Mainzer Ansichten

Mainz 05-Manager Christian Heidel in der Rhein Zeitung über die 2. Liga, die Wechsel im Winter, die Aufstiegskandidaten und auch über unseren Club. Ein interessanter Blick von außen, den ich euch nicht vorenthalten will:

Manager Heidel: „Geschlossenheit der Liga ist unser Glück“

[…] Auch beim 1. FC Nürnberg, der sich mit dem klaren Heimsieg gegen die Pfälzer am Montag in den Kreis der Aufstiegsanwärter gehievt hat, tat sich einiges.

„Die Neuzugänge sind alles Spieler unter 20 Jahren oder von Amateurmannschaften. Das sind gute Leute, aber die Nürnberger haben auch eine Reihe prominenter Namen abgegeben.“ Breska, Engelhardt, Charisteas, Masmanidis – erfahrene und teure Profis, die offenbar aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr ins System passten. „Ich vermute, die haben aus finanziellen Gründen so gehandelt, sonst wäre das nicht nachvollziehbar“, sagt Heidel. Der Mainzer Manager wertet die Aktion weniger als ein Zeichen hin zur Jugend aus, sondern als Konsolidierung: Topverdiener raus – junge, hungrige Leute rein – Personalkosten reduziert.

„Die Transfers der Konkurrenz beunruhigen mich nicht“, behauptet Heidel. „Große Überraschungen sind ausgeblieben.“ Welche Auswirkungen das Wechselspiel auf den Kampf um den Bundesligaaufstieg hat? „Ich erwarte nicht, dass in der Rückrunde ein Verein eine andere Rolle spielt als bisher. Dass die Nürnberger dazugekommen sind, war klar. Mit denen musste man rechnen, denn das ist immer noch eine Mannschaft auf Bundesliganiveau, die bisher unter Wert gespielt und sich jetzt an die Liga gewöhnt hat.“ […]

Als Clubberer sieht man alles natürlich etwas emotionaler, als nüchterner Beobachter und Konkurrent darf man aber einen rationaleren Blick haben. Und ich denke, die Ansicht Heidels ist absolut so vertretbar, insbesondere was die Zu- und Abgänge angeht. Denn emotional betrachtet mag man Breska, Engelhardt, Charisteas und Masmanidis wenig nachtrauern, aber rational und fachlich beurteilt ist das ein Substanzverlust. Dass die Spieler ihr Potenzial nicht abrufen konnten, steht auf einem anderen Blatt.

Dass der Club nun vielleicht einen attraktiveren und erfolgreicheren Fußball als vorher spielt hat sicher mehr Ursachen als die Zu- und Abgänge, denn auch einen Engelhardt bspw. hatte ich mir auf der „6“ (in einer funktionierenden Mannschaft) sehr gut vorstellen können. Dass wir überhaupt trotz dieser Abgänge weiter die Substanz haben oben mitzuspielen, ist der hervorragenden Basis an Spielermaterial geschuldet, die immer noch im Kader steckt. Man darf sich da nur mal vergegenwärtigen, dass ein Daniel Gygax bis vor kurzem noch schweizer Nationalspieler war und aktuell mit dem Reservisten-Dasein auskommen muss…

20 Gedanken zu „Mainzer Ansichten

  • Klar spart allein das Harry Gehalt eine Menge Geld, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es finanziell so notwendig war wie von heidel dargestellt. Ausnahmsweise stehen wir doch mal finanziell ganz gut da.

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  • Ich finde nicht, dass Heidel das dramatisiert, im Gegenteil. Er sagt im Grunde nur: Freiwillig gibt man Leute mit der Qualität ja nicht ab, es sei denn man will sich konsolidieren. Eine Entscheidung pro Vernunft, nicht unbedingt weil es schon brennt, sondern eben auch perspektivisch nicht brennen soll – bspw. wenn der erhoffte Aufstieg nicht klappt.

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  • Ja, dramatisiert klingt auch härter als von mir beabsichtigt. Natürlich gibt man Qualität nicht einfach weg – aber es war ja nicht einfach so. Auch wenn z.B. ich die Qualität eines Charisteas wesentlich höher einschätze als wohl das Gro der Stadionbesucher – und ich ihn nicht abgegeben hätte, wurden im Prinzip nur Bankdrücker abgegeben weil sie bei uns keine richtige Qualität beweisen konnten. Sicher spielt da das Geld auch eine große Rolle, gerade auch bei Harry, aber insgesamt glaube ich eher, dass da zwei positive Effekte zusammenkamen. Bei Heidel hört es sich so an als hätten wir Geldnot, also akut. Aber dem ist nun wirklich nicht so. Auch wenn die Jungbrunnen Kur der Mannschaft sicherlich neben der Perspektive (sportlich) auch eine finanzielle Absicherung darstellt.

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  • …außerdem gebe ich doch lieber jetzt teure Bankdrücker ab, als am Jahresende die Leistungsträger, sollte der Aufstieg misslingen. So bleibt vielleicht die Option, die wirklich wichtigen Spieler noch ein Jahr länger zu halten!

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  • Also ich kann dem Mainzer-Manager ganz und gar nicht zustimmen. Wir haben zwar Spieler mit „großen“ Namen verkauft, aber man muss auch mal sehen was diese Typen im letzten Jahr geleistet haben. Harry nur ein Tor, Engelhardt ist bereits seit der letzten Bundesligasaison ein Schatten seiner selbst, Masmanidis war der Witz in Dosen, Pagenburg wollten die 60er auch nicht mehr haben und die Sache mit Breska war wohl auch ein schlechter Witz. Wo soll da bitte Qualität sein?!

    Und das finanzielle Argument zieht bei mir irgendwie auch nicht.

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  • sehe ich ähnlich wie der stefan. von den 4 abgegebenen leuten hat kein einziger mit nachdruck bewiesen dass er uns weiterhelfen kann. dass harry oder engel prinzipiell keine schlechten sind gebe ich zu – und wären sie beide 20 und würden 200000 pro saison verdienen wäre es etwas anderes, aber solche edelreservisten (paßt hier hervorragend finde ich) kann und will man sich auf dauer natürlich nicht leisten

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  • Also, wenn wir in paar Jahren wieder mal aus der 1. Liga absteigen, dann werden wir den Schnitt gleich machen müssen. Mit den Spielern, mit den es runter ging wird es nicht mehr rauf gehen (glaube ich). Das hat wohl irgendwie mit Motivation zu tun. Also war es aus meiner Sicht richtig, hier im großen Stile auszusortieren. Ob sie gut sind oder nicht ist eine andere Frage – ob sie denn noch wollen darauf kommt es (vielleicht) an.

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  • Wolferl: Also, wenn wir in paar Jahren wieder mal aus der 1. Liga absteigen

    nanana… Das wird niiieee wieder passieren! 😉
    lasst uns erst mal aufsteigen, dann sehn wir weiter!

    Aber das ist schon richtig: die Qualität der abgegebenen Spieler beschränkte sich derzeit hauptsächlich auf den klangvollen Namen. Es war daher nicht zu erwarten, dass sie uns im Projekt Aufstieg derzeit entscheidend weiterhelfen. Hier eine finanzielle Not zu unterstellen, zeugt von Unkenntnis der Situation, wenngleich die Trennung natürlich eine willkommene finanzielle Entlastung bedeutet.

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  • @ Wolferl:

    von diesem „Schnitt“ gehören aber nur 2 zur Abstiegsmannschaft. Breska und Masma waren ja neu…
    Und bei Harry und Engelhardt hatte man am Ende der letzten Saison schon den Eindruck, dass sie wollen, sonst hätte man sie ja nicht verlängert. Sie gehörten eigentlich zu den engagiertesten.
    Ich glaube, dieser Schnitt war zu Saisonbeginn noch nicht abzusehen.

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  • Lässt sich ja alles hören, finde ich, und am Ende war es ja auch so. Aber ganz nüchtern betrachtet muss man doch schon eine verfehlte Transferpolitik oder eben Personalpolitik auch (mindestens aus wirtschaftlichen Gründen) eingestehen.

    Gerade vor dem Hintergrund, dass Masma und Breska gerade erst kamen und nun wieder händeringend nach einem Abnehmer gesucht wurde, und dass so genannte Korsettstangen des Teams, an denen man die neue Mannschaft ja aufbauen wollte, am Ende fast feilgeboten wurden (zumindest Harry), muss doch eine kritische Selbstreflexion auslösen und auch mal kritische Töne akzeptieren.

    Es hilft auch nicht TvH das anzulasten, denn TvH war auch Teil des Personals, dann war eben das auch ein Teil verfehlter Personalpolitik und insoweit ein Fehler, Spieler zu halten für teures Gehalt oder zu verpflichten, die am Ende nach nur einem halben Jahr schon wieder aussortiert werden. Und ein Gygax bspw. sitzt ja auch noch auf der Bank… von einem Mitreski (wer?) reden wir gar nicht.

    So positiv die Transferbilanz Baders ist (ist sie!!), diese Transfers darf man durchaus als eine Art „Abschreibung“ werten. Aber wo gehobelt wird, fallen Späne und passieren Fehler. Daher finde ich es keine Blasphemie, wenn man diese auch mal sachlich akzeptiert.

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  • Alexander | Clubfans United: Aber wo gehobelt wird, fallen Späne und passieren Fehler. Daher finde ich es keine Blasphemie, wenn man diese auch mal sachlich akzeptiert.

    Vor allem finde ich die „Fehlerquote“ von MB immer noch besser, als bei den meisten anderen Managern. Wo bitte gibt es einen Manager, der ausnahmslos Volltreffer verpflichtet hat? Eine Fehlerqute von rund 50% ist doch durchaus normal

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  • Alexander | Clubfans United:
    So positiv die Transferbilanz Baders ist (ist sie!!), diese Transfers darf man durchaus als eine Art “Abschreibung” werten. Aber wo gehobelt wird, fallen Späne und passieren Fehler. Daher finde ich es keine Blasphemie, wenn man diese auch mal sachlich akzeptiert.

    Akzeptiere ich ja auch. Dennoch finde ich das was der Mainzer Manger da ablässt viel zu überzogen und nicht der eigentlichen Wahrheit entsprechend.

    Die Fehler mit den Transfers wurden im Sommer gemacht, jetzt hat man das eben wieder gerade gebügelt. Ich weine den verkauften Söldnern keine Träne nach, eher im Gegenteil.

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  • Na klappern gehört zum Handwerk. Wär ja auch komisch wenn der Herr Heidel andere Konkurrenten über den grünen Klee loben würde.

    Und unsere Transferfehlerquote ist im Rahmen, da stimme ich zu. Wär aber dennoch schön wenn irgendwann mal wieder ein Name kommen würde – und der dann auch tatsächlich was bringt! Außerdem bleibt zu hoffen, dass wir mit unserem Kinderriegel nicht nach ein oder zwei guten Saisons wieder keinen halten können weil das Geld den fähigen Nachwuchskräften winkt (um dann gut bezahlt bei einem der besseren Bundesligaclubs auf der Bank zu versauern).

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  • Eben, eben. Egal ob beim Fußball, im normalen Leben oder im Beruf: Es ist einfach nicht leicht den oder die „RICHTIGEN“ zu finden. Manche schaffens nie…vgl. Scheidungsrate. Andere haben dicke Geldbörsen und haben Glück beim Transfer eines Weltklassemanns, langen aber auch oft daneben bei Transfers von jungen Nachwuchstalenten (Baumjohann hat nix gelernt). Die nächsten verpflichten viele teilw. von anderen Vereinen abgeschriebene Nobodys und werden Herbstmeister.
    Unser Lieblinssport ist halt sehr erfolgorientiert und wird irgendwie immer schnelllebiger: Ein dominierender Spieler für eine Saison taucht in der darauffolgenden ab und wird vielleicht nie mehr so gut, wie er mal war (Gekas). Manche setzen sich nirgendwo richtig durch, aber haben lichte Momente (Harry).
    Ich finde der Bader macht einen super Job. Ich stelle mir das so vor:
    Trainer sagt: „Ich brauche einen Linksverteidiger“; Manager checkt den Markt und meint: „Den, den oder die da“; Trainer meint: „Lass den und den mal kommen“; Manager: „Der ist zu teuer, probier den“ usw.ff. letztendlich wird wohl der Trainer den Einkauf bestimmen, natürlich an den wirtschaftlichen Vorgaben des Managers
    Was meint Ihr, liege ich mit meiner Einschätzung richtig?

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  • Ich mache hier summa summarum zwei Grundpositionen aus, die sich in meinen Augen aber überhaupt nicht ausschließen. Denn die wirtschaftliche Seite ist von der sportlichen bei einem „Verein“, der im Kern ein mittelständisches Unternehmen ist mit allem, was dazugehört – d. i. Angestellten, Bilanz, materiellen und immateriellen Vermögenswerten usw. -, nicht zu trennen, vielmehr eng damit verbunden.

    Es war durchaus eine ökonomisch begründbare Strategie, Spieler für teures Geld zu halten, um damit nicht eventuelle Transfererlöse kaputt zu machen. Dass diese dann ihren Wert nicht nur nicht steigern, sondern nicht einmal halten konnten, ja dass für sie, in Zeiten der Wirtschaftskrise, in denen kein Verein mehr Geld wie Heu zum Ausgeben hat, plötzlich kaum mehr ein Markt bestand, steht auf einem anderen Blatt und war so vorher eher nicht voraussehbar (man frage mal unsere Kapitäne der (Finanz-)Wirtschaft). Hätten diese Spieler im Verein mit den neu eingekauften „Erfahrenen“ die Erwartungen erfüllt, wäre nicht nur deren Marktwert intakt geblieben (also damit die Investition des Vereins geschützt), sondern der Club wäre bereits deutlich auf Kurs Aufstieg, was wiederum die ökonomischen Härten der Zweiten Liga milderte und ein Jahr der roten Zahlen verkraftbar erscheinen ließe. Sportlich fand diese Strategie ihre Bestätigung in diversen Expertentipps, in denen der Club ja genugsam über den grünen Klee gelobt wurde – vor der Saison.

    Dass teure, als Garanten des Aufstiegs gehandelte Spieler offenbar die Erwartungen, warum auch immer, nicht erfüllten, hatte nun auch ökonomische Auswirkungen, die eine Strategieänderung erzwangen. Sportlich personell ist deren Notwendigkeit sowieso evident, aber das geht eben auch einher mit der wirtschaftlichen Seite. Spieler, die es nicht (mehr) bringen, verlieren an Marktwert, das heißt, als Unternehmen müsste ich eigentlich meine Vermögenswerte abschreiben und eventuell Verluste ausweisen. Zugleich rückte damit der angepeilte Aufstieg in riskant weite Ferne, was es wiederum nicht mehr ermöglicht, teure, über Zweitliganiveau liegende Gehälter kaufmännisch redlich zu rechtfertigen. Wobei ich, ganz am Rande, nicht glaube, dass der Club wirtschaftlich so viel Winterspeck angesetzt hat (wovon denn?), dass er sich laufende Kosten in unverantwortlicher, weil weder sportlich noch wirtschaftlich mehr gerechtfertigter Höhe allzu lange leisten kann. Auch wenn er – für seine Verhältnisse!! – und wenn man dem Veröffentlichten glauben darf (!! die Vergangenheit hat mich gelehrt, dass man das eher selten durfte) gut dasteht. Außerdem: wo soll da der Nutzen sein? Denn, was keiner erwarten konnte, man hat ja plötzlich (mehr als nur) Alternativen. Dass Leute so einschlagen, die man eigentlich für die Amateure eingekauft hat – sicherlich Glück der, seien wir hier ruhig mal generös, Tüchtigen im Verein. Wie nachhaltig dieser Erfolg ist, wird sich weisen und das weiß man in dieser zweiten Liga und bei solch jungen und bis dato unbekannten Spielern nie. Insofern ist es nur konsequent, den Verein von laufenden Kosten zu befreien, so es geht, wenn die sportliche Situation eine solche ist, dass, will man das Aufstiegsziel nicht vorschnell abschreiben, nicht mit dem Einsatz mancher Spieler zu rechnen ist, womit es kaum Möglichkeiten gibt, deren Marktwert eventuell zu steigern. Ein in Bezug auf das Gehalt billigerer Kader allerdings verringert zugleich das ökonomische Risiko eines weiteren Zweitligajahres für den Verein, in dem dieser, so ist wohl zu vermuten, keinesfalls nochmals Erstligagehälter zahlen könnte und deshalb besser verdienende Akteure sowieso verlöre.

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  • schön und gut. heidel hat recht mit seinen behauptungen. aber: sportlich haben wir uns mit sicherheit nicht verschlechtert. und nur dies zählt. wir stehen nun sogar besser da. siehe rechte abwehrseite…diekmeier

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  • Die Analysen von Woschsubbm und Hörnla bringen die Sache meiner Meinung nach ziemlich gut auf den Punkt.

    In der Beurteilung der gegenwärtigen finanziellen Situation des FCN bin ähnlich vorsichtig wie Hörnla. Den Bedingungssatz „und wenn man dem Veröffentlichten glauben darf“ unterschreibe ich voll.

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  • @ Wiese:

    wenn Du einen Namen willst: wie wärs mit Schäfer? oder Kluge (gut, der ist schon länger da)?
    Ich brauch keinen Namen, wenn die Leistung stimmt (siehe Frantz, Perchtold, unsere U19-Abteilung).
    Das Problem mit Namen ist, dass Du die Namen quasi als „Markenartikel“ immer mitbezahlst. Wie z.B. bei Harry: Sicherlich kein schlechter, aber eben etwa doppelt so teuer, als er „Wert“ ist, weil er mal ein entscheidendes Tor gemacht hat (als seinen einzigen Torschuss des Spiels…).
    Da bevorzuge ich die aktuelle Einkaufspolitik: wenn da mal ein Fehlgriff dabei ist, kostet es nicht gleich Millionen…

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  • @Optimist: Bitte versteh mich nicht falsch! Ich bin zufrieden und will auch keine Söldner Startruppe. Ich finde nur das es schön gewesen wäre wenn uns im letzten Jahr ein Harry oder ein Koller in den Uefa Pokal geschossen hätten etc..

    Mit der aktuellen Transferpolitik bin ich sehr zufrieden. Wenn wir diesem Aufbau zu Liebe nicht aufsteigen sollten wäre es auch ok für mich, die Maßnahem ist vernünftig.

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