Keine Haue in Aue

Im Zweitrunden-Match des DFB-Pokal zwischen Erzgebirge Aue und dem 1. FC Nürnberg gab es keine Prügel, weder für den Zweitligisten, noch für den vermeintlichen Favoriten, noch auf den Rängen, und dennoch ein K.O.. Die Entstehungsgeschichte ist dennoch eine Nachbetrachtung wert, auch wenn sich schon in wenigen Monaten wohl nur noch die Chronisten daran erinnern werden.

Der FCN startete, wie nicht anders zu erwarten/befürchten, „ohne 7“ in die Partie (zählt man Rakovsky noch dazu sogar „ohne 8“, aber Schäfer und Rakovsky können ja nicht gleichzeitig spielen), wodurch sich folgende Aufstellung ergab:

Stephan – Plattenhardt, Maroh, Wollscheid, Chandler – Cohen, Simons – Esswein, Mak – Pekhart, Bunjaku
(Altersdurchschnitt 23 Jahre)

Das bedeutete nicht nur personell eine Veränderung, sondern auch taktisch – ob das dem Personal, oder dem Gegner geschuldet war, wird nur Hecking wissen. Mit Doppelspitze und Doppelsechs war die Marschroute jedenfalls vorgegeben: Im Zentrum dicht machen, nach Balleroberung schnell über die Außen und mit zwei Stürmern dann versuchen zum Abschluss zu kommen. Das funktionierte auch bis zur 20. Minute ordentlich, der Club hatte gegen engagierte Gegner die bessere Spielanlage und kam zu ersten Halbchancen. Doch danach sollte sich das alles ändern. Aue kam immer besser in die Zweikämpfe und sorgte mit mutigen Fernschüssen für erste Aktionen, auch wenn selbige oft spektakulärer aussahen, als sie Wirkung hatten. Dennoch sah man, dass Aue nun insgesammt aggressiver nachrückte und auch aus dem Spiel zu mehr Offensivaktionen kam, während der Club nun offensiv kaum noch stattfand und in der Defensive mehr und mehr bedenklich wackelte.

Vor allem das in diesen Tagen so oft zitierte „Umschaltspiel“ war derart fehleranfällig, dass man Aue kaum noch in der Defensive binden konnte – zu schnell ging der Ball verloren und der Druck auf das eigene Tor wurde immer größer. Damit tat sich die in dieser Formation uneingespielte und unerfahrene Viererkette (Altersdurchschnitt 21,5 Jahre, wobei Maroh mit 24 noch der Oldie war) selbst keinen Gefallen. Doch trotz großem Engagement und optischer Überlegenheit blieben die großen Chancen auch seitens Aue aus bzw. wurden von Stephan beherzt entschärft.

So ging es in die zweite Halbzeit und Hecking reagierte, indem er den wieder enttäuschenden Mak, der leider zu selten bisher sein Potenzial abrufen kann, aus dem Spiel nahm und durch Wießmeier ersetzte. Wießmeier ist zudem in der Lage mehr Kreativität und spielerisches Element einzubringen, wenn die Idee mit Dribblings über Außen schon nicht funktionierte. Dass man damit den Altersdurchschnitt weiter senkte, wenn man einen 20jährigen aus dem Spiel nimmt, ist sicher auch eine Randnotiz wert. Doch der Griff in Heckings Halbzeit-Maßnahmen-Kiste, was ja durchaus schon oft erfolgreich war, zeigte zunächst keine Wirkung. Erzgebirge blieb am Drücker. Als dann noch Bunjaku nach einer der wenigen FCN-Offensivaktionen signalisierte, dass er verletzungsbedingt raus muss (Gute Besserung, Albert!) und Mendler eingewechselt wurde, musste einem nicht nur ob des Spielverlaufs so langsam Angst und Bange werden. Der Altersdurchschnitt betrug jetzt 22 Jahre und wäre Simons nicht am Feld gewesen, wäre man gar bei 21 Jahren im Schnitt gewesen – eine U21 sozusagen, darunter drei 18 bzw. 19jährige.

Im Pokal gibt es keine Alibis, darauf hatte man sich in Fankreisen vorab verständigt, da zählt im Vergleich mit unterklassigen Gegnern nur das Weiterkommen. Und insoweit ist im Folgenden auch alles so gelaufen, wie es eben oft läuft. Statt ein „irgendwann musste das Tor für Aue ja fallen“ kam das „und dann das Tor aus dem Nichts“ und belegte die These, dass der Bundesligist eben nur clever warten müsse, bis der engagierte Außenseiter einen entscheidenden Fehler macht, und man dann zuschlägt. So ganz war es nicht, aber irgendwie dann doch. Aue machte aus seinem Aufwand zu wenig und aus dem Wenigen nichts. Der Club dagegen hat dann eben doch Spieler wie Esswein im Team, der – auch wenn er zuletzt noch wegen ausgelassener Chancen gegen Wolfsburg gescholten wurde – eben drei Dinge im überragendem Maße besitzt, die den Auer Spielern so fehlt: Antritt, Ballführung bei hoher Geschwindigkeit und Schußtechnik. Eben das Maß an Qualität, das einen Bundesliga-Offensiv-Spieler von einem soliden Zweitligaspieler auch unterscheiden soll. Esswein fasste sich ein Herz, zog von der Außenlinie ähnlich wie es auch ein Messi gern tut (oder alternativ bayuwarische Holländer) mit Tempo nach innen entlang der Strafraumlinie, wodurch der Verteidigung nur ein Foul als Option bleibt oder die Hoffnung, dass nichts passiert, und zog dann bei der ersten Lücke aus dem Lauf mit Vollspann ab: 1:0 – hier hätten dem (für Liga-Verhältnisse) eher „kleinen“ Torwart ein paar mehr Zentimeter gute Dienste geleistet.

Der Rest vom Spiel kann man trotz zweier Tore dann kürzer abhandeln: Der FCN nutzte den Wirkungstreffer mit einem weiteren Fernschuß des blank stehenden Wießmeier, der schön und trocken flach einnetzte. Aue da angezählt, aber noch nicht am Boden. Man warf noch mal alles rein und kam durch einen wirklich gelungenen Angriff mit schöner Flanke und sauberen Kopfball zum Anschlusstreffer. Das erweckte dann nochmal Spieler und Stadion, doch obwohl man dann mit Mann und Maus anrannte und sogar den Torwart vorzog, wurde es eigentlich nicht mehr wirklich gefährlich (nimmt man die Querschläger, die an Freund und Feind vorbei durch den Strafraum gingen, einmal aus). Aber das kraftraubende Spiel hätte wohl noch einen zweiten Geniestreich wie beim Anschlusstreffer oder etwas Glück gebraucht, so aber versandeten dann auch die letzten Offensivaktionen. Und da auch der Club den finalen Schlag nicht setzen wollte, obwohl man einmal das gänzlich verlassene Tor vor sich hatte, aber einen Verteidiger anschoß, endete das Spiel mit einem „Punktsieg“ für den FCN, was im Pokal eben das „K.O.“ für den Gegner bedeutet.

Am Ende waren alle irgendwie zufrieden: Aue, weil man den Bundesligisten so richtig fordern konnte und man sich hervorragend präsentierte, und der FCN für das Pflicht-Weiterkommen, das auch knapp über 500.000 an dringend benötigten Einnahmen beschert und der jungen Truppe auch Selbstvertrauen geben wird. Am Ende ist Fußball eben doch Ergebnissport.

Darauf angesprochen, warum man das Spiel in Berlin zu Saisonbeginn so viel besser gesehen habe als das gestern in Aue, kann man im Übrigen schon gute Erklärungen liefern. Zwar sahen beide Spiele in der Offensive in der Tat nicht viel inspirierender aus, aber defensiv und in der Spielordnung waren da Welten. Hertha, immerhin Bundesligist und personell sicher kein schlechter, wurde komplett aus dem Spiel genommen, Aue, der Zweitligist aus dem Mittelfeld, stellte dagegen den Club vor ganz große Probleme bisweilen und man mag kein schlechter Prophet sein, wenn man sagt, dass eine Mannschaft mit mehr Qualität in der Offensive hier kurzen Prozess gemacht hätte.

Ob es so kommt, das wird man vielleicht schon am Samstag erleben, wenn der Club auch da so auftritt. Aber mit der Betonung auf „WENN“. In München ist ein komplett anderes Spiel, selbst wenn das Personal beim Club nicht viel anders sein würde. Ein Flutlichtspiel in einer K.O.-Runde ist mit Liga-Alltag nicht zu vergleichen und so darf man durchaus guten Mutes sein, dass der FCN sich ordentlich präsentieren wird und vor allem zur Ordnung zurückfindet. Ob es dann zum Erfolg reicht, dazu müssen in München allerdings noch 1, 2 andere außergewöhnliche Dinge zusammenkommen – was nicht unmöglich ist, aber eben auch nicht wahrscheinlich.

Man kann im Übrigen Hecking mal wieder ein Zwischen-Zeugnis aussprechen: Unter Hecking macht der Club seit seinem Amtsantritt bisher stets das Mögliche wahr. Und das ist als Kompliment zu verstehen. Mit ihm schafft man stets das, was man erwarten darf – und manchmal sogar ein wenig mehr. Für Wunder sieht sich Hecking allerdings nicht zuständig, dafür ist er viel zu sehr Realist, auch wenn manche das was in Nürnberg passiert jetzt schon als kleines Wunder sehen. Irgendwie erinnert das an die Eintracht unter Funkel, der – auch wenn er als Typ und Trainer ganz anders ist – die Eintracht stets dahin brachte, wo man auch hingehörte. Leider (für ihn) war das die Frankfurter Fans und dem Umfeld dann zu langweilig auf Dauer und man feuerte ihn und heuerte einen Visionär an. Die Eintracht kickt jetzt zweite Liga und flog gestern im Heimspiel gegen Kaiserslautern aus dem Pokal. Vielleicht sollte man das bei Kritik an Hecking und der (Spielweise der) Mannschaft, selbst wenn es in München nicht klappen sollte und auch die kommenden Wochen noch stürmischer werden, im Hinterkopf behalten. Abgerechnet wird am Ende und da ist Hecking bisher stets über dem Soll gewesen.

32 Gedanken zu „Keine Haue in Aue

  • Habe vor dem Spiel in Aue auf einen 3:1 Sieg des Club (2 x Esswein, 1 x Pekhart) getippt. Ist ja fast eingetroffen!

    Für Samstag stimmt mich folgende Statistik optimistisch:

    „.. Nur gegen Bremen (14) verlor Heynckes mehr BL-Partien als gegen den Club (11). +++ Hecking verlor noch keines von 4 BL-Duellen gegen Heynckes (3 S, 1 U)..“ (Quelle: Kicker)

  • Komplette Zustimmung.
    Wobei es beim Club durchaus als visionär gelten darf, das Mögliche zu erreichen (= Etablierung in der 1.Bundesliga) 😉

  • Esswein war absolut klasse. Pfeilschnell, ein Tor selbst gemacht, beim anderen den Ball erkämpft und so vorbereitet. Auch Glückwunsch an Wießmeier. Mich hat auch beeindruckt, dass die jungen Wilden ohne die erfahrenen Spieler wie Eiger, Feulner, Pinola und Schäfer gegen eine käpferische Mannschaft sich durchsetzen konnte.
    Das sollte für das Bayernspiel motivieren. Da gibt es eh nichts zu verlieren. Auf geht’s! Ärgern wir die Bayern!

  • Teo:
    Komplette Zustimmung.
    Wobei es beim Club durchaus als visionär gelten darf, das Mögliche zu erreichen (= Etablierung in der 1.Bundesliga)

    Die Vision wird erst dann zu Realität, wenn es dem Verein gelingt, den Marktwert zu steigern und die Einnahmen dauerhaft zu verbessern. Ob das mit den Unternehmen in der „Metropolregion“ gelingt, darf jedoch bezweifelt werden. Das hat schon in den letzten 30 Jahren nicht funktioniert. Wir sind da leider auch als Region nur zweite Wahl und können deshalb wirtschaftlich mit den „Großen“ nicht mithalten. Eine Unterstützung a la Hoffenheim bzw. Wolfsburg/Leverkusen wird von den meisten Fans ja auch nicht gewollt. Ob uns ein neues Stadion da weiterbringt weiß ich auch nicht.
    Aber egal, so wie uns geht es 8 – 10 Mannschaften in der BuLi. Deshalb werden wir vermutlich weiter zwischen der 1. und 2. Liga pendeln. Trotzdem gefällt mir die Entwicklung mit den „jungen Wilden“ besser als mit ausrangierten und überbezahlten Alt-Stars und einzelne Erfolgsjahre wie 2007 nehmen wir gerne mit.

  • clubfan2006,

    Nicht ganz. Ziel muss es sein, Spieler mit gestiegenem Marktwert nicht abgeben zu müssen – das gelingt dann, wenn sich etablieren kann, Platz x-12. Dann wird man auch für Sponsoren interessant.
    Um zu diesem finanziellen Unterbau zu gelangen, ist die erste Vision aber eben das Abstiegsgespenst nachhaltig zu vertreiben – und dazu passt das, was Alexander geschrieben hat 100% ig.

  • Und noch dazu: Auch wir können einen nicht unerheblichen Anteil übernehmen, damit es den Club nachhaltig besser geht! Zwar ist im Nürnberger Raum der Club eine Marke, national und international aber sind wir es, die die Farben des Clubs vertreten – als Fans bei Auswärtsspielen, in Facebook, Twitter, als Kommentatoren, als Fanmagazin und als Medienkonsumenten.

    Darüber sollte ich auch mal einen Artikel machen.

  • Alexander | Clubfans United: Darüber sollte ich auch mal einen Artikel machen.

    …und das am besten auch in einem überregionalen Medium, wie z.B. 11 Freunde.

    Schade finde ich auch, dass das derzeit nahezu vorbildliche Benehmen unserer Auswärtsfans eben keine Nachricht wert ist, im Gegensatz zu den allerorten ausufernden Umtrieben von Chaoten, Zündlern und anderen Vollpfosten. Da geht mein Dank ausnahmsweise auch mal an unsere Ultras, die ihren Laden scheinbar z.Zt. ganz gut im Griff haben. Oder trügt mich meine Wahrnehmung?

  • Optimist: Schade finde ich auch, dass das derzeit nahezu vorbildliche Benehmen unserer Auswärtsfans eben keine Nachricht wert ist

    Ich finde
    a) das das eigentlich Normalste von der Welt, nämlich dass man sich sportlich fair auch auf den Rängen verhält und sich benimmt, wie man sich als Gast eben benimmt, eigentlich auch keine Nachricht wert ist. Wenn das eine Nachricht sein sollte, dann hat man wohl irgendwie die Dresdener Randalinskis als Normalfall im Hinterkopf und da weigere ich mich ganz entschieden solches auch nur implizit zu akzeptieren.
    b) Generell will man doch wohl eher lesen/hören/sehen, wenn irgendwo auf einer Insel ein Vulkan ausgebrochen ist, als jeden Tag die 359 Inseln einzeln medial abgehandelt sehen, auf denen heute just kein Vulkan ausbrach, oder? 😉 News is what’s different!

  • Schade finde ich auch, dass das derzeit nahezu vorbildliche Benehmen unserer Auswärtsfans eben keine Nachricht wert ist, im Gegensatz zu den allerorten ausufernden Umtrieben von Chaoten, Zündlern und anderen Vollpfosten. Da geht mein Dank ausnahmsweise auch mal an unsere Ultras, die ihren Laden scheinbar z.Zt. ganz gut im Griff haben. Oder trügt mich meine Wahrnehmung?

    Ich hoffe nur, Du mußt am Samstag Abend Deine Meinung nicht revidieren.

    Die Aktionen der Ultras deutschlandweit haben einen Hintergrund: Die Ultras hatten mit dem DFB eine Abmachung wegen der Legalisierung von “ geordneter Pyro“. Der DFB soll zugesichert haben, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Im Gegensatz dazu verpflichteten sich die Ultras, solange darauf zu verzichten. Nun sagt der DFB, dies soll nie authorisiert gewesen sein, was die Ultras zu „großen“ Aktionen veranlasst. Ich hatte gestern schon Befürchtungen, aber ob Glubb Ultras weiter vorbildlich sind, werden wir erst am WE sehen. Aber bei der „Freundschaft“ zu den Batzis….. befürchte ich nichts gutes…..

  • Zwei Feuerwerkskörper gab es auch gestern pünktlich zum Anpfiff…
    …hoffen wir mal, dass das kein Probelauf für Samstag war.

  • Wird ein Bild aus einem italienischen, spanischen oder griechischen Stadion mit Feuerwerk gezeigt, dann heisst das „südländische Begeisterung“ wird das in einem deutschen Stadion gemacht, dann sind das „blöde Chaoten“.

    Ich kenn mich damit nicht aus, kann mir das jemand erklären?

  • Falsch. Wir retten gerade erneut unsere Banken und nicht Griechenland. Das wird auch immer falsch dargestellt.

  • Woschdsubbn:
    Wird ein Bild aus einem italienischen, spanischen oder griechischen Stadion mit Feuerwerk gezeigt, dann heisst das “südländische Begeisterung” wird das in einem deutschen Stadion gemacht, dann sind das “blöde Chaoten”.

    Ich kenn mich damit nicht aus, kann mir das jemand erklären?

    Fakt ist, dass in Griechenland in Ligaspielen inzwischen gar keine Auswärtsfans mehr zugelassen sind! Selbst da hat man vor der südländischen Begeisterung der blöden Chaoten kapitulieren müssen und als letzte Möglichkeit gegen Gewalt im Stadion den radikalen Schnitt gemacht, nur noch Heimfans (und diese mit personalisierten Tickets!) zuzulassen. Wenn wir also alle so scharf auf südländische Begeisterung sind, bitte schön!

    Wozu das führt, wenn doch einmal Gästefans da sind, konnte man in der EM Quali gegen Kroatien bewundern, denn da darf man die Gäste nunmal nicht aussperren (und sei es zu ihrem Schutz): Die südländisch begeisterten Griechen haben die Kroatischen Gäste mit Bengalos und sogar Molotov Cocktails beworfen (es gab eine riesige Stichflamme im Gästeblock) und die attackierten Kroaten haben zum Dank die Sitze rausgerissen und zurückgeworfen. Hätte die Polizei nicht schnell eingegriffen, wäre es wohl zur offenen Schlacht gekommen. Das Spiel wurde zehn Minuten unterbrochen und stand kurz vor dem Abbruch.

    Alle, die südländische Verhältnisse romantisieren, sollten sich das vor Augen halten. Mir gefällt die Stimmung bei uns besser, besonders, wenn keine Chaoten auf sich aufmerksam machen wollen!

    Ich hoffe wirklich, am WE bleibt es friedlich. Ich würde mich gerne als Fan eines Vereins mit vorbildlicher Fankultur sehen, der vielleicht demnächst dann auch mal als positives Beispiel präsentiert werden kann. Auch so kann man die Sponsorenakzeptanz steigern und zur Etablierung beitragen. Allerdings fürchte ich, die Vollpfosten von der Schickeria werden versuchen, ein friedliches Fantreffen zu verhindern….

  • Optimist,

    Das Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Das gilt für Pyrotechnik und Chaoten, Hools und aber auch für „Fans“, die Sprechchöre wie „Tod und Hass dem FCB“ skandieren.

  • „Messer, Schere, Feuer, Licht, ist für Kinderhände nicht!“

    Was der alte Kinderreim schon sagte, sollte alles, was als Waffe taugt oder größeren Schaden verursachen kann, nicht in die Hände von Leuten gelangen, die nicht verantwortungsvoll damit umgehen – vor allem nicht in größeren Menschenansammlungen.

    Ich finde Pyrotechnik durchaus ein sehenswertes Spektakel und fand den Vorstoß vor der Saison, das in geregelte Bahnen zu führen und bspw. unter Aufsicht von Sicherheitsleuten in abgetrennten Bereichen als choreographisches Element abzubrennen, gut. Auf jedem Schloßfest wird ein Feuerwerk abgebrannt, warum nicht auch bei einer Sportveranstaltung. Aber wer je von der Idee ausging, dass man das „im Block“ und mitten unter Leuten abbrennen kann, der beweist schon allein damit, dass er in Sachen Gefahr und ‚Verantwortung für andere‘ offenbar ein falsches Bild hat.

    Ich verstehe durchaus die Enttäuschung, die seit den gescheiterten Verhandlungen überall hochkocht. Aber ich muss auch ehrlich meine Bedenken zum Ausdruck bringen, ob es je einen tragbaren Kompromiss überhaupt geben kann. Dazu tummeln sich einfach zu viele in den Szenen, die gar kein Interesse zu haben scheinen, sich an Regeln zu halten, und die jede Regellockerung nur als willkommenen Anlass sehen, noch einen Schritt weiter zu gehen.

    Ich muss wirklich zugeben: Die Entwicklung der jüngsten Zeit (ich bin ja in Frankfurt und bekomme da manches mehr mit als über die Medien überregional kommt) gefällt mir gar nicht.

  • Teo: Das Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Das gilt für Pyrotechnik und Chaoten, Hools und aber auch für „Fans“, die Sprechchöre wie „Tod und Hass dem FCB“ skandieren.

    Das finde ich genauso daneben, da gebe ich Dir recht. Ich mag die Bauern auch nicht, aber dabei geht es um sportliche Rivalität und nicht um… ja, worum geht es bei denen eigentlich?

  • Alexander | Clubfans United: Ich finde Pyrotechnik durchaus ein sehenswertes Spektakel und fand den Vorstoß vor der Saison, das in geregelte Bahnen zu führen und bspw. unter Aufsicht von Sicherheitsleuten in abgetrennten Bereichen als choreographisches Element abzubrennen, gut. Auf jedem Schloßfest wird ein Feuerwerk abgebrannt, warum nicht auch bei einer Sportveranstaltung. Aber wer je von der Idee ausging, dass man das “im Block” und mitten unter Leuten abbrennen kann, der beweist schon allein damit, dass er in Sachen Gefahr und ‘Verantwortung für andere’ offenbar ein falsches Bild hat.

    …rein als Showelement gesehen ist das durchaus stimmungsvoll. Nicht erwähnt wird in entsprechenden Fernsehberichten aber leider, dass auch im „Südland“ die Bengalos meist illegal von Chaoten abgebrannt werden. Und überhaupt nicht erwähnt wird in diesem Zusammenhang, wozu das in diesen Ländern geführt hat. Da kann man dann eben nicht einfach mal ein Auswärtsspiel besuchen….

    Es wäre eigentlich eine hehre Pressepflicht, einmal herauszustellen, wie gut wir es in Deutschland eigentlich noch haben, wie viele Freiheiten die Fans derzeit noch genießen dürfen… Aber die Unverbesserlichen wird das wohl trotzdem nicht beeindrucken, die arbeiten lieber daran, eben diese Freiheiten kaputt zu treten, zündeln, skandieren, randalieren,….

  • Alexander | Clubfans United:

    Ich muss wirklich zugeben: Die Entwicklung der jüngsten Zeit (ich bin ja in Frankfurt und bekomme da manches mehr mit als über die Medien überregional kommt) gefällt mir gar nicht.

    Man sollte aufpassen, sonst haben wir bald englische Verhältnisse. Wir waren am WE in London und haben uns zwei Spiele angesehen. Besonders bei Arsenal herrschen klinische Verhältnisse. Videokameras überall (sogar bei den Waschbecken am WC), Dutzende Stewards auf jedem Block, kein Bier bei Sicht aufs Spielfeld und jede Menge Eventtouristen, die gerne mal 20 Minuten nach Spielbeginn kamen und erstmal nichts besseres zu tun hatten, als sich gegenseitig zu fotografieren.
    Stimmung bei Arsenal ist mit Hoffenheim vergleichbar, eine beinahe gespenstische Stille.
    Alleine die Fans von Stoke City machten auf sich aufmerksam.
    10 Minuten vor Ende verließen Massen an Zuschauern das Stadion (wobei sich viele wieder gegenseitig fotografierten) und nach Spielende gingen die Spieler sofort in die Kabine. Nur Mertesacker wollte erst aus alter Gewohnheit zu den Fans gehen, aber die waren alle schon weg.
    Diese Verhältnisse möchte ich beim Club echt nicht haben!

  • Alex: Man sollte aufpassen, sonst haben wir bald englische Verhältnisse. Wir waren am WE in London und haben uns zwei Spiele angesehen. Besonders bei Arsenal herrschen klinische Verhältnisse.

    Ich habe Spiele in Liverpool und Newcastle gesehen und fand die Stimmung nicht schlecht. Allerdings, das mit dem Bier stimmt auch dort und es gibt in England generell keine Stehplätze. Auch hier hat man schon auf Randale und Chaoten sowie diverse Massenpaniken reagiert. Das ist das, was ich meinte: anderswo sind die Freiheiten schon deutlich eingeschränkt. Das ist aber bereits die Folge von zuvor schlechtem Fanverhalten und ich sehe uns derzeit durchaus auf dem Weg zu einschränkenden Maßnahmen. Darauf kann ich gerne verzichten!

  • Ich fürchte auch bei den aktuellen Ausschreitungen im Fußball gibt es nicht die eine richtige Lösung und auch nicht die eine richtige Ansicht.

    Sicher ist es richtig, dass Randale und Gewalt im Stadion und auch sonst nirgends tolerierbar sind. Trotzdem sollte man jetzt nicht schlicht auf die Ultras einschlagen. Es stimmt einfach nicht, dass alle Ultras gewaltbereit wären. Es gibt aber natürlich das Problem, dass in der Szene eine Wagenburgmentalität herrscht, die verhindert, dass einzelne Gewalttäter schnell merken, dass ihr Weg der falsche ist und von den anderen Fans nicht geteilt wird.

    Richtig ist auch, dass gerade die Ultras dazu neigen für sich einen rechtsfreien, bzw. einen rechtlichen Sonderrahmen zu fordern, dies können weder die Vereine, noch die anderen Fans akzeptieren. Wir leben in einer Gesellschaft zu der auch die Fußballstadien zählen, es kann keine Sonderrechte geben.

    Wir sehen heute aber auch neben dem Fußball eine große Gewaltbereitschaft einzelner Gruppen, die entweder ihre Freiheit nicht groß genug erachten, oder die sich von dem Versprechen der sozialen Marktwirtschaft, Wohlstand für Alle abgehängt sehen und für sich keine andere Chance sehen auf die eigenen Anliegen aufmerksam zu machen, als via Gewalt.

    Das hat alles eher nichts mit dem Fußball zu tun, da spielen viel mehr ganz andere gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle. Der Fußball als Massen- und heute Eventphänomen bietet heute eine der wenigen Möglichkeiten sich mit denen da oben zu messen, denn im Stadion gibt es einmal die da oben im Verein, die angeblich die Tradition und die Kultur des eigenen Vereins für den Kommerz opfern, sprich als „echter“ Fan haben wohl einige das Gefühl ein „Verteidigungsrecht“ gegen diese Entwicklung zu haben. Dazu kommt, dass mancher „alte“ Fan auch noch das Gefühl hat, von den neuen Zuschauern auf den Businessseats verdrängt zu werden. Viele in der Kurve könnten schon auf den Gedanken kommen, dass für Werbepartner und Businesskunden alles gemacht wird, aber die „echten“ Fans hinten runter fallen. Wenn Lachs und Kaviar im Fußballstadion Einzug halten, dann geht schon etwas verloren. Ob dieses „Alte“ wirklich so erhaltenswert war steht auf einer anderen Seite, aber wenn Dinge sich ändern dann gibt es immer auch Verlierer, Menschen die nicht mitgenommen werden und dies erzeugt einfach Angst.

    Durch das Zusammentreffen mit den Wichtigen und Reichen im Stadion gibt es aber für gewisse Gruppen hier auch die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, hier einen Ort zu finden, wo man Gehör findet. Und wenn dies darin besteht, dass man Gewalt anwendet und die Gegenseite, der Staat mit seiner Polizeimacht, auf einen reagieren muss.

    Das ganze ist sicher mehr als ein Gewaltproblem, es ist eher ein soziales Problem, wobei das nicht unbedingt heißt, dass es ein reines „Armutsproblem“ wäre, womit soziale Probleme oft gleich gesetzt werden.

    Dabei sage ich ganz klar, dass es hier ein soziales Problem gibt bedeutet nicht, dass die Gewalt die hier ausgeübt wird eine Berechtigung hätte. Ursachenforschung bedeutet für mich nicht die Suche nach Alibis für Gewalttäter, aber nur wenn man auf die Gründe für ein bestimmtes Verhalten schaut, dann kann man Lösungen für die Probleme finden. Die Lösung kann aus meiner Sicht nicht allein aus Repression gegen die sogenannten gewaltbereiten Fans (Ultras usw.) bestehen.

  • Richtig Armin, es ist einfach kein schwarz-weiß-einfaches Problem, was dahinter steckt, das zu vermuten ist aber immer der bequemste Weg.
    Now something completely different – Bitte auch morgen unbedingt daran denken:
    Es erwartet ja eh niemand etwas.

  • Armin: Das hat alles eher nichts mit dem Fußball zu tun, da spielen viel mehr ganz andere gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle. Der Fußball als Massen- und heute Eventphänomen bietet heute eine der wenigen Möglichkeiten sich mit denen da oben zu messen, denn im Stadion gibt es einmal die da oben im Verein, die angeblich die Tradition und die Kultur des eigenen Vereins für den Kommerz opfern, sprich als “echter” Fan haben wohl einige das Gefühl ein “Verteidigungsrecht” gegen diese Entwicklung zu haben. Dazu kommt, dass mancher “alte” Fan auch noch das Gefühl hat, von den neuen Zuschauern auf den Businessseats verdrängt zu werden. Viele in der Kurve könnten schon auf den Gedanken kommen, dass für Werbepartner und Businesskunden alles gemacht wird, aber die “echten” Fans hinten runter fallen. Wenn Lachs und Kaviar im Fußballstadion Einzug halten, dann geht schon etwas verloren. Ob dieses “Alte” wirklich so erhaltenswert war steht auf einer anderen Seite, aber wenn Dinge sich ändern dann gibt es immer auch Verlierer, Menschen die nicht mitgenommen werden und dies erzeugt einfach Angst.
    Durch das Zusammentreffen mit den Wichtigen und Reichen im Stadion gibt es aber für gewisse Gruppen hier auch die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, hier einen Ort zu finden, wo man Gehör findet. Und wenn dies darin besteht, dass man Gewalt anwendet und die Gegenseite, der Staat mit seiner Polizeimacht, auf einen reagieren muss.

    Das Problem ist halt, wenn der „echte“ Fan, wie sich der typische Stehplatz-Kurven-Fan vermutlich selbst sieht, glaubt, mit Gewalt die Wahrung der Fußball-Tradition durchsetzen zu können, sich nur selbst schadet. Denn bereits jetzt wird ja z.B. das Verbot von Stehplätzen diskutiert, was in England bereits Tatsache ist. Die Folge ist, dass dann der Kurvenfan durch stark erhöhte Eintrittspreise ausgegrenzt wird. Nur wenige werden bereit sein, das doppelt- bis dreifache für eine Dauerkarte zu zahlen, wenn es einmal nur noch Sitzplätze gibt. Dann werden die Businessfans erst recht die Vorherrschaft übernehmen. Denn das kann man in England bereits erkennen: man bekommt keine Tickets mehr unter knapp 30 Euro, weil es eben nur noch Sitzplätze gibt. Dafür gibt es in den Stadien dann auch keine klar erkennbaren Fankurven mehr – so zumindest meine Beobachtung. Durch Gewalt und Kravall wird die Entwicklung, gegen die man so leidenschaftlich kämpft, aber nur beschleunigt!

  • keine dauerkarten an bekennende ultras-
    wird dann an der kasse die gewissensfrage gestellt oder wie stellt er sich das vor?
    generell ist es doch so-auch ein verein wie frankfurt schmückt sich gerne mit seinen Fans,den choreos,seiner tradition etc.-im übrigen bei jeden spieltagbildern,gerne mal auch die ultravorsänger im portrait…
    das wird gerne und umsonst mit genommen-gibt es mal kritik,dann schon wieder nicht sehr gerne.im endefekt müssen die vereine das ausbaden,was die dfl,der dfb mit seinen scheinbaren angeboten zu beginn der saison ihnen eingebrockt hat.

  • Alexander | Clubfans United: Dazu eine provokante Aussage von Heribert Bruchhagen:„Diese Vorgänge sind nicht länger hinnehmbar. Es muss eine konzertierte Aktion der DFL geben. Beispielsweise muss darüber nachgedacht werden, dass alle Klubs keine Jahreskarten mehr an bekennende Ultras abgeben.“http://www.goal.com/de/…-bundesliga-bald-keine

    Das habe ich auch gelesen – im Spiegel-Online-Kommentar von Mike Glindmeier: „Theo, hör die Signale“.

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794382,00.html

  • Der Fußball in England oder Spanien finanziert sich komplett anders wie der in Deutschland. Weningstens im Augenblick noch, ein Glück. Noch mehr Wolfsburgs und Leverkusens brauchen wir nicht.

    Von diesen „Businessfans“ gibt es doch beim Glubb eh nur wenige und die bleiben auch draussen, wenn es keine Fanchoreos der Ultras gibt.

    In Volos damals waren mein über 70jähriger Vater und ich jedenfalls mitten unter den ca. 1300 mitgereisten Glubberern und/oder Ultras und haben uns Pudelwohl gefühlt.

    Ok, das in Lissabon fand ich auch daneben, wobei damals die Portugiesen sich auch doof angestellt haben und da auch dümmlich provoziert hatten vorher, weil sie die Ultras-Vorsänger von Ihren Plätzen heruntergezogen haben.

    Das gab dann Rangeleien und die Aufgänge damals im Stadion de la Luz verhinderten dann ein größeres Polizeiaufgebot. Wie gesagt, die Ordner hatten mit der Schlägerei angefangen, wir waren direkt neben dem Block und konnten das gut sehen.

    Natürlich lehne ich Gewalt ebenso grundsätzlich ab.

    Für die Fanchoreos lasse ich aber immer mal die Spendenbüchsen klappern.

    Ich denke auch hier kann man einfach nicht verallgemeinern. Es sind doch immer nur wenige, ganz saudumme Menschen, die bei diesen Gewaltexzessen mitmachen.

    @Alexander: Gab es bzgl. Ultras-Kultur nicht auch mal was von den 6+5 Freunden?

  • Optimist: Denn das kann man in England bereits erkennen: man bekommt keine Tickets mehr unter knapp 30 Euro, weil es eben nur noch Sitzplätze gibt.

    Habe es am Wochenende bei Arsenal gesehen. Günstigste Karte ca 50 Euro, dafür während der Stadionführung Logen für 30.000 bis 12.000 Euro pro Jahr gesehen. Stimmung war wie oben geschrieben entsprechend.

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