieren, hätte man trotzdem nicht fortsetzen müssen. Denn die so erstaunliche Zuneigung seiner Anhänger hat sich dieser Club ja nicht mit dem Abstieg 2008 erworben, sondern in höchst erfolgreichen Jahren mit Meyer, Galasek, Saenko oder Vittek.

Ich hoffe man verzeiht mir das sehr umfangreiche Zitat, ich möchte den Kommentar Hans Böllers allen ans Herz legen und dabei Danke sagen für die offenen Worte, gerade in einer Zeit wo man Aufbruchstimmung auch vom Umfeld geradezu verlangt.

Denn mag man auch uns sagen, man solle doch um Himmels Willen endlich Ruhe halten und nach vorne blicken, so will ich dem entgegen halten, dass dies ganz einfach wäre: Indem man solche Fehler, im Umgang, aber auch in der Kommunikation, eben in Zukunft nicht macht – dann erübrigt sich auch die Frage. Und auch wenn dies nun erst Recht für einen Aufreger sorgen mag: Die kritischen Worte möchte ich durchaus auch an die Fans und einen selbst auch richten: Spieler, mögen sie auch persönlich enttäuscht haben, verdienen es mit Respekt behandelt zu werden. Ihre sportliche Leistung mag zwar manchmal, aber in der Regel doch eher selten nur auf persönliches Wollen zurückzuführen sein, sondern auch auf ein Umfeld, dass den Abruf der besten Leistung erlaubt.

Und auch scheidende Spieler mögen mit den Gedanken im Hinterkopf verabschiedet werden: 1. Man sieht sich oft zweimal im Leben und 2. Andere Spieler, die man mit Engelszungen holen will, werden wohl genau darauf schauen, mit wie viel Respekt und Anstand man auch wieder verabschiedet wird, wenn die Wege sich wieder trennen – mögen die Ursachen vielfältig sein.

7 Gedanken zu „Eine Frage des Stils

  • Ja, ich gebe dir voll recht. ich verstehe nicht, was daran so schwierig sein soll, ein Mindestmaß an Anstandsregeln einzuhalten. Wenn das so war wie beschrieben, dann ist es halt nur ein weiteres Beispiel der üblichen Halbprofessionalität beim Club; leider … wer auch hier lernen will soll nach Süden schaun!

  • Ja, Ja, die Kommunikation beim Club.Es
    ist wirklich echt zum kotzen (oder weinen,- je
    nachdem wie man grad „drauf ist“)
    Mir fällt auch hier wieder spontan ein Satz von
    einem großartigen Artikel von Alexander ein.
    Sein Resümee nach dem grausamen H.M.-Rauswurf
    gipfelte in den Worten:
    „Wir sind wieder da wo wir waren,- ein kleiner
    Fußballverein, mit komischen Umgangsformen“
    Oder unfeiner ausgedrückt: Was Hans Meyer mit
    viel Herz und Hirn aufgebaut hat, wird seit Monaten
    mit dem Arsch wieder zerstört.

  • Ude? Ist der auch gegangen? Egal, was ich meine, da wird jeder anständig verabschiedet und bekommt seinen, egal wie gut er war und ob er gespielt hat oder nicht. und gerade ein galasek hätte es verdient.

  • Ne, der Ude ist nicht gegangen 😛

    Aber mit dem wurde umgegangen – und zwar seitens Rummenigge, dass es nicht als gutes Beispiel für guten Stil mehr dienen kann.

    Was die Verabschiedung von Spielern angeht, stimmt das teilweise – den Streit mit dem Loddar um die Erlöse des Abschiedsspiels hab ich auch noch im Kopf. Aber die verdienten Spieler der Batzis kriegen schon nen guten Abgang, das stimmt. An ein letztes Abschiedsspiel eines Club-Spielers kann jedenfalls ich mich nicht mehr erinnern.

  • Man kann sich denken, wie die „stillose“ Sache mit Galasek gelaufen ist:

    Als Mannschaftskapitän Galasek im April dieses Jahres signalisierte, dass er sich vorstellen kann, dem Club auch im Abstiegsfall die Treue zu halten, wurde das von der Vereinsführung begrüßt und man lobte ausdrücklich die Loyalität des Sympathieträgers. Später fiel den Club-Verantwortlichen ein, dass Galasek eigentlich gar nicht ins Konzept der Verjüngung des Kaders passt, und man plante nicht mehr mit ihm. Peinliche Sache das – denn es gibt Angenehmeres, als einem verdienten Angestellten mitteilen zu müssen, dass man sich doch entschlossen hat, ihm den Laufpass zu geben. Da greift man dann halt zum Handy und schickt ihm eine SMS. Und wenn der auf diese Weise Verabschiedete seine Verwunderung über dieses Vorgehen kundtut, heißt es von Vereinsseite, es habe „Missverständnisse in der Kommunikation“ gegeben.

    Ich weiß nicht, ob solche Kommuikationsstörungen „typisch Club“ sind, „traurig“ sind sie allemal.

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