Die Philosophie der Berechenbarkeit

Die Alternative zum spanischen Paradigma?
Eindrücke der EM 2012, erste Folge

Es ist nie eine gute Idee, sich außerhalb des herrschenden Paradigmas zu stellen. Auf den Fußball gemünzt heißt selbiges im Moment: das Spiel nach spanischer Weise ist schön. Diese Schönheit ist allein gefährdet durch die Destruktivität des jeweiligen Gegners, der sein Heil in unästhetischer und schnöder Defensive sucht und folgerichtig sodann in Fach- und Nichtsofach-Presse abgestraft wird. Die Fußballweltuntergangsszenarien (Wollen wir wirklich, dass sich so ein Fußball durchsetzt? Man füge, je nach gusto, für „so ein“ ein: Griechenland, FC Chelsea usw. usf.), sollte sich „so ein Fußball“ auf breiter Front durchsetzen und gegen den ja gar so herrlichen Offensivfußball erfolgreich sein, sind wohlfeil und stets zur Hand. Allein: stimmt all das? Sind die Spiele der Spanier und ihrer Systemjünger wirklich „schön“? Ist das wirklich offensiv? Und: schöpft eine derartige Spielweise alle Möglichkeiten aus, die dieses wunderbare Spiel Fußball an Erlebnis zu bieten vermag?

Jede große Idee – und wer wollte bestreiten, dass das spanische Spiel unter Del Bosque (ich will Del Bosque nehmen und nennen, weil ich damit einem bestimmten Modell ein Gesicht und Persönlichkeit zu geben vermag), in großen Teilen identisch mit dem Spiel des FC Barcelona unter Guardiola, eine große Idee darstellt, – wird auf dem Weg ihrer Durchsetzung, im Prozess des Nachahmens, Kopierens, des Daran-Feilens und der vielen Versuche der Vervollkommnung, die ihre Reaktion wieder in sich trägt, irgendwann zur Orthodoxie. Wirkmächtig wird nicht die reine Idee, wirkmächtig wird die Vulgarisierung. Orthodoxie bedeutet Modell und Maßstab, bedeutet, dass zum Beispiel auch ein Jogi Löw öffentlich die Devise ausgegeben hat, man müsse die Spanier mit ihren eigenen Waffen, sprich spielerisch schlagen. In der Tat: das deutsche Spiel hat sich verändert – dazu stand in der „SZ“ Luzides zu lesen. Löw will nicht mehr das Spiel der früheren Phase der von ihm durchgeführten Veränderung, als Engländer und Argentinier begeisternd geschlagen wurden. Löw will mehr: er will noch mehr agieren – nicht reagieren und nach Balleroberung schnell nach vorne kommen. Er will, dass seine Mannschaft von vorneherein schneller ist, das Spiel beherrscht, den Besitz des Balles kontrolliert.

Was dieses von Kontrolle schier besessene Modell von vorneherein in Kauf nimmt ist eine inhärente Schwäche des Barcelona/Spanien-Modells: oft genug wird im Gefolge der kurzen Pässe zwar verwirrend schnell gespielt, es springt aber gerade mal ein Tor Vorsprung heraus. Mithin wird versäumt, aus dem in der Regel fast übergroßen Plus an Ballbesitz auch Torkapital zu schlagen und das Spiel mit zwei, drei Toren mehr zu sichern. Die gnadenlose und erfolgreich getestete Alternative bot und bietet der FC Chelsea (und, mit gebotenen Abstrichen übrigens, Hannover 96 unter Slomka). Eine Mannschaft verzichtet auf Ballbesitz, verteidigt tief und baut entweder auf Konter oder auf die eine große Chance. Ein riskantes Modell, denn zum einen muss man gegen Spitzenleute erst einmal die Null verteidigen können; man braucht also vom Torwart bis zum Stürmer, der sich nicht zu schade sein muss, als erster Verteidiger am eigenen Strafraum zu fungieren (siehe Drogba; ein Torres kann das zum Beispiel schon mal nicht), Spitzenleute, die fit genug sind, dies auch über 90 Minuten oder noch länger geistig und körperlich zu bleiben. Zum zweiten kann der Fußball so ein begeisterndes Element und somit langfristig auch Zuschauer verlieren. Aber: das liegt nicht nur an der verteidigenden Mannschaft. Das liegt auch daran, diese These stelle ich hier auf, dass das, was uns allgemein als Offensivfußball verkauft wird, in Wahrheit in seinem Wahn, den mächtigen Zufall im Fußballspiel im Netz des Passgespinstes zu fangen, oft genug stinkend langweilige endlose Passorgien produziert.Anders gesagt: die Xavis und Iniestas dieser Welt sind rar gesät – und selbst bei Künstlern dieser Ausnahmegüte verkommt das Spiel nicht so selten wie man uns glauben machen will zur Demonstration brotloser Kunst. Wieviel mehr gilt das aber bei Leuten, die uns nicht gelegentlich mit dem atemberaubenden Spielzug, dem Pass aus einer anderen Welt, der Technik, die aller Erdenschwere enthoben scheint, entschädigen?

Die Konsequenzen des spanischen Paradigmas zeigt diese EM zur Genüge. Bereits bestehende Trends wurden nochmals verschärft und radikalisiert. Da ist zum einen der immer weiter hinten beginnende Aufbau, der sich von der 6 zunehmend noch weiter nach hinten bis zur Innenverteidigung verlagert. Die Räume vor dem Tor werden dazu immer enger, so dass auch Weitschüsse kein probates Mittel mehr sind, eine festgefahrene Situation aufzubrechen – es wird einfach zuviel geblockt, es bleibt zu viel hängen. Da ist zum anderen die beginnende Abschaffung des Stürmers, auch wenn der vielleicht noch nominell als der berühmte „Stoßstürmer“ auf dem Platz steht. Was uns auf breiter Front erwarten könnte, zeigten – sie seien als Beispiele genannt – das erste Spiel der deutschen Mannschaft oder auch das Spiel der Spanier gegen die Kroaten. So sehen Spiele aus, in denen der lange Ball als in den meisten Fällen zu riskant aus dem Köcher der Möglichkeiten gestrichen wurde. Der eingeübte Spielzug ist zum Maß aller Dinge erklärt. Es gilt eine Philosophie der Berechenbarkeit, die letztlich darin mündet, dass alles Unberechenbare (und dazu, darüber muss man sich im Klaren sein, zählt auch die Kreativität), da immer mit unkalkulierbaren Risiken behaftet, tendenziell mit Misstrauen und Verbot behaftet und belegt wird. Wenn ein Spieler wie Jesus Navas das Dribbling sucht, hat er nach dem Dribbelerfolg niemanden in der Mitte als Anspielstation, er dribbelt nochmal und nochmal und spielt dann zurück. Ein Cesc Fabregas schien den Torschuss gegen Kroatien, einen einfachen, simplen Torschuss aus zentraler Position, elf Meter vom Tor entfernt, aus seinem Repertoire gestrichen zu haben. Stattdessen noch ein Pass und noch ein Pass und noch ein Pass. Auch bei den Deutschen sieht man allzuoft einen FC Bayern im Nationaldress: wo immer sich das kleinste Risiko am Horizont abzeichnet, wird lieber der Sicherheitspass gespielt, wird lieber der Angriff abgebrochen, als ein Ballverlust riskiert. Das mag, mit Glück, effektiv sein, ohne Glück führt es wohl zu einem Unentschieden der langweiligsten Sorte. Es führt auch zu Situationen, in denen das ewige Ballgeschiebe im Halbkreis mehr an Handball erinnert als an Fußball – mit dem Unterschied, dass beim Handball ein Angriff wenigstens und zum Glück für die Fans nach einer bestimmten Zeit abgeschlossen sein muss.

Die Alternative – neben dem Chelsea Modell – scheint aber am Horizont auf und kommt, man mag es kaum glauben, aus Italien. Was die Italiener gegen Spanien boten war mitreißend und auch theoretisch höchst interessant. Bei gegnerischen Angriffen weicht das Mittelfeld komplett zurück und engt die Mitte personell maximal, der “kicker” schrieb treffend “trichterförmig” ein, um dann so selbst die spanischen Spieler, die den Ball atemberaubend eng zu führen und unglaublich sicher zu passen verstehen, zum Ballverlust zu zwingen. Danach folgte, man mochte seinen Augen kaum trauen, der weite Ball. Der schnelle Ball. Der totale Angriff. Dazu braucht man natürlich einen Pirlo, der solche Pässe spielen kann, und man braucht zwei Stürmer. Stürmer wie Cassano und Balotelli, unberechenbare Stürmer, Exzentriker vor dem Herrn, mannschaftsdienliche Dribbler. Fußballer. Keine Apparatschiks. (Als Absicherung, das gestehe ich gerne ein, ist ein Spieler wie di Natale, der die alten italienischen Tugenden, ich rede von einer gewissen biederen Effektivität, intus hat, natürlich nicht schlecht.) Man braucht vor allem den Mut, der Berechenbarkeit abzuschwören, denn ein langer Ball, das kann man selbst bei einem solchen Ausnahmekönner wie Pirlo sehen, ist per se ein riskanter Ball und kommt (viel zu) oft nicht an. Der Ballverlust ist aber eine normale Begleiterscheinung dieses Spiels. Ausgerechnet die Italiener sind dabei, den theoretischen Beweis dafür zu bringen, dass der lange Ball rehabilitiert werden kann. Die spannende Frage bleibt: wird es ihnen gelingen? Zu hoffen ist es, soll der Sport nicht in endlosen Ballbesitzorgien erstarren, die mit Fußball soviel zu tun haben, wie eine Darbietung der „Harlem Globetrotters“ mit dem Basketballspiel.

20 Gedanken zu „Die Philosophie der Berechenbarkeit

  • Toller und ein unglaublich treffender Artikel. Danke Dir, Hörnla!

    Streiche Cesc Fabregas oder Jesus Navas und setze zum Beispiel Philipp Lahm. Der hatte auch einige solche Spielzüge gegen Dänemark, als er schon an zwei Mann vorbei war über einen Doppelpaß mit Poldi und dann anstatt den Abschluß zu suchen oder wenigstens offensiv in die Mitte zu geben, wieder zurück zu Schweinsteiger gepasst hat. Da bekommt man als Zuschauer die Krise.

    Ich hatte Glück und habe das Spiel ITA vs SPA angesehen und es war wirklich bisher das beste Spiel der EM überhaupt bzw. von den Spielen, die ich mir angeschaut habe. 😛
    Gestern hab ich dann ab der 60sten auch wieder abgeschaltet, auch wenn Ronaldo einige Blitzauftritte hatte, war das Spiel einfach langweilig.

    Im gesamten mehr oder weniger fußballinteressierten Freundeskreis herrscht generell eine Tendenz der Enttäuschung über den bisher gebotenen Fußball des Turniers. Nominell ist ja die EM – gerade im Vergleich zu einer WM – fast durchgehend mit starken Mannschaften besetzt und natürlich mit der Elite der gesamten Topligen Europas. Aber dieser bisher gebotene Fußball, dass sogar nach Rückständen immer noch die Defensive bevorzugt wird, ist einfach sehr unansehnlich und langweilig. Heute abend erwarte ich auch ein 0:0 bis mindestens zur 90sten Minute. Und selbst bei eigenen Rückstand werden die Griechen hinten in der Defensive stehen bleiben.

    P.S.: So einen Steilpaß Marke Pirlo flach aus etwa 20m in die Spitze habe ich von Simons mal auf Eigler gesehen. Der konnte ihn leider nicht verwerten.

  • Bei Dortmund ist ja Hummels für den Steilpass zuständig, aber Löw soll ihm den wohl ausgetrieben haben?

    Immerhin Überraschung: Das Radio meldet für heute Abend eine auf 4 Positionen geänderte Mannschaft. Klar Boateng für Bender war zu erwarten, auch Klose für Gomez ist zwar nach dessen Toren nicht gerade erwartbar, aber doch irgendwie noch verständlich. Löw mag Klose schon immer mehr als Gomez.

    Aber wenn heute wirklich Reus und Schürrle statt Podolski und Müller spielen, das wäre schon eine Überraschung. Natürlich braucht man wahrscheinlich gegen die Griechen schnelle Leute über Außen, die auch in Dribblings gehen können, aber “seine” Elf zu ändern, das macht Löw ja an und für sich ungern.

    Schürrle und Reus sprechen auch für eine veränderte Taktik, ich bin gespannt?

  • Dass ein Spiel, welches keinen allzugroßen Wert auf Ballbesitz legt, durchaus schön sein kein und gnadenlos effektiv, hat doch selbst unser Club beim 4:1 gegen Schalke (das schönste Spiel der Saison, mit Clubbrille auf selbstverständlich) gezeigt (Ballbesitzstatistik 34%:66%).

  • Die Umstellungen von Löw haben das deutsche Spiel endlich mal attraktiver gemacht. Man muß aber auch feststellen Löw kann aus dem vollen schöpfen, wie kein zweiter Trainer. Deutschland könnte momentan eigentlich nur gegen Spanien oder gegen die eigene B-Elf verlieren. Wenn man überlegt welche Spieler hinten dran stehen miit Reus, Götze, Klose oder gestern Gomez usw. endlich hat Deutschland wieder einen Fundus an richtig klasse Fußballern.

  • Mich freut es, dass Löw gestern den Mut hatte und Reus und Schürrle zum Einsatz kamen !! Klose wirkte bis aufs Tor eher unglücklich, aber der spielerische Ansatz (den man Gomez vorwirft) war erkennbar. Aber Reus war mit Abstand neben Khedira und Hummels die stärksten Akteure. Reus wird die nächsten Spiele in meinen Augen auch spielen. Bei Schürrle bin ich mir nicht ganz sicher, auch wenn ich ihn stärker als Poldi sehe. Von Schweini war ich gestern enttäuscht !! Er ist nicht in der Form wie man ihn bräuchte !!

    • Bluemerson,

      Schweini fand ich furchtbar. So viele leichte Ballverluste, Fehlpässe, uUnkonzentriertheiten…

      Ich hätte ihn als erstes ausgewechselt!

      • Optimist:
        Bluemerson,

        …So viele leichte Ballverluste, Fehlpässe, Unkonzentriertheiten…

        Nicht nur bei Schweinsteiger! Unsäglich der Fehlpass von Schürle, der den Griechen-Konter zum 1:1 einleitete! Offenbar hatten sich die deutschen Spieler durch zu viel zweckfreies Tiki-Taka selbst eingeschläfert. Es ist so, wie es Hörnla in seinem glänzenden Artikel sagt: Was nützen 90% Prozent Ballbesitz, wenn auf Zug zum Tor verzichtet wird (da legt Klose zehn Meter vor dem Tor in guter Schussposition quer!!??) oder man in aussichtsreichen Situationen den Ball verstolpert, weil es aufgrund des One-Touch-Dogmas verpönt ist, auch mal einen Ball nach alter Väter Sitte anzunehmen und konzentriert-gezielt weiterzupassen? Bezeichnenderweise fiel das 1:0 durch einen Fernschuss, das 2:1 nach klassischem Muster durch Flanke-Volley und das 3:1 – endlich mal wieder! – nach einer Freistoßflanke.

        Klar: Alles in allem hat die deutsche Mannschaft ein gutes Spiel gemacht, auch wenn es ein schlechter Witz ist, bei einer solchen Überlegenheit nach einer Stunde nicht 3:0 zu führen und stattdessen den Ausgleich zum 1:1 zu fangen. Trotz des bisherigen Siegeszuges fehlt mir etwas bei unserer Mannschaft, was mich überzeugt sein lässt: Wir kommen ins Finale. Ich fürchte das Halbfinale ist Endstation. Gegen England sehe ich zwar eine gewisse Chance und im Prinzip auch gegen Italien, aber wenn’s um was ging, hat man gegen die Italiener immer verloren. 70 in Mexiko, 82 in Spanien und 06 im eigenen Land (was daran Sommermärchen sein soll, hab’ ich nie verstanden, aber bekanntlich versteh’ ich ja so manches nicht…). Ich bin anderer Meinung als Juwe: Ich denke die Gewinnchancen wären gegen Spanien höher als gegen Italien.

        • belschanov: Ich denke die Gewinnchancen wären gegen Spanien höher als gegen Italien.

          Das sehe ich ganz genauso, ich rechne damit, dass Deutschland im Halbfinale an den Italienern scheitern wird. Die Engländer sehe ich sowohl gegen Italien, als auch im Falle eines sensationellen Aufstiegs gegen Deutschland als krasse Außenseiter an.

          Italien setzt das um, was man national von Hannover und Gladbach gewöhnt ist. Gut stehen, im letzten Drittel extrem pressen und die gewonnen Bälle zum sofortigen Gegenschlag nutzen. Wie anfällig die Deutschen diesbezüglich sind, hat das gestrige 1:1 gezeigt, das praktisch aus heiterem Himmel fiel.

          Ganz allgemein muss man feststellen: Mit so vielen individuellen Fehlern und Spielern die ihrer Form hinterher rennen (Özil – gut, der hatte gestern sein erstes gutes Spiel, Schweinsteiger, Podolski, Müller, Boateng,…) wird man nicht Europameister.

        • belschanov: Ich bin anderer Meinung als Juwe: Ich denke die Gewinnchancen wären gegen Spanien höher als gegen Italien.

          Sichere Prognosen sind im Fußball natürlich immer schwierig und ein schlechter Tag ist meist in jedem Turnier dabei, ich hoffe aber, daß wir uns diesen nicht wieder gegen Italien nehmen, sollte das dazu kommen.
          Erstaunlich ist, komme gerade vom Gardasee zurück und habe mich mit ein paar Italienern unterhalten, klar jeden Abend wurde in einem lauschigen Cafe oder Bar zusammen Fußball geguckt, dass die Italiener derzeit selbst sehr wenig von ihrer Nationalelf halten. Der Tenor war, die Qualifikation haben sie mit neuen jungen Spielern geschafft aber für die EM wurden dann wieder die üblichen Spieler nominiert, die schon über den Zenit sind, was nur mit Vetternwirtschaft und wirtschaftlichen Einfluß zu tun habe. Der Wirt meiner Lieblingsbar in Lazise versicherte mir, er hoffe die Italiener fliegen raus mit dieser Mannschaft, was durchaus bemerkenswert ist für einen Italiener. Es ist auch erstaunlich, wie gut unsere Nationalmannschaft im Ausland ankommt, ob Holländer, Italiener, Belgier alle finden toll wie Löw so unterschiedliche junge Spieler einbaut völlig frei und unabhängig, irgendwie redeten alle von der Deutschen Mannschaft in den höchsten Tönen. 🙂
          Für meinen Jahrgang der noch Derwall und Vogts Zeiten in guter Erinnerung hat, ein Gefühl an das man sich erst gewöhnen muss.

  • Es gab diesmal echt gute spielabschnitte, aber auch sehr langweiliges Ballgeschiebe um den Strafraum herum, das mir dann irgendwann die Lust am Zuschauen nimmt. Solang ich ein Spiel am Fernseher verfolg, ist das ja nicht weiter schlimm, aber im Stadion fänd ich´s tödlich.
    Schweinsteiger und Boateng sollten mMn noch ersetzt werden und Müller nicht mehr eingewechselt, dann könnte ich mich auf´s Finale freuen.

  • Die eigentliche Sensation für mich ist, das Griechenland es überhaupt bis ins Viertelfinale geschafft hat. Die EM verkommt für mich immer mehr zu einer Event-Veranstaltung. Public-Viewing aller Orten. Da ich schon immer ein gespaltenes Verhältnis zum DFB hatte, springt auch diesmal der Funke bei mir einfach nicht über. Das letzte mal wo ich mit der Nationalmannschaft mitgezittert habe, war die WM 1990 mit Franz Beckenbauer als Trainer. Danach ging es stetig bergab. Vogts, Völler, Klinsmann und jetzt der unsägliche Löw. Dieser Trainer meint nun den Fußball neu erfunden zu haben. Daher freue ich schon riesig auf den Bundesliga-Start und auf unseren Club.

  • Endlich mal vernünftige Stimmen zum gestrigen Match! Das Strafraumgeschiebe war unerträglich und Elfer-Versager Schweinsteiger war Fehlpasschampion! Hoffe auf England und im Finale die Franzmänner, nur dann schaffen wir es! Und Loew muss endlich einen Titel holen, denn Vize-Trainer haben wir genug inDeutschland!

  • 2007 hatten wir den VfB in der BL schon zweimal geschlagen, bevor wir arg ersatzgeschwächt gegen den frischgebackenen deutschen Meister im Pokalfinale antraten. Warum konnten die in dem Jahr gegen uns einfach nicht gewinnen?

    Wir haben jetzt schon zweimal gegen die Spanier eins auf die Fresse gekriegt und allein die psychische Barriere zu überwinden, dürfte ziemlich schwierig werden.

    Nö, nö, das passt schon so. Besser jetzt gegen die Spaghettis (an die Engländer glaub ich eh nicht) und darauf hoffen, daß die Portugiesen vielleicht was machen.

  • @ Clubberer
    @ Optimist

    Ha-Grrüzie, ich platz mal eiskalt dazwischen,
    aus dem Süd-Badischen.

    Die Sache mit dem Club, dem SCF, der EM,
    mit Jogis 12. Mann also,
    das ziehen wir durch, noch 2 Siege !

    Ich schaff grad sowas :

    http://jogis-12-mann.blogspot.de/

    (von sur-real zu video-banal im Sinne der
    Philosophie der Unberechenbarkeit Bombers)

    lg

    Bomber

  • Hörnla, danke für Deinen exzellenten Beitrag und die vielen Gedanken, die darin stecken!

    Der Witz all dessen liegt in der Antwort auf die Frage nach der eigentlichen Faszination des Fußballs:
    Ein Fußballspiel besitzt im Schnitt eine Fehlerquote von über 80%. Deshalb auch diese Erlösung, wenn ein Tor fällt, wenn ein Pass (über mehr als 10 Meter) endlich mal exakt in den Lauf gespielt wird etc.
    Fußball ist die großflächige, alle Schichten und (viele) Kulturen umfassende Projektion des grandiosen Scheiterns, verbunden mit dem Betrachten der unermüdlichen Versuche, ebendieses Scheitern innerhalb von 90 Minuten so oft wie möglich zu überwinden. Eine Zuspitzung des Lebens, dargeboten von 22 Stellvertretern, die bei uns Fans für knapp zwei Stunden damit maximale Emotionen auslösen können.

    Jener Fußball, der die Idee verfolgt, die technischen und taktischen Fähigkeiten derart zu perfektionieren, um damit dem Gegner schlichtweg das Spielgerät vorzuenthalten, ist streng genommen Verrat.
    Das Spielziel, das noch immer das Erzielen von Toren ist, ändert sich zwar weiterhin nicht, doch es zeigt sich, dass das Verhältnis von Ballbesitz zu Torerfolg inzwischen immer grotesker wird, da die ständige Perfektionierung dieses Spielstils zu einer langweiligen selbstreferenziellen Orgie ausarten kann, bei der das Erzielen eines Tores scheinbar zu einem logischen Nebeneffekt der technischen Überlegenheit wird, ansonsten aber nicht in dem Maße vorangetrieben wird, wie es das Fußballspielen eigentlich verlangt. Jedenfalls was den etwas archaischen Dampf im Kessel betrifft, der die meisten Zuschauer so sehr in den Bann dieses wunderbaren Sport zieht.

    Je mehr Perfektion, desto weniger Faszination am Spiel, da die Zufälligkeit, und damit auch der ständige Kampf gegen das Scheitern, immer mehr verdrängt wird. Auch die begeisternden Geistesblitze eines Iniesta oder Xavi können kaum noch für diese scheinbare Vervollkommnung des Fußballspiels entschädigen, solange auch deren ausgeprägte Spielintelligenz und -technik letztlich doch weitestgehend für den eigenen Ballbesitz und damit praktischerweise für die Zermürbung des Gegners eingesetzt wird (O-Ton Scholl: “…bis man als gegnerischer Spieler auch irgendwann einfach keinen Bock mehr hat.”)

    Jede taktische Interpretation des Fußballspielens ist legitim, solange sie regelkonform bleibt. Das gilt natürlich besonders für die nahezu körperlose, technisch so anspruchsvolle spanische Schule. Doch es ist interessant zu beobachten, wie vielen langjährigen Fußballfans in meiner Umgebung das ständige Zungeschnalzen beim wiederholten Betrachten jenes als Höchstkultur gepriesenen Ballbesitzfußballs den Mund dann doch so langsam austrocknet.

    Ich bin sehr gespannt, ob sich die beiden Vertreter (Spanien und Deutschland) dieser Philosophie in den Halbfinals durchsetzen werden – wobei die deutsche Mannschaft jenem Ausmaß an Perfektion, mit der die Spanier ihr Tiki-Taka betreiben, zwar etwas näher gekommen ist, es aber vielleicht nie erreichen wird. Zum Glück?

    Es könnte genauso gut sein, dass sich in den Semifinals zwei “alte” Mannschaften durchsetzen und das Finale dann Portugal gegen Italien heißt. Für die Zukunft des Fußballs und seiner Fans wäre das auf längere Sicht vielleicht nicht die allerschlechteste Nachricht.

    Aber genug der Theorie: Auch ich würde mich natürlich nach dem ersten Sieg einer deutschen Nationalmannschaft gegen Italien bei einem großen Turnier freuen. Vielleicht wird dieser Sieg nach einem richtigen Fight durch ein Stochertor von Gomez oder Badstuber erzielt. Egal, denn auch das ist Fußball?.

  • Gestern im Spiel England-Italien hat sich gezeigt, daß auch trotz übermäßigem Ballbesitz einer Mannschaft ein Spiel spannend sein kann, weil bei beiden die Chance bestand, das entscheidende Tor zu erzielen und damit weiterzukommen.
    Allerdings ist es halt in den Ligaspielen so, daß man eh von einem Saisonerfolg des technisch besseren Teams ausgehen kann, weil in der Regel eben ein Sieg oder eine Niederlage nicht so weitreichende Konsequenzen haben wie in einem in einem K.O.-Spiel.
    Auch wenn die technisch fast an Perfektion grenzende Mannschaft einige Niederlagen oder Unentschieden hinnehmen muß, so kann sie in Ligaspielen eben trotzdem um die Schale mitspielen.
    Andererseits ist das Problem halt, daß die schwächeren Mannschaften auch reagiert haben auf die technische Überlegenheit einiger Spieler und das Spiel mitmachen, indem sie sich vor dem Strafraum versammeln und auf den Glückskonter hoffen oder eben wie die Engländer gestern auf´s Elfmeterschießen.
    Insofern ist daraus in der Liga eine Dreiklassengesellschaft entstanden: die die um die internationalen Plätze mitspielen und die, für die es um den Abstieg geht. Und dazwischen ist die graue Mittelschicht. Letztlich ein Spiegelbild unserer Gesellschaft momentan.

    Mir persönlich gefällt es besser, wenn ich bei einer Mannschaft Kampfeswillen sehen kann als wenn ich 100 Kurzpass-Pässe sehen muß, die immer ankommen und den Gegner vorführen, aber eben kaum einen Torschuß. Vielleicht kommt irgendwann die Regel, daß nach ein paar Minuten ein Torschuß zwingend vorgeschrieben wird. Das würde das Spiel dann vielleicht wieder beleben.

  • Der Pirlo ist wirklich einfach nur Supercool: Einen Elfmeter in dieser Situation so zu schiessen ist ja echt der Hammer! 😀

    • Woschdsubbn: Der Pirlo ist wirklich einfach nur Supercool: Einen Elfmeter in dieser Situation so zu schiessen ist ja echt der Hammer!

      meiner Meinung nach nicht nur supercool, sondern superclever. Für mich der Schlüssel zum Erfolg der Italiener, die ja gerade zurück lagen. Aber der Pirlo hat die Engländer so gedemütigt und verunsichert, dass sie die nächsten 2 Elfer versemmelt haben. Großartige psychologische Meisterleistung, finde ich!

  • Wegen seinen Zucker-Pässen und den Tacklings von Terry war es eins der ganz wenigen Spiele, bei dem ich nicht dauernd auf die Uhr geschaut habe. Endlich mal Fußball!

  • Optimist, oha. Richtig, das stimmt. Nach dem Pirloschen Schuß, trafen die beiden Engländer nicht mehr.

    Wenn man Deine Gedanken so noch mit in Betracht zieht, dann war dieser Elfer ein regelrechtes Meisterwerk der Fußballkunst auf Höhe des Jahrhunderttores von Maradona. Beide Male waren die Engländer das Opfer. 😀

    P.S.: Gerade wieder ein typisch schlechtes Beispiel von Pressearbeit: Bader meint “Marcos Antonio war vorerst unser letzter Transfer” irgendsoeine komische Fußballwebseite macht daraus “Nürnberg beendet seine Transferaktivitäten”! 🙁
    Nein, eben nicht!!

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