Irgendjemand kocht Kaffee

„Worumm haudn der Bleedl den Boll nedd raus?“, sagte Alfred (klick) am samstagabendlichen Tresen. „Der muss doch an Knall hoom. In da aichna Hälfdn vo drei Geechnan umringd rummzudriggsn. Sundsd gurgngsa doch aa die Bäll blind nooch vorna. Lässdsi der Bleedl auf a Driggsarai mit drei Schalgan ai! Wenna des nedd gmachd hädd, wäär a Unendschiedn firn Glubb drinna gweesn. Obba wennimi soo bleed ooschdell, brauchimi nedd wunnan, dassi kaane Bungde mach.“

„War ein Kopie des 0:2 in Hannover“ (klick), sagte ich, „da hat Klose auch den Ball vertändelt und dann ging’s ratzfatz und der Ball war drin. So ein Umkehrspiel würde ich gerne mal vom Club sehen“, und Hannes (klick) sagte: „Nach vorne ging heute aber viel mehr als gegen Augsburg. Auch der eine oder andere Konter. Wenn Pinola kurz vor der Pause das 1:0 macht…“

„Wenn da Hund nedd gschissn hädd!“, sagte Alfred.

„Ja, endlich mal ein guter Konter“, sagte ich, „Gebhart hat Pinola schön freigespielt und Pinola den Gegenspieler schön aussteigen lassen. Aber wenn dann der Ball in die Wolken geht…“

„Pinola ist halt kein Rechtsfuß“, sagte Hannes.

„A guuda Schbiela is baidfießig“, sagte Alfred.

„…kann man sich dafür nix kaufen. Zumindest aufs Tor hätte er den Ball schon bringen können. War sowieso mal wieder nicht der Tag von Pinola. Farfan hat ihn einige Male alt aussehen lassen. Vielleicht ganz gut, dass er gegen Wolfsburg wegen der fünften gelben Karte nicht spielen darf und Plattenhardt seine Chance bekommt.“

„Trotzdem“, sagte Hannes, „macht der Auftritt Mut. Die Mannschaft hat sich wieder Chancen herausgespielt.“

„Ansätze von Chancen“, sagte ich, „eine klare Torchance habe ich nicht gesehen, außer der Szene mit Pinola kurz vor der Halbzeit. Es gab ein paar gute Schussmöglichkeiten aus der Distanz. Die aber amatuerhaft versimpelt wurden. Gebhart hoch drüber…“

„I e w a den Wolgng“, sang Alfred.

„…und Cohen mit einem jämmerlichen Rohrkrepierer.“

„Muss die Fraihaid w o h l grendsn l o o s  s a a…“

„Warum hat Hecking eigentlich Feulner und nicht Esswein für Frantz gebracht?“, fragte Hannes. „Esswein ist doch wesentlich torgefährlicher.“

„…alle Ängsde, alle Sorgng…“

„Weil Feulner disziplinierter nach hinten arbeitet“, sagte ich, „war schon richtig…“

„…blaim darunda vaborgng.“

„…auswärts gegen einen offensivstarken Gegner einen Mann mit Außenverteidigerqualitäten zu bringen. Dass Esswein torgefährlich ist, halte ich übrigens für ein Gerücht.“

Ich nahm einen Schluck aus dem Glas und lehnte mich über den Tresen und sagte zum Wirt: „Spiel doch mal Reinhard Mey: Über den Wolken.“

„Dass Esswein torgefährlich ist, hat er letzte Saison gezeigt“, sagte Hannes. „Klar, dass so ein junger Spieler noch nicht konstant ist. Da muss man halt ein bisschen Geduld haben.“

„Bei Eckstein (klick) musste man keine Geduld haben. Der hat ohne Anlaufzeit in der Bundesliga Tore geschossen. Entweder einer kann’s oder er kann’s eben nicht.“

„Du immer mit deinem Eckstein. Der hat auch schlechte Spiele gemacht. Und Chancen vergurkt hat er auch.“

„Der konnte aber ein Spiel im Alleingang entscheiden. Das ist ja das Dilemma. Der Club hat momentan keinen Spieler im Angriff, der auch mal über eine Einzelaktion ein Tor macht. Einen, der…“

WIND NORDOST, STARTBAHN NULL-DREI…

„…unberechenbar ist. Kiyotake vielleicht. Aber der hängt mittlerweile auch ziemlich durch.“

„Bei Esswein platzt der Knoten schon noch. Glaub’s mir, an dem werden wir noch viel Freude haben.“

„Wer’s glaubt, wird selig“, sagte ich und…

…ALLE ÄNGSTE, ALLE SORGEN…

…nahm das Glas und sagte: „Auf Dieter Eckstein!“, und nahm einen Schluck und…

…BIS DIE LICHTER NACH UND NACH

GANZ IM REGENGRAU VERSCHWIMMEN…

…Hannes hob das Weizenbierglas und sagte: „Auf Alexander Esswein!“

…DANN IST ALLES STILL, ICH GEH‘,

REGEN DURCHDRINGT MEINE JACKE,

IRGENDJEMAND KOCHT KAFFEE

IN DER LUFTAUFSICHTSBARACKE…

„Wenn der Esswein zum Eckstein wird, wird der Saulus zum Paulus“, sagte der Wirt über den Tresen und Alfred sagte: „Konndsdma an Kaffee ausgeem, Michael, an glann?“, und ich sagte: „Meinetwegen“, und der Wirt ging zur Kaffeemaschine…

…UND DANN WÜRDE, WAS HIER GROSS UND WICHTIG ERSCHEINT…

…und Alfred sagte: „Odda gibma an grooßn.“

…PLÖTZLICH NICHTIG UND KLEIN.

„Und a Zigareddn kenndsdma geem, Michael. Hossd aane fir miech?“

KLICK.

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick, klick.]

11 Gedanken zu „Irgendjemand kocht Kaffee

  • Ach, der Eckes… Seufz… Und der Kies haut (fast) die Bauern nauf…

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  • Ha! Jetzt ist der Spieltag fast erträglich ?! Der Club hilft den Schalker Freunden beim Frontal-Angriff auf die Münchner Dominanz!

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  • Hab gerade die Zusammenfassung vom Sonntagsspiel Hannover : Gladbach gesehen.
    So was hab ich von meinen Clubberern in den letzten Jahren nicht gesehen.
    2:0 bis zur 70. Minute zurückgelegen und dann innerhalb von 9 Minuten !!!! das Spiel noch mit 3 Toren gedreht. Phantastisch welche Moral Gladbach hat.
    Klar, da gehört auch etwas Glück dazu, aber Glück hat eben der Tüchtige.
    Bin mal gespannt, wann das Glück wieder mal auf unserer Seite ist.
    Wenn DH aber nichts ändert, (z.B. Pinola rausnimmt) sehe ich schwarz liebe Leidensgenossen.
    Hoffe nur, dass gegen Wolfsburg (ohne Pinola) gewonnen wird, sonst straft man mich Lügen.
    Und trotzdem glaube ich an meinen Verein. „Es ist eine Ehre…“

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  • Der Unterschied, warum man Bayer heute bejubelt und den Club kritisiert, ist am Ende ein guter Konter (den Lahm aber hätte klären müssen) und ein Kopfball von Sam in Richtung Eckfahne, wo allerdings Boateng im Weg stand und der Ball ins Tor geht. Fußball ist eben doch Ergebnissport…

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    • Alexander | Clubfans United: Der Unterschied, warum man Bayer heute bejubelt und den Club kritisiert, ist am Ende ein guter Konter (den Lahm aber hätte klären müssen) und ein Kopfball von Sam in Richtung Eckfahne, wo allerdings Boateng im Weg stand und der Ball ins Tor geht. Fußball ist eben doch Ergebnissport

      Das frustrierende ist eben, daß unsere Innenverteidiger regelmäßig die Gegner einladen. Das tut mir auch leid für den Rest der Mannschaft, da können sie ackern, wie sie wollen, wenn dann hinten immer wieder Geschenke verteilt werden. Das bricht einer Mannschaft auch mental irgendwie das Rückrat. Ich kann es verstehen, wenn der ein oder andere Spieler, dann den Kopf auch hängen läßt. So begann die Krise ja auch nach dem 3. Spieltag. Die halbe Fußballwelt hat das prophezeit vor der Saison, nur Hecking wollte es nicht glauben. Einer seiner Kardinalfehler diese Saison in meinen Augen eine unnötige Fehlplanung.

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  • Immerhin: im März 2011 hat der Club mal aus einem 0-1 ein 2-1 gemacht. In Wolfsburg!

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  • So, jetzt haben wir nochmal einen Gegner mit englischer Woche: Vielleicht wirds jetzt endlich wieder besser, wenn VWBurg ein anstrengendes Pokalspiel gegen die diese Saison ja wirklich guten Bornheimer am Mittwoch hat.

    Ein klarer Sieg und alles ist gut. 🙂

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  • Genau! Warum soll es nur an der US-Ostküste einen „Frankenstorm“ geben?! Sorry, ist angesichts dessen was dort los ist ein wenig arg geschmacklos, aber bot sich halt grad so schön an…

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  • Die haben doch beim Club vor ein paar jahren mal so ein psychologisches Aufmerksamkeits-Reaktionserhöhungsprogramm ins Training eingebaut. Vielleicht hat man zu früh gemeint, die Spieler hätten schon alles davon profitiert. Denn sowas scheint ihnen immer noch sehr fremd zu sein. Siehe Kloses Hirnverstopfung in der 77. Minute. Pinola … haut einfach wild drauf statt mal eine saubere Flanke zu spielen. Gut, dem Chandler sind auch schon bessere Flanken gelungen als in letzter Zeit. Aber von Pinola erwartet das offenbar niemand – warum nicht? Auch Cohen versemmelt den Ball und schießt auf bloßen Verdacht irgendwohin in Richtung Torauslinie. Das hat doch ein Blinder mit dem Krückstock gesehen, dass von den Bällen, die er abzog, keine Gefahr ausging, weil einfach schlecht geschossen. Das spür ich doch, ob ich in der richtigen haltung, im richtigen Abstand zum Ball bin, dass er auch dorthin fliegt, wo er hin soll. Stattdessen solche Mogel- und Selbstbetrugsschüsse! Mit dem unprofessionellen Hintergedanken: vielleicht treff ich ihn doch zufällig besser als es sich anfühlt und vielleicht kommt noch ein Windstoß dazu, der ihn dann doch ins Gamberla lenkt. Meine Güte .. soviel Übersicht müssen Profis auch haben, wenn sie sich auf den Abstieg einstellen, dass sie einen Weg suchen den Ball für einen anderen Mitspieler produktiv zu machen. Wenn sie das nicht können, sind sie fehl am Platz. Alibischüsse, Gefährlichkeit mit unplatzierter als-ob-„Wucht“ aus Verlegenheit: lieber aus der Rücklage Schussentschlossenheit vortäuschen als den Ball zu behaupten und dann nochmal abzuspielen. Solche Schüsse, wie sie Pinola und Cohen sich leisten, spielen dem Gegner in die Karten – mei Leute, ich hab die Nase voll! Da wird wieder Frantz aufgestellt, um kurz danach ausgewechselt zu werden. Ist Polter verletzt? Mich hat gewundert, dass er nicht kam. Der einzige, der im Augsburgspiel plötzlich etwas Druck im lauen Sturm erzeugt hatte. Die sollten sich nochmal intensiv die ersten 20 Minuten des Spiels gegen Gladbach ansehen und sich fragen, was sie da gemacht haben und in welcher mentalen Verfassung sie sich dabei gefühlt haben. Mentale Erinnerung, positive Konzentration…

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