Abneigung will auch gepflegt sein

Mal kurz weg vom Tagesgeschäft und hin zum Thema “Fans” und “Rivalitäten”, da ich gerade bei 11Freunde dieses prominent platzierte Werbebanner für “Fanartikel aus der Südkurve” (gemeint: Batzi-Südkurve) entdeckte.

Ich pflege ja auch eine gewürzte Fan-Rivalität mit Blick gen Süden, aber Begriffe wie Hass kommen bei mir nicht vor, denn “Hass” hat unter “Fans” gar nichts verloren. Ein absolutes “No Go!”, sowas geht gar nicht – da mag man noch sehr auf “wollen doch nur bisschen provozieren” abstellen. Leider wird man nämlich die “Geister, die man rief” oft schneller als man denkt nicht wieder los und unterstützt direkt oder indirekt Tendenzen, die man gerade nicht fördern, sondern bekämpfen sollte.

Wir hier bei Clubfans United haben nichts gegen Rivalitäten, aber alles Bitte mit dem gebotenen Respekt voreinander. Und wenn einer Hass predigt, überschreitet man hier klar gewisse Grenzen – nach meinem Empfinden.

Und da wundern sich manche, wie bestimmte Abneigungen entstehen. Sowas will ja auch gepflegt sein …

Bildzitat – Alle Rechte (und Pflichten) beim Ersteller

25 Gedanken zu „Abneigung will auch gepflegt sein

  • 17.11.2008 um 17:05
    Permalink

    So ein Schmarrn, da muss ich Dir schon wieder Recht geben. Ich “mag” manche Mannschaften und andere halt nicht. Mir sind manche Trainer sympathisch, andere halt nicht. Genauso wie ein bestimmtes Essen (Ich mag keinen Fisch als Binnenländer, außer natürlich “an Karbfm”: aktueller Stand: 4:0 für mich gegen die Gebackenen), Fernsehbiere oder Kleidung. Einfach alles im Leben. Haß hat für mich immer etwas mit fehlender Information, Manipulation oder Unwissen zu tun. Bisher hatte ich vielleicht auch persönliches Glück im Leben, dass mir z.b. ein entsprechender Schicksalschlag, der vielleicht zu Haß führen kann, erspart geblieben ist. Das führt aber immer mehr vom Fußball, einer der schönsten Nebensachen der Welt, weg. Ist aber nicht ganz OT, oder?

  • 17.11.2008 um 18:02
    Permalink

    Ich finde, dass der Begriff Hass nichts aber auch gar nichts im Leben eines kultivierten Menschen verloren hat. Schon gar nicht auf dem Fussballplatz. Allerdings habe ich mich geschämt,als ich sah, dass es nötig war in Ingolstadt einen ganzen Block für die Polizeikräfte zu reservieren.Man kann Fan von einem Verein sein. Man muss aber auch die anderen Fans akzeptieren, so wie wir unsere Mitmenschen achten sollten. Eine eigene Meinung haben und eine andere anzuhören ist die Grundlage für ein Gespräch. Aber auch ich mzsste mir von pöbelnden Clubfans gefallen lassen im Du-Stil: O-Ton: “Hau ab Alter, das ist nicht Dein Ding”.Darauf hin bin ich weiter gegangen. Und da muss ich anmerken, dass ich nicht verstehe, wie manche sich Clubfans nennen,die m.E. keine sind, weil nicht das Spiel im Vordergrund steht, sondern Randale. Aber das ist leider auch in anderen Stadien so der Fall. Und wenn ich mir diese sog. Fans näher betrachte, dann sind da auch wenig “Geistesgrößen” dabei. Aber hassen sollte man sie deshalb nicht, nur Mitleid mit ihnen haben. Ich beneide unsere Fanbeauftragten nicht um ihre Arbeit. Aber seit Frankfurt ist es ruhiger geworden im Club-Fanblock. Allerdings sollten wir nicht nach dem Sprichwort handeln: “Der Klügere gibt nach”! Denn dann werden wir von den Dummen regiert…

  • 17.11.2008 um 18:33
    Permalink

    hat nichts mit dem thema zu tun aber risse und reinartz kommen ab 1.1.09 für eineinhalb jahre aus leverkusen ablösefrei.

    meine meinung: talente aber nur damit gehts in liga zwei auch nicht…

  • 17.11.2008 um 19:41
    Permalink

    dann stelle ich mich der kritik: ja, für mich gehört so etwas zum fußball dazu. ich habe es gehört, als ich zum ersten mal im stadion war (“tod und hass dem XXX”), ich habe es seit anbeginn auf kutten lesen können…

    das wort “hass” ist eine metapher in der fußballsprache, dessen bedeutung man einfach nicht mehr steigern kann, um maximale ablehnung dem erzrivalen gegenüber zu dokumentieren. so haben das generationen von fußballvätern -und söhnen verstanden, so kann es -im rahmen des “erlaubten”- auch gerne bleiben. spinner und idioten wird es immer geben, auch wenn man jetzt das wort “hass” ab heute mit stadionverbot belegen würde.

    im übrigen muss ich leicht kritisieren, dass hier über aktive stadiongänger (die ba*ern mit dem banner bzw. deren kunden) von einem “fernsehfan” geurteilt wird (der aus letzterem ja auch gar keinen hehl macht. das ist ja auch nicht das ding). das finde ich fast schon ein klein wenig frech, auch wenns der “feind” ist ;-). nicht zuletzt, weil gerade die roten wissen, wie es ist zweiwöchentlich in fremden städten “gehasst” zu werden und sich auch von gut der hälfte der gästefans im heimischen stadion auslachen lassen muss.

    nix für ungut, aber meine meinung.

  • 17.11.2008 um 19:55
    Permalink

    Ui, als ich die Seite aufmachte, sah ich als erstes das Banner und war entsetzt, dass ihr hier solche Werbung zulasst. Aber kann mich ja wieder entspannt zurücklehnen.
    Und @stc: Ich bin aktive Stadiongängerin und teile meine Meinung mit Alexander. Und nu? Bin ich auch frech?

  • 17.11.2008 um 23:03
    Permalink

    Ich habe gerade das Interview von Martin Bader in Blickpunkt Sport gesehen. Und ich muss konstantieren: Es war sachlich und aufrichtig! Dazu muss ich mitteilen, dass ich kein Freund von MB bin. Aber ich habe dazu gelernt. Und da bin ich heute der Meinung, dass der Club auf dem richtigen Weg ist. Lt. Bader waren in Ingolstadt überwiegend deutsche Spieler eingesetzt. Und da bin ich seiner Meinung. Was nützt uns ein (ehemaliger)Europameister, wenn er für den Club nicht trifft. Und was nützt uns ein tunesischer Nationalspieler, wenn er in der 2. Liga seine Leistung nicht bringt. Und was nützt dem Club ein Argentinier, der seit Wochen unter Form spielt? Aber beim Pino bin ich nach wie vor der Überzeugung,
    dass er in der Innenverteidigung besser aufgehoben ist als der linke Verteidiger, wegen seines fehlenden Sprintvermögens. Aber das hat der Trainer zu entscheiden. Und weil ich nach wie vor vom MO nicht überzeugt bin, schließe ich meine Kritik als Clubfan. (Mir fehlen auch die Trainingsergebnisse). Und deshalb, bei aller Kritik meinerseits: Mal sehen gegen die Westvorstadt!

  • 17.11.2008 um 23:33
    Permalink

    Zitat stc :

    dann stelle ich mich der kritik: ja, für mich gehört so etwas zum fußball dazu. ich habe es gehört, als ich zum ersten mal im stadion war (“tod und hass dem XXX”), ich habe es seit anbeginn auf kutten lesen können…

    das wort “hass” ist eine metapher in der fußballsprache, dessen bedeutung man einfach nicht mehr steigern kann, um maximale ablehnung dem erzrivalen gegenüber zu dokumentieren. so haben das generationen von fußballvätern -und söhnen verstanden, so kann es -im rahmen des “erlaubten”- auch gerne bleiben. spinner und idioten wird es immer geben, auch wenn man jetzt das wort “hass” ab heute mit stadionverbot belegen würde.

    im übrigen muss ich leicht kritisieren, dass hier über aktive stadiongänger (die ba*ern mit dem banner bzw. deren kunden) von einem “fernsehfan” geurteilt wird (der aus letzterem ja auch gar keinen hehl macht. das ist ja auch nicht das ding). das finde ich fast schon ein klein wenig frech, auch wenns der “feind” ist ;-). nicht zuletzt, weil gerade die roten wissen, wie es ist zweiwöchentlich in fremden städten “gehasst” zu werden und sich auch von gut der hälfte der gästefans im heimischen stadion auslachen lassen muss.

    nix für ungut, aber meine meinung.

    Die differenzierte Auseinandersetzung mit der metaphorischen Bedeutung mit dem Begriff “Hass” fand ich absolut interessant und gibt mir insoweit eine neuen gedanklichen Aspekt. Dennoch: Am Ende muss man wohl auf die Dummheit einzelner abstellen, die sich hier motiviert fühlen und Metaphern für etwas zum Rauchen aus Hippie-Szene halten.

    Was die Kritik fast bisschen entwertet ist dann der Ausflug in den Klassenkampf Fernsehfan vs. (tapferer) Stadiongänger (an der Front quasi). Ich kann da locker sein, war selbst auch schon Dauerkarten-Besitzer und alle im Exil (ich in Frankfurt) werden ein Lied von singen können, wie es ist als Fan in der Fremde, aber sei es drum – es entwertet die Kritik, weil sie Äpfel mit Birnen am Ende zusammenwirft. Wenn es bedeutet, dass man als Stadiongänger Hass erlebt, dann frage ich mich nämlich, ob das nicht an einem selbst liegt. Ich war beim Abstiegsspiel des Club in der Schalker Kurve gestanden, ich seh mir in Frankfurt meinen FCN an – Hass habe ich keinen erlebt und wenn, dann versucht man ihn weiträumig zu umgehen, von den eigenen wie den Fans des sportlichen Gegners. Wer hier beginnt etwas zu legitmieren, spielt die Argumente den Falschen in die Karten. Meine Meinung.

  • 18.11.2008 um 12:16
    Permalink

    Die Sache mit dem Schal sollte man nicht zu hoch hängen. Das sage ich nicht etwa deshalb, weil ich – wie offenbar stc – der Meinung bin, dass “gesunder” Hass zum Fußball dazugehört, sondern deshalb, weil sich an menschlicher Dummheit – leider – wenig ändern lässt.

    Das “Hassen” des “Erzfeindes” ist für viele Fußballfans – und gerade auch für Club-Fans – ein Elixier, ohne das ihnen der Fußball keinen rechten Kick geben würde. Ich kenne viele Club-Fans, bei denen der Hass auf den FC Bayern München stärker ist als die Liebe zum 1. FC Nürnberg. Offen zutage tritt diese für mich nicht nachvollziehbare Haltung dann, wenn sie jubeln wie die Blöden, wenn Bochum, Rostock, Cottbus, Bielefeld oder wer auch immer gegen Bayern München gewinnt, während ich mich maßlos ärgere, weil dieses Ergebnis für den FCN fatale Wirkung haben könnte.

    Ich kenne auch Club-Fans, die nach dem Last-Minute-Abstieg im Jahr 1999 Trost darin fanden, dass am Mittwoch zuvor Bayern München gegen Manchester United in letzter Minute den Champions-League-Titel verpasste. Für mich völlig unverständlich so etwas – genau so unverständlich übrigens wie die von diesen mir bekannten Club-Fans vertretene Meinung, dass Fußball und Bier zusammengehören…

    Woher kommt dieser Hass auf Bayern München? Doch nur daher, dass man neidisch darauf ist, dass dieser Verein dauerhaft Erfolg hat. Den hat er sich aber erarbeitet. Den hat er sich auch verdient. Ende der sechziger Jahre hatte dieser Verein keine bessere Ausgangsposition als der 1. FC Nürnberg. Hätte sich der Club nach der Meisterschaft 1968 nicht so dämlich angestellt, sondern so “clever” wie der FC Bayern München nach deren Meisterschaft im Jahr 1969, wäre der Club auch heute noch eine große Nummer im deutschen Fußball. Einen anderen Verein zu hassen, weil er sich nicht so blöd anstellt wie der eigene, ist primitiv.

    Mir sind andere Vereine als der Club ziemlich egal, auch Bayern München. Ist es gut für den Club, wenn Bayern gewinnt, hoffe ich, dass Bayern gewinnt. Ist es schlecht für den Club, wenn Bayern gewinnt, hoffe ich, dass Bayern verliert (aber eine solche Tabellenkonstellation ist ja leider eine Fata Morgana). Wenn es – wie zurzeit – für den Club belanglos ist, wie Bayern spielt, möge der Bessere gewinnen. (Wobei ich mich durchaus auch dabei ertappe, dass ich Bayern bei Spielen in der Champions-League unterstütze. Ich habe mich bei Bayerns Last-Minute-Niederlage gegen Manchester geärgert.)

    So denke ich über diese Dinge.

  • 18.11.2008 um 12:43
    Permalink

    @belschanov … es ist schon mehr eine ganze Kollektion, aber das macht das Kraut ja auch nicht fett. Ne, ich verstehe durchaus, dass man den Begriff “Hass” erstens etwas anders empfindet und zweitens anders damit umgeht, wo die zwingenden gesellschaftlichen Grenzen sind, da sind wir uns wohl alle hier eh einig, ist ja meistens so, dass die, die sich den Kopf machen und darüber diskutieren sich woanders unterhalten als die, die nicht lange fackeln und denen Fussball am Ende nur die Plattform zum Ausleben ihrer Aggressionen dient. Anyway.

    Was den von dir angesprochenen “Hass” gegen München angeht, da will ich aber schon bisschen vorgreifen auf einen mehrfach “angedrohten” Artikel, den ich auch einmal sicher noch schreiben werde: Denn es ist ja nicht so, dass wir allein “zer bled” waren, der Erfolg des einen ist auch durchaus eine politische und moralische Angelegenheit, bei denen Dinge wie “Standortvorteil München” (zu Lasten Nürnbergs, und das über Jahrzehnte und das mit Konzept) und systhematisches Schwächen des Gegners abzielt. Aber das will ich mal im Zusammenhang zur Diskussion stellen. Dass hier ein gewisser Nährboden für vielleicht nicht “Hass”, aber doch tiefe Abneigung ist, hat wenig mit der eigenen Dämlichkeit zu tun als praktizierter Ungerechtigkeit auf höchster Ebene.

    Für heute zitiere ich einfach mal einen Artikel, der mir just heute in die Hände fiel:(Quelle: Seitenwahl; siehe Pressespiegel)

    Die Borussia verlor allmählich einige Spieler (Netzer, Bonhof, Simonsen), behielt aber ihren Stil bei bis in die 80er, als so etwas wie ein psychologischer Bruch geschah: Der meistversprechende Spieler, Lothar Matthäus, ging zum Feind, den Bayern aus München. Die Borussia sollte ihr Haupt nicht wieder heben. Und die Bayern stellten fest, dass es ihnen reichte, ihre Rivalen systematisch zu zerlegen um eine bequeme Hegemonie zu errichten.

    In Richtung Gretl: Mönchengladbach auf der To Do-Liste auch damit abgehakt.

  • 18.11.2008 um 13:27
    Permalink

    @alexander: war ja klar, dass das kommt :-).dabei habe ich doch recht deutlich darauf hingewiesen, dass es nicht um guter stadiongänger / böser premieregucker geht!!! ich sprach davon, dass man mit der gewissen distanz, die eine mehrheitliche spielverfolgung am tv-gerät mit sich bringt, nicht wirklich den den alltag eines “allesfahrers” beurteilen kann. ich kann das deshalb so sagen, weil mir zwischen 97 – 02 leider berufs -und wohnortbedingt nur das radio am samstag bzw. sonntag blieb, um mich zu informieren. als ich dann wieder mehr als 8-10 spiele pro saison sehen konnte, habe ich gemerkt, dass sich viele dinge geändert haben.

    was es heißt, als aktiver ba*ernfan auswärts zu fahren (bzw. jede zweite wochenende aufs neue mit inbrunst “gehasst” zu werden), mag man sich nicht mal als allesfahrer eines anderen vereins vorstellen können. die exponierte sonderstellung des fcb -woher sie auch immer kommen mag, ist dem seit nunmehr drei jahrzehnten durchaus zuträglich.

    am ende bleibt mir nur nochmals zu sagen, dass “hass” beim fußball für mich als synonym dafür steht, dem gegner die allertiefste abneigung zu demonstrieren. ich selbst gebrauche dieses wort im übrigen extrem selten (eigentlich überhaupt nicht), finde es im zusammenhang mit rivalisierenden fangruppen aber auch nicht wirklich schlimm.

  • 18.11.2008 um 14:12
    Permalink

    @belschanov: Siehste, auch da unterscheiden wir uns riesig: Ich hab damals gejubelt, als Manchester die Bayern abschoss. Und ich freue mich heute noch, wenn sie verlieren. Hassen tue ich sie deswegen aber nicht. Und neidisch bin ich auch ned. Auf was auch???
    Wieso allerdings eine Niederlage, wie von dir erwähnt,schlecht für den Club sein soll, erschliesst sich mir gar nicht. Magst mir das erklären?

    @Alexander: Die Vereine werden immer besser 😛

  • 18.11.2008 um 14:13
    Permalink

    Ach ja..:Eine Niederlage der Bayern natürlich @belschanov

  • 18.11.2008 um 14:36
    Permalink

    @Alexander

    Natürlich gefällt es mir auch nicht, dass finanzkräftige Vereine andere Vereine schwächen, indem sie ihnen die besten Spieler wegkaufen. Dass – um bei dem von Dir angeführten Beispiel zu bleiben – Matthäus von Gladbach nach München ging, wird gemeinhin den Bayern als “Schuld” in die Schuhe geschoben. Auf den Gedanken, dass die “Schuld” eigentlich beim Spieler, der sich kaufen ließ, liegt, kommen nur wenige. Niemand hat Matthäus gezwungen zu Bayern zu gehen. Er folgte halt dem Lockruf des Geldes. Er war halt im Herzen kein Borusse.

    Natürlich ist das, was ich sage, naiv. Wäre ich Matthäus gewesen, hätte ich möglicherweise genauso gehandelt. Und genau deshalb beklage ich mich nicht lange darüber, dass Profifußball etwas ist, worüber man sich durchaus beklagen kann: ein – z.T. unmoralisches, korruptes – Geschäft. Denn: Dass dieses “unmoralische” Geschäft funktioniert, setzt korrumpierbare Spieler voraus.

    Spieler, die nicht korrumpierbar sind, gibt es mittlereile kaum noch. Vielleicht gibt es überhaupt keine mehr.

    Früher gab es solche Spieler noch. Bei der SpVgg Bayreuth (dem Verein meiner Heimatstadt) spielte in den 60er- und 70er-Jahren ein Spieler namens Manfred Größler. Der war als Rechtsaußen bestimmt nicht schlechter als ein Grabowski oder Littbarski. Aber er ist immer bei der SpVgg in der 2. Liga geblieben, obwohl sich mehrere Bundesligisten (auch Bayern München) intensiv um ihn bemühten.

    Aber das nur am Rande.

  • 18.11.2008 um 14:49
    Permalink

    @belschanov … das ganze Thema, das da angeschnitten wird, ist hochgradig emotional belastet, wenn man da mal loslegt, und genau deshalb auch so wahnsinnig interessant: da geht es nämlich ans Eingemachte. Zum ersten Thema: Bayern. Es ist die eine Frage, ob man sich bemüht die besten zu sich zu holen, oder ob es das Konzept ist, nicht unbedingt die besten zu holen, sondern die, die aus Abwägung von Kolleteralschaden und eigener Vorteil die maximale Wirkung haben. Und auch wenn ich einem Artikel damit vorgreife und mich dann wiederholen werde: Die Batzis haben über Jahrzehnte für mich diese Praxis kultiviert. Es ging nicht um den besten für die Position, denn sonst hätten sie lange Jahre auch mal die internationale Konkurrenz in England oder Italien auf ihren Einkaufszügen bedenken müssen, es ging darum die Ligakonkurrenten hinter sich zu halten. Dass die Münchner heute versuchen mit Ribery und Toni es anders zu machen, ist etwas anderes und überhaupt erst möglich auf dem Geschehenen, dass sie heute jammern, der internationalen Konkurrenz hinterher zu sein, entlockt mir aber nicht nur ein Hüsteln sondern fast einen asthmatischen Anfall. Wenn ich mich nur darauf beschränke die eigene Liga klein zu halten und eben knapp aber ausreichend entfernt hier zu dominieren, dann brauche ich mich nicht wundern wenn die Liga a) im internationalen Vergleich absackt und man b) selbst gleich dazu. Aber da könnte man noch viel mehr dazu sagen …

    Und zum Ehrenkodex von Spielern: Nicht nur wegen des Geldes! Wer will es ihnen denn verdenken?! Wenn ein Galasek – als jüngstes Beispiel – tränennahe am Trikot eines Fans bekennt: diesen Karren ziehe ich mit aus dem Dreck und dann abserviert wird, fehlen dir als Spieler auch die Visionen, dass deine Treue auch Gegenliebe finden wird. Sieh dir Mintal oder Pinola an (letzteres weiß man aber nicht so genau, was wirklich war): Gestern als Helden geliebt und ewige Treue geschworen, heute fordern nach paar mittleren Leistungen die Fans die Suspendierung und Austausch gegen namenlose Nachwuchskicker. Wer will es einem Spieler heute verdenken, wenn man auch als Spieler nicht mehr an die große Liebe glaubt, bei der man von der Jugend bis zum Altenteil bleiben darf?

  • 18.11.2008 um 14:59
    Permalink

    Zitat Gretl :

    Ach ja..:Eine Niederlage der Bayern natürlich @belschanov

    Na ist doch logisch, da gibt es sogar ein gutes Beispiel: Als letzte Saison Cottbus gegen die Bazis gewonnen hat, war das psychologisch so wertvoll, dass sie am Ende wieder siegen konnten und den Klassenerhalt schafften, obwohl sie eigentlich schon abgeschrieben waren. Wer statt dessen abgestiegen ist, wissen wir ja nur zu gut….
    Über diese Niederlage der Bazis habe ich mich damals maßlos geärgert; irgendwie habe ich das Unheil wohl kommen sehen….

  • 18.11.2008 um 15:11
    Permalink

    @Optimist.. Ich möchte nur von belschanov wissen, ob er DAS damit meint..also die Vergangenheit..
    Nur, dass da keine Missverständnisse aufkommen 😉

  • 18.11.2008 um 15:13
    Permalink

    Nachvollziehbar und richtig sind die Beiträge von belschanov und Alexander. Aber wie schon erwähnt: Geld verdirbt den Charakter. Und für uns Außenstehende sind Internas tabu. Vielleicht mal ein “Aufhänger” in der Presse, wenn ein “korrupter” Spieler oder Trainer und/ oder Vereinsboss mal was rauslässt. Von den Worten wie Vereinstreue, Ehre für einen Verein spielen zu dürfen, usw. habe ich mich schon lange verabschiedet. Es geht nur noch um die Kohle. Und dafür rennt ein junger Spieler um die Wette mit einem “Gestandenen”. Und das ist die heutige Philosophie in den Vereinen. Ältere Spieler werdcen verkauft und durch junge ersetzt. Außerdem spart man so ganz nebenbei auch noch ein paar “Kröten”.So habe ich M. Bader am Montagabend im Blickpunkt Sport verstanden. O-Ton: “Mit den deutschen jungen Spielern können wir uns ein paar Jahre in der 2. Liga halten. Unser Ziel ist aber nach wie vor der Aufstieg”. Mit anderen Worten: Erreicht man nicht das Klassenziel, dann wird halt noch eine “Ehrenrunde” gedeht.

  • 18.11.2008 um 15:59
    Permalink

    @Gretl

    Ich meine damit z.B. den Sieg von Cottbus gegen Bayern in der letzten Saison (ganz wie Optimist es sagte). Es gibt dafür aber noch mehr Beispiele in der Vergangenheit.

    Übrigens: Neidisch bin ich schon. Nicht nur auf die Bayern, sondern auf jeden Verein, der es fertig bringt, dauerhaft in der Bundesliga zu spielen. Es muss das Ziel des FCN sein, zu diesen Vereinen zu gehören. So sehe ich das. Du weißt ja: Ich bin ein “Erfolgsfan”.

    @Alexander

    Es ging mir nur darum, zu bedenken zu geben, dass man es sich etwas zu leicht macht, wenn man sagt: die Bayern sind die “Bösen”. Ich glaube, dass man gegen diese Einstellung zu Recht Einwände erheben kann.

    Andererseits gibt es sicher Gründe dafür, dass diese Einstellung (nicht nur bei Club-Fans) weit verbreitet ist. Und zwar Gründe, die jenseits des “Hasses” liegen. Damit hast Du Recht.

    Ich denke, so können wir verbleiben. Bin gespannt auf deinen Artikel.

    Was mich an Pino und Mintal geärgert hat, ist, dass zu Beginn der Saison plötzlich nicht mehr klar war, ob sie auch wirklich beim Club bleiben. Das habe ich damals auch hier geschrieben…

    Übrigens bin ich nicht dafür, dass die beiden rausgeschmissen werden. Ich denke, WIR haben mit den beiden noch einiges vor…

  • 18.11.2008 um 16:41
    Permalink

    Oh Gott, zu dem Thema gäbe es viel zu sagen. Was mir allerdings primär aufstößt ist die inflationäre Verwendung des Begriffs “korrumpierbar” für Spieler. Damit ist jegliche Trennschärfe verloren gegangen. Wenn ein Spieler heute mit Tränen in den Augen Treue schwört, morgen aber geht, weil er schon seit vorgestern mit anderen Vereinen verhandelt hat, dann frage ich mich auch, was das soll. Verarschen kann ich mich auch alleine. Aber ich muss mir allerdings selbst auch antworten, dass das ein derartiges Verhalten die Kehrseite der Medaille einer gewissen Mentalität bei den Fans ist, die Hans Meyer perfekt beschrieben hat mit seinem Zitat: Im Fußball errichtet man schnell ein Denkmal und genauso schnell pinkelt man es wieder an. Leute, die keine Sekunde mit einem Arbeitsplatzwechsel zögern würden, böte man ihnen in einer anderen Firma einen deutlich besser dotierten Job an, fordern von Spielern einseitige ewige Treue zum Arbeitgeber. Die man dann als Fan mit dem Entzug der Zuneigung allerdings jederzeit einseitig aufkündigen kann – damit meine ich ausdrücklich nicht (!), dass man die so genannten Publikumslieblinge nicht kritisieren kann oder sollte, aber der Ton macht halt die Musik.

    Fakt ist: die Zeit eines Fritz Walter ist vorbei. Deren Kehrseite im übrigen war, dass ein untadeliger Mensch und Profi wie Bert Trautmann, den man heute mit Orden behängt, niemals deutscher Nationalspieler werden durfte, weil man damals keine vaterlandslosen Ges., ääh Auslandsprofis berief. Eine im heutigen Licht – vor allem, wenn man Trautmanns Schicksal kennt – beispiellose Lächerlichkeit. Aber Ausfluss einer Doktrin der elf vaterländischen Freunde, die schon in den Amateurklassen nicht mehr stimmt.

    Einem Profi bleiben vielleicht zehn Jahre, Verletzungspech nicht eingerechnet, um soviel zu verdienen, dass er danach vielleicht als Sportinvalide und mit (Aus-)Bildungsdefiziten mit genug in der Hinterhand in aller Ruhe was aufbauen kann – und nicht jeder Profi ist Millionenverdiener! Ich möchte halt nur diejenigen unter den Großkritikern, die heute das hohe Lied der Treue singen, selbst mal vor die Wahl gestellt sehen: nach der Karriere genug Kohle, um zu machen was du willst oder die Lotto-Toto-Annahmestelle in Hintertupfing. Mit nachlassender Einnahmequelle Tabakverkauf.

    Ich bekenne jedenfalls öffentlich, dass ich, wenn ich jemals die Chance gehabt hätte, den Weg Klinsmanns bestrebt zu gehen gewesen wäre: als junger Mensch viele Sprachen lernen, sich unsere Heimat Europa nicht als Urlauber sondern als Einwohner des jeweiligen Landes betrachten und so den eigenen Horizont erweitern und überall in einem interessanten Beruf Leistung bringen, auf die die Fans und die Arbeitgeber Anspruch haben. Aber auf nicht viel mehr. Mit meiner Eintrittskarte gehe ich in ein Stadion, nicht ins Colosseum.

    Das heißt: nicht immer nur das Loblied des Treuen im Vereine singen und selbst fünfmal den Arbeitgeber wechseln. Bei jeweils verbesserten Bezügen natürlich. Und aus dem Treuen wird nämlich auch ganz schnell mal der ob seiner Treue Belächelte, das Blödala, das halt nie was aus sich und seinem Talent gemacht hat. Unbequem, aber auch das ist eine Facette der Wahrheit. Oder hätte ein Nowitzki ewig in Deutschland rumkörbeln sollen?

    Ich möchte außerdem einen alten Artikel Alexanders aus dem Gedächtnis zitieren: eine Beziehung zu einem Verein ist etwas, was über Jahre hinweg wachsen muss. Insofern kann es per definitionem nicht der Normalfall sein. Der Normalfall ist ein Arbeitsverhältnis. Etwas emotionaler vielleicht als anderswo. Aber ein Arbeitsverhältnis. Das ist die Wahrheit wie ich sie sehe, ob gut oder schlecht sei dahingestellt, so ist es einfach. Auch wenn uns die Medien, die ja nur dann ihre überteuerten TV-Abos verkaufen können, auch wenn uns die ganze Merchandising-Industrie die Emotionen ständig hochkochen, denn nur dadurch steigt die Chance auf einen nicht mehr so genau bewachten Fan-Geldbeutel. Dann kann man im “Sommermärchen” sogar eine Fußballfachfrau par excellence wie diese Kuttner rumschicken, die jegliche ehrliche Geste des Trostes und der Trauer übers Ausscheiden zu Talmi entwertet. Ob man dieses üble Gebräu auch trinkt, sich zum Deppen macht und öffentlich einen Musterprofi wie Koller auspfeift, damit das Fernsehen was zu senden hat, irgendwie damit zum Stadionstimmungstanzbären für diejenigen wird, die sich bei teurer Sprudelbrause hinter Glas darob herrlich amüsieren und ein wenig gruseln können, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich weiß jedenfalls, wie ich zum Club stehe und das kann mir niemand nehmen. Auch nicht Kuttner und ihre Talmi-Industrie.

    Die Bayern sind mir im Moment herzlich egal, die sind in Liga 1, der Club in der 2. Als Franke und Nichtnürnberger habe ich zudem noch Platz im Herzen für alle fränkischen Teams, denen ich allen Erfolg und den baldigen Aufstieg in die BuLi wünsche, auf dass den Club dort manches echte Derby erwarte.

    Last but not least: Leverkusener Fans sollen, so stand zu lesen, zum Tode Charly Neumanns auf einem Transparent bemerkt haben: Es ist nicht wichtig, welchen Verein man geliebt hat, es ist wichtig, wie sehr man den Fußball geliebt hat.

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • 18.11.2008 um 17:10
    Permalink

    @Hörnla

    Falls die Kritik bezüglich der Verwendung des Wortes “korrumpierbar” auch auf mich gemünzt ist, räume ich gerne ein, dass dieses Wort vielleicht etwas überzogen ist. Ich meinte damit eigentlich nur “dem Lockruf des Geldes folgend”. Ansonsten liegen wir ja, wenn ich deine Ausführungen richtig verstanden habe, in unserer Haltung gar nicht so weit auseinander.

    Du schreibst: “Als Franke und Nichtnürnberger habe ich zudem noch Platz im Herzen für alle fränkischen Teams, denen ich allen Erfolg und den baldigen Aufstieg in die BuLi wünsche…”

    Mann, hast Du ein großes Herz!

  • 18.11.2008 um 17:33
    Permalink

    Allmächt, ich hab mich fei auch scho (mehr als) amol als “Bayernhasser” ge-outet! Woa des väwerflich?

    Zu meiner Entschuldigung möcht ich sagen, dass ich dies nicht hasserfüllt hinausposaunt hab, sondern eher einen humorigen Tonfall wählte. Macht nicht der Ton die Musik? Ist A-Moll gleich C-Moll?

    Moralisch-ethisch hab ich keinen Diskussionsbedarf, der ist in meinem Fall bereits beruflich ausreichend gestillt.

    Mir fällt aber noch ein Bonmot von Bundestrainer a.D. Hans-Hubert Vogts ein:

    “Hass gehört nicht ins Stadion. Die Leute sollen ihre Emotionen zu Hause in den Wohnzimmern mit ihren Frauen ausleben.”

    Dem Nachsatz schließe ich mich ausdrücklich nicht an, bevor hier einer glaubt, ich würde … Sorry, ist Privatsache!

  • 18.11.2008 um 17:36
    Permalink

    @belschanov
    Nö, nur ein gutes Gedächtnis 😉 : dereinst war ein “Derby” naturalmente das Spiel gegen die Bayern – und das irgendwie auch auf Augenhöhe, na ja, wir haben von unten geguckt, aber doch ab und an gewonnen.

    Nun ist ein Derby also ein Spiel gegen Ingolstadt. Nix gegen die, aber dass wir da bei bwin eine Quote von 6 (Sechs!!) kriegen, wenn wir auf Club-Sieg setzen – weit ist es gekommen.

    Ansonsten denke ich tatsächlich gerne an die fränkischen Traditionsclubs vor meiner Zeit, die, wenn man historischen Aufzeichnungen glauben darf, dereinst zumindest gar nicht mal so unzahlreich in die 2. BuLi vorstießen. Heute alle pleite oder unter ferner liefen. Na ja, tempi passati. Weil wir Franken uns auch immer selber zerfleischen und in einer romantisierten Vergangenheit leben anstatt die Zeichen der Zeit zu erkennen und – in Grenzen einig – mal in der Gegenwart ne größere Rolle zu spielen… Aber das ist zwar historisch untermauert, aber zu sehr OT. 😉

  • 19.11.2008 um 15:04
    Permalink

    Zitat belschanov | Clubfans United :
    <blockquote cite=”http://www.clubfans-united.de/2008/11/17/abneigung-will-auch-gepflegt-sein/#comment-27183Du schreibst: “Als Franke und Nichtnürnberger habe ich zudem noch Platz im Herzen für alle fränkischen Teams, denen ich allen Erfolg und den baldigen Aufstieg in die BuLi wünsche…”

    Mann, hast Du ein großes Herz!

    Naja, eigentlich ist es ja schon besser, mit der Westvorstadt in der gleichen Liga zu spielen. Wie sonst bekäme man gegen einen Verein des Kalibers “Bielefeld” oder “Karlsruhe” ein ausverkauftes Haus… 😉
    Daher gönne ich unseren grünweißen Nachbarn durchaus auch den Aufstieg (solange er mit uns gemeinsam stattfindet)

Kommentare sind geschlossen.