Der feine Unterschied

Warum man sich nicht immer gleich aufregen muss – Was ein Buch von einem Druckwerk unterscheidet – Die Entscheidung zwischen Anspruch und Rechtfertigung – Lesen bildet (oder unterhält) – Mit dem richtigen Maß messen – Man kann immer was mitnehmen – Klarstellung

Wer sich fragte, warum das Buch von Philipp Lahm Der feine Unterscheid – Wie man heute Spitzenfußballer wird (erschienen im Kunstmann Verlag) ‚vor‘ seiner Veröffentlichung mehr Wirbel verursachte als ’nach‘ seinem Erscheinen, der muss wohl die ‚Mechanismen der Branche‘ (in dem Fall: Medienbranche) verstehen. In der Flut der Veröffentlichungen der heutigen Zeit ist es nicht einfach Aufmerksamkeit zu gerieren, gerade wenn es um das autobiographische Werk eines gerade mal 27-jährigen Fußballers geht, der noch nicht einmal auf einen internationalen Titel in seiner Karriere verweisen kann. Hier muss man Bedarf schaffen, wo vielleicht gar keiner ist. Ob nun vom Autor selbst so gewollt oder nur billigend in Kauf genommen, sind die Mittel der Wahl beim Boulevard da nicht zimperlich: Man polarisiert und provoziert. Im Fall von „Der feine Unterschied“ durch gezieltes zitieren von Aussagen, die für sich allein genommen Zündstoff für eine nationale Fußballkrise bieten, indem man Internas nach Außen trägt und ehemalige Alt-Internationale in ihren Trainingsmethoden dem Spott Preis gibt. Doch lässt man sich davon (also von zitatweisen verstümmelten Vorabhäppchen) nicht beirren und auf’s mediale Glatteis führen, sondern wartet auf das Buch im Ganzen, wird die Hysterie schnell als mediales Strohfeuer entlarvt.

Herrn Lahm erging es vielleicht so wie einst Goethes Zauberlehrling („Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.“) und das Spiel mit dem Boulevard mag ihm wohl als Publicity willkommen gewesen sein, es hat der Intention des Buchs aber sicher nicht gedient. Jedenfalls wenn Lahm es ernst meint, was er im Vorwort des 265 Seiten starken Buchs beschreibt: „Dies ist ein Buch, wie ich es selbst gerne gelesen hätte, als ich ein junger Fußballer war. Es ist ein Buch darüber wie Spitzenfußball heute funktioniert.“ Zwar gelang der Sprung in die deutschen Bestseller-Listen, doch sicher nicht ob der noblen Absicht der Jugend den Weg zum Spitzenfußball zu erklären, sondern weil man sich – angeheizt von der vorgezogen Schlammschlacht – peinliche Enthüllungen über aktive Zeitgenossen und indiskrete Einblicke hinter die Kulissen versprach. Doch wer mit dieser ‚Hoffnung‘ ins Regal griff, wird enttäuscht worden sein. Der Skandal bleibt aus. Aber auch die Hoffnung auf ein Fußball-Buch für die Jugend wird nur sehr bedingt erfüllt.

Marcel Reich-Ranicki sagte wohl einmal über ein ‚Werk‘ von Dieter Bohlen: „Ich kann nicht über das Buch reden, denn ich habe kein Buch vor mir!“ (frei wiedergegeben) und auch bei Lahms „Der feine Unterschied“ grübelt man, wie die Definition Buch hier zu fassen ist. Sicher – die formalen Voraussetzungen sind erfüllt, es hat Seiten und Text und einen Umschlag, aber literarische Ansprüche sollte man nicht stellen. Es soll nicht zynisch klingen, aber was man in Händen hat ist eine Art Sammlung von Kurzgeschichten, die in Aufbau und auch stilistisch eher dem Genre „Aufsatz aus dem Landschulheim“ entsprechen. Bisweilen überwiegt sogar der Eindruck, man nutze die Macht des gedruckten Wortes um endlich mal umrahmt in Geschichten aus dem Fußball-Leben ein paar Dinge zu sagen, Meinungen zu korrigieren oder Thesen in den Raum zu stellen, die in keine Berichterstattung passen oder im Interview doch nur falsch (’nicht im eigenen Sinne‘) wiedergegeben würden. Ob die Sache mit Altintop (vor dem Spiel gegen die Türkei und der missglückte Versuch eine heile Welt mit Migration zu proklamieren), mit Ballack (als Lahm während der WM die Gelegenheit nutzte seine Ansprüche auf das Kapitänsamt zu manifestieren), mit den ständigen Gerüchten über sexuelle Gesinnung, Transferspekulationen oder das nicht vom Verein autorisierte Interview mit der Sueddeutschen – Lahm nutzt die Gelegenheit des Einkanal-Format „Buch“ um seine Sicht unwidersprochen in den Raum zu stellen, man könnte auch sagen: sich zu rechtfertigen, ohne kritische Gegenfragen fürchten zu müssen. Das ist in einer Autobiographie nicht überraschend, es lässt das Buch aber an höheren Ansprüchen scheitern. Die subjektive Darstellung seiner Sicht der Dinge ersetzt nicht die (selbst-)kritische Auseinandersetzung, was für ein anspruchsvolles Werk zwingend Voraussetzung ist.

Ohne Frage ist das Buch lesenswert. Vielleicht nicht unbedingt in zu früher Jugend und eben auch nicht, wenn man Sensationen davon erhofft. Es ist schlicht unterhaltsam, gerade weil es so zeitnah zu den Inhalten erscheint, man sich noch gut an Völler als Nationaltrainer, Magath bei den Bayern oder Klinsmann als Reformator bei DFB und FCB erinnert. Ein Blick hinter die Kulissen ist eben immer amüsant und wird dank der einfachen und unprätentiösen Art der Formulierung eher als „naiv“ als boshaft wahrgenommen. Und es gibt Passagen, bspw. über gemeinnütziges Engagement, die auch wichtig sind, gerade um anderen ein Vorbild zu sein. Dem vermittelten Motiv aber, gerade jungen Fußballern den Weg zum Spitzenfußballer transparenter zu machen und damit eine Art Ratgeber zu sein, was auch die Schlagzeilen-ähnlichen vor jedem Kapitel zusammengefassten Thesen vermuten lassen könnte, wird das Buch aber nur selten gerecht. Lediglich die Passagen über die Anfangsjahre, die gerne mehr Raum verdient gehabt hätten, lässt diesen Eindruck entstehen, danach verfängt sich das Buch in einer Mischung aus Chronistenpflicht, Anekdoten, besagter Thesenpositionierung und auch eine gehörige Portion Selbstbeweihräucherung, denn (man möchte fast sagen „natürlich) ist der Held des Buches man selbst und im Grunde habe man eigentlich immer alles richtig gemacht, auch schwerste Situation gemeistert und ist in kritischen Situationen stets mit besten Absichten unterwegs gewesen. Eine Autobiographie eben, das sollte man nie vergessen.

Wer am Samstag das Spiel Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg gesehen hat, inklusive des mitspielenden Autoren, der weiß, dass ein Philipp Lahm ein überdurchschnittlicher Fußballer ist, daran besteht kein Zweifel. Was ihn konkret dazu veranlasst haben mag, ein solches Buch zu schreiben, wird nur er selbst wissen. Wahrscheinlich war es auch eine Mischung verschiedener der hier auch angesprochenen möglichen Motive. Den Untertitel „Wie man heute Spitzenfußballer wird“ müsste man dennoch wohl noch einmal erklären mit Blick auf eine mögliche Zielgruppe. Lahm ist von der Natur mit einer herausragenden Begabung gesegnet und war im richtigen Moment am richtigen Ort bisher in seinem Leben. Er hatte offenbar kluge Berater, wohlwollende Förderer, ein verständnisvolles und unterstützendes Umfeld und ein gesundes Selbstvertrauen – und oft genug das Glück des Tüchtigen. Ob es daher als Anleitung auf dem Weg zum Spitzensport taugt, schlicht den eigenen Lebensweg zu kommentieren, mag arg bezweifelt werden, passt aber ins Bild des „Mia san mia“ des FC Bayern, dem erklärten Heimatverein des Autors. Die Welt aus Sicht eines Menschen, der Chance und Gelegenheiten geboten bekam und es zu nutzen wusste. Das ist ihm anerkennend unbenommen und fordert neidlos Respekt – lässt sich aber nur auf ähnliche Ausnahmefälle übertragen.

Kann man das Buch empfehlen? Ja, absolut, denn es schadet nicht. Man kann durchaus manche Lebensweisheit daraus ziehen, man kann von der Disziplin und dem Ehrgeiz des Philipp Lahm lernen und unterhaltsam ist es auch. Aber ein Lehrbuch ist es nicht, denn – auch hier sei noch einmal ein Bezug zum 1. FC Nürnberg hergestellt – auch ein Dieter Hecking verwehrte sich in der Sendung Sky90 gegen den Begriff der „Lehrstunde“ beim 0:4 in München: „Was sollen wir da lernen? Auf dem Level kann unsere Mannschaft gar nicht spielen, da machen wir uns doch nichts vor. Lernen könnten wir höchstens was von Zweikampfführung am Samstag.“ Entsprechend transponiert: Was will man aus dem Buch als Jugendfußballer lernen? Die allerwenigsten werden auch nur ansatzweise die Begabung eines Lahm ihr eigen nennen können und dann auch noch vergleichbar günstige Rahmenbedingungen vorfinden – und da reicht schon aus, wenn die Eltern zum geforderten Pensum an einen heutigen E-Jugend-Fußballers einfach „No“ sagen.

Aber Philipp Lahm ist eben kein ausgebildeter Didakt, Literat oder Pädagoge, sondern eben „nur“ ein großartiger Außenverteidiger. Wie auch einst Hans Meyer (wenn die Erinnerung nicht trügt) in unvergleichlicher Art und Weise einmal betonte, wird heute leider oft fälschlicherweise erwartet, dass nur weil einer gut kicken kann, er auch zu allen Themen der Gesellschaft etwas Sinnvolles beitragen könnte. Diesen „kleinen Unterschied“ sollte man bei der Bewertung eines Fußballer-Buches nie ganz außer Acht lassen.

Ist diese Buchrezension nun ein Verriss? Jedenfalls ist es so nicht gedacht. Das Prädikat „lesenswert“ ist so auch gemeint. Ist es gerade im Hinblick auf das 0:4 am Samstag ein Revanchefoul, um Lahm eins mitzugeben? Die Veröffentlichung der Buchkritik ist sicher nicht zufällig im Zusammenhang mit dem Spiel erfolgt, aber doch mehr als willkommener Anlass um auch zwischen FCN-Themen und dem Buch einen Bezug herzustellen, was freilich nur bedingt gelingen kann. Sind die negativen Wertung nicht auch der Animostität zwischen Bayern und Franken geschuldet? Komischerweise Nein. ‚Komischerweise‘ deshalb, weil man das selbst auch gedacht hat, als man das Buch orderte, dann aber die ersten Seiten äußerst wohlwollend und positiv überrascht zur Kenntnis nahm, gerade weil man auch selbst einen jungen Kicker in der Familie hat, der ganz begeistert die ersten Kapitel mitlas. Der Dreh wieder zurück hin zu einer eher kritischeren Betrachtung ergab sich dann während der Lektüre, gerade weil man dachte, dass die ersten Kapitel etwas versprachen, was das Buch dann nicht halten konnte. Am Ende blieb sogar ein „Schade, eigentlich“.

Auch zu empfehlen: Die Rezension des Frittenmeister hier bei Fritten, Fußball & Bier

10 Gedanken zu „Der feine Unterschied

  • Werde mir das Buch nicht kaufen. Erstens bin ich zu alt, um mir Anregungen für die Planung einer Karriere als Profifußballer zu holen, und zweitens finde ich es ungerecht, dass jemand, der Geld verdient ohne Ende, für laues, wahrscheinlich gar nicht aus seiner eigenen Feder stammendes Geschreibsel einen renommierten Verlag findet, während jemand, der nicht Fußballnationalspieler, aber ein guter Autor ist, Schwierigkeiten hat, sein Buch an den Mann zu bringen.

    Ich gebe zu: Das unter „zweitens“ Gesagte ist ein bisschen arg moralisierend…

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  • belschanov: Ich gebe zu: Das unter “zweitens” Gesagte ist ein bisschen arg moralisierend…

    Aber zutreffend.

    Die Zeit, in der Verlage einem Anspruch sich verpflichtet sahen und nicht der Auflage, sind lange vorbei. Liberale nennen das funktionierende Marktwirtschaft.

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  • In seinem Essay „Was wird Literatur“ schreibt Lothar Baier „wer nur etwas von Literatur versteht, versteht auch davon nichts. Um sie zu verstehen, muss man auch von anderen Gegenständen etwas verstehen, von Geschichte, Politik, Psychoanalyse, Ökonomie, Kritischer Theorie, von anderen Kulturen und Gesellschaften.“ In diesem Sinne versteht sich das Sachbuchprogramm des Verlags.
    @ KUZ
    Jetzt weißt Du, dass dieser Lahm einer der großen Denker dieser Zeit ist, nach Leibniz vielleicht sogar etwas wie ein Universalgenie, eine gesellschaftspolitische Dimension erklimmend, die in der modernen zeitgenössischen Literatur ihresgleichen sucht und die unsereins – sofern in der Lage, seinen ebenso brillanten, wie komplexen Ausführungen zu folgen – erahnen lässt, was es bedeuten kann, vom Hochplateau der allumfassenden Weltsicht uns an seinen Gedanken teilhaben zu lassen.
    Dieses Buch bringt uns alle weiter, in Sphären, in die unser Geist bislang kaum vorzudringen vermochte.
    By the way: erstaunlicherweise ist der Verlag einer der wenigen noch existierenden Independents auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Und interessanterweise gibt er auch Bücher des von mir hochgeschätzten Eckhardt Henscheid heraus (z.B. Franz Kafka verfilmt seinen Landarzt“ oder „Standardsituationen“).
    Und Henscheidt ist…jawoll: CLUBFAN!

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  • Nachtrag:
    Natürlich ist der Name des Vertreters der Hochliteratur aus Amberg EckharD Henscheid..
    Sorry.
    Noch zu empfehlen:
    „Meine Jahre mit Sepp Herberger“,
    „Wie Max Horkheimer einmal sogar Adorno hereinlegte“ (Fußballanekdoten),
    „Da lacht das runde Leder“ (Fußballanekdoten)
    Und wer’s gern böse mag:
    „Gott trifft Hüttler in Vaduz – eine kleine Kulturgeschichte“
    So haben wir Clubfans wenigstens EINEN Vertreter im selben Verlag wie „dieser Lahm“, der sich halbwegs mit diesem zu messen versteht 😉

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  • @berlinclub: Zum Thema Eckhard Henscheid MUSS natürlich die „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ erwähnt werden.

    @belschanov: Du könntest ja mal ein Buch schreiben zu dem Thema:
    „Wie werde ich nicht Fußballprofi“

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  • Claus: @belschanov: Du könntest ja mal ein Buch schreiben zu dem Thema:
    “Wie werde ich nicht Fußballprofi”

    Oder: Wie wurde ich nicht Fußballprofi.

    Alexander Endl – Mein Unterschied – Wie ich nicht Spitzenfußballer wurde.

    Kapitel 1 – Meine jungen Jahre

    Gegebenheiten akzeptieren – Laufwege optimieren – Geläuf studieren

    In unserem Dorf in Franken gab es weder E- noch D-Jugend. Nach der C-Jugend fiel auch die B-Jugend aus. Ins Nachbardorf durfte ich mit meinem Rad nicht allein fahren und um ehrlich zu sein war dieses ständige trainieren auch nicht mein Ding, vor allem nicht auf diesem beschissenen Hartplatz, denn auf den Rasen durften wir eh nie.

    Kapitel 2 – Sich zur Wehr setzen

    Medien nutzen – Medien kontern – Medien manipulieren

    Schon früh erkannte ich, dass der, der in den Medien ist, Erfolg hat. Daher sammelte ich alle Spielberichte in unserem Dorf-Anzeiger, in dem mein Name als Torschütze verzeichnet wurde. Es wurden nur 7 in meinem Jahr C-Jugend, das war noch der Spitzenwert in einem Team ohne Stars, aber ich war auch Stürmer. Ich warf die 7 Ausschnitte dann doch besser weg, erkläre aber bis heute meinen Kindern das mit der Torjägerkanone. Gerüchten über schlechte Laktatwerte sind unwahr, wer sie verbreitet hat nur schlechte Absichten, das möchte ich an der Stelle klarstellen! Ich esse seit Jahren kein Laktat, auch nicht heimlich, toleriere aber Laktatverweigerer, sie sind auch nur Menschen. Heute arbeite ich mit den Medien zusammen, wenn mir was nicht passt, schreib ich einfach nen Artikel drüber – und wenn er lang genug ist, glaubt dir eh jeder.

    Kapitel 3 – Die Karriere nach der Karriere

    Wichtig ist, was du daraus machst – Wichtig ist, was du daraus machst – Wichtig ist, was du daraus machst

    Nach der aktiven Karriere, also so ab 15 Jahren, ist der aktive Sport noch nicht vorbei. Es bleibt dir noch der Kick mit Freunden auf der Wiese und du erklärst es zur Seele des Spiels. Da die meisten Fußballer als hirnlose Balltreter ohne Bildung verschrien sind, verkaufst du das frühe Karriereende einfach als Entscheidung für die Bildung. Und machst du später im Internet einen auf Experte, erklärst du einfach, dass der analytische Blick nur mit einer gewissen Distanz zu schaffen sei.

    Epilog – Das nächste Buch schreib ich über meinen Weg zum Spitzenautor. Vielleicht dann mit Vorabveröffentlichungen über: Die Wahrheit der Tresengeschichten! Warum Stefan weiß, wie Stürmer fühlen! Und: Die Dinge, die bei Clubfans United geschrieben, aber nie gesagt werden.

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  • @Claus

    Ich wollte es mit dem Verweis auf die Werke des schreibenden Clubfans nicht übertreiben, aber selbstredend gehört „Die Trilogie des laufenden Schwachsinns“ zum Größten, was die Literatur je hervorgebracht hat!!!

    @Alexander
    Sehr schön!!!

    Ich glaube, so gut wie jeder hier wäre in der Lage, den eigenen fußballerischen Werdegang so oder so ähnlich niederzuschreiben. Man könnte ein luzides „Clubfans-United – ein fränkisches Kompendium, wie man im Unterschied zum Kleinen den Spitzenfußball links und rechts liegen ließ“ erstellen.

    Dann ab damit nach Gütersloh, und die Verlagslizenz wird nur unter der Bedingung verkauft, dass Bertelsmann für vier Jahre à 8 Mio. Euro Trikotsponsor beim Club wird: „Bertelsmann – Der Buchclub“.
    Oder die Namensrechte am Stadion. „Wir melden uns aus der ausverkauften Buchclub-Arena, in der der Club unter dem Erfolgstrainer Guido Buchwald das entscheidende Spiel mit dem kleinen Unterschied von nur einem Tor – ein Eigentor des zugegeben etwas überalterten Außenverteidigers und Mitbegründers der psychokinetischen Astralreisenanalyse, Professor Doktor multiplex Lahm – gegen den seit elf Jahren ungeschlagenen FC Bayern für sich entscheiden konnte.“

    Geld schlägt Geld 😉

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  • @Alexander: Ich könnte noch ein weiteres tragisches Kapitel anfügen, allerdings nicht aus der eigenen Geschichte.
    Ein guter Freund von mir gehörte in den 60ern zur Spitzenklasse des Nürnberger Jugendfußball (Einsätze in der Stadtauswahl), landete also folgerichtig beim Club und freundete sich mit Dieter Nüssing an (die Älteren werden sich noch erinnern: „Wir brauchen keinen Beckenbauer und auch kein Sigi Held, wir haben Dieter Nüssing, den besten Mann der Welt.“). Mit 18 geschah dann eine nicht unübliche Verlagerung der Interessen: Alkohol, Mopeds und Mädels. Da blieb nicht mehr genügend Zeit für mehrmaliges Training in der Woche. Heute noch ärgert er sich manchmal darüber, vielleicht wäre der Club mit einem weiteren Spitzenstürmer früher wieder aufgestiegen.

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  • belschanov: Ich gebe zu: Das unter “zweitens” Gesagte ist ein bisschen arg moralisierend…

    In der Tat – außerdem, da mache ich gerne mal den advocatus diaboli – sehe ich nicht, was sich im Verlagswesen so unglaublich verändert haben sollte in den letzten Jahren. Auch Alexander, der sonst gerne das Hohelied der neuen Medialität singt, stimmt in den Chor der Lamentierer ein:

    Alexander | Clubfans United: Die Zeit, in der Verlage einem Anspruch sich verpflichtet sahen und nicht der Auflage, sind lange vorbei. Liberale nennen das funktionierende Marktwirtschaft.

    Vielleicht hat sich aber doch was verändert? Jawohl: durch die neuen Medien hat heute ein jeder Gimpel die Möglichkeit seine Elaborate, seien sie auch noch so verquast und schlecht geschrieben, kostengünstig unter die Leute zu bringen. Ohne das manchmal ganz heilsame Sperrtor eines kompetenten Lektorats, das, da muss ich auch zugeben, dass sich da doch was verändert hat, leider inzwischen auch von den meisten Verlagen eingespart wird. Dieser allfälligen, hier nur mal nüchtern konstatierten, historisch noch nie dagewesenen Verbreitung förderlich ist auch, dass mich die Lektüre nichts kostet, insofern ist die Hemmschwelle zu derselben niedriger, als wenn ich sauer erarbeiteten Dinero auf den Ladentisch legen müsste. Aber neu ist bestimmt nicht, dass die Literatur- (und Musik)geschichte voll ist von verkannten Genies, oder, wenn man das nicht so hoch hängen will, verkannten Verfassern von Qualität. Wie viele Werke erschienen im übrigen als Privatdruck, d. h. konnten über das Verlagswesen eben nicht reüssieren! Also nicht von der guten alten Zeit schwärmen, auch wenn sich da, ich gebe es erneut zu, wieder was geändert hat: heute ist die schiere textliche Masse, das allgemeine Hintergrundrauschen, so alle verfügbare Aufmerksamkeit beanspruchend geworden, dass die Qualität darin untergeht oder zumindest unterzugehen droht.

    Wer glaubt, früher war alles besser, weil die Verlage sich der Qualität verpflichtet sahen, der begleite mal einen etwas größeren Antiquar durch sein 1-Euro-Buch-Lager, im Fachjargon „Büchertapete“ genannt, und nehme das alles zur Hand, was gewöhnlich in der Krabbelkiste endet… – wenn nicht gleich im Altpapiercontainer.

    Was ist eigentlich gegen eine Mischkalkulation einzuwenden? Lahm zieht nun mal mehr als vieles andere, das dann mit den Lahmschen Profiten finanziert werden kann…

    Es ist im übrigen genugsam geübtes und risikoloses Prozedere, Fußballerbücher mokant zu belächeln, die allein von Büchern anderer Berufsstände unterscheidet, dass sie eher gekauft werden. Denn wer glaubt, dass ein Fußballer wegen seines Berufsstandes Substantielleres zu sagen habe, als, sagen wir mal ein Schornsteinfeger (Einspruch: Gegenbeispiel Dilbert: der philosophierende Müllmann), der sitzt bereits in einem Glashause, das keinen geworfenen Stein des Spottes mehr verträgt. Aber mit dem Kaufen ist das ja sowieso so eine Sache – „Modern Talking“ hat damals auch nie jemand gehört geschweige denn gekauft, muss der Bohlen wohl ganz allein die Verkaufszahlen manipuliert haben. Die Tatsache, dass Alexander so etwas schreibt:
    „Aber Philipp Lahm ist eben kein ausgebildeter Didakt, Literat oder Pädagoge“
    zeugt auch nur davon, dass er in seinem Leben wohl nur wenige Bücher ausgebildeter Didakten (alter Treppenwitz an der Uni: welche Vorlesungen sind die undidaktischsten von allen? :-)), Pädagogen oder gar ausgebildeter Literaten (Herr verschone uns vor all dieser normierten Creative Writing Prosa!) gelesen hat. Denn sonst wäre dieser Satz eine Einleitung zu langem Jubilieren geworden.

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