Die Pflicht nach der Kür

Aktuell laufen die olympischen Winterspiele, auch dort kennt man Pflicht und Kür – beim Eiskunstlauf. Der Unterschied: Beim Eiskunstlauf kommt zuerst die Pflicht. Und mit einer gelungenen Pflicht kann man schon den Grundstein für den Medaillenerfolg legen. Beim FCN ist es diese Woche anders, letzten Samstag hatten wir die Kür, das so genannte “Derby”. Dabei liegen die Städte Nürnberg und München über 100km auseinander, nicht einmal die Landsmannschaft ist die gleiche – was daran ein Derby sein soll, ich verstehe es nicht. Natürlich gibt es eine große Rivalität zwischen den Vereinen, wobei diese Rivalität von uns Clubberern wohl gefühlt größer und wichtiger ist als für die Fans des FCB, denn wir sind schon lange keine echte Konkurrenz mehr für die Roten aus der Landeshauptstadt. Selbst die Zeiten als wir Rekordmeister waren sind schon sehr lange vorbei. Unser Spiel gegen die Bayern ist also schon lang das klassische Duell David gegen Goliath, nur im Unterschied zur Geschichte in der Bibel, können wir die großen Bayern nur selten ärgern und Punkte abnehmen. Am Samstag ist uns das mal wieder zuhause gelungen, ein glückliches 1:1. Dass die Bayern das Unentschieden in der Fremde als Niederlage gewertet haben, zeigt die Unterschiede im Anspruch deutlich auf.

Aber klar ist, Spiele gegen die Bayern sind immer ein Fest, ein Sieg hier kann viel grau-grau der Saison überdecken, selbst ein glückliches Unentschieden wie letzten Samstag gibt Zuversicht, hilft unseren Spielern Selbstvertrauen aufzubauen. In solchen Spielen können “kleine” Vereine, ja das sind wir heute (da hilft kein Bezug auf die goldenen Zeiten vor nun fast schon 100 Jahren) nur gewinnen. Kein Fan erwartet wirklich etwas, auch hier hoffte man auf eine Sensation, erwartet hat sie keiner. Die Spieler konnten ohne Druck ins Spiel gehen, wir mussten das Spiel nicht machen, konnten einen doppelten Riegel vor dem eigenen Strafraum aufbauen. Von Florenz lernen hieß die Devise und vorne sollte der liebe Gott helfen, was er dann tatsächlich bei der einzigen echten Chance tat. In dieser Saison zeigten wir selten eine solche Effektivität. Solche Spiele sind Feste, das Stadion voll, die Stimmung bei den Fans gut.

Jetzt kommt es nächstes Wochenende zur Pflicht. Kein großer Name, nur die vormals Unabsteigbaren (www), der Vfl Bochum, ist der Gegner. Die klassische “graue Maus”, die zwischen den beiden großen Namen BVB und S04 die Nische sucht in der man wirtschaften und überleben kann. Trotzdem hat Bochum mehr Bundesligajahre auf dem Buckel als unser “ruhmreicher” FCN. Dabei hat man es in Bochum nie geschafft über die Stadt hinaus zu wirken, sprich die Voraussetzungen sind schwieriger als in Nürnberg, ein großer Unterschied ist aber die Konstanz bei den Trainern und in der Vereinsleitung, bei Bochum gab es selten Skandale oder Schlagzeilen außerhalb des Sportlichen. Aber auch in Bochum sind die Ansprüche gewachsen, galt es unter Fußballkennern immer als große Leistung, dass der Trainer Koller die Liga gehalten hat, die Fans wollten sich damit nicht mehr zufrieden geben. Es kam zu einem fast schon sensationellen Fanaufstand für Bochumer Verhältnisse in dessen Verlauf der Trainer gehen musste, nach einer Übergangszeit unter Co-Trainer Frank Heinemann kam dann Heiko Herrlich, der zuerst keinen großen Umschwung schaffte, aber dann nach und nach der Mannschaft seine Philosophie beibrachte. Hoher läuferischer Aufwand, defensiv stehen und bei eigenem Ballbesitz schnell umschalten und steil auf die beiden schnellen Spitzen Sestak und Dedic spielen. Mit dieser klassischen Kontertaktik hatte der Verein vor allem seit der Rückrunde Erfolg, ist noch ungeschlagen. So konnte man sich auch Schritt für Schritt aus der Abstiegszone entfernen, hat in der Rückrunde 5 Punkte mehr geholt als wir und steht mit 9 Punkten Vorsprung auf Rang 13.

Trotzdem scheinen viele davon auszugehen, dass man gegen Bochum punkten muss, wenn wir noch da unten raus kommen wollen. Sprich am Samstag kommt die Pflicht, nach der Kür und dem Unentschieden gegen die Bayern.

Natürlich ist es richtig, dass wir endlich Dreier brauchen und richtig ist auch, dass wir nicht mehr viele Möglichkeiten haben, aber darf man trotzdem gegen Bochum einen Sieg zur Pflicht machen? Wenn man allein die Papierform nimmt, dann sicher nicht. Dazu kommt, dass die Mannschaft diese Saison nie ihr Potential ausspielen konnte, wenn man es erwartet hat, ich erinnere nur an das Freiburgspiel nach dem Sieg in Wolfsburg.

Aber für uns spricht: Bochum kann unbeschwert in das Spiel gehen, kann das Spiel machen, die sind fast schon raus aus dem Abstiegskampf, haben Luft nach unten und trauen sich etwas zu, eine Situation mit der unsere Mannschaft in dieser Saison leichter zurecht kommt, als wenn sie selbst das Spiel machen müsste. Ein Sieg am nächsten Wochenende ist aus meiner Sicht zwar keine Pflicht, aber er wäre wichtig für das Selbstvertrauen und wenn man die anderen Spiele unserer Gegner im Abstiegskampf sieht tut sich jetzt am Wochenende eine echte Chance auf. Hertha hat gegen Hoffenheim noch nicht gewonnen, Freiburg wird es in Gladbach schwer haben und Hannover hat mit den widererstarkten Wölfen einen echten Brocken und ein “Derby” vor sich.

Mit ein wenig Glück könnten wir nach diesem Spieltag auf einem Nichtabstiegsplatz stehen. Bevor wir aber zu euphorisch werden: Es kann auch Platz 18 werden. Es bleibt spannend.

11 Gedanken zu „Die Pflicht nach der Kür

  • 26.02.2010 um 16:26
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    Zitat: “Bochum kann unbeschwert in das Spiel gehen, kann das Spiel machen, … eine Situation mit der unsere Mannschaft in dieser Saison leichter zurecht kommt, als wenn sie selbst das Spiel machen müsste.”

    Darauf würde ich nicht wetten. Bochum tritt auch im eigenen Stadion auf wie ein Auswärtsteam. Ich habe mir die letzten Spielstatistiken angesehen: Meist nur rund 40% Ballbesitz und meist auch weniger Torschüsse als der Gast. Dafür immer über 50% Zweikampfbilanz. Das wird das Problem sein: man kann sie nicht kommen lassen, denn sie kommen nicht ;-).

    Das wird eine verdammt harte Nuss, genau die Art Gegner, die uns gar nicht liegt. Trotzdem, es muss ja! Es geht aber nur über vollen Einsatz und maximale Kampfkraft, also auf gehts!

  • 26.02.2010 um 17:20
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    Prinzipiell gebe ich Dir zu Deiner Analyse recht, dass Bochum bisher auch zuhause eher wie ein Auswärtsteam auftritt. Wenn ich aber die letzten Aussagen von Herrlich richtig deute, will er nach der Stabilisierung der Defensive jetzt die Spielstärke verbessern, das Publikum in Bochum hat ja diese Schwäche bei Koller so kritisiert. Vielleicht probiert man das ja gegen einen Abstiegskandidaten wie uns ;-)?

  • 26.02.2010 um 19:01
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    Das sehe ich genauso. Bochum sehe ich als einen Gegner, der dem FCN weniger liegt, als eine Mannschaft, die das Spiel macht. Bochum steht selber tief und kann hervorragend die Räume dicht machen, was unserem gewohnten “Angriffswirbel” das Leben noch schwerer machen wird, als es so schon ist.

    Aber möglich ist es trotzdem, der Frankfurther “Boss” also Vorstandsvorsitzende Bruchhagen hat öffentlich auf einen 1:3 Auswärtssieg für den FCN getippt. Nehmen wir es als gutes Omen! Vielleicht kann ja Gündogan in seiner wuseligen Art einen reinstochern. Das “Wie” ist doch völlig egal.

  • 26.02.2010 um 19:24
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    @ Armin: Gratuliere zu deinem 1. Artikel.
    @ Juwe: Den Tipp von Bruchhagen habe ich auch gelesen, ich frage mich allerdings wer die 3 Tore für uns machen soll.
    Ein 0:1 oder gar nur ein 1:1 wie gegen die Bayern, erscheint mir eher realistisch.

  • 26.02.2010 um 20:23
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    3 Tore finde ich auch unrealistisch, ich glaube wir schießen eher Vier: 3 Bunjaku, 1 Gündogan.

  • 26.02.2010 um 21:07
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    und 1 Harry 😀

  • 26.02.2010 um 21:19
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    mok: und 1 Harry

    Eher fällt Weihnachten und Ostern auf einen Tag.

  • 26.02.2010 um 21:42
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    Da hast du wohl recht 😀

  • 27.02.2010 um 09:12
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    mok: und 1 Harry

    Ich wäre schon hochzufrieden, wenn er eines auflegt. Es dürfen aber auch zwei sein.

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