Mintal: »Am Geld würde ein Vertrag nicht scheitern.«

Wenn man keine Themen hat, dann sucht man sich eben welche. Und da sind die Medien eben wieder auf das Thema “Mintal” gestoßen: Klick Klick Klick Klick.

Fakt ist, dass Mintals Vertrag im Sommer ausläuft, Fakt ist wohl auch, dass man von sportlicher Seite unmissverständlich klar gemacht hat, dass man für eine Zusammenarbeit mit dem Spieler Mintal in der neuen Saison keine Zukunft sieht. Da man seine Verdienste und sein Standing im Verein und Umfeld aber zu würdigen weiß, möchte man ihn unbedingt an den Verein weiter binden – nur eben nicht als Spieler. Aber da liegt nun der Hund begraben.

Dafür wurde ihm ein Dreijahres-Anschluss-Vertrag angeboten. Mintal könnte dabei im Nachwuchsleistungszentrum arbeiten, alle Trainerscheine machen sowie Marketing und Sponsorenaktivitäten des FCN unterstützen. An diesem Angebot hat sich nichts geändert. (Quelle)

Die Wertschätzung seitens der Fans ist unbestritten und dazu braucht man nicht einmal das Gänsehautfeeling selbst zu erleben, wenn Marek Mintal Fußballgott mal wieder eingewechselt wird – und das passiert ziemlich oft: 12 mal von 12 Einsätzen diese Saison, zuletzt sechsmal in Folge, um genau zu sein.

Im Winter standen bereits die Zeichen auf Abschied: US-Erstligist Philadelphia bot ihm einen 3-Jahres-Vertrag an, doch der stellte sich bei genauerem Besehen dann als nicht so attraktiv dar, wie es fernmündlich wohl in typisch amerikanischen Positivismus wohl klang. Mintal lehnte ab und steht nun vor “Neun Abschiedsspiele(n)” (Quelle) quer durch die Republik.

Nun spaltet die Causa Mintal aber doch die Gemüter, seitdem Mintal nun äußerte, sich partout nicht als Fußball-Rentner zu fühlen und noch ein bisschen kicken möchte – am liebsten beim Club. Sogar mit der Reservistenrolle würde er sich begnügen, ja er habe sogar einen gewissen Gefallen daran gefunden, Hauptsache er sei nah an der Mannschaft und eben ab und an dabei.

„Seither bin ich anders auf dem Platz“, sagt der Edelreservist, dem die jungen Wilden des Clubs inzwischen den Rang abgelaufen haben. Trotzdem ist der Spaßfaktor hoch, wie er beteuert: „Seit dem Pokalspiel auf Schalke bekomme ich regelmäßig meine Einsatzzeiten. Es macht viel Freude mit dieser Truppe. Wir haben eine tolle Mischung: viele junge Spieler und zwei Rentner – Timmy Simons und mich!“ (Quelle)

So weit, so gut. Doch die Offerte Mintals bringt nun die sportliche Führung doch etwas in Bedrängnis. Was macht man mit einem so verdienten und beliebten Spieler, wenn er selbst die goldensten Brücken zum “Altenteil”, die blumigsten Empfehlungen für eine andere Zukunft als eine sportliche partout nicht annehmen will? Ist das Business Fußball nicht ein bisschen zu hart für solche Sentimentalitäten? Wäre es wirklich eine Frage von “Anstand”, wie man das bisweilen aus der Fan-Diskussion heraushört, Mintals Wunsch wider die eigene sportliche Planung zu erhören und ihm einen Folgevertrag anzubieten – als Art “Stand-by-Profi”? Spötter sagen schon: Als Maskottchen mit Spielerpass?

Bader: „Gerade weil wir Marek so respektieren, bieten wir ihm auf dem Höhepunkt seiner Karriere einen super Abschied mit einem super Angebot an. Ihn nur für die U23 oder den Notfall zu halten, damit würden wir ihm keinen Gefallen tun.“
Mintal: „Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich mir die Rolle als Stand-by-Profi vorstellen könnte.“
(Quelle)

Eine heikle Aufgabe, gerade auch vor dem Hintergrund, dass man beim FCN sich in punkto “Heldenverehrung” jenseits der Benamung von Fanblöcken, Beflockung von Fahnen und Bedruckung von Autogrammkarten jeher etwas schwer getan hat. Bei Mintal wollte man alles besser machen, aber der spielt da offenbar nicht die ihm zugedachte Rolle. Sein gutes Recht?

Die Sache Mintal wird in jedem Fall den Verein noch weiter beschäftigen, gerade wenn die Saison – wonach es aussieht – über kurz oder lang in ruhiges Fahrwasser respektive Langeweile münden sollte. Gerade hinsichtlich des “Unantastbaren” erwarten die Fans vom Verein ein tadelloses Verhalten, doch wird dies der sportlichen Leitung gerade nicht unbedingt einfach gemacht. Lässt man ihn immer wieder spielen, fühlt sich Mintal trotz ausbleibenden (Tor-)Erfolgs bestätigt Hoffnung auf einen Verbleibt zu hegen, lässt man ihn außen vor, wird dies als Affront gegen Mintal gewertet und die häufig genug geäußerte Wertschätzung ad absurdum geführt. Verlängert man den Vertrag kategorisch nicht, trotz Bekundungen von Mintal, dass es “am Geld nicht scheitern” würde, wird dies der sportlichen Leitung sicher auch negativ ausgelegt. Andererseits sind solche Aussagen wiederum sehr vieldeutig und die Schwelle, ab wo ein Angebot wirtschaftlich noch sinnvoll, für den Spieler aber nicht mehr akzeptabel und damit auch fast schon beleidigend wird, nicht so einfach zu taxieren.

In jedem Fall kann man dem Verein und dem Spieler nur empfehlen, sich schnell um eine gemeinsame Sprachregelung zu bemühen und eine Lösung zu finden. Nichts gegen ein paar Aufreger in der sonst vielleicht langweiligen Zeit, aber in Sachen Mintal wüsste man doch gerne eine einvernehmliche Zukunft. Vielleicht muss man dazu doch das Fenster für mögliche Einsätze als Stand-By-Profi öffnen, neben den Aufgaben im Nachwuchsleistungszentrum, im Marketing, bei den Sponsorenaktivitäten und den Trainerkursen – und sei es nur auf einer Art Einsatzprämie. Dazu muss aber auch Mintal bereit sein und akzeptieren, dass es das im Grunde aber auch schon war mit der Profi-Karriere, auch wenn für 1 Jahr noch ein Türchen offen steht.

Im richtigen Moment aufzuhören, das ist eben gar nicht so einfach. Auch ein ganz Großer im deutschen Fußball, Michael Ballack, muss das aktuell wohl auch unfreiwillig am eigenen Leibe erfahren.

20 Gedanken zu „Mintal: »Am Geld würde ein Vertrag nicht scheitern.«

  • Ja, ich könnte mir schon vorstellen, dass er formal mit dem Anschlussvertrag für Nachwuchs- und Managementarbeiten ausgestattet wird, aber zweigleisig fährt und weiter mit den Profis trainiert und zusätzliche Einsatzprämien bekommt, wenn er mitspielt. Bei Grlic in Duisburg hat das ja scheinbar auch funktioniert, warum also nicht auch hier….

    Einen reinen Spielervertrag kann man ihm nämlich imho nicht mehr geben, denn die finanziellen Abstriche, die nötig wären, kämen schon in den Bereich der Respektlosigkeit. Das geht eigentlich nicht….

    • Optimist:
      Einen reinen Spielervertrag kann man ihm nämlich imho nicht mehr geben, denn die finanziellen Abstriche, die nötig wären, kämen schon in den Bereich der Respektlosigkeit. Das geht eigentlich nicht….

      Bin ich voll Deiner Meinung. Nichts anderes habe ich vor einigen Monaten hier an dieser Stelle schon gemeint, als ich mich dazu äußerte.
      Hoffen wir, daß MB hier keine Kommunikationsprobleme bekommt. Da haperts anscheinend bei ihm schon ab und zu. (Galasek oder auch Meyer lassen grüßen.)

  • Sehe ich auch so, wenn er so wertvoll für die Mannschaft ist wie Dieter Hecking immer sagt.
    Anschlußvertrag mit allem drum und dran!
    Nächstes Jahr in der Euro-League brauchen wir Leute mit Erfahrung wie Mintal und Simons. 😉

  • Man sollte ihn mal, wenn es um nix mehr geht, über 90 min. spielen lassen. Nur dann kann er zeigen, was er noch drauf hat. Wenn diese junge Mannschaft einigermassen zusammenbleibt wird er es aber nächste Saison schwer haben in die Mannschaft zu kommen. Leider sind seine besten Jahre vorbei. Die Mannschaft hat inzw. neue Stars.

  • Ich würde es verstehen, wenn er gegebenenfalls noch einem anderen aufstrebenden Verein weiterhilft vielleicht auch ein Modell wie bei Galasek, der einem Bayernligisten weiterhilft. Ganz egal, ob er bleibt oder geht, das Leben besteht aus Abschnitten und er wird immer ein Clubberer bleiben. Als Person ist Marek Mintal unantastbar. 🙂

  • als person ist er unantastbar, seine erfolge im clubtrikot auch.

    als jetziger kaderspieler ist er antastbar. mal abwarten wie sich die sachen bei güni, und ekici entwickeln. weiß ja keiner, was da geht nächste saison.
    schlaudraff war bei 96 auch weg vom fenster und kam dann doch wieder rein.

    leider war der zweite mittelfußbruch wohl das ende des phantoms, auch wenn er in liga zwei in der rückrunde das tor wieder traf (wenn auch meist ohne gegenwehr).

    mintal bleibt beim club für mich das phantom und ein ausnahmefußballer!

  • Es ist noch gar nicht so lange her, da ging es nicht um das WIE, sondern um das WARUM von Marek Mintal außerhalb der Startelf.

    Es war damals eine strategische Entscheidung des Trainers. Die war nötig, weil der Club ein System brauchte und nicht ein Phantom, das noch langsamer geworden und noch nie ein Spielmitgestalter war. Dass er seinen Stammplatz verloren hatte, war wohl der schmerzlichste Punkt in Mintals Erlebtem beim Club neben seiner bitteren Verletzung. Es war aber auch konsequent.
    Wie die letzten Serieneinwechslungen gezeigt haben, kann er noch kicken, vielleicht auch noch das von allen Seiten sehnlichst erwartete Tor schießen (Darf man bei einem erhaltenen Elfmeter noch schnell einen Spieler einwechseln?).
    Marek hat Erfahrung. Marek ist mit dem Herzen seit Jahren beim Club. Er ist DIE Identifikationsfigur beim Club. Er ist, wenn auch als aktiver Edelreservist, DIE LEBENDE LEGENDE.
    Wenn er auf den Punkt bringt, dass es ihm nicht um Geld geht (das sagte er schon im Winter, vor dem möglichen Wechsel), sondern ums Spielen können, es jetzt nochmal modifiziert auf: ” Es geht mir nicht ums Geld und ich kann mir die Rolle des Stand-By-Profis vorstellen!”
    Dann mag das sentimental klingen. Dann kann man bei gekürzten Bezügen lamentieren, dass sei seiner nicht würdig.

    Ich sehe keinen Grund, Mareks Worte anzuzweifeln. Er sieht keine Entwürdigung. Er WILL das GERNE tun. Da sag ich doch einfach nur DANKE! Klasse, dass es solche Profis gibt. Der ganze Club wird davon profitieren, gelegentlich auf, viel öfter unbemerkt neben dem Platz. Wir werden ihn noch brauchen.

    • Teo: Ich sehe keinen Grund, Mareks Worte anzuzweifeln. Er sieht keine Entwürdigung. Er WILL das GERNE tun. Da sag ich doch einfach nur DANKE! Klasse, dass es solche Profis gibt. Der ganze Club wird davon profitieren, gelegentlich auf, viel öfter unbemerkt neben dem Platz. Wir werden ihn noch brauchen.

      Da bin ich ganz bei Dir, das bringst Du schön auf den Punkt. Deshalb habe ich mir ja Gedanken gemacht (s.o.), ein Konstrukt zu finden, das Marek nicht als Altprofi mit reduziertem Wert abqualifiziert, sondern ihm eine definierte neue Aufgabe gibt, bei der er selbst über das Tempo seines Abschieds aus dem aktiven Spiel mitentscheidet, indem er sich im Training entsprechend anbietet oder es eben langsam ausklingen lässt. Ich fände es schön, wenn er den Zeitpunkt, an dem er die Schuhe an den Nagel hängt, irgendwie selbst bestimmen kann, weil er sich nicht erst wieder über die weitere Zukunft Gedanken machen muss. Dafür würde sich der Status als Stand-by-Profi ganz gut eignen, eben zweigleisig mit neuen Aufgaben und einem Gehalt, das sich über die neuen Aufgaben und nicht als Lizenzspieler definiert.

      Denn man hört es von den Jungspunden immer wieder, wie wichtig Mareks Rat und Erfahrung für die Jungen ist, sie sehen zu ihm auf. Daher würde dem Team einfach ein Verlust entstehen, wenn ein Marek mit Lust auf Fußball nicht mehr am Training teilnimmt. Denn offensichtlich hat er inzwischen akzeptiert, dass es zum Stammspieler nicht mehr reicht und nimmt die Rolle mit neuer Energie und Freude an, was seiner Leistung sogar zugute kommt und ihn seit der Winterpause wieder dichter an die Stammelf heranrücken lässt. Seine regelmäßigen Einwechslungen belegen das.

      Deswegen, @ Alexander, kann ich oben bei der Abstimmung nicht das richtige für mich finden: ich würde Stand-By-Profi nehmen, aber eben nicht beim FCN II, sondern mit Nebenaufgaben. Die anderen Möglichkeiten (Wechseln, 1 Jahr Vollprofi, Schuhe an Nagel) scheiden für mich aus.

      • Optimist: Deswegen, @ Alexander, kann ich oben bei der Abstimmung nicht das richtige für mich finden: ich würde Stand-By-Profi nehmen, aber eben nicht beim FCN II, sondern mit Nebenaufgaben. Die anderen Möglichkeiten (Wechseln, 1 Jahr Vollprofi, Schuhe an Nagel) scheiden für mich aus.

        Ja, stimmt, die Option Stand-By-Profi bei der 1. Mannschaft fehlt – aber ich halte sie auch nicht für wirklich praktikabel. Entweder man ist voll dabei und trainiert alle Übungsformen mit oder man macht eben was anderes – ich halte den Status eines “Profi” schon für durchaus einnehmend. Ähnlich wie ja bei Klewer, der dann in den Torwart-Trainer-Stab mit integriert wurde.

        Aber vielleicht täusche ich mich ja, dann geht der fehlende Punkt in der Umfrage auf meine Kappe.

    • Teo:
      Darf man bei einem erhaltenen Elfmeter noch schnell einen Spieler einwechseln?

      Dürfen schon, aber das wäre zu billig.
      Ansonsten stimme ich Dir voll und ganz zu.

      • Claus: Dürfen schon, aber das wäre zu billig.
        Ansonsten stimme ich Dir voll und ganz zu.

        Früher dachte ich immer, dass der Elfmeterschütze beim Vergehen am Platz gestanden haben muss, aber ich kann das so nicht belegen, daher gehe ich mal davon aus, dass es ginge.

  • was macht schalke da eigentlich gerade?
    dieser club war schon lange nicht mehr so weit in der championsleague,hat das pokalfinale erreicht…nur in der buli läuft es nicht so richtig,und schon muss man magath entlassen,gehts eigentlich noch??
    das altersheim,das magath errichtet hat,hin oder her,sollte S04 magath entlassen,ist das der dümmste schritt,den man machen kann!
    sorry,aber dass musste jetz mal raus 😀

  • Außerdem wäre das Risiko viel zu groß. Was wäre denn, wenn Marek den Elfer versemmelt? Nein, lieber wie in alten Zeiten: Wenn keiner mit ihm rechnet, schlägt er zu. gegen St. Pauli hätte es ja fast geklappt. Aber wahrscheinlich wollte er dem Christian den möglichen BuLi-Rekord nicht kaputt machen.

  • @Alexander: Wenn ich nicht gänzlich falsch liege, darf man zu einem Elfmeterschießen nicht mehr wechseln, deswegen seinerzeit die Einwechselungen von Klewer kurz vor Schluss, im Finale hatte er sich ja auch schon warm gemacht.

  • Beim Elfmeterschießen ist das Spiel ja auch vorbei. Aber während des Spiels darf zu jedem Zeitpunkt gewechselt werden, also auch direkt vor einem Elfmeter, der Schiedsrichter muss es halt zulassen, wie jeden Wechsel.

  • Ich habe Angst, daß Marek eine wichtige Identifikationsfigur innerhalb der Mannschaft ist. Nicht daß da ähnliches wie beim VfBäh passiert: Da war der Lehmann sportlich wohl durchaus ersetzbar, aber als unangefochtener Mannschaftschef nicht. Sogar bei den Baiern fehlt der foule holländische 6er spürbar. Auch der war wohl so ein “Boss”. Ob das der Marek ist, kann ich nicht beurteilen. Auch wenn er kein “Boss” sein sollte, könnte er vielleicht andere, gruppendynamisch-relevante Positionen besetzen (tolles Wort). Ich bin aber kein Fachmann auf dem Gebiet noch habe ich hierzu internes Wissen. Deshalb schweige ich nun. Aber immer noch mit einem Grinsen. 😀
    Seltsam, gibt es sowas wie Gesichtsmuskelkater?

  • Ich denke den werdet ihr noch vermissen wenn er einmal weg ist, der ist schon wichtig mit seiner Erfahrung

  • … also ich hab für meine kinder schon mal extra noch karten für das spiel gegen hoffenheim gekauft. sie sollen für später mal sagen können, dass sie beim abschied von marek mintal dabei waren. und wie ich das so schreibe erinner ich mich an das spiel gegen den az alkmar. mehr muss ich jetzt sicher nicht sagen, oder?

  • Auweh, in Paderborn wuerde er es aber nicht lange aushalten, denke ich.
    Er wird sich aber aehnlich wie in den USA vorher gruendlich umsehen.

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