A glaans Rewöldla

„A Refolution is des gweesn, a Refolution“, hörte ich Alfred sagen, als ich am Tresen ankam, und Hannes sagte: „Na ja, ganz so schlimm war’s nicht.“

Ich hängte meine Jacke an die Garderobe und gesellte mich zu den beiden. „Revolution?“, sagte ich.

Neben Hannes‘ Weizenbierglas lag eine aufgeschlagene Illustrierte und ich sah das lächelnde Gesicht Obamas vor einem Transparent mit der Aufschrift CHANGE WE CAN BELIEVE IN und Alfred sagte: „Wenn da Mindool zum Bräsidium gehd und soochd, wenn da Dreener nedd gehd, geh iech, dann refoldierd der geechan Dreener. Des is freilich ka richdicha Refolution, wie doomols in Frangreich, obber a glaans Rewöldla is des scho.“

Ich bestellte ein Pils beim Mann hinter dem Tresen und sagte: „Mintal hat allerdings dementiert, dass er das so gesagt hat. Aber es scheint wohl so gewesen zu sein, dass sich der Mannschaftsrat bei der Vereinsführung gegen von Heesen ausgesprochen hat.“

„A Aufschdond is des gweesn, a Aufschdond geechan Dreener. Wohrscheinlich wor da Mindool beleidichd, walla in Kaiserslaudern nedd aufgschdelld worn is, wohrscheinlich hodda Angsd ghobd, dossa sein Schdommblods verlierd…“

Der Tresenmann stellte mir das Bier hin und ich nahm einen Schluck.

„…Hodd ja scho amoll an Aufschdond geem beim Glubb, doomols wie der aa noch Bräsidend wor, der aa middm middm Gsichd wie a Uhu…“

„Der Schmelzer“, sagte ich, „Gerd Schmelzer.“

„…Doomols is obber nedd da Dreener gfloogn, doomols hommsa die Schbieler nausgschmissn, fimf, segs Schbieler hommsa doo nausgschmissn … Horch Michael, konnsdma a Zigareddn geem, hosd aane fir miech?“

Ich gab ihm eine Blend 29 und sagte: „Im Herbst 84 war das. Trainer Heinz Höher hatte nach einem miserablen Heimspiel gegen Oberhausen für sechs Uhr früh ein Straftraining angesetzt. Daraufhin verfasste die Mannschaft eine Anti-Höher-Erklärung und übergab sie den Sportredaktionen der Nürnberger Zeitungen…“

„Wor a Riesndeooder, a Riesndeooder wor des.“

„…und daraufhin wurde den Spielern Horsmann, Kargus, Lottermann, Weyerich und noch zwei anderen gekündigt.“

„Da Weyerich, na gloor, der wor aaner vo die Reedlsfiehrer, da Weyerich midd seina longa Hoor, ausgschaud hodda a weng wie da Albrechd Dierer. Wor eichndlich a guuder Schbieler da Weyerich, konnsd fei nigs soong, an saubern Schdobber hodd der gschbilld, an saubern Schdobber.“

Alfred klemmte sich die Zigarette hinters Ohr und trottete davon und ich sagte zu Hannes: „Am Freitag nach der Revolte spielte der Club mit dem Rest der Truppe auf dem Tivoli in Aachen.  Das Spiel ging zwar mit 1:2 verloren, aber diese Niederlage war ein gefühlter Sieg, weil sich die Mannschaft erstaunlich gut verkaufte.“

„Gegen Aachen?“, sagte Hannes.

„Ja, gegen Aachen. Nach diesem couragierten Auftritt setzte Höher voll auf die jungen Spieler – Dieter Eckstein, Stefan Reuter, Hansi Dorfner, Roland Grahammer und wie sie alle hießen. Das Spiel gegen Aachen war der Wendepunkt. Die jungen Wilden stiegen im Sturm in die Bundesliga auf und sorgten dann auch dort für Furore. Höhepunkt war der Einzug in den UEFA-Cup im Jahr 1988. Die Ära Höher war die beste, die ich bislang beim Club erlebt habe.“

„Und jetzt gab’s auch eine Revolte, na ja, eine Mini-Revolte, und danach ging’s wieder gegen Aachen“, sagte Hannes.

„Und diesmal gab’s ein Unentschieden“, sagte ich, „nach dem 0:2-Pausenrückstand auch ein gefühlter Sieg.“

„Na, wer sagt’s denn“, sagte Hannes, „das hört sich doch richtig gut an.“ Er hob sein Glas und prostete mir zu und der Tresenmann, der in der Illustrierten blätterte, fragte: „Und Jungs, was meint ihr? Packt’s der Obama gegen McCain?“

„Wird man sehen“, sagte ich und stieß mit Hannes an. „Wird man alles sehen.“

[Quelle zur Spielerrevolte von 1984: Bausenwein, Kaiser, Siegler: 1. FC Nürnberg. Die Legende vom Club. Göttingen 1998. S. 213-217.]

11 Gedanken zu „A glaans Rewöldla

  • Schöne Geschichte mal wieder,belschanov!Is immer wieder schön zu lesen,wenn du von Alfred und der Kneipe berichtest…

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  • Danke 🙂 !!

    Aber eine Frage habe ich mal an Dich: Wieso belschanov?

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  • @Gretl

    Danke für Deinen Dank!

    Wieso belschanov?

    Wieso nicht? Ein besseres Pseudonym ist mir zu mir nicht eingefallen.

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  • Aso. War der Annahme, dass dieses Pseudonym für dich irgendeine Bedeutung hätte. Man nimmt ja eigentlich nicht irgendein Pseudonym sondern schon eines, mit dem man sich irgendwie identifiziert. Dachte ich jedenfalls immer.

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