Interview mit Peer Kluge (1. FC Nürnberg)

Peer Kluge © Stefan Krieger

Alexander Endl (clubfans-united.de) und Andreas Plum (fohlen-hautnah.de)

In Zusammenarbeit mit dem Mönchengladbacher Online-Magazin Fohlen-hautnah.de haben wir uns im Vorfeld der Partie des Clubs gegen Borussia Mönchengladbach mit Peer Kluge unterhalten. Hier der Teil, in dem es primär um unseren Club geht. Unten der Link, wo Peer sich über seine Gladbacher-Zeit, seine Nürnberger-Zeit und über das kommende Spiel äußert.

Wieso kamst du damals nach Nürnberg? Die schöne Stadt? Das attraktive Angebot? Die Perspektive? Der Trainer?

Peer Kluge: Natürlich war auch der Trainer ein Grund, aber auch die Perspektive, die mir geboten wurde, spielte eine Rolle. Der Club hatte da ein richtig gutes Jahr hinter sich und eine richtig gute Mannschaft. Das waren so die Hauptgründe.

Gab es im Februar 2008 wirklich so große Differenzen zwischen Mannschaft und Hans Meyer, wie in den Medien zu lesen, die seine Entlassung erforderten – oder muss es andere Gründe gegeben haben?

Peer Kluge: Das ist schwer für mich, dass zu beurteilen. Ich glaube, dass es zwischen der Mannschaft und dem Hans keine Probleme gab. Es haben ja jetzt auch noch, soweit ich das weiß, einige Spieler Kontakt zu ihm. Das zeigt ja auch, dass es nicht so schlecht gewesen sein kann.

Also ich kann mir das nicht vorstellen. Sicherlich gab es da ein oder zwei Spieler gegeben haben, aber ich denke, der überwiegende Teil der Mannschaft hatte mit ihm keine Probleme.

Viele Fans glauben immer noch: Mit Hans Meyer wäre der 1. FC Nürnberg 2008 nicht abgestiegen. Würdest Du das auch mit „Ja“ beantworten?

Peer Kluge: Das ist schwer zu sagen und Spekulation. Man hätte mit der Mannschaft nie abstiegen dürfen. Das muss man ganz klar sagen. Wir haben es reparieren können und von daher ist das jetzt vergessen.

Hattest Du nach dem Abstieg vor wieder zurück zur Borussia zu gehen – und wenn ja: was hat Dich dazu bewogen doch in Nürnberg zu bleiben?

Peer Kluge: Erstens war ich zu der Zeit nicht zu 100 Prozent fit, denn ich habe ja eine lange Zeit im Krankenhaus gelegen. Das auch in unserem Urlaub. Von daher habe ich mich nicht zu 100 Prozent mit einem Wechsel beschäftigt.

Klar habe ich mit Borussia gesprochen, aber Nürnberg hat mir auch damals signalisiert, dass sie die Option ziehen. Das haben sie dann getan und das hat mir auch gezeigt, dass sie mit mir planen. Ich wollte dann zu der Zeit auch erst mal fit werden, und habe mich von daher so richtig auch nicht mit einem Wechsel befasst.

Kannst Du Dir vorstellen, Deine Karriere in Nürnberg zu beenden? Oder wäre spätestens mit dem nächsten Abstieg Schluss?

Peer Kluge: Das muss man sehen. Ich kann mir vieles vorstellen. Ich kann mir vorstellen, hier zu bleiben, und ich kann mir irgendwann vorstellen, vielleicht auch mal zu wechseln. Jetzt im Moment fühle ich mich sehr wohl, und es macht sowohl mit der Mannschaft als auch mit dem Trainer Spaß. Da gibt es keinen Grund, jetzt irgendetwas zu verändern.

Hab ihr letzte Saison eigentlich wirklich noch an den Aufstieg geglaubt?

Peer Kluge: Sicherlich war es auch für uns sehr schwer, daran zu glauben. Die Vorrunde ist nicht so verlaufen, wie wir das wollten, und wie wir uns das gewünscht hatten. Wir haben dann aber in der Wintervorbereitung gesagt, dass wir noch mal alles versuchen und angreifen wollen.

Wir haben uns dann sehr gut vorbereiten können, und dann auch die ersten Spiele sehr erfolgreich gestalten können. Uns war klar, wenn wir es schaffen, dann eigentlich über Platz drei, sprich die Relegation. So ist es ja dann auch gekommen.

Was hältst Du von der momentanen Situation im Angriff beim 1. FC Nürnberg? Nur eine Anfangsschwäche oder muss der Club über die Defensive die Klasse halten? Oder fehlt doch ein Smolarek?

Peer Kluge: Angriff bedeutet ja nicht, dass nur die Stürmer treffen müssen. Das bedeutet ja, dass alle, treffen dürfen. Ich habe ja schon gesagt, dass wir uns ankreiden müssen, aus unseren Möglichkeiten zu wenig Tore zu machen.

Das müssen wir verbessern, denn wenn wir keine Tore schießen, dann können wir auch keine Spiele gewinnen. Dann wird es natürlich auch schwer, die Klasse zu halten.

Wie siehst Du den Unterschied zwischen Liga 1 und 2? Woran müssen sich vor allem die Jungen erst gewöhnen? Hat sich da was in den letzten Jahren generell geändert (1./2. Liga)?

Peer Kluge: Es gibt schon Unterschiede. Fehler werden knallhart bestraft, und es wird schneller Fußball gespielt. Daran müssen sich natürlich auch erst die jungen Spieler, die bei uns noch nicht 1. Liga gespielt haben, gewöhnen. Das ist für sie auch eine Umstellung, aber das Potenzial ist auf jeden Fall da, und von daher werden wir unser Ziel erreichen.

Wir sind stark genug, um mithalten zu können. Das haben die ersten Spiele gezeigt und ich hoffe, dass wir das auch in den nächsten Spielen weiterhin zeigen können.

Der Club hat dieses Jahr in seinem Kader ja zum Teil sehr junge Spieler, die auch noch regelmäßig auf dem Platz stehen. Was uns interessieren würde ist, was der (im Vergleich dazu) „alte Hase Peer Kluge“ an Vorteilen sieht, mit so jungen Leuten zu arbeiten – oder auch wo die Risiken sind?

Peer Kluge: Die jungen Spieler sind willig, lernfähig, sie hören zu wenn der Trainer etwas sagt, und sie wollen dazulernen und sich weiter entwickeln. Das merkt man im jeden Training. Sie geben immer Gas und sind unbekümmert. Das zeigen sie dann auch in der Art und Weise wie sie Fußball spielen.

Es geht nicht nur mit jungen Spielern, und von daher ist die Mischung bei uns zwischen jungen und älteren sowie gestandenen Spielern sehr gut. Die jungen Spieler tun uns gut und ich denke, dass die älteren auch den jungen gut tun.

Was fehlt dem Club noch, um in der Liga richtig Erfolg zu haben? Braucht der Club Ruhe, mehr Biss oder einfach Zeit?“

Peer Kluge: Wichtig ist bei uns, dass wir in Ruhe arbeiten können. Das der Trainer und die Mannschaft in Ruhe arbeiten können ist das Wichtigste. Wie schon gesagt. Das Potenzial haben wir. Wichtig ist, dass wir jetzt mal einen Dreier holen, und dass wir schauen, dass wir Spiele gewinnen können.

Die abschließende Frage. Kennst du überhaupt Internet-Fanseiten wie ‚Clubfans United‘, ‚Glubb-Blog‘ oder das Nordkurve-Forum – um nur einige zu nennen?“

Peer Kluge: Ja, die Seiten sind mir bekannt. Ich weiß, dass es Foren gibt, wo sich Fans austauschen, chatten, und miteinander austauschen. Ich schaue da aber nicht so rein. Früher habe ich viel in Forum gelesen, aber jetzt mache ich das nicht mehr.

Ich möchte das jetzt nicht schlecht reden und sagen, dass es schlecht ist, aber als Fußballer sollte man nicht alles lesen, was geschrieben wird. Wenn man sich das alles so zu Herzen nimmt, kann man sich gar nicht mehr auf den Fußball konzentrieren.

Viele Dank Peer, für das nette Gespräch.

Peer Kluge. Bitteschön und gern geschehen.

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Das Interview führte Andreas Plum von Fohlen-Hautnah per Telefon heute Mittag. Wer das komplette Interview lesen will, findet hier den Teil der Clubfans United-Fragen und bei Fohlen-Hautnah den zweiten Fragen-Teil:
Vor dem Spiel gegen Nürnberg – Ex-Borusse Peer Kluge: »Ich freue mich auf das Spiel«

Bild mit freundlicher Genehmigung © Stefan Krieger

8 Gedanken zu „Interview mit Peer Kluge (1. FC Nürnberg)

  • Zitat Peer Kluge: „Also im Bezug auf die Tradition kann man sie in der Fanszene vergleichen. Beide haben eine große Fanszene wobei ich glaube, dass Borussia noch mehr Fans deutschlandweit hat. Die Club-Fans sind eher in Franken und in Bayern angesiedelt, und Borussia-Fans gibt es in ganz Deutschland.

    Das hat man zum Beispiel gemerkt, wenn man auswärts in Berlin gespielt hat. Da hattest du dann viele Borussen-Fanclubs in der Kurve. Also da glaube ich, gibt es den kleinen Unterscheid.“

    Ganz schlechtes Beisspiel, lieber Peer! 2008 waren die Gästeblöcke im Berliner Olympiastadion rappelvoll rot-schwarz (wir haben da sogar Clubfans aus England getroffen), und 2010 wird’s wieder so sein. Im Rest Deutschlands gibt es garantiert mehr Clubfans als in „Bayern“, wobei „Bayern“ natürlich an der Donau endet (schon klar, oder?).

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  • @Claus … naja, ist müßig drüber zu streiten wer mal mehr oder weniger Fans im Gästeblock hatte. Insgesamt glaube ich aber auch, das Gladbach überregional mehr Fans auf sich verbucht, was sicher mit der Zeit Netzers & Co. zu tun hatte in den 70ern. Wir als Clubberer hatten da lange nur noch den Glanz vergangener Tage. Im regionalen Umkreis sehe ich den Club durchaus auf Fan-Augenhöhe, wobei der Club den Vorteil eines großen Umlands hat ohne Liga-Konkurrenz.

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  • Ehrliche Antworten von einem ehrlichen Mann.
    Soviel ich aus dem Interview heraus lesen konnte fühlt er sich wohl beim Club, auch ohne Hans Meyer.
    Und ob Gladbach Deutschlandweit mehr Fans hat als wir oder umgekehrt, ist doch nicht so wichtig.
    Die Leidgeprüftesten Fans sind jedenfalls wir, Leider.

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  • Das sind doch mal wirklich schöne Fan-Aussagen. Vielen Dank dafür von einem MG-Fan, der Peer sehr ungern gehen gesehen hat.
    Viel Glück zum Klassenerhalt an den FCN.

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  • @Alexander: Nein, ich will ja nicht streiten, und ja, MG hat überregional höchstwahrscheinlich mehr Fans als der Club (ich war ja in den 70ern auch großer Sympathisant, als der Club die Rolle spielte, die Fürth heute einnimmt). Ich fand nur das Beispiel Berlin (meine langjährige Heimatstadt) schlecht gewählt, auch wegen http://www.clubberer04.de .

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