Das war die Aufstiegssaison 2008/09 – Teil 1: (Start-)Schuß nach hinten

Bevor wir uns alle in das Fußball-Sommerloch verabschieden ein Blog-Rückblick dieser Saison, die uns am Ende doch so sehr mit unserem Club wieder versöhnte, ja vielleicht wieder sogar ein Schritt näher zusammenbrachte. Mit Martin Bader (ja schon seit einiger Zeit) und nun auch Michael Oenning hat der Club in den letzten Jahren ein moderneres Gesicht bekommen, eine junge und frische Note, weltoffen, eloquent und charmant, eine Note, die uns neben dem Wandel hin zu dynamischeren Fußball mit jungen, hungrigen Spielern rund um einige FCN-verbundene, gestandene Leistungsträger, wie Pinola, Wolf oder Mintal, sehr gut tut.

Beginnen wir am Anfang der Saison 2008/2009, die offiziell am 15. August 2008 begann.

Thomas von Heesen am Ruder baute die Mannschaft für die neue Saison, am 15.8. wurde gerade die Verpflichtung von Boakye bekannt, ein – wie so viele – kontrovers diskutierter Transfer. Der Saisonauftakt am 17.8. gegen den FC Augsburg sollte der Start zur Korrektur des “großen Betriebsunfalls” sein, doch mit Thomas von Heesen wurde man einfach nicht warm, auch aufgrund der holprigen Vorbereitung und TvH spröder Art. Die sage und schreibe 28 Transfers waren wirtschaftlich durchaus erfolgreich, gerade mit der Bielefelder Connection aber oft umstritten. Und dass eine derartige Umwältzung schwierig wird, braucht einem keiner zu sagen.

Meine Saisonprognose ist daher: Schwieriger Start, aber oben mit dabei, ab ersten Saisondrittel dann zunehmend souveräner und am Ende ein sicherer Zieleinlauf. Nicht weil wir Träumer sind, sondern weil die Mannschaft das Zeug dazu hat.

Mit dem 2:1 gegen den FC Augsburg kam keine Ruhe rein. Zu sehr bestätigte sich die Ansicht, dass es dem Spiel des Clubs an Konzept fehlt, es wirkte beliebig und unstrukturiert. Mehr schlug sich der FCA selbst als der Club den FCA. Dann die Hiobsbotschaft: Wolf hat sich im Spiel schwer verletzt, wie schwer, das sollte sich erst noch herausstellen – ein schwerer Schlag für den Club.

Der Kapitän schwer verletzt, drei weitere geplante “Säulen des Clubspiels” dagegen werden hinterfragt: Sind Mintal, Engelhardt und Vittek Hoffnungsträger oder Auslaufmodelle? Das Konzept der Mischung aus “stabile Säulen” und “jung, fränkisch, hungrig” klang gut, aber trägt es? – Es lief einfach nicht zusammen, das war klar, wie groß die Probleme und wie tief die Einschnitte im Kader dann noch von Nöten sein sollten, war da nur zu erahnen. Doch vor allem mit Blick auf die Konkurrenz in Liga 2 blieb noch Hoffnung genug.

„Bei Vittek und Engelhardt gebe ich Dir Recht,“ sagte Hannes, „aber den Mintal habe ich noch nicht abgeschrieben. Ich sag’s euch, der kommt wieder, der wird uns noch viel Freude bereiten…“ (Zitat aus Neues vom Tresen)

Und in der zweiten Runde im DFB-Pokal ging es nun gegen die Batzis, die man damals “den FCN des Oberhauses” nannte, oder so ähnlich …

Dann sollten die Dinge eine “Eigendynamik” bekommen: Die wahrscheinlich knappste “Klatsche aller Zeiten” folgte am Betzenberg. 2:1 in Kaiserslautern klang auf dem Papier so schlecht nicht, sah auf dem Platz aber erbärmlich aus. Die Risse im Damm wurden immer offensichtlicher und die Rufe lauter, man hörte Merkwürdiges aller Orten und dem “Top-Aufstiegskandidaten” wurde in den Medien ein “selbsternannt” höhnisch hinzugedichtet. Dazu kamen die Gerüchte über einen weiteren Ausverkauf.

Es lag was in der Luft und es begann das große Warten – nur auf was? Den Trainer schon wieder entlassen? Orientierungslos wie die Spieler am Platz versuchte sich der Fan in Zukunftsspekulationen, hatte dabei aber wenigstens seinen Sinn für Humor noch nicht verloren.

Dann der Knall: Thomas von Heesen wurde zurückgetreten tritt zurück und irgendwie beschlich auch uns hier die Erkenntnis, gehörig mit am Stuhl gesägt zu haben – oder wenigstens willkommen als Legitimation gedient zu haben:

Jedenfalls meinte unser wohlgeboren Präsident, dass alle glücklich und zufrieden mit dem Trainer waren und voll der Zuversicht über das was kommen würde, als – nun kommt’s nach der langen Vorrede, aber bisschen Vorspann gehört zum Spannungsbogen – die Entwicklung sich dynamisierte und eskalierte (und hyperventilierte? genaue Worte nicht mehr präsent) weil … weil! … die Fans seinen Kopf forderten (”und die Medien!”, aber nachgeschoben).

Also WIR waren es!

Du und ich, liebe Leserinnen und Leser, liebe Bloggerkollegen und Forenschreiber. Wir haben den Trainer so eskaliert, dass er im Grame von uns ging. Das ein Ding.

Da waren wir nun – leistungsmäßig irgendwo zwischen Gut und Böse, ein gefallener Pokalsieger in Liga 2 mit einem Kader aus Ex-Bielefeldern, Ex-Bundesligisten, Ex-Europameistern, Ex-Nationalspielern, Ex-Torschützenkönigen und nun auch mit Ex-Konzepttrainer. Vor allem aber: Man war alles, aber noch lange nicht angekommen in Liga 2.

Schöne Aussichten sehen anders aus. Der Club ohne Trainer, ohne gefestigten Kader, mit vielen Fragezeichen – nur die Ziele blieben gleich, doch dafür schien nahezu alles zu fehlen.

Fortsetzung folgt