Aufstiegshelden: Einer gefeiert, einer gefeuert

Vollkommen off topic und doch eine Meldung wert: Andersen, Trainer vom FSV Mainz 05, soll nach übereinstimmenden Medienberichten nach dem Aus in der 1. Runde des DFB-Pokals entlassen worden sein. Gerade noch feierte man mit Oenning (auf Platz 4 des Trainer des Jahres gewählt!!), Dutt und Andersen die drei unerfahrenen, aber dynamischen Trainerneulinge der Bundesliga, heute kann man die Artikel dazu schon wieder einmotten.

Mainz 05 trennt sich noch vor dem Bundesliga-Auftakt von Aufstiegstrainer Jörn Andersen. Nach der Pokalpleite in Lübeck entlassen die Rheinhessen den Coach. Der Vorstand entschied sich einstimmig zu diesem Schritt. Auch Co-Trainer Jürgen Kramny wird von seinem Job freigestellt.
www.kicker.de

Das hat es noch nicht mal beim Club gegeben zu Zeiten von Michael A. – oder will ihm da jemand nach Amtsende noch den Ruf als „Mr. Trainerkiller himself“ nachträglich streitig machen?

Aufstieg, Pokalhalbfinale…1 Niederlage in Lübeck und weg. Das hätte sich nicht mal Teppich-Adolf in Nürnberg getraut.
Kommentar bei Blog-G
Anmerkung: Er hieß wirklich Adolf. Michael Adolf (A.) Roth

Natürlich hat das jetzt mit dem Club nur bedingt was zu tun – vielleicht außer, dass Andersen zwischen 1985 und 1988 für den Club spielte, wie übrigens auch sein mit-entlassener Co-Trainer Jürgen Kramny (1992 – 1994), und dass Andersen zu Nürnberg aufgrund seiner Frau, einer Nürnbergerin, noch familäre Verbindungen hat. Dennoch muss ich einmal zum Ausdruck bringen, dass mir hier das Verständnis für die Entscheidung fehlt. Andersen hat mit Mainz ein ganz schweres Erbe nach Kloppos Abgang übernommen und den Verein trotzdem – und für viele überraschend – in die Bundesliga geführt. Dann lässt man ihn noch die gesamte Vorbereitung machen und sägt ihn vor dem ersten Spieltag ab?

„Unser Ansatz und der von Jörn Andersen haben nicht mehr übereingestimmt, weil der Trainer sich in eine andere
Richtung entwickelt hat“, begründet Manager Christian Heidel die Entscheidung.
Quelle: www.kicker.de

Liest sich wie: „Er hat wohl jemanden aus der Chefetage auf den Schlips getreten“. Denn sowas bemerkt man doch nicht plötzlich und nicht mal eine Woche vor Saisonstart gegen Leverkusen?

Täuscht das oder wird zunehmend der Trainer als Kurzzeitarbeiter verstanden, den man beim geringsten Anlass beliebig austauscht?

Auch die Clubfans sehnen sich – jedenfalls viele, die man hört – nach einer langfristigen, perspektivischen Zusammenarbeit und würden Rückschläge lieber in Kauf nehmen, als mal wieder das Personal ‚auf gut Glück‘ dem kurzfristigen Erfolg zu opfern. Das sah man schon bei Hans Meyer, dem man mehr als eine Träne nachweinte und dessen Entlassung viele übel nahmen, aber auch bspw. bei seinem Vorgängen Wolfgang Wolf. Nur bei Thomas von Heesen passte es gar nicht, auch nicht die Chemie zwischen Fans und Trainer.

Auch für Michael Oenning hoffen alle auf einen guten Saisonstart. Nicht nur um des Clubs Willen, sondern auch um des Konzepts Willen, denn – sicher nicht zu Unrecht – prognostizieren so manche viel Wirbel, sollte es nicht gleich sofort klappen und man vielleicht in der Abstiegszone gen Winterpause gehen. Da kann man nur hoffen, dass auch Martin Bader und die Vereinsführung sich an Klaus Allofs und Bremen ein Beispiel nehmen. Denn man kann da nur Respekt vor Werder Bremen zum Ausdruck bringen, die auch mal bei rauhem Wetter Rückgrat beweisen (wie letzte Saison als es um die Teilnahme am internationelen Wettbewerb schlecht stand, was für Werder evident ist!) und mittel- und langfristig dafür auch den verdienten Erfolg einfahren.

Viele Fans sehnen sich nämlich nach Kontinuität, nach Gesichtern und Menschen, die den Verein prägen und ihn stellvertreten. Vielleicht geht das bei vielen Fans sogar über den Wunsch nach Erfolg hinaus. Sollte man mal drüber nachdenken. Von Eitelkeiten und Machtspielchen innerhalb eines Vereins haben aber definitiv die Fans die Nase voll.

14 Gedanken zu „Aufstiegshelden: Einer gefeiert, einer gefeuert

  • England: Aston Villa, FC Everton, FC Arsenal, ManUnited. Alles langfristige Zusammenarbeit. Und das sind auch die stärkeren Manager der Liga. Bei den Nomaden kann allenfalls Harry Redknapp ohne größere Rückschläge seinen Einfluss vergrössern.

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  • Unfassbar.
    Da schließe ich am Arbeitsplatz noch Wetten ab, dass MO wenigstens bis zum fünften Spieltag Cheftrainer am Valze bleibt (ich will ja hoffen: noch viel länger), und dann kommt der Knaller ausgerechnet aus der Ecke, wo man bislang die Oase der Stille in Sachen Wenn’s-ned-läuft-muss-der-Trainer-gehen vermutete. Was Andersen in der Nach-Kloppo-Ära geleistet hat, braucht wohl keinen Kommentar.
    Ansonsten kann ich mich big-s75 nur anschließen. Als Dutt in Freiburg kam, schien auch nicht nur die Sonne, aber es hat sich ausgezahlt, an ihm festzuhalten. Wollen wir hoffen, dass der „Mr. Trainerkiller himself“ keine Nachahmer findet.

    Ich wurde auch noch nie den Verdacht los, dass Trainer für Unfähigkeit entlassen werden, die nicht die ihre ist. Manchmal muss sowas als Ablenkung dienen (wobei ich die Lage in MAinz nicht im entferntesten beurteilen kann).

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  • Schade um Jörn Andersen, ich hoffe für ihn das er bald wieder bei nem andern Verein arbeiten kann. Ich fand ihn immer sehr sympatisch. Was der genaue Grund für seine Entlassung war weiß der Kuckuck, aber nur am aus im Pokal kanns meiner Meinung nach nicht gelegen haben.

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  • Naja zwischen Mainz und Andersen hat es ja schon letzte Saison ganz schön gekriselt und jetzt wird gestreut, dass er sich mit der Mannschaft überworfen hat, sprich die Spieler mit seiner harten Art nicht mehr zufrieden waren.

    Dazu sollen Heidel und Andersen auch nicht immer auf einer Wellenlänge gelegen haben, tja dann sucht man sich halt den Grund, warum man den Trainer entlassen kann, soll.

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  • Bertl: Was der genaue Grund für seine Entlassung war weiß der Kuckuck, aber nur am aus im Pokal kanns meiner Meinung nach nicht gelegen haben.

    …zumal bisher an Klopp auch in schlechten Zeiten festgehalten wurde (Abstieg, nicht-Aufstieg etc.). Das muss also eher was persönliches sein, denn sportlich ist es als Zeitpunkt ohnehin komplett idiotisch.

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  • Die Mainzer hatten doch vor dem Pokalspiel extra angekündigt ob 14 Verletzten oder so keine grossen Erwartungen zu haben. Smells like „persönliche Gründe“.

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  • Völlig bescheuerte Aktion! Sowas geht einfach gar nicht so kurz vor´m Saisonstart!

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  • Naja, sehr schade für Andersen, den mochte ich damals schon als Glubb-Spieler, aber doch eher gut für den Glubb, wenn ein Mitkonkurrent so einen Mist baut. Nicht zu vergessen, das Theater in Frankfurt, wo Skibbe Amanatidis degradiert hat. Mal sehen, wie lange das bei den Batzis so geht, wo Leistungsträger nicht mal annähernd adäquat ersetzt wurden… 🙂

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  • Als ich diese Meldung heute gelesen habe, bin ich auch erst mal vom Glauben abgefallen. Das dürfte echte der schnellste Buli-Trainerrausschmiss in der Geschichte sein.
    Zumindest hat man jetzt einen Buhmann, wenn es zum Anfang der Saison nicht läuft. Man kann nun immer sagen, dass Anderson alles falsch gemacht hat in der Vorbereitung.
    Ich denke beim Club wird man nicht so ungeduldig sein. Bader steht voll hinter MOe, der Verein orientiert sich eh gerade neu aus und trägt diese neue Strategie voll mit. Zumindest hört man von vereinsinterner Seite keine Widerworte.
    Ich denke wir haben auch gerade keine andere Alternative. Ob nun jetzt oder im Winter, die Preise auf dem Transfermarkt bleiben wohl hoch. Zu hoch.
    Ob wir nun mit 1-2 Krachern wieder runter gehen oder so wie wir gerade sind, wäre sportlich egal. Finanziell stände man aber am Ende der Saison besser da, ohne diese 1-2 Kracher. Zumal ich nicht glaube, dass wir mit der jetzigen Mannschaft wieder absteigen werden. Wir müssen nur an der ein oder anderen Stelle Geduld haben.

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  • Die Geschichte in Mainz erinnert mich ein wenig an die Demission von H.Gerland als Clubtrainer im Frühjahr 1996, kurz vor dem Fall in die Regionalliga. Damals war es ein offenes Geheimnis, dass der jetztige GF des NLZ Rainer Zietsch u.a. sich bei ARO deutlich gegen den Trainer stellten. Kurz darauf schritt er zur Tat…
    …so ähnlich stellt sich das in Mainz auch dar. Das gärt schon eine Zeit lang und ich bin mir sicher, dass da einige, Spieler wie Präsident, nur auf den richtigen Fehltritt gewartet haben. Möge es laufen wie damals bei unserem Club. ABSTIEG.
    Die Frage, ob der Club damals mit Gerland abgestiegen wäre bleibt unbeantwortet wie bei Hans Meyer.
    Ich wünsche mir eine LANGE MO-Ära. Gut Ding will Weile haben. Also weilen ich zur Not auch noch einmal in Liga 2.

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  • @ Maxxx

    die interne Lösung mit Tuchel, dem Trainer der U19-Mannschaft, mit der er deutscher Meister wurde, braucht an sich nicht viel Vorlauf… Trotzdem ist da ein komischer Beigeschmack, wenn so schnell ein Nachfolger da ist.

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  • Naja, eine Woche vor dem BuLi-Auftakt schmeißt man seinen Trainer nicht raus, wenn man keine Alternative hat. Ich denke da muss man nicht von Beigeschmack reden, gerade auch wenn es sich um einen interne Regelung handelt.

    Es scheint ja auf der letzten Aussprache zwischen Management und Trainer recht hoch her gegangen zu sein. Auch Andersen sprach davon, dass man sich nicht einigen konnte.

    Vielleicht hat Andersen da auch seinen Rausschmiß provoziert? Vielleicht hat er ja selbst keine echte Chance auf Erfolg gesehen?

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