Eigentlich

Das gestrige Auswärtsspiel des 1. FC Nürnberg in Hamburg war der 31. Bundesliga-Gastauftritt des Clubs beim HSV. Die Spielstätte des Bundesliga-Dinos von der Elbe, die einmal „Volksparkstadion“ hieß, ehe man sie, weil ja nichts über klangvolle Namen geht, zur „Imtech-Arena“ umtaufte, erwies sich für den neunmaligen deutschen Meister und vierfachen Pokalsieger von der Pegnitz in der Regel als ein Pflaster, auf dem es nichts zu holen gab außer ein paar wunde Knie. In 30 Anläufen hatte der Club nur viermal beim HSV gewinnen können, das letzte Mal vor zwanzig Jahren (klick). Von daher ist der gestrige 1:0-Sieg des Clubs bei den Elbstädtern etwas Besonderes.

Eigentlich.

Eigentlich, weil es für eine Bundesligamannschaft eine Pflichaufgabe (eigentlich…) ist, gegen diesen HSV zu gewinnen. Denn dieser HSV ist nur noch ein Schatten erfolgreicher Zeiten.

Nein…

…ich will den Sieg des FCN zum Auftakt der 50. Bundesligasaison nicht kleinreden. Ein Auswärtssieg zum Saisonauftakt ist ein Start nach Maß. Besser kann man nicht in eine Saison starten. Daran gibt es nichts zu deuteln – genauso wenig wie es etwas daran zu deuteln gibt, dass sich unsere Mannschaft in einigen Bereichen deutlich steigern muss, wenn sie diese 50. Bundesligasaison ähnlich erfolgreich absolvieren will wie die beiden letzten.

Unsere Mannschaft hat das Spiel gewonnen, weil sie in einer über weite Strecken niveauarmen Partie einen Tick besser war als der Gegner, der sein Publikum in allen Belangen enttäuschte. Und weil sie das Glück hatte, dass die Hamburger zweimal am Pfosten scheiterten. Einmal, als Schäfer – der abgesehen von einem Fehlpass in der Anfangsphase, den der Gegner nicht verwerten konnte, eine tadellose Vorstellung bot – einen unhaltbar scheinenden Kopfballaufsetzer mit einer prächtigen Parade an die Torstange lenkte, und dann, als in der Nachspielzeit eine Kopfballbogenlampe eines Hamburgers auf der Latte des Club-Gehäuses landete, nachdem Chandler nicht im Bilde war. Dieser Sieg, der angesichts der mangelnden Klasse des Gegners und angesichts der bevorstehenden schweren Aufgaben im Heimspiel gegen Dortmund und auswärts in Mönchengladbach ein Pflichtsieg war, hing bis zum Schlusspfiff am seidenen Faden. Durch einfache Ballverluste, z.T. schon in der Spieleröffnung infolge von Fehlpässen der defensiv ordentlich arbeitenden Innenverteidiger Nilsson und Klose, brachte sich unsere Mannschaft…

Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg

vom 25. 8. 2012

SCHÄFER

CHANDLER    NILSSON     KLOSE     PINOLA

BALITSCH        SIMONS

FRANTZ           KIYOTAKE           ESSWEIN

POLTER

Spielbeginn:

15.30 Uhr

 …immer wieder in unnötige Verlegenheiten und versäumte es auch, aus aussichtsreichen Angriffsituationen Kapital zu schlagen. Besonders in der Schlussphase, als die Hamburger Deckung entblößt war, wurden beste Kontermöglichkeiten fahrlässig verspielt. Da muss unbedingt mehr Passsicherheit rein!

Und dann – das alte Li(e)e(i)d: Chancenverwertung! Dass Balitsch im Anschluss an eine Ecke den Ball nicht im leeren Tor unterbrachte, ist noch verzeihlich, denn er konnte nicht damit rechnen, dass er von der im HSV-Strafraum wie in einem Flipper hin- und herprallenden Kugel am Kopf getroffen wird. Dass aber Frantz, der seine Aufstellung ebensowenig rechtfertigen konnte wie der anstelle von Pekhart aufgebotene Neuzugang Polter, aus Nahdistanz versagte, nachdem er von dem bei seinem Bundesligadebüt vollauf überzeugenden Kiyotake mit einem Pass bedient worden war, der so brillant war wie tödlich, lässt sich auch damit nicht entschuldigen, dass Frantz einen Spurt über mehr als das halbe Feld hinter sich hatte. Das hätte das 1:0 für den 1. FC Nürnberg sein müssen (eigentlich…). Genauso wie der eingewechselte Mak kurz vor dem Abpfiff das erlösende 2:0 hätte machen müssen (eigentlich…), als er nach beherztem Solo das Leder aus glänzender Schussposition über den Kasten setzte.

„Haubdsach gwunna“,

sagte Alfred (klick) am samstagabendlichen Tresen und ich lohnte ihm diese Worte mangels eines auf dem Tresen stehenden Phrasenschweins mit einer Blend 29.

„Hindn issa guud gschdandn, da Glubb, masdns zumindesd…“

„Antonio wird wohl fürs Erste mit langem Gesicht auf der Bank sitzen“, sagte der Wirt über den Tresen. „Fürs Erste wird der nicht an Klose und Nilsson vorbeikommen. Die beiden waren nicht nicht nur in der Abwehr stark, sondern bei Standards auch vorne. Schade, dass Nilssons Kopfball nach der Ecke an die Latte ging. Ich hätte ihm das Tor gegönnt. Nach allem, was der in der letzten Zeit durchgemacht hat, hätte ich ihm das Tor gegönnt. Aber Balitsch hat den Ball dann ja doch noch über die Linie gedrückt. Zum Glück war Balitsch richtig gestanden.“

„Balitsch war gut heute“, sagte ich, „unermüdlicher Rackerer. Je länger der beim Club spielt, desto mehr wird klar, wie wichtig er für die Mannschaft ist.“

„Und da Kibba woor schdorg, soo schdorg hobbi den Schääfa scho lang nimma gsääng, dess hommsa na Schääfa zu vadangng, dass da HaEssVau ka Door gschossn hodd, na Schääfa hommsas zu vadangng, wenn der nedd soo häld, häddnsa dess Schbill nedd gwunna…“

„Und der Japaner war stark“, warf Hannes (klick) ein, „toller Einstand“.

„Ja“, sagte ich, „Kiyotake war stark. Leichtfüßig, glänzende Anspiele, Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. Hoffentlich verletzt sich der nicht. Nicht auszudenken, wenn sich der verletzt.“

„Obba geecha Dordmund mussasi schdaichan da Glubb. Doo mussa scho mehr bringa, wall sundsd hodda ka Schongs geecha Dordmund. Obwohl, soo guud woorn di geecha Breemen aa nedd (klick), brilljond woor dess nedd, woss die doo gezaichd homm, brilljond woor dess aa nedd…“

„Gegen Dortmund gibt’s ein Unentschieden“, sagte Hannes, „mindestens ein Unentschieden. Und dann gibt’s mindestens ein Unentschieden in Gladbach. Ihr werdet’s sehen. Nach dem dritten Spieltag hat der Club mindestens fünf Punkte. Ganz so, wie ich’s gesagt habe (klick).“

„Gegen Dortmund hat der Club schon lange nicht mehr gewonnen“, sagte der Wirt. „Ich hab‘ mal nachgeschaut. Die letzten sechs Punktspiele gegen Dortmund hat der Club alle verloren (klick).“

„Dann wird’s mal wieder Zeit für einen Sieg“, sagte Hannes.

„Aichndlich scho“, sagte Alfred.

„Eigentlich schon“, sagte ich. „Eigentlich schon.“

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

15 Gedanken zu „Eigentlich

  • Ganz genau, (eigentlich) wirds mal wieder Zeit mit einem Sieg gegen den BVB!! So schlecht sind die Voraussetzungen dafür gar nicht..warum sollen nicht WIR so ne Serie, wie sie der BVB noch hat, nicht mal unterbrechen können??!!Je länger so eine Serie hält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit…denn Rest kennen ja alle. Ich bin gespannt!

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  • Pingback:Wenn Zentimeter fehlen… BL 2012/2013 Spieltag 1 | NedsBlog

  • „Dass aber Frantz, der seine Aufstellung ebensowenig rechtfertigen konnte wie der anstelle von Pekhart aufgebotene Neuzugang Polter, aus Nahdistanz versagte“

    Gemach gemach – da war immer noch ein glänzender Adler vor ihm gelle!! (Es zeugt – wie üblich – von der Geringschätzung der Arbeit eines Torwarts, dass ein Spieler, der den Ball nicht am Torhüter vorbei bringt, als „Versager“ tituliert wird. Man sollte vielleicht auch mal würdigen, dass sich das 1:1-Spiel der meisten Torhüter hohen Niveaus in den letzten Jahren a) verändert und b) in nicht gekanntem und so auch nicht erwartbaren Ausmaß verbessert hat. Das fällt vor allem im Vergleich zur Historie bzw. auch zu semiprofessionellen Klassen wie der Regionalliga auf)

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  • An sich und generell würd ich Dir da uneingeschränkt zustimmen, im speziellen Fall fand ich aber, dass Frantz das tatsächlich schlecht gemacht hat. Er versucht den Ball „durch Adler durch“ zu schießen statt links oder rechts an ihm vorbei, dazu noch flach. Da würd ich schon eher auf „Torwart angeschossen“ als auf „gute Reaktion“ plädieren. Insgesamt waren beide Keeper am Samstag aber absolut überragend, keine Frage.

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    • Florian:
      An sich und generell würd ich Dir da uneingeschränkt zustimmen, im speziellen Fall fand ich aber, dass Frantz das tatsächlich schlecht gemacht hat. Er versucht den Ball “durch Adler durch” zu schießen statt links oder rechts an ihm vorbei, dazu noch flach. Da würd ich schon eher auf “Torwart angeschossen” als auf“gute Reaktion” plädieren. Insgesamt waren beide Keeper am Samstag aber absolut überragend, keine Frage.

      Na bei Wiese hätte die Frantzsche Variante wahrscheinlich ohne Probleme funktioniert: einfach flach unter dem quer anfliegenden Muckiberg durch. 😉

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    • Florian: Insgesamt waren beide Keeper am Samstag aber absolut überragend, keine Frage.

      kicker vergibt an Adler wie an Schäfer die Note 1,5. Das ist schon mal eine Erwähnung wert, Gratulation an beide!!!!
      (Wobei: warum eigentlich keine glatte 1? Bei Schäfer kann man den (dann nur potentiell gefährlichen) Fehlpass zu Anfang bemäkeln, gut (wieviel Fehlpässe leistet sich eigentlich ein durchschnittlicher Feldspieler pro Spiel?), aber was bei Adlers Leistung zur glatten eins fehlte, das wissen wohl nur die Weisen des Fußballfachmagazins)

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      • Hörnla:
        … aber was bei Adlers Leistung zur glatten eins fehlte, das wissen wohl nur die Weisen des Fußballfachmagazins)

        Ganz einfach: Er hat ein Tor kassiert. 😉
        Stimmt, Adam Hlousek hatte ich vergesen.

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  • Und mit dem „Japaner“ haben wir endlich einen, der Ecken schießen kann! Wann war der Club eigentlich das letzte mal bei Ecken gefährlich?

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    • Wann war der Club eigentlich das letzte mal bei Ecken gefährlich?

      Mit Ekici. Davor indes herrschte Ewigkeiten eine Flaute.

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      • Rot Schwarze Füße:
        Wann war der Club eigentlich das letzte mal bei Ecken gefährlich?

        Mit Ekici. Davor indes herrschte Ewigkeiten eine Flaute.

        Der Marvin Plattenhardt tritt auch gute Ecken (war letzte Saison ein paar mal zu sehen), er spielt nur nicht so oft.

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        • Claus: Der Marvin Plattenhardt tritt auch gute Ecken (war letzte Saison ein paar mal zu sehen), er spielt nur nicht so oft.

          Stimmt. Auch von Adam Hlousek habe ich schon sehr gefährliche Standards und Ecken gesehen…

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  • gestern abend by sky90 der totalen fussballdebatte. nicht nur daß wir mit enem sieg in die saison gestartet sind, sondern da verhaspelt sich der unsägliche lothar m. und bring tatsächlich die „bauern“ von den lippen, korrigiert sich aber gleich auf „bayern“, gehört hats ein jeder. und gottsteidank fränkelt er nicht mehr, nur so ein verwaschenes süddeutsch. der club wird meister!
    grüße aki

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