Bin ich auswärts?

„Na, wie war’s?“, fragte der Wirt über den samstagabendlichen Tresen, „ihr wart doch heute live dabei“, und ich sagte: „Scheiß-Stadion-Erlebnis.“

„Was Scheiß?“, sagte der Wirt.

„Lauter Dortmund-Fans um mich rum“, sagte ich, „alles schwarz-gelb, schon auf der Autobahn lauter Autos mit wehenden Dortmund-Schals, Kennzeichen HO, BT, KU, KC. Beim blöden eins eins Wahnsinnsjubel um mich rum, Abklatschen, Schulterklopfen, jetzt geht’s los, jetzt zeigen wir’s ihnen. Auf Block 18, Heiner-Stuhlfauth-Block! Ich hab‘ mich gefragt: Bin ich auswärts?“

„War bei mir auf Block 30 genauso“, sagte Hannes (klick), „unheimlich viele Dortmund-Fans. Aber nicht etwa aus dem Ruhrgebiet. Die haben fränkisch gesprochen.“

„Würde gern mal wissen, ob auch so viele Ruhrpott-Slang sprechende Club-Fans auf der Tribüne sitzen, wenn der Club in Dortmund spielt.“

„Dazu“, sagte der Wirt, „müsste der Club erst mal wieder deutscher Meister werden“, und Alfred (klick) sagte: „Aamool wärd doo nedd raing. Doo missada scho a boor Mool daidscha Maasda wärn. A Schbidsnmonnschofd missada doo saa. A Monnschofd, woo aa indanodsionool miedschbilld. Obba selbsd dann waasi nedd, obb die Laid aus Dordmund zum Glubb iebalaafn deedn. Iech glaabs fai eha nedd.“

„War auf alle Fälle ein gutes Spiel vom Club“, sagte Hannes.

„Hätte besser sein können“, sagte ich. „Diese Dortmunder waren zu schlagen. Dieses Heimspiel hätte man durchaus gewinnen können. Eigentlich hätte man es gewinnen müssen.“

„Dess aans aans därf nedd falln“, sagte Alfred, „wenn dess aans nedd fälld, hädda a guude Schongs auf drai Bungde ghabd, da Glubb. Wall, soo schdorg woorn di Dordmunda nedd.“

„Ja“, sagte der Wirt, „ich hab’s im Fernsehen gesehen. Beim eins eins haben sich Schäfer und ein Verteidiger…“

„Klose“, sagte ich.

„…gegenseitig behindert. Da hat die Abstimmung nicht gepasst.“

„Endweeda da Kibba blaibd im Door und da Vadaidicha gehd zumm Boll, odda da Kibba kummd raus und da Vadaidicha blaibd wegg. Obba wenn da Kibba kummd, mussa LEEO schraaia (klick). LEEO schraaia mussa doo.“

„Beim eins eins sah die ganze Abwehr nicht gut aus“, sagte ich, „da hat nicht nur der Torwart eine unglückliche Figur abgegeben. Insgesamt stand die Abwehr aber ganz gut. Allerdings ist Pinola ein paar Mal ziemlich düpiert worden.“

„Man muss natürlich bedenken, gegen welche Spieler unsere Mannschaft heute spielte“, sagte Hannes, „Hummels, Kehl, Gündogan, Reus, Blasczikowski, Lewandowski, später Götze. Ist doch klar, dass man da in einigen Situationen nicht so gut aussieht. Unsere Mannschaft hat gegen diesen Gegner ein sehr gutes Spiel gemacht. Und zum Teil hat sie den BVB regelrecht schwindlig gespielt. Tolle Anspiele von Kiyotake! Tolle Sololäufe von Mak!“

„Ja“, sagte ich, „tolle Dribblings von Mak, einmal schön vom rechten Flügel aus drei Dortmunder ecksteinmäßig (klick) stehen gelassen. Aber dann schwacher Abschluss. Wieder zu hoch angesetzt. Genau wie in Hamburg. Mak müsste jetzt schon zwei Tore auf dem Konto haben.“

„Mak war stark“, sagte Hannes, „besonders in der zweiten Halbzeit. Schade, dass sein Schuss aus spitzem Winkel nur an den Pfosten ging.“

„Iss hald ka Emmarich…“

„Gegen Gladbach trifft er“, sagte Hannes.

„Da Emmarich, hodd soo an Boll ins Door gedsimmad. Segsasechdsich bai da WeEm in Englond, hodda soo ann Boll ins Door gedsimmad (klick).“

„Da war heute mehr drin“, sagte ich, „dieses Spiel hätte man gewinnen können.“

„Viertes belschanovsches Gesetz (klick, klick): Dieses Spiel hätte man gewinnen können“, sagte der Wirt.

„Da wären heute zwei Punkte mehr drin gewesen. Diese Dortmunder waren zu schlagen. Und wenn eine Mannschaft zu schlagen ist, muss man sie schlagen. Besonders in einem Heimspiel.“

„Trink dein Bier und sei ruhig“, sagte Hannes.

„Und a Zigareddn kennasdma geem“, sagte Alfred, „hossd aane fir miech?“, und ich gab Alfred eine Blend 29 und aus den Boxen klang die Stimme von Mick Jagger (klick):

YOU CAN’T ALWAYS GET, WHAT YOU WANT

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick, klick, klick.]

16 Gedanken zu „Bin ich auswärts?

  • Bei Euch da oben gibt es soviele BVB-Fans? Ich dachte immer, die Nicht-Clubfans wären dann eher den Bayern zugetan?
    Es kann natürlich auch sein, dass man einer Bayern-Antipathie dadurch Ausdruck verleiht, indem man auf der Seite des größten Konkurrenten steht, und das ist derzeit leider nicht der Club.
    Oder man ist ganz einfach ein ganz gewöhnlicher Erfolgsfan (Fundamentalopportunismus).
    Das, was Du beschreibst, hat man früher eigentlich nur erlebt, wenn die Bayern im Frankenstadion zu Gast waren, und das hat sich wesentlich gebessert.

  • Naja, ich denke die aktuelle Dortmunder Mannschaft ist ein wenig das was in den 1970ern Gladbach war. Ein positiver Gegenentwurf zur Münchner Großkopfigkeit und ein Beweis, dass Geld allein nicht alles ist, dass eine Mannschaft mit talentierten Spielern und einer großen Portion Mannschaftsgeist den Geldmaschinen widerstehen kann. Gerade in einer Zeil mit Mannschaften wie Hoffenheim, Leverkusen und vor allem auch Wolfsburg, da wird ein Verein wie Dortmund einfach auch ein wenig zum Hoffnungsträger der eher traditionellen Fußballfans.

    Dazu kommt natürlich noch, dass so junge Spieler auch die Jugend eher ansprechen, von da zum Vereinsfan ist es nicht weit.

    Hätte es in den 80ern damals nicht die Spielerrevolution und danach die junge Mannschaft unter Höher beim Club gegeben, vielleicht wäre ich dann auch kein Clubfan geworden?

    • Armin:
      Hätte es in den 80ern damals nicht die Spielerrevolution und danach die junge Mannschaft unter Höher beim Club gegeben, vielleicht wäre ich dann auch kein Clubfan geworden?

      Was dann?

  • Jaja, die „hätte“-Phase.
    Da hätten schon drei Punkte rausspringen können. Wir hätten die Dortmunder jedoch auch später kriegen können, wenn sie vermutlich wieder besser in Fahrt sein werden.
    Und die Hamburger haben wir so gesehen auch genau zum richtigen Zeitpunkt gekriegt(Da hätte zum Schluß wiederum auch nur ein Punkt rausspringen können).

    …but if you try sometime you find – you get what you need!

  • Kleine Klugscheißerei am Rande: in Dortmund spricht man naturgemäß Westfälisch (ehem. Westfalen-Stadion) – Rheinisch dagegen am Rhein (ehem. Rheinstadion). Das ist, hm, etwa so, wie wenn man einem Schwandorfer sagen tät, er spreche aber ein schönes Schwäbisch. Und die Clubberer dort, die im Gästeblock „ruhrpotten“, sind natürlich meistens solidarische Schalker, also das Gegenteil von Dortmundern. Sonst aber wieder prima Text incl. Grundskepsis. Bassd!

  • Was dann?

    Claus, wenn ich das wüßte ;-)? Bayernfan wohl eher nicht, da bin ich schon vorher häufiger mit meinem Vater im Olympiastadion gewesen, so in der Endphase von Gerd Müller und weder die Stimmung, noch der Fußball konnten mich damals begeistern. Ich erinnere mich aber dunkel an kalte Abende im Olympiastadion, muss also wohl eher Europacup gewesen sein, bin aber nicht mehr sicher?

    Als ich als Torwart in der C und B -Jugend gespielt hatte fand ich Norbert Nigbur toll und hatte deshalb eine kleine Affinität zu Schalke 04. Aber auch Rudi Kargus war ein Vorbild als Torwart und damit auch ein wenig der FCN.

    Tja und dann kam 1984, die Spielerrevolution und obwohl ja Kargus auch davon betroffen war wurde der FCN damit für mich richtig interessant. Da war ein Verein, der sich nicht von den Spielern auf der Nase herumtanzen ließ, da waren junge Spieler mit großer Leidenschaft spielten und ein Trainer der den jungen Spielern vertraute. Dazu ein Kumpel der auch Club-Fan war mit dem ich dann häufiger nach Nürnberg ins Stadion fuhr …

    • Armin,

      da fällt einem natürlich wieder das Nick-Hornby-Zitat ein: Nicht Du suchst Dir Deinen Verein aus, sondern der Verein sucht Dich aus. (freie Interpretation)

  • Das mit den allgegenwärtigen Borussioa-Fans aus Franken ist mir auch aufgefallen – allerdings zum Teil auch wirklich unangengehm. Als ich ca 14 Uhr am Hbf. ankam gaben „oberfränkische Do-Fans“, dort lautstark Nordtirol-Songs zum Besten – reine Provokation, schon klar, aber muss es wirklich so dumm sein?
    Mir scheint da einiges an sogenannten „Erfogls-Fans“ dabei zu sein, und ob solche Art von Zuneigung dauerhaft bleibt, ist doch eher fraglich.

    Wundern darf man sich einmal mehr über die journalistische Nachbetrachtung. Fast überall wird von der Schwäche des Meisters, fast nirgends über die tolle Leistung unserer beiden Sechser Simmons und Balitsch geschrieben, die nicht Reus aus dem Spiel genommen haben und durch die Mitte absolut nichts zugelassen haben. Kein Wunder, dass Klopp da sauer wurde…

    Letzlich wohl ein insgesamt verdientes Remis, auch wenn für uns natürlich wieder mal mehr drin gewssen wäre… aber das kommt schon noch wenn Mak und Esswein noch besser auf Kiotake eingestellte sind. Bei dem muss ich nach den live-Eindrücken meine im Winter geäußerte Skepsis ad acta legen: am Kio werden wir noch viel Freude haben -und hoffentlich auch ziemlich lange…

  • Klar, es wäre mit etwas Glück mehr drin gewesen, aber genausogut, meiner Meinung nach sogar eher, hätte es auch mal wieder auf eine knappe, unglückliche Niederlage rauslaufen können, wie wir sie alle gut kennen (O-Ton Nürnberg hat gut mitgehalten, nie aufgesteckt, Moral bewiesen blabla, aber schlussendlich ein knapper aber verdienter Arbeitssieg des BVB)… Große Chancen waren auf BVB-Seite schließlich genauso zahlreich wie bei uns.

    Und vielleicht wäre ein Sieg dann auch schon wieder zu viel des Guten gewesen. Die Leistung gibt Selbstvertrauen, man hat gesehen, dass man auch mit dem Meister mithalten kann, das gibt vor allem auch im Umfeld etwas Ruhe. Sorgt hoffentlich aber gleichzeitig auch dafür, dass sich gar nicht erst Zufriedenheit und Schlendrian einschleichen, sondern man in Gladbach genau da weiter macht, wo man aufgehört. Denn das muss klar sein, da und auch in allen anderen Spielen wird man nur eine Chance haben, wenn man genauso konzentriert und engagiert zu Werke geht wie am Samstag.

    Daher bin ich echt zufrieden. Kein Grund zum Abheben, aber auch nicht so demotivierend wie letztes Jahr, wo man gegen Dortmund ebenfalls sehr stark gespielt, aber dann trotzdem verloren hat…

  • Mir war das auch alles zu gelb-schwarz. Genauso, wie es mir bei Schalke Gastspielen immer zu blau-weiß ist. Da kommt allerdings diese nervende Fanfreundschaft hinzu, die mir jedesmal sauer aufstößt.
    Auch dass es immer wieder Opportunisten aus Franken gibt, welche devot erfolgreichen Teams ihre Ehrerbietung erbringen, wird sich schwerlich vermeiden lassen. In punkto Fankultur und bedingungsloser Vereinsliebe, machen uns die Westfalen aber noch einiges vor. Alleine die fantasievollen Fangesänge machen mich schon etwas neidisch. Da gibt es für unsere Jungs schon noch Nachholbedarf… Und immer dieses fränkische Gefrotzel (siehe Raffa…). Schrecklich. Es wäre schon schön, wenn wir bedingungsloser und fanatischer hinter unserem Glubb stünden und dies in entsprechende Stadionstimmung transportieren würden. Man stelle sich nur vor, unser Glubb hätte nicht so eine überzeugende Vorstellung gegeben! Da wäre sofort Gemaule aufgekommen und wir hätten nur noch Dortmunder Gesänge gehört. Man denke nur an das Match im Februar.
    Gut gefallen hat mir übrigens „Ich hab ein schwarz-gelbes Gummiboot, mit diesem Gummiboot, fahr ich die Schalker tot…“ Würde eine Umtextung in schwarz-rot und Fü… gut vertragen. Witziger sind die Schwarz-gelben allemal, keine Frage. Bei uns ist in dieser Beziehung noch viel Luft nach oben.

  • Danke für den tollen Artikel, belschanov. „Miesepeter“ ist übrigens IMMER augenzwinkernd-liebevoll gemeint! Ich bin ein ruhiger friedlicher Mensch.

    Was anderes: Hat der Olympia-Verlag einen großen Zwang, weil er in Nürnberg beheimatet ist, immer genau völlig andere Spieler in die Top-Elf des Spieltags aufzunehmen?!

    Das ärgert mich langsam wirklich sehr.

    Und Illy hat ja nicht einmal ein Tor geschossen. Pekki war doch völlig entscheidend für den Spielausgang durch sein Tor und seine Manndeckerleistung gegen Hummels. Was ist denn mit Simons, der doch den „Spieler des Jahres“ komplett aus dem Spiel nahm? Oder war das eben die „Rache“ dafür?

    Früher habe ich ja ab und zu mal Sonderhefte gekauft. Das mach ich jetzt halt nicht mehr. Da stimm ich eben mit dem Geldbeutel und dem Mauszeiger ab: Ihr könnt mir gestohlen bleiben. Echt wahr.

  • fcnzimbo,

    Echt, die Fanfreundschaft nervt Dich? Also mir macht die großen Spaß und ich pflege sie gerne, auch die Frotzeleien mit schwatzgelben Freunden empfinde ich als großes Vergnügen! Allerdings gebe ich dir unbedingt Recht, dass der gesangliche Erfindungsreichtum beim BVB vorbildlich ist. Da schmiert der Club ja schon bei der neuen Torhymne in bedenkliche Untiefen des Geschmacks ab…

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