Unverhältnismäßig: Lange Sperre für Wolf

Rote KarteEin Kommentar

Das DFB-Sportgericht hat für den Kopfstoß von Kapitän Wolf eine Sperre ausgesprochen. Das ist konsequent und richtig, dem Grunde nach, das Urteil mit insgesamt 5 Spielen Sperre, darunter 2 Bundesligaspiele, ist aber nicht verhältnismäßig.

Ich bin definitiv kein „Wolf-Versteher“ in dem Sinne, dass ich nachvollziehen kann und will, warum man generell mit dem Kopf auch nur versucht einen anderen zu treffen/verletzen, und finde, dass Tätlichkeiten auf dem Platz aber auch überhaupt nichts zu suchen haben. Aber Tat und Strafe müssen einander angemessen sein, das ist es hier nicht, da hilft auch kein Vergleich mit vorangegangen Urteilen wie Eduardo und Olic nicht, denn das macht es hier nicht besser, wenn man im gleichen Maß urteilt. Der Jurist würde sagen: „Keine Gleichheit im Unrecht“

Was ich verstehe: Unsportlichkeiten sind keine Fouls und müssen entsprechend anders behandelt werden. Das eine ist nämlich Teil des „Sports“, das andere ist – wie der Name sagt – „Unsport(lichkeit)“. Eine Tätlichkeit soll und muss also auch aus Freundschaftsspielen anders geahndet werden, um den Sport glaubhaft zu halten.

Dennoch: Es war eben ein Freundschaftsspiel und entsprechend hätte man es bei einer saftigen Sperre für Freundschaftsspiele plus 1 Spiel für Pflichtspiele (als Denkzettel) – wenn es denn wirklich sein muss um ernst genommen zu werden – gereicht. Urteilt man konsequent derart hart, werden Mannschaften eben Freundschaftsspiele nur noch hinter verschlossenen Türen austragen und ein Betreuer mimt den Schiedsrichter.

Und wo soll überhaupt die Grenze sein? Wenn Liza dem Loddar am Trainingsplatz eine schmiert, ist das auch eine Tätlichkeit im Rahmen der Ausübung seines Sports. Und wenn man noch weiter auf den gesamten Vorbildcharakter abstellt, dann müsste auch die Rangelei in der Kneipe am Abend oder die Trunkenheitsfahrt als Grundlage einer Strafe gewertet werden? Sicher nicht.

Der zunehmende Versuch des DFB wieder mehr gesellschaftlich zu moralisieren ist zwar zum einen vielleicht sogar begrüßenswert (wenn auch in der Form manchmal eher als „belehrend“ ankommend), muss aber immer mit Maß geführt sein. Und dazu gehört auch, dass man nicht aus dem Auge verliert, wohin man mit seinen Sanktionen kommt.

Zieht man die Regelungen bei Freundschaftsspielen inkl. der Anweisungen an die Schiedsrichter weiter durch, kann das dazu führen, dass man auf Schiedsrichteransetzungen in Freundschaftsspielen als Verein besonders „achtet“ und ggf. lieber über die Grenzen flüchtet, die Öffentlichkeit ausschließt oder wichtige Spieler in Freundschaftsspielen gar nicht mehr einsetzt.

Zudem ist die Qualität der Tat und deren Umstände zu bemessen: Bspw. wenn ein anderer „Freundschaftsspieler“ vorangehend ein schweres Foul begeht. Oder auch: Wie intensiv war denn so ein Kopfstoß und kann der wirklich ernsthaft Schaden zufügen oder – wie wohl hier im Fall –führte es eher „dummerweise“ zu einer Platzwunde. Wohin will man gehen mit Strafen, wenn dann ein Spieler mit Blutgrätsche in den Mann geht oder der Torwart den heranspurtenden Stürmer nothaltet, was jeweils bis zum Karriereende führen könnte – lebenslang?

Auch wenn man am Ende nicht den Richter, sondern den Täter dafür verantwortlich machen muss, dass er die Mannschaft geschwächt hat, gerade vor dem wichtigen Spiel gegen Gladbach (das Bayern-Spiel finde ich da gar nicht so relevant), so sorgte nicht nur der Schiedsrichter im Vorfeld durch seinen höchst umstrittenen Bericht für Unmut in Richtung DFB, sondern nun auch noch das Urteil, das wohl auch ohne Vereinsbrille nicht als gerecht und angemessen erscheinen kann.

27 Gedanken zu „Unverhältnismäßig: Lange Sperre für Wolf

  • Über die Grenzen zu flüchten, hilft auch nicht, wie der HSV und Hoffenheim bzw. Olic und Eduardo im Winter erfahren mussten, als beide Spieler nach ihrem Schlagabtausch in La Manga für je zwei Bundesligaspiele (und 3 Freundschaftsspiele)gesperrt wurden.

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  • Optimist: …da fehlt auch die Verhältnismäßigkeit, wenn man bedenkt, dass der Auslöser der Situation mit Gelb davon gekommen ist.

    …sagte ich doch gerade 😉

    das bisschen Hahnenkampf ist kaum ernsthaft Gesundheitsgefährdend, die vorangegangene Blutgrätsche ins gerade genesene Knie dagegen schon. Da fragt man sich schon, warum einer Gelb und der andere Rot (inkl. saftiger Sperre) bekommt. Auch beim DFB hätte man aufgrund der Zeugenaussagen erkennen müssen, dass der Schiedsrichter die gesamte Szene nicht gesehen hat und daher seine Beurteilung anzweifeln müssen. Aber man pinkelt sich halt nicht gern selbst vor die Haustür…

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  • Ich finde 2 Pflichtspiele Sperre nicht gerade viel. Auch wenn es ein Freundschaftsspiel war, muß ein unsportliches Verhalten (Kopfstoß) hart bestraft werden.

    Bei der Blutgrätsche kommen wir in einen Bereich, wo fängt hört ein Foul auf und wo fängt die Unsportlichkeit an. Der Schiri hat wohl für das Foul (Blutgrätsche) Gelb gegeben. Soll er, weil der gefoulte Spieler gerade eine schwere Knieverletzung hatte, anders reagieren?

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  • Die Sperre ist meiner meinung nach lachhaft bis zun geht nicht mehr.
    Ein Freundschaftsspiel…

    Wir Deutsche sind doch ein Volk von Nestbeschmutzern. Der DFB würde Michael Ballack, wenn er am Montag in einem Freundschaftsspiel mit Bayern,wegen einer Roten Karte nach einer Tätlichkeit selbst dann sperren, wenn am Mittwoch abend das Championsliga Finale wäre. Da bin ich mir ganz sicher. Da müsste nicht mal die UEFA oder FIFA kommen. Das wird sofort mit deutscher Gründlichkeit vom DFB erledigt.

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  • nedfuller: Auch wenn es ein Freundschaftsspiel war, muß ein unsportliches Verhalten (Kopfstoß) hart bestraft werden.

    das schon, aber nur im Rahmen der entsprechenden Veranstaltung. Dieses Übertragen auf Ligaspiele ist, da stimme ich Alexander zu, äußerst bedenklich. Auch eine Sperre für 5 Freundschaftsspiele wäre ein hartes Urteil, weil man die ja in der Vorbereitung auch braucht. Aber zumindest würde man damit nicht aus dem Rahmen der Situatiuon fallen. Am Ende kommt es noch soweit, dass man wegen, ich sags mal überspitzt, falsch Parkens auf dem Vereinsgelände eine Sperre für ein Ligaspiel bekommt…

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  • Nee, so sehr mich das für den Club auch ärgert und so sehr ich auch zunächst insbesondere über die Sperre für zwei Pflichtspiele geschluckt habe, das geht (leider) in Ordnung. Kopfstoß darf einfach nicht passieren, auch nicht im Freundschaftsspiel und auch nicht nach Blutgrätsche. Sorry aber da hat der Andy Scheiße gebaut, und dafür wird man eben bestraft, ob im WM-Finale oder beim Valze-Kick.

    Die Konsequenz dieses konsequenten Verhaltens sollte sein, dass ein Spieler sich derartige Unsportlichkeiten in jeglicher Situation zweimal überlegt (insofern man im Affekt von Überlegen sprechen kann aber das ist keine Ausrede!) und nicht, dass Freundschaftsspiele ohne Schiri gemacht werden, da muss ich Alexander widersprechen.

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  • Bei dieser Art der sog. Unsportlichkeit halte ich eine Sperre in den Pflichtspielalltag hinein für angemessen. Fouls („Blutgrätschen“) gehören, da machen wir uns nichts vor, zu diesem Sport – auch wenn sie mitunter hart an oder sogar über der Grenze zur Körperverletzung angesiedelt sind. Aber sie entstehen in aller Regel innerhalb des Spielgeschehens und nicht nach Unterbrechung eines Spiels, was man von dieser in den vergangenen Jahren immer öfter auftauchenden Unart des Kopfstoßes wohl nicht unbedingt behaupten kann.
    Natürlich geht dem immer eine extreme (manchmal auch eingebildete, aber offenbar nicht im Fall Wolf) Emotionalisierung durch Provokation oder Fehlverhalten eines Gegners voraus, aber Kopfstöße gehören nun mal zu dem unterirdischsten und auch gefährlichsten (und man kann nicht die ärztlichen Bulletins über den Schweregrad einer Verletzung abwarten, bevor man den Spieler vom Platz stellt) „Kommunikationsmittel“ im Fußball. Und das gehört dann eben bestraft, damit sich die Herren in derartigen Situationen eben vielleicht doch noch mit den 600 funktionierenden Restsynapsen in der eigenen Hirse vor Augen halten, dass sie bei einem Kopfstoß weder sich, noch dem Gegner und am wenigsten der eigenen Mannschaft einen Gefallen tun.
    Das klingt zwar so ein bisschen nach „Lernen durch Schmerz“ und Schwarzer Pädagogik, aber vielleicht hilft’s ja doch, dieses unsägliche Phänomen mal einzudämmen.

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  • also ich möchte nochmal die emotionale ebene ins spiel bringen. wenn mir ein nobody in einem freundschaftsspiel in die beine springt und somit meine sportliche zukunft aufs spiel setzt, dann ist es doch völlig menschlich so zu reagieren. damit meine ich die erstreaktion. in bruchteilen von sekunden hat andi w. bestimmt sämtliche gedanken nur in diesen kopfstoß ummünzen können. ich glaube aber nicht, dass das sein hauptproblem ist. (simunic hat ja mal nen mental-trainer am start gehabt, mit dem er alternative erstreaktionen erlernt hat). wenn andi in dem moment eine gedankliche lösung gefunden hätte, wären wir und er jetzt glücklicher…
    aber so eine tat – und da stimme ich voll zu – muss doch immer im verhältnis gesehen werden.

    ich habe mal ‚geforscht’… und wenn ich in dem moment breno gewesen wäre… aber wie schon festgestellt: bei dem jahresgehalt kann man eigentlich einen ruhigeren puls erwarten.

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  • …um mal bei der Verhältnismäßigkeit zu bleiben: Es wurde doch auch noch keiner wegen einer roten Karte im Ligaalltag für die Champions-League gesperrt, oder irre ich mich da? Das wäre nämlich die konsequente Weiterentwicklung dieses Vorgehens…

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  • @Jones: Dein Beispiel war 1974 schon Realität , wenn auch mit anderem Protagonisten. Erwin Kremers hatte durch einen Platzverweis im letzten Buli-Spiel seine Teilnahme an der WM vertan. Er war damals Stammspieler der Nationalmannschaft. Es folgte damals eine Grundsatzdiskussion, in Zukunft NICHT mehr so zu handeln. Es durfte dann auch ein gesperrter Spieler für die Nationalmannschaft auflaufen. Also dürfte Andy heute abend für Deutschland spielen…

    Soweit ich mitbekommen hat, hat der Schiri den Einsatz des Pragers nicht als Foul gesehen, d.h. Andy hat, laut Schiri, ohne Grund eine Tätlichkeit begangen. Es gab keine bewegten Bilder.Also sollten in Zukunft doch alle Freundschaftsspiele des Glubbs via Club-TV aufgezeichnet werden. Vielleicht wäre die Strafe so geringer ausgefallen.
    2 Spiele Sperre für Meisterschaftsspiele finde ich auch zu viel. Bei dem schon angeführten Hoffenheim-HSV hat man im TV sogar gesehen, wie beide Spieler aufeinander einschlugen. DAVON war doch hier nie die Rede! Wie sagte doch schon Optimist: Verhältnismäßigkeit!

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  • Da ist kein Interpretations Spielraum, Kopfstoß während eines Spiels, ist grob unsportlich sogar viel mehr hin zu einer ’strafrechtlicher‘ Relevanz als ‚vorsätzliche Körperverletzung`. Ich finde mit der Sperre von zwei Pflichtspielen, sind alle seitens der Nürnberger sehr gut weggekommen.

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  • KUZ: Soweit ich mitbekommen hat, hat der Schiri den Einsatz des Pragers nicht als Foul gesehen, d.h. Andy hat, laut Schiri, ohne Grund eine Tätlichkeit begangen.

    Sorry, aber das stimmt so nicht. Der Prager Lukas Hartig hat ja gelb gesehen!
    Und noch schöner: Er hat hinterher sogar schriftlich zugegeben, dass er Wolf provoziert hat – angeblich hat sich dieses Statement sogar noch strafmildernd für Andy Wolf ausgewirkt…

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  • gebe Berlinclub völlig recht. Kopfstoß geht nicht und Ende, egal welche Befindlichkeit dem guten Andi den Impuls geliefert hat.
    Ab jetzt geht es nur noch darum: was machen wir in den 2 kommenden Spielen gegen MG und Bayern? Hier zahlt sich die Breite unseres Katers doch aus.
    M.E. sollte MOE auf die 2.Liga bewährte Pinola/Bieler Variante zurückgreifen und den Harvard Nordtveit wie in Stuttgart als 6er aufstellen. Wir brauchen auf jedenfall mind. 3 Punkte aus den 2 Spielen, auch unsern Andi!

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  • Ich möchte auch auf keinem Fall die Tat von Andi relativieren. Zudem finde ich die Strafe für diese Unsportlichkeit so leid es mir tut auch OK.
    Ich möchte aber, auch wenn es nicht gern gesehen wird, hier nochmal ein Augenmerk auf den Bericht des Schiedsrichters legen. Wenn man einigen Zeitungsartikeln glauben mag, hat der 3Liga-Schiri die Situation deutlich anders in seinem Bericht dargestellt. In seinem Bericht taucht kein Wort von dem vorangegangenen Foul auf, in seinem Bericht taucht auch kein Wort von dem ersten Kopfstoß von Pranger auf (Natürlich fällt Andi davon nicht um, weil wir, wie schonmal berichtet einfach zu fair sind). Pranger gibt dazu selbst sein Foul und seine eigene Provokation zu. Andi gibt es auch so zu protokoll, wie wir es erfahren haben.
    Wie glaubhaft kann denn so ein Schiedsrichter sein? Es sagte in seinem Bericht: Der Kopfstoß von Wolf geschah aus heiterem Himmel?
    Ich weiß so eine Schiedrichterdiskussion ist müßig, aber soetwas stinkt mir. Zumal uns in den wenigen Spielen dieser Sasion schon 3 Punkte durch Fehlentscheidungen genommen wurden.

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  • Nach einer Nacht drüber schlafen denke ich, man sollte das Urteil bei der nächst höheren Instanz, der zuständigen UEFA-Gerichtsbarkeit anfechten. Hier ist mal ein Grundsatzurteil erforderlich! Denn: Das Spiel hatte nichts mit der Bundesliga zu tun, folglich ist die Sperre in dieser Form deplatziert. Dies ist die logische Schlussfolgerung aus den Kommentaren 9 und 10. Sogar der Vergleich mit Olic/Eduardo unterstützt meine These!

    Ich begründe das auch gerne:

    Der Fall Eduardo/Olic war ein reines bundesligainternes Duell, daraus ergibt sich die Zuständigkeit des DFB. Auch hier ist eine Strafübertragung von Freundschafts- auf Ligaspiele anzuzweifeln, aber das gehört nicht zum eigentlichen Thema.

    Der Fall Wolf ist ein internationales Freundschaftsspiel, hat also nichts mit der Bundesliga zu tun. Daher müsste die gleiche Instanz wie für UEFA-Spiele zuständig sein. Eine Sperre kann folglich nur für internationale Freundschaftsspiele oder schlimmstenfalls für UEFA-Pflichtspiele (wenn man denn unbedingt eine Übertragung auf Pflichtspiele durchsetzen will) gelten.

    Es soll ja wegen einer persönlichen Unsportlichkeit die betreffende Person bestraft werden und nicht der Verein. Daher kann die Sperre ggf. auf 2 UEFA-Pflichtspiele laufen, denn im Falle eines Vereinswechsels (oder nächstes Jahr beim Club 😉 ) kann das ja für Wolfi relevant sein.

    Es wäre also zu prüfen, ob die Sperre nach europäischem Recht überhaupt zulässig ist. Daher sage ich: Einstweilige Verfügung und weiter bei höherer Instanz!

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  • Offen gerstanden verstehe ich Eure Aufregung nicht so recht.

    Dass DFB/DFL und manchmal sogar Schiedrichter mit zweierlei Maß messen, ist doch jetzt bei Leibe nix Neues. Ich erinnere nur an die Spiele SGE – FCN, das Peter Gagelmann wegen ein paar Knalldeppen fast abbrechen wollte, und wenige Wochen später FCE – HSV, beide Spiele aus der Saison 2007/08. Frankfurt und der Club mussten zigtausende Euronen Strafe zahlen, während Cottbus und Hamburger mit einem Bruchteil davonkamen. Dass unser Andi jetzt eine ziemlich heftige Strafe abkriegt, wundert mich so gut wie gar nicht; es wurde ja – soweit mir der Schiedrichterbericht bekannt ist – ja auch nicht nach seinem Knie getreten (die Gelbe Karte bekam der Prager vermutlich wegen Meckerns, oder ist Bluten seit neuestem gelbwürdig? Okay, vielleicht ließ er die Platzwunde nicht sofort angemessen versorgen, Stichwort Intensivstation).

    Kurz und gut: Der DFB und seine Organe hat mE noch nie mit bemerkenswertem Fingerspitzengefühl reagiert bzw. dieses nur dann ausgepackt, wenn ein „Großer Verein“ beteiligt war. Es kommt dazu, dass der Ausschuss ja auch nur über das urteilen kann, was ihm bekannt ist. Und da werden schnell die Aussagen der direkt Beteiligten zur Makulatur, weil beide natürlich nicht unbefangen sind. Schiedsrichter haben eben nunmal die Stellung des neutralen Beobachters; und dass die sich ihre zukünftige Karriere nicht verbauen wollen liegt auf der Hand. Immerhin gibt’s für einen Erst- oder Zweitligaeinsatz für die Unparteiischen nicht nur die sprichwörtliche Appel-Ei-Kombination, da schreibe ich als Schiri natürlich keinen Bericht, in dem mir oder meinen Assis was Wichtiges entgangen ist und der mich damit vom Fleischtopf der Profiliga fernhalten könnte. Was ich damit sagen will: Schiris sind eben auch nur Menschen.

    Klar, die Sperre für Andi kommt bestimmt nicht zum glücklichsten Zeitpunkt (gibt’s den überhaupt, vielleicht mal abgesehen vom Karriereende?), aber im wesentlichen ist das okay. Natürlich kann man über das Maß streiten (ich find’s üppig, aber gerade noch tolerabel), aber man sollte auch Andi nicht vergessen, der wegen Knieproblemen fast eine ganze Saison zusehen musste und auf gerade dessen Körperteil die Attacke kam. Für den Ausschuss darf das mE keine Rolle spielen, weil sich „Bluten“ und „Freundschaftsspiel“ irgendwie nicht vertragen. Allerdings verwundert es mich schon, dass der tschechische Verband nichts zu unternehmen scheint. Aber wie schon gesagt, zweierlei Maß wundert mich kein bisschen. Sofern es verschiedene waren.

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  • Die verschiedentlich anklingende Argumentation, wonach man für Vergehen in Freundschaftsspielen nur für Freundschaftsspiele gesperrt werden solle, halte ich unabhängig vom vorliegenden Fall, über den ich sehr wenig weiß, für gefährlich.

    Wenn man ihr folgt, kann sich künftig jeder Spieler in Freundschaftsspielen Fouls, Unsportlichkeiten und Körperverletzungen aller Art erlauben, da keine ernst zu nehmende Sanktion mehr droht. Ich finde es richtig und wichtig, dass ein Spieler aufgrund eines Vergehens in einem Freundschaftsspiel (in Abhängigkeit von der Schwere des Verstoßes) auch für Pflichtspiele gesperrt werden kann.

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  • heinzkamke: Wenn man ihr folgt, kann sich künftig jeder Spieler in Freundschaftsspielen Fouls, Unsportlichkeiten und Körperverletzungen aller Art erlauben, da keine ernst zu nehmende Sanktion mehr droht. Ich finde es richtig und wichtig, dass ein Spieler aufgrund eines Vergehens in einem Freundschaftsspiel (in Abhängigkeit von der Schwere des Verstoßes) auch für Pflichtspiele gesperrt werden kann.

    Steht außer Zweifel, aber es geht um die Höhe der Strafe. Auch mir fehlt das Augenmaß, aber so ist das eben, wenns um unseren Ruhmreichen geht.

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  • Farbfilmvergesser: Steht außer Zweifel, aber es geht um die Höhe der Strafe.

    …und um deren richtige Einordnung in den entsprechenden Wettbewerb. Wenn die Bauern gegen Real spielen und so etwas passiert, wo wird dann der Spieler gesperrt? Da wäre eine Grundsatzentscheidung wichtig!

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  • …schlechtes Beispiel, Bauern werden wegen sowas ja nicht gesperrt.. 😉

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  • Optimist: …schlechtes Beispiel, Bauern werden wegen sowas ja nicht gesperrt..

    Unbedingte Zustimmung. Und das ändert sich nicht mal durch Transfers: Olic und Eduardo waren mW nicht verletzt, Ballack nach der Schelln von Podolski aber auch nicht…

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  • Dieser Text spricht mir aus der Seele.
    Mir fällt auch in letzter Zeit auf, dass die Schiedsrichter für eine vermeintliche Unsportlichkeit oder Schiedsrichterdbeleidigung eher eine Karte zeigen als für Fouls die bis in den Bereich der Gesundheitsgefährdung führen.
    Ich bin kein Freund der ständigen Meckereien auf dem Platz, ich finde ein Fußballprofi hat sich respektvoll dem Schiedsrichter und den Gegenspielern über zu verhalten, aber solange der DFB hier nicht an den Ursachen arbeitet, macht er sich selbst unglaubwürdig. Die Ursachen sind für mich ständige Provokationen einzelner Spieler aber auch schlechte Linie beim ahnden von Fouls.
    Würde der DFB seinen Schiedsrichten eine andere herangehensweise an solche Situationen beibringen, so würden solche Probleme gar nicht erst entstehen.
    Als Beispiel kann ich mal wieder England anführen. Wenn man sich ein Spiel mit englischem Orginalkommentar anschaut, so wird nicht zwischen gelbwürdig und rotwürdig unterschieden sondern zwischen versuchtem Ballspiels, absichtlichen Foulspiels und absictlichen Gesundheitsgefährdung.
    Im Fall Wolf kann man wohl von letzterem ausgehen, was eindeutig Rot für den Gegenspieler wäre. Würde der Schiedsrichter nach einer solchen Linie pfeifen, würden sich auch weniger Spieler genötigt fühlen zur Selbstjustiz zu greifen.

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  • lil_red: Die Ursachen sind für mich ständige Provokationen einzelner Spieler

    DAS finde ich auch wesentlich schlimmer, als ein Ausraster im aufgehitzten Streitgespräch. Ich meine v.a. diese absichtlichen Ellenbogenchecks im Vorbeigehen à la van Bommel oder ein Ellenbogenschlag beim Kopfballduell, wie einst De Rossi bei der WM 2006. Das sind absichtliche Körperverletzungen, die nicht im Affekt geschehen, sondern ausdrücklich gewollt sind. Das gehört daher auch wesentlich härter bestraft, als es derzeit praktiziert wird.

    Man muss doch unterscheiden, ob es sich um eine bewusste Unsportlichkeit oder um einen Mangel an Selbstbeherrschung handelt; auch im Strafmaß!

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  • Optimist:
    DAS finde ich auch wesentlich schlimmer, als ein Ausraster im aufgehitzten Streitgespräch. Ich meine v.a. diese absichtlichen Ellenbogenchecks im Vorbeigehen à la van Bommel oder ein Ellenbogenschlag beim Kopfballduell, wie einst De Rossi bei der WM 2006. Das sind absichtliche Körperverletzungen, die nicht im Affekt geschehen, sondern ausdrücklich gewollt sind. Das gehört daher auch wesentlich härter bestraft, als es derzeit praktiziert wird.
    Man muss doch unterscheiden, ob es sich um eine bewusste Unsportlichkeit oder um einen Mangel an Selbstbeherrschung handelt; auch im Strafmaß!

    Ich wollte keine Namen nennen, aber van Bommel ist genau so ein Spieler, der immer wieder provoziert und den Gegner vorsätzlich verletzten will. Aber auch Spieler wie Simunic und Franz von Frankfurt sind solche Typen. Man muss sich nur mal die Sperre von Diego in der letzten oder vorletzten Saison anschauen. Er wird mehr als 20mal pro Spiel gefoult. Oft sind es Kleinigkeiten, manche Fouls gehen aber schon in Richtung Körperverletzung. Beim 21 Foul rastet er aus, verständlicherweise, und wird vom Platz gestellt, während alle provozierenden Spieler ohne Strafe davonkommen. Das eigentliche Problem wird so nicht gelöst. Es wird nur die Reaktion bestraft und nicht die Aktion, was jedem Spieler eigentlich zu einer falschen Verhaltensweise animiert. Es wird bewusster provoziert was auch entsprechende Reaktionen bewirkt. Zu einem faireren Spiel kommen wir auf diesem Wege nicht.

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  • Kennt jemand den Film „Schlappschuss“ (Slapshot) mit Paul Newman? Eine etwas andere Sportart, aber die gleiche Thematik! („’ne Lesbe, ’ne Lesbe!“)
    Es ist müßig, sich darüber aufzuregen. Es geht um viel Geld und da ist jedes Nittel recht. Warum das aber in einem sog. „Freundschaftsspiel“ auch so sein muss, die Frage sei hier schon erlaubt.
    Mein Plädoyer: 1+2 wäre ok gewesen.

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